Beim Schnitt des Kirschbaumes kommt es natürlich darauf an, ob es sich um eine Süß- oder Sauerkirsche handelt. Außerdem ist die Baumform entscheidend. Wie bei anderen Obstgehölzen auch, wird der Wuchs außerdem vom Erziehungsschnitt geprägt. Man scheidet, um Fruchtholz zu erzeugen. Mit den Jahren kann ein Verjüngungsschnitt notwendig werden. Klar zu erkennen ist also, nicht jeder Kirschbaum wird gleich geschnitten.

Süßkirschen prägen ein Gartenbild durch ihre markante Gestalt, ihre üppigen Kronen, auch wenn diese eher locker aufgebaut sind. Wichtig ist, dass viel Licht in die Baumkrone gelangt und dass alle Kirschen ausreichend Sonne abbekommen, um ihre aromatischen Früchte auszureifen. Der idealste Schnitt eines Kirschbaumes bringt aber nichts, wenn der Baum keine gute Grundlage hat. Der Standort und noch wichtiger, das Pflanzsubstrat muss passen. In jungen Jahren sollte dazu regelmäßig geschnitten werden, bis das Gerüst aufgebaut ist. Später muss nur noch wenig daran getan werden.

Der richtige Schnittzeitpunkt

Viele Obstgehölze werden im Winter geschnitten. Bei der Süßkirsche ist das der falsche Zeitpunkt. Der Erziehungsschnitt wird im Frühjahr durchgeführt. Er dauert etwa 6 bis 8 Jahre. Muss die Kirsche danach verjüngt werden, tut man dies im Sommer.

Schnitt, um Fruchtholz zu bilden

Die Süßkirsche blüht an zweijährigen Trieben, diese müssen also gefördert werden. Einjährige Langtriebe bleiben ohne Blüten, lediglich solche unter 10 cm Länge zeigen an der Basis Blütenknospen. Das Besondere an der Süßkirsche ist, das ihr Fruchtholz so langlebig ist. Selbst kurze Triebe blühen zuverlässig über Jahre. Das macht die Gehölze zu den einzigen Obstbäumen, bei denen mehrere Jahre alte Triebe entstehen, die kaum noch wachsen, aber weiterhin zuverlässig Blütenknospen bilden. Der Fachmann bezeichnet diese Triebe als Buketttriebe. Wichtig ist, nachdem der Aufbauschnitt durch ist, den Erhaltungsschnitt nur sparsam auszuführen.

Pflanzschnitt

500x500-kirschbaum-stammBeim Kauf des Süßkirschbaumes ist darauf zu achten, dass der Baum einen geraden Stamm und fünf bis sechs einjährige Triebe besitzt.  Aus solche einem Baum lässt sich eine gute Rundkrone formen. Gleich nach der Pflanzung werden vier Gerüsttriebe festgelegt. Der senkrechte Mitteltrieb ist der erste, dazu kommen noch drei weiter Seitentriebe, die idealerweise in einem Winkel von etwa 60 Grad vom Mitteltrieb abzweigen. Alle anderen Triebe werden vollständig entfernt, unmittelbar am Stamm. Die übrigen Seitentriebe sollten um ein Drittel gekürzt werden. Wichtig ist, dass die oberste Knospe bei jedem Trieb nach außen zeigt. Nur so erfolgt die Triebverlängerung im nächsten Jahr nach außen und nicht ins Kroneninnere hinein. Der Mitteltrieb wird ebenfalls gekürzt, so stark, dass zwischen ihm und den Seitentrieben ein Winkel von 90 bis 120 Grad entsteht. Speziell dies fördert eine gleichmäßige Entwicklung aller Gerüsttriebe.

  1. Nur der Mitteltrieb und drei kräftige Seitentriebe bleiben stehen, alle anderen werden am Stamm entfernt
  2. Seitentriebe um ein Drittel einkürzen
  3. Die oberste Knospe muss dabei immer nach außen zeigen
  4. Mitteltrieb einkürzen
  5. Der Winkel zwischen Spitze Mitteltrieb und Ende Seitentriebe – 90 bis 120 Grad. Der Mitteltrieb ist dabei der Winkelpunkt.

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Erziehungsschnitt bei der Süßkirsche

Wie bei den meisten Obstbaumarten wird auch das Gerüst der Süßkirsche mit einem Mittel- und drei Seitengerüsttrieben aufgebaut. Man beginnt damit im Jahr nach der Pflanzung. Einjährige Triebe sind gewachsen und zusätzlich haben sich unterhalb der Schnittstellen Konkurrenztriebe gebildet. Im zeitigen Frühjahr werden nun zahlreiche Triebe entfernt, alle nach innen und senkrecht wachsende Triebe und die Konkurrenztriebe der Gerüsttriebsverlängerung. (Meist wachsen an der Schnittfläche des vergangenen Jahres zwei neue Triebe, einer meist nach außen und einer mehr nach innen. Der nach innen wachsende muss entfernt werden) Flach wachsende Seitentrieb bleiben erhalten. Unbedingt entfernt werden müssen so genannte Schlitztriebe, also sehr steil wachsende Gerüsttriebe, deren Winkel an der Basis sich nicht mehr verändern lässt.
Alle Gerüsttriebe müssen wieder um ein Drittel eingekürzt werden, ausgehend vom Neuzuwachs. Seitengerüsttriebe werden in einer Höhe eingekürzt, wobei das letzte Auge wieder nach außen zeigen muss. Auch der Haupttrieb wird wieder eingekürzt, im selben Winkel. Hier ist allerdings wichtig, dass die oberste Knospe dieses Mitteltriebs diesmal in die entgegengesetzte Richtung zeigt als im Vorjahr. Nur so bleibt die Mitte gerade. Sollte einer der Gerüsttriebe deutlich schwächer sein als die anderen, ist es notwendig, alle Gerüsttriebe um die Hälfte einzukürzen.
Nach sechs Jahren werden die Verlängerungen der Gerüsttriebe nicht weitereingekürzt.

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  1. Nach innen und senkrecht wachsende Triebe herausschneiden
  2. Konkurrenztriebe der Gerüstverlängerung entfernen
  3. Flach wachsende Seitentriebe stehen lassen
  4. Alle Gerüsttriebe um 1/3 einkürzen
  5. Ist einer dieser Triebe deutlich schwächer als die anderen, alle Triebe um die Hälfte einkürzen
  6. Das letzte Auge muss nach außen zeigen
  7. Haupttrieb im 90 bis 120 Gradwinkel einkürzen
  8. Sein letztes Auge muss in entgegengesetzte Richtung zeigen wie im letzten Jahr

Erhaltungsschnitt bei der Süßkirsche

Ein Erhaltungsschnitt ist, wenn der Kirschbaum einmal ausgewachsen ist, nur alle drei bis vier Jahre notwendig. Geschnitten wird im Sommer und zwar, ähnlich wie beim Apfelbaum, nur zurückhaltender. Der beste Termin ist rund um den Erntezeitpunkt. Die Süßkirsche hat den Vorteil, dass sie nicht so schnell vergreist, sie muss also nicht so stark geschnitten werden. Alle zu steilen und in Konkurrenz stehenden Gerüsttriebe müssen raus aus der Krone. Diese kann dadurch ruhig etwas „leer“ wirken. Wichtig ist, dass sie im folgenden Sommer locker ist und das Licht und auch genug Luft bis ins Innere des Baumes gelangen können. Nur so bleibt das Fruchtholz im Kroneninneren vital und der Baum ertragreich. Sollte es passieren, dass anfangs flach wachsende Fruchttriebe, sich mit der Zeit verstärken und auf einmal steil in die Höhe wachsen, muss man auch diese entfernen.

Typisch für die Süßkirsche ist, dass sie meist in Quirlen austreibt. Dabei entwickeln sich direkt unter dem Austrieb der Spitzenknospe, meist auf gleicher Höhe, vier bis sieben Seitentriebe. Wichtig ist, die Spitze zu verschlanken. Dabei werden bis auf zwei oder drei alle dieser Triebe entfernt.

  1. Alle zu steil stehenden Gerüsttriebe herausschneiden
  2. Alle Konkurrenztriebe entfernen
  3. Anfangs flach wachsende Fruchttriebe, die dann steil nach oben wachsen entfernen
  4. Bei Austrieb von Quirlen – alle bis auf zwei oder drei abschneiden

Verjüngungsschnitt bei der Süßkirsche

Ältere Kirschbäume können stattliche Ausmaße erreichen. Oft werden sie einfach zu groß und müssen etwas reduziert werden. Allerdings bilden sich auch oft überhängende Gerüstpartien und Fruchttriebe. Der Verjüngungsschnitt wird ebenfalls ähnlich wie beim Apfelbaum vorgenommen. Geschnitten wird im Sommer. Nach Anfang September sollte man nicht mehr zur Schere greifen. Überhängende Gerüsttriebe werden auf weiter innen stehende Jungtriebe umgeleitet. Auch vergreiste Besen sind so zu schneiden. Die neuen Triebspitzen müssen verschlankt werden.

Wichtig bei Schnitt ist, große Wunden zu vermeiden. Der Nachteil beim Kirschbaum ist, dass diese oft tief zurücktrocknen und eine gummiähnliche Masse bilden. Das lässt die Wunden sehr schlecht verheilen. Wenn also ein großer Ast entfernt werden muss, ist es ideal, ihn auf einen nahe am Gerüst liegenden Seitentrieb umzulenken. So entsteht am Gerüsttrieb selbst keine Wunde. Sollte allerdings kein Jungtrieb vorhanden sein, lässt man dafür einen etwa 10 bis 20 cm langen Zapfen stehen.

Bei alten und wenig geschnittenen Kirschbäumen muss die Krone manchmal neu angelegt werden. Alle Konkurrenztriebe der Gerüsttriebe sind zu entfernen. Nur vier Triebe bleiben stehen, sonst gelangt nicht ausreichend Licht ins Kroneninnere. Nicht mehr stehen lassen, auch wenn es schwer fällt. Alle steil nach oben wachsenden Triebe müssen vollständig herausgeschnitten werden. Sie bilden eine Konkurrenz zum Mitteltrieb. Die Spitzen der Gerüsttriebe müssen verschlankt werden. Dazu überhängende Besen auf einen weiter innen, steiler stehenden Jungtrieb umlenken. Durch ihn sollte die Wuchsrichtung des Gerüsttriebes harmonisch fortgesetzt werden. Alle nach innen wachsenden und zu steil stehenden Triebe in der Krone entfernen. Auch sehr starke Fruchttriebe müssen herausgeschnitten werden. Stehen bleiben junge Triebe, die direkt aus dem Gerüst wachsen. Zu lange Fruchttriebe auf weiter innen stehende umlenken. Sie müssen nach außen und oben weisen und Blütenknospen besitzen. Bei sehr vergreisten Bäumen muss nicht selten ein Drittel der kompletten Krone weg. Wichtig ist, zu große Schnittstellen zu vermeiden. Sie sollten nicht größer sein, als der halbe Durchmesser des verbleibenden Astes. Bei extrem ungepflegten und überalterten Kirschbäumen macht es Sinn, den Verjüngungsschnitt etappenweise durchzuführen, also über einige Jahre verteilt. Erstens ist das schonender und zweitens wird das Wachstum nicht so stark angeregt.

Nach einem Jahr muss dann noch einmal kräftiger geschnitten werden. Steiltriebe sind direkt an der Schnittstelle zu entfernen. Flache Triebe dagegen werden belassen. Sollten sich an den Zapfen Jungtriebe gebildet haben, muss der trockene Teil des Stumpens bis zum Neutrieb entfernt werden. Bei Bedarf sind Gerüst- und Fruchttriebspitzen zu verschlanken. Wenn immer noch vergreiste Fruchttriebe zu erkennen sind, muss man diese auf einen weiter innen stehenden Jungtrieb umlenken. Nach einem erfolgreich durchgeführten Verjüngungsschnitt sollte dann wieder regelmäßig alle drei bis vier Jahre geschnitten werden.

Tipps für Schnellleser:

  • Gerüst neu anlegen
  • Alle Konkurrenztriebe der Gerüsttriebe entfernen
  • Nur vier Triebe bleiben stehen
  • Alle steil nach oben wachsenden kräftigen Triebe herausschneiden
  • Spitzen der Gerüsttriebe verschlanken
  • Alle nach innen wachsenden und zu steilen Triebe entfernen
  • Sehr starke Fruchttriebe entfernen
  • Zu lange Fruchttriebe auf weiter innen stehende umlenken
  • Bei starken Schnittmaßnahmen verteilt auf einige Jahre schneiden
  • Im nächsten Jahr die Hälfte bis zwei Drittel der Jungtriebe entfernen
  • Alle nach innen und zu steil wachsenden Triebe herausschneiden
  • Wenn sich Wachstum beruhigt hat, alle zwei bis drei Jahre Erhaltungsschnitt durchführen

Wenn Sie mehr über die verschiedenen Schnitt- und Wuchsformen des Kirschbaumes erfahren wollen und sich darüber informieren möchten, was sie beim Schneiden vom Kirschspindelbaum, dem Kirschspalier oder der Säulenkirsche beachten müssen, klicken Sie hier:

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Feli
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