Estrich verlegen

Der Estrich ist eine Schicht aus feinem Mörtel, welche den Rohbau-Fußboden mit der Deckschicht verbindet. Die primäre Aufgabe des Estrichs ist es, eine ebene und glatte Fläche zu schaffen. Das ist notwendig, um einen Bodenbelag herstellen zu können, der frei von Wellen und Gefälle ist. Dies sind die Voraussetzungen für das stolperfreie Begehen und ebenmäßige Abtrocknen eines feucht gewischten Bodenbelags. Außerdem wird mit einem ebenen Boden bei Laminat und Parkett ein Knarzen beim Begehen vermieden.

Weitere Aufgaben von Estrich

  • Druckfester Oberbau
    • Ein Estrich muss druckfest sein, um schwere Gegenstände aufnehmen zu können.
  • Elastische Abfederung
    • Die elastische Abfederung ist notwendig, damit der Estrich bei Schlägen oder schwingenden Belastungen nicht sofort Schaden nimmt.
  • Schallschutz
    • Der Estrich ist eine Schicht aus einem dichten Baustoff. Er nimmt Luftschall auf und schirmt so, zusätzlich mit der Betonschicht der Zwischendecke, die einzelnen Stockwerke voneinander ab. Trittschall lässt er allerdings ungehindert durch, weswegen der schwimmende Estrich entwickelt wurde
  • Wärmeschutz und Feuchtigkeitssperre
    • Ein isolierter Estrich verhindert das Durchsickern von auslaufenden Flüssigkeiten von einer Etage zur nächsten. Mit Trittschalldämmung versehen, kann der Estrich auch wärmedämmend wirken.
  • Aufnahme einer Fußbodenheizung
    • Eine rohr- oder schlauchbasierte Fußbodenheizung wird heute standardmäßig in Estrich verlegt.

Estricharten und ihre Einbauweise

Es gibt fünf Arten von Estrich, die nach ihrem Einbau unterschieden werden.

Verbundestrich
Der Verbundestrich ist eine einfache Deckschicht, die auf den bestehenden Rohbaufußboden aufgetragen wird. Er dient nur zum Spachteln und Glätten der Oberfläche. Verbundestrich wirkt nicht isolierend gegen Wärme oder Schall. Seine Einbauhöhe beträgt wenige Millimeter bis 5 Zentimeter.

Verbundestrich
Verbundestrich

Estrich auf Trennschicht
Ein Estrich auf Trennschicht hat zwischen dem Rohbaufußboden und dem Estrichmörtel eine Sperrschicht aus Kunststofffolie. Diese dient dazu, eindringende Flüssigkeiten aufzuhalten. Estrich auf Trennschicht wird häufig in Garagen, Werkstätten oder Öllagern verwendet, um auslaufendes Öl, Lack oder Benzin am Einsickern zu hindern.

Fertigteil Estrich
Fertigteil Estrich besteht aus vorgefertigten Platten, die trocken auf den Untergrund gelegt werden. Für einen Fertigteil Estrich ist der vorangehende Einbau eines Verbundestriches sinnvoll, damit die Platten auf einem ebenen Untergrund aufliegen.

Schwimmender Estrich
Der schwimmende Estrich wird in ein Bett aus Trittschalldämmung eingebaut. Er ist technisch von der Rohbaudecke und der Innenwand des Raumes getrennt. Dadurch wird die Trittschallbrücke unterbrochen und der Wohnwert des Hauses steigt erheblich. Schwimmender Estrich hat zudem wärmedämmende Eigenschaften.

Heizestrich
Heizestrich ist ein hoch aufbauender schwimmender Estrich, der für die Aufnahme einer Fußbodenheizung geeignet ist.

Heizestrich
Fußbodenheizung für Heizestrich vorbereitet

Einbau von Estrich: Verfahren und Arbeitsschritte

Für den Einbau von Estrich in Heimarbeit eignen sich nur Zement- und Calciumcarbonat basierende Estriche. Trockenbauestrichplatten werden einfach verlegt und verschraubt. Alle anderen Estriche wie Gussasphalt-, Kunstharz und Magnesiaestriche dürfen nur von Fachfirmen eingebaut werden!

Wichtig! Zement- und Calciumcarbonatestriche NIEMALS miteinander vermischen! Es sind zwei völlig unterschiedliche Werkstoffe, die sich bei Kontakt negativ beeinflussen! Mit Gips (Calciumcarbonat) verunreinigter Zement härtet niemals aus!

Schütten und Abziehen

Das Schütten ist das klassische Verfahren für den Einbau von Estrich. Es hat den Vorteil, dass es sehr kontrolliert durchgeführt werden kann und dass es nur eine kurze Trocknungszeit hat. Schütten und Abziehen eignet sich nur für Zementestrich. Es können alle Einbauarten mit der Schütt- und Abziehtechnik durchgeführt werden.

Benötigte Werkzeuge:

  • 1 x 3 Meter Aluminiumschiene (ca. 30 Euro)
  • 1 x 2 Meter Wasserwaage (ca. 45 Euro)
  • 1 x persönliche Schutzausrüstung, bestehend aus Knieschonern, Handschuhen und Schutzbrille (ca. 30 Euro)
  • 1 x Flachschaufel (ca. 15 Euro)
  • 1 x Maurerkelle, Reibebrett und Glättspan (jeweils 10-15 Euro)
  • 1 x Mörtelwanne (ca. 15 Euro)
  • 1 x Wassereimer (ca. 1 Euro)
  • 1 x Bleistift und Zollstock (ca. 5 Euro)

Betonestrich verlegenBenötigte Materialien:

  • Zementestrich (2.50 Euro pro Sack)
  • Wasser
  • Folie (0,5 Millimeter stark, ca. 20 Euro pro 100 m² Rolle)
  • Schaumstoffrolle als Fugenband (1 Millimeter stark, ca. 8 Euro für 20 Meter Rolle)

Tipp: Für das Schütt- und Abziehverfahren keinesfalls Schnellzement verwenden! Dieser bindet für dieses relativ langsame Verfahren viel zu schnell ab!

Vorsichtsmaßnahmen

Zementbasierter Estrich ist stark alkalisch. Bei Hautkontakt treten Reizungen und Rötungen auf, die bis zu einem schmerzhaften Brennen führen können. Bei Augenkontakt sofort kräftig ausspülen und Notarzt verständigen! Es droht Erblindung!

Wichtig: Aus diesem Grund immer beim Arbeiten mit Estrich eine Schutzbrille tragen!

Vorbereiten

Der Raum muss gründlich gereinigt sein. Der Einbau einer Trennschicht ist heute Standard. Darum wird zunächst eine Folie im Raum ausgebreitet. Rings herum wird das Fugenband an der Wand befestigt. Mit der Aluminiumschiene und der aufgelegten Wasserwaage werden der höchste und der tiefste Punkt des Raumes ermittelt. Im Wohnungsbau gilt eine Mindestdicke von 5 cm. Der höchste Punkt des Rohbaufußbodens wird auf die Fensterseite der Innenwand übertragen und von dort die gewünschte Höhe des Estrichs hinzugefügt. Nun wird der Abstand von der Endmarkierung zur Zimmerdecke gemessen, sofern eine gerade, ebenmäßige Zimmerdecke vorliegt. Andernfalls muss man sich mit Hilfe der Wasserwaage eine Nivellierlinie ziehen, an der man sich orientieren kann. Das ermittelte Abstandmaß zur Zimmerdecke wird jetzt an beliebig vielen Stellen an der Außenwand übertragen.Estrich anmischen

Estrich anmischen

Der Estrich wird in der Wanne angerührt. Dabei wird nur so wenig Wasser verwendet, dass der Estrich erdfeucht wird. Zerfällt ein zusammen gedrückter Ball aus Estrich nicht mehr, ist die Erdfeuchte erreicht. Immer nur einen Sack nach dem anderen anmischen und einbauen! Niemals zu viel Estrich auf einmal anrühren!

Abziehbahnen einbauen

Es werden zwei Bahnen aus erdfeuchtem Estrich von der Tür zum Fenster eingebaut. Diese Bahnen haben eine Breite von ca. 20-30 cm. Sie müssen absolut ebenmäßig und glatt sein. Die Höhe muss permanent mit Hilfe der Orientierungspunkte kontrolliert werden.

Zwischenräume füllen

Sind beide Abziehbahnen eingebaut, werden die Zwischenräume aufgefüllt. Der Estrich wird erdfeucht eingebaut und mit der Schaufel festgeklopft. Jeder Einbau sollte eine Breite von 30 cm nicht überschreiten. Es kann ein Feld nach dem anderen gefüllt werden, das gleichzeitige Verfüllen über die gesamte Zimmerbreite ist nicht notwendig oder sinnvoll.

Estrich abziehen
Estrich abziehen

Der festgeklopfte Estrich muss einige Millimeter über die Abziehbahnen hinaus ragen. Dann kann er mit der Aluminiumschiene abgezogen werden. Abgezogenes Material sofort mit der Maurerkelle aufnehmen und wieder verfüllen.

Der Estrich kann nun einige Minuten anziehen. Sobald ein erstes Aushärten festgestellt wird (ca. 5-10 Minuten) wird der Estrich abgerieben. Dazu mit dem Reibebrett kreisförmig und leicht über den abgezogenen Estrich schleifen. Nicht zu viel Druck ausüben, sonst hat man wieder Löcher im Estrich. Durch das Reiben steigt das Anmachwasser in den Kapillaren des Estrichs auf und bildet mit der Zementschlämme eine geschlossene und glatte Oberfläche.

Nach dem Abreiben werden die aufgestiegenen Zementschlämme mit dem Glättspan abgeglättet. So arbeitet man sich rückwärts Stück für Stück zur Tür. Nach der Arbeit den Raum abschließen oder mit Absperrband gegen Zutritt sichern. Der Estrich ist bereits am nächsten Tag begehbar.

Estrich auftragen
Estrich glätten

Mit Zuschlagsstoffen können die Eigenschaften des Zementestrichs beeinflusst werden. Es gibt Farbstoffe, Stoffe zur Steigerung der Elastizität, Stoffe für die Wasserdichtigkeit und vieles mehr.

Estrich gießen

Das Gießen von Estrich ist ein effizientes Verfahren für große Räume oder hohe Schichtdicken. Es ist bei Heimwerkern sehr beliebt. Die Hersteller versprechen einen einfachen Einbau durch die selbst nivellierenden Eigenschaften des Fließestrichs. Dies stimmt nur bedingt, zumal der Estrich mit sehr viel Wasser angemacht werden muss, um wirklich ebenmäßig überall hin zu fließen.

Beim Fließestrich werden üblicherweise eine Pumpe und ein Silo verwendet. Damit wird die ganze Etage auf einmal mit Estrich versorgt. Der Umgang mit Fertigestrich und Pumpe sollte aber Fachfirmen überlassen werden.

Der Heimwerker sollte nur kleinere Projekte mit Fließestrich bearbeiten. Das Material ist zwar einfach in der Verarbeitung, jedoch muss man sehr schnell vorgehen und darf sich keine Fehler erlauben.

Dazu wird benötigt:

  • Wasserwaage und Zollstock
  • Mörtelwanne
  • Bohrmaschine mit Quirl (ca. 150 Euro)
  • alter Besen
  • möglichst breiter Glättspan

Den Raum wie oben beschrieben vorbereiten.

Der Fließestrich mit reichlich Wasser in der Mörtelwanne anrühren. Dazu gibt man zuerst einen Eimer Wasser in die Mörtelwanne und schüttet nach und nach unter Rühren den Fließestrich hinzu. Das Wasser sollte reichlich, der Quirl hingegen nur sparsam eingesetzt werden. Je mehr man den Fließestrich anrührt, desto schneller wird er steif. Das gilt besonders für Calciumcarbonat-Estrich.

Der flüssige Estrich wird beginnend vom Fenster ausgeschüttet. Dazu kann man einen Eimer verwenden oder die ganze Wanne ausschütten. Wichtig ist, dass der Estrich sofort gleichmäßig verteilt wird. Der alte Besen ist dafür geeignet. Der Estrich wird sackweise angerührt (40 kg pro Sack plus Wasser!). Entstehende Berge und Kuhlen sofort ausgleichen.

Selbstnevillierender Estrich
Nivellierender Fließstrich

Stellt man am nächsten Morgen ein unregelmäßiges Ergebnis fest, kann noch durch Schleifen und Auffüllen nachgebessert werden. Möglicherweise ist das Einbringen einer weiteren 3 bis 4 mm starke Ausgleichsschicht sinnvoll. Dies kann nach dem gleichen Verfahren und mit dem gleichen Material durchgeführt werden. Solange der Estrich reift, geht er mit einer weiteren Schicht eine feste Verbindung ein.

Für Fließestrich eignen sich Zement- und Calciumcarbonat Estriche. Zementestriche, welche im Fließverfahren eingebaut wurden, neigen zum Schwinden. Es kann deshalb sein, dass die fertig ausgehärtete Estrichschicht nochmals nachbehandelt werden muss. Reicht ein Schleifen des Estrich dazu nicht aus, muss nachgespachtelt oder eine Ausgleichsschicht eingebaut werden. Im Schütt- und Abziehverfahren fällt der Schwund des Zementestrichs deutlich geringer aus.

Tipp: Calciumcarbonat-Estriche schwinden nicht und sind etwas fließfähiger als Zementestriche.

Trocknungszeiten einhalten
Bevor der Estrich mit einem Bodenbelag versiegelt werden kann, muss er vollständig durchgetrocknet sein. Dies kann, je nach Dicke der Estrichschicht und Art des Einbaus, mehrere Wochen dauern.

Estrich für Dämmschichten und Fußbodenheizungen

Trittschalldämmung
Trittschalldämmung

Beide Verfahren sind für den Einbau auf Trittschalldämmungen und für Fußbodenheizungen geeignet. Beim Einbau von Estrich auf Trittschalldämmung ist darauf zu achten, dass die Estrichschicht an keinem Punkt mit der Rohbaudecke oder der Innenwand in Kontakt kommt. Die Wirkung der gesamten Trittschalldämmung ist zunichte gemacht, wenn eine Schallbrücke übersehen wurde. Darum stets zwischen Trittschalldämmung und Estrich eine Lage aus Folie als Trennschicht einbauen.

Die Kosten für die Trittschalldämmung richten sich nach der Dicke. Trittschalldämmung hat definierte Materialeigenschaften. Vor allem die Druckfestigkeit und die Elastizität unterliegen strengen Normen. Angesichts der niedrigen Preise für diese Isolierplatten ist die Suche nach einer schlechten Ersatzlösung aber nicht sinnvoll.

Tipps für Schnellleser

  • immer auf Augenschutz achten
  • keine Angst vor der Schütt- und Abziehtechnik haben. Es ist einfacher als es aussieht.
  • Respekt vor dem Fließestrich. Es ist nicht so einfach, wie es aussieht und kann zu unschönen Ergebnissen mit viel Nacharbeit führen.
  • mit Zuschlagsstoffen die Eigenschaften von Zementestrich verbessern.
  • keinen Hartschaum für Trittschalldämmung einsetzen.
  • bei schwimmenden Estrich peinlich genau auf die Vermeidung von Schallbrücken achten.

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