Anhydritestrich oder Zementestrich? Preise, Trockenzeiten & Co

Anhydritestrich oder Zementestrich

Der Estrich ist eine ca. fünf Zentimeter starke Ausgleichsschicht, die direkt oder indirekt auf den Rohfußboden aufgetragen wird. Als Baustoff stehen dem Anwender Gips oder Zement zur Verfügung. Beide Estricharten haben ihre Vor- und Nachteile. Lesen Sie in diesem Text alles, was Sie über die einzelnen Estrichsorten wissen müssen.

Was muss ein Estrich leisten?

Die Hauptaufgabe von einem Estrich besteht darin, einen unebenen Fußboden auszugleichen. Deshalb ist jeder Estrich eine sehr feinkörnige Rohmasse, die aber zu einer festen Fläche aushärtet. Estrich ist gut zu bearbeiten. Er lässt sich mit einfachen Werkzeugen einbauen und gelingt fast immer.

Wenn es wirklich nur darum geht, einen rauen und buckligen Betonfußboden schön glatt zu bekommen, reicht ein einfacher Zement-Sand-Mörtel. Dies ist beispielsweise als Untergrund in einer Garage ideal. Der Boden ist schön glatt und kann beliebig sauber gehalten oder weiter beschichtet werden. Diese direkt auf den Rohbeton aufgebrachte Bauweise eines Estrichs ist für Wohnhäuser jedoch ungeeignet.

Schallschutz durch schwimmenden Estrich

In Wohn- und vor allem in Mehrfamilienhäusern hat sich eine besondere Form des Estrichs durchgesetzt. Diese Estrichart unterscheidet sich nicht im Material, sondern im Aufbau zu den einfachen Garagen-Estrichen: Der so genannte schwimmende Estrich wird nicht direkt auf den Beton aufgetragen. Zwischen der Estrich-Schicht und dem Betonfußboden wird eine dünne Isolationsschicht eingebaut. Meistens besteht diese Schicht aus Styropor oder Styrodur. Es stehen jedoch auch alternative Materialien auf Faserbasis zur Verfügung.

Tipp: Verarbeiten Sie in Ihrem Haus so wenig Polystyrol wie möglich oder verzichten sie ganz darauf. Die Kosten für die Entsorgung sind in den letzten Monaten geradezu explodiert. Sie verhindern damit einen massiven Wertverlust an Ihrem Haus, wenn Sie auf die Verwendung von Polystyrol verzichten.

Die Isolationsschicht zwischen Estrich und Betonfußboden bewirkt, dass der Trittschall damit unterbrochen wird. Ohne Trittschalldämmung überträgt sich jedes Geräusch auf dem Fußboden durch das ganze Haus. Das kann, vor allem von darunter wohnenden Mietern, als extrem störend empfunden werden. Schwimmender Estrich gehört heute einfach zum Standard. Er ist sehr einfach umzusetzen. Zwar verlangt seine Verarbeitung viel Sorgfalt. Der Estrich darf den Boden oder die Wände an keinem Punkt direkt berühren. Mit etwas Sachverstand und Gewissenhaftigkeit eingebaut, ist der schwimmende Estrich aber kaum teurer, als eine einfache Ausgleichsschicht.

Warme Füße durch die Fußbodenheizung

Eine Fußbodenheizung ist ein wundervolles Komfort-Feature, welche das Wohlfühl-Klima in einem Haus deutlich steigert. Die Systeme sind heute recht preiswert und einfach einzubauen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang nur zu wissen, dass sich sowohl Anhydritestrich als auch Zementestrich für den Einbau auf eine Fußbodenheizung eignen. In beiden Fällen muss die Estrich-Rohmasse jedoch extrem dünn angerührt werden, damit sie die Schläuche auch wirklich vollständig umschließt. Fließfähiger Estrich bedeutet immer einen hohen Wassergehalt. Und genau da fangen die gravierenden Unterschiede zwischen Anhydritestrich und Zementestrich an.

Anhydrit und Zementestrich im Vergleich

Hart im Nehmen: Zementestrich

Zementestrich ist im Grunde nichts anderes als ein feines Gemisch aus Zement und Sand. Häufig wird zum Anmischen von Zementestrich der besonders feine Quarzsand verwendet. Unbedingt nötig ist das allerdings nicht. Bereits mit normalem Bausand bekommt man meistens ausreichend brauchbare Estriche hin. Man kann sich den Estrich mit dem Gemisch 1:4 (Ein Teil Zement, vier Teile Sand) selbst anmischen. Der große Vorteil von Zementestrich ist deshalb auch, dass man die Estrich-Rohmasse in jeder beliebigen Konsistenz vorfertigen kann.

Betonestrich

 

Der Nachteil von Zement-Estrich ist, dass er eine sehr lange Zeit zum Abbinden braucht. Das ist umso gravierender, wenn er als Deckung für eine Fußbodenheizung gebraucht wird. Hierbei ist es sehr wichtig, das „Trocknen“ vom „Abbinden“ zu unterscheiden: Getrocknet ist ein Zement-Estrich recht schnell. Jedoch geht der chemische Reaktionsprozess im Innern der Masse noch weiter: Die Betonkörner platzen beim Kontakt mit Wasser auf und bilden lange, gekräuselte Fäden. Diese Fäden verhaken sich ineinander. So entsteht die enormen Festigkeit aller Produkte mit Mörtel: Putz, Mörtel, Beton und eben Estrich mit Zement sind die härtesten und widerstandsfähigsten Vertreter ihrer jeweiligen Zunft.

Zementestrich

Es war auch wegen der langen Trocknungsprozesse noch vor wenigen Jahren üblich, Zementestrich nur erdfeucht anzumischen und mit viel Handarbeit in einem Raum einzubringen, abzuziehen, abzureiben und zu glätten. Im Zuge der gestiegenen Kosten für Handwerker wird dieses Verfahren jedoch kaum noch angewendet. Heute ist der flüssige Fließestrich Standard. Bei Anhydritestrich ist das auch kein Problem. Flüssiger Zement-Estrich braucht jedoch besonders lange, um sicher belegbar zu sein. Erst nach 28 Tagen ist der Estrich so weit abgebunden, dass er mit Bodenbelägen versehen werden kann. Bis dahin darf er nicht zugedeckt werden, damit er ungehindert „atmen“ kann. Wird er zu früh abgedeckt, wird er unter dem Belag einen Schimmel fördern.

Die Härte des Zementestrichs ist zwar für hochfeste Beläge sehr hilfreich. Jedoch hat sie auch einen Nachteil: Der Estrich neigt zum Reißen. Darum ist bei größeren Flächen das Einarbeiten von einem Armierungs-Gewebe sinnvoll. Ein dünnes Geflecht aus verzinktem Draht ist dazu bereits ausreichend, um die entstehenden Spannungen im Estrich sicher abzuführen.

Ein besonderer Vorteil von Zementestrich ist jedoch seine Unempfindlichkeit gegen Wasser. Er ist so stabil gegen eindringende Feuchtigkeit, dass er auch im Außenbereich verwendet werden kann. Als Ausgleichsschicht in Garagen, Carports oder als Fliesengrund für Terrassen ist er daher optimal geeignet.

Warm und elastisch – Anhydritestrich

Hinter dem sperrigen Wort „Anhydrit“ verbirgt sich nichts anderes als einfacher Gips. Wie beim Putz ist das Anhydrit vor allem wegen seiner einfachen Verarbeitbarkeit so sehr beliebt. Das zeichnet auch den Anhydritestrich aus: Er ist extrem einfach einzubauen. Anhydritestrich kann nur als Flüssigestrich angerührt werden. Dann wird er einfach ausgeschüttet und etwas verteilt. Den Rest erledigt die Estrich-Rohmasse von selbst: Er gleicht sich selbst aus und dringt auch in die kleinsten Ritzen ein.

Besonders beim professionellen Hausbau ist der Anhydritestrich deshalb besonders beliebt: Er ist schnell eingebaut und binnen weniger Tage vollständig getrocknet. Das vierwöchige Warten entfällt deshalb bei dieser Estrichsorte. Die Trocknung kann durch Fußbodenheizungen auch problemlos beschleunigt werden. Der Anhydritestrich reißt bei weitem nicht so leicht, wie der Zementestrich.

Fließestrich
Fließestrich

Ein Riesenproblem beim Anhydritestrich ist jedoch seine Feuchteempfindlichkeit. Er saugt eindringende Nässe auf wie ein Schwamm. Wird diese Feuchtigkeit nicht schnell genug wieder abgeführt, beginnt der Estrich zu faulen und sich aufzulösen. Die Druckfestigkeit ist bei nassen Anhydritestrich sofort stark herab gesetzt. Für das Bad ist er daher nicht geeignet. Ebenso ist er im Außenbereich schlichtweg nicht anwendbar.

Anhydritestrich

Anhydritestrich und Zementestrich mischen?

Man könnte nun auf die Idee kommen, Zement- und Gipsestrich miteinander zu vermischen, um die Vorteile von beiden Baustoffen zu erlangen. Man wird jedoch nur genau das Gegenteil erreichen: Gips wirkt auf Zement als Erstarrungsverzögerer. Wird einem Zementgemisch nur eine geringe Menge Gips zugesetzt, härtet die Masse niemals aus. Man hat nur Abfall produziert.

Preise

Kosten für Zement- oder Anhydritestrich

Ein Sack Fließestrich auf Anhydrit Basis kostet im 40 Kilogramm Sack ca. 9 Euro. Das reicht für ca. 2 Quadratmeter Fließestrich von einem Zentimeter Dicke. Höhere Aufbauten brauchen entsprechen mehr Material.

Ein Sack Zementestrich kostet annähernd das Gleiche und ist ebenso ergiebig. 20 Kilogramm Estrich reicht für einen Quadratmeter bei einem Zentimeter Dicke. Für Fußbodenheizungen muss mit ca. 3-4 Zentimetern Dicke gerechnet werden.

Selbst machen oder machen lassen?

Der Einbau von Estrich ist nicht allzu schwer, jedoch sehr schmutzig. Der Estrich wird in einer Wanne angerührt oder über eine Pumpe von einem Silo in die Räume gepumpt.
Beim Verarbeiten von Estrich muss jedoch auf den Augenschutz geachtet werden. Besonders Zement ist für das Augenlicht sehr gefährlich. Bei Kontakt in die Augen muss sofort gründlich gespült und ein Arzt aufgesucht werden. Mit dem Tragen einer Schutzbrille wird diese Gefahr weitestgehend vermieden.

Weiterführende Links

Hier erfahren Sie noch mehr über Estrich, wie Sie ihn genau verlegen, schleifen und welche Sorten es gibt:



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