Die Süßkirsche ist ideal, um sie zu einem Spindelbaum zu erziehen. Zwar kann auch die Sauerkirsche so gestaltet werden, aber sie benötigt einen jährlichen starken Rückschnitt der einjährigen Triebe, weshalb sie für die Spindeln nicht ideal ist. Kirschspindeln werden, hauptsächlich um ihr starkes Wachstum einzuschränken, ausschließlich im Sommer geschnitten. Schneidet man sie außerhalb, gibt es nicht etwa Schäden, aber das Wachstum wird derartig angeregt, dass man mit dem Schneiden dann gar nicht mehr hinterher kommt.

Spindelbäume der Süßkirsche werden bis 3 m hoch, was damit zusammenhängt, dass sie alle auf einer starkwachsenden Unterlage veredelt sind. Der Schnitt hat also immer das Ziel, das dadurch ausgelöste starke Wachstum zu bremsen. Die Spindelerziehung für Sauerkirschen macht dadurch nicht wirklich Sinn.

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Kirsch-Spindeln lassen sich gut abernten, da sie nicht so groß werden. Sie eignen sich ausgezeichnet für kleine Gärten. Ein Kirsch-Spindelbaum besteht lediglich aus dem Mitteltrieb als Gerüst. Hier bilden die flach wachsenden Seitentriebe, die Fruchttriebe. Eine gut entwickelte Spindel hat eher die Form eines Kegels oder Tannenbaums, was den Vorteil hat, dass alle Kronenpartien gleichmäßig viel Licht erhalten. Der Schnitt des Spindelbaumes ist notwendig, dass das Fruchtholz, hauptsächlich die unteren Fruchttriebe vital bleiben und dass die Spitze schön schlank ist. Es wird verhindert, dass die Baumspitze unerwünscht wächst. Anderenfalls gäbe es Komplikationen.

Pflanzschnitt

Für die Spindelerziehung wird ein Baum benötigt, der oberhalb von 60 cm Stammhöhe fünf bis sieben rundum verteilte, flache Seitentriebe besitzt. Wichtig ist, dass der Mitteltrieb oberhalb des Letzen Seitentriebes nicht länger als 60 cm ist. Beim Pflanzschnitt werden alle steilen Triebe entfernt, vor allem die im oberen Bereich des Mitteltriebs. Den Mitteltrieb und die verbliebenen Seitentriebe nicht schneiden.

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  1. Mitteltrieb oberhalb des letzten Seitentriebes darf nicht länger als 60 cm sein. Er wird nicht geschnitten.
  2. Alle steilen Triebe entfernen, besonders die um den Mitteltrieb.
  3. Alle Triebe unterhalb von 60 cm entfernen
  4. Mittel- und verbleibende Seitentriebe nicht schneiden.

Wenn der Mitteltrieb nicht mit Seitentrieben besetzt ist oder aber er überragt den letzten Seitentrieb um mehr als 60 cm, muss er auf 60 cm eingekürzt werden. Die so entstehenden Seitentriebe verteilen sich gleichmäßiger über den Mitteltrieb und zusätzlich wird der Baum nicht zu hoch.

Erziehungsschnitt

Beim Erziehungsschnitt kommt es darauf an, alle am Mitteltrieb oder auf den seitlichen Fruchttrieben steil nach oben wachsenden Triebe komplett zu entfernen. Die Spitze des Mitteltriebes und auch die Seitentriebe müssen verschlankt werden. Alle verbliebenen Triebe nicht schneiden, sonst wird ihr Wachstum angeregt. Der Erziehungsschnitt wird vier Jahre lang durchgeführt. Mit den Jahren bilden sich reichlich flache, mit Blütenknospen besetzte Seitentriebe.

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  1. Alle am Mitteltrieb und den seitlichen Fruchttrieben steil nach oben wachsenden Triebe an der Basis entfernen
  2. Spitze des Mitteltriebs verschlanken
  3. Seitentriebe verschlanken
  4. Keinesfalls die restlichen Triebe schneiden
  5. Vier Jahre diesen Schnitt ausführen

Der im Vorjahr gekappte Mitteltrieb, der geschnitten werden musste, hat im folgenden Sommer einige Triebe unterhalb der neuen Fortsetzung gebildet. Die Triebe sind steil. Bis auf die direkte Fortsetzung der Mitte werden alle diese Triebe entfernt und zwar auch im Sommer. Die Mitte darf für die nächsten Jahre nicht mehr gekürzt werden. Flach stehende Seitentriebe stehen lassen.

Erhaltungsschnitt

Kirsch-Spindelbäume entwickeln gerne eine starke Mitte und steile Triebe. Ziel beim Erhaltungsschnitt ist daher, den unteren Bereich des Baumes zu fördern und vital zu erhalten. Das Wachstum der Spitze dagegen muss beruhigt werden. Geschnitten wird wieder im Sommer, kurz nach der Ernte. Die Spitze wird verschlankt und alle zu steil wachsenden Triebe werden auf 10 cm lange Zapfen geschnitten. Sollten ältere, seitlich wachsende Fruchttriebe zu dick geworden sein, werden diese ebenso eingekürzt. Steiltriebe direkt am Mitteltrieb müssen unbedingt weg. Von Anfang an müssen diese auf kurze Zapfen geschnitten werden. Günstig ist hier ein Schnitt im Juni, da sich dann im Juli schon kurze, meist flache Neutriebe bilden. Unterhalb stehende Knospen entwickeln sich zu Blütenknospen. Dieser Schnitt hat den Vorteil, dass aus einem störenden Steiltrieb ein kurzer Fruchttrieb gebildet wird.
Süßkirschen neigen zu Steiltrieben. Nicht alle kann man wegschneiden, denn so würden nicht genügend übrig bleiben. Frisch ausgetriebene Seitentriebe sind allerdings noch sehr biegsam. Stehen sie zu steil, kann man sie leicht abspreizen. Man biegt den Trieb nahezu waagerecht und stabilisiert ihn mit Hilfe einer Wäscheklammer am Mitteltrieb. Nach einigen Wochen ist er ausgereift und hält in dieser Position. Die Klammern werden entfernt.

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  1. Spitze des Baumes verschlanken
  2. Alle zu steil wachsende Triebe auf 10 cm lange Zapfen einkürzen
  3. Ältere, zu dicke Fruchttriebe ebenfalls auf Zapfen schneiden
  4. Steiltriebe direkt am Mitteltrieb auf kurze Zapfen schneiden
  5. Frisch ausgetriebene Seitentriebe abspreizen, damit sie waagerecht wachsen

Verjüngungsschnitt

Bei einem vergreisten Spindelbaum sieht man die Spitzen der Fruchttriebe nach unten hängen. Es werden keine hochwertigen Früchte mehr ausgebildet. Diese Triebe müssen auf mindestens zweijährige, waagerecht nach außen wachsende Triebe umgelenkt werden. Die neuen Triebspitzen werden verschlankt. Fruchttriebe mit zu dickem Durchmesser entfernen, aber einen 2 bis 5 cm langen Zapfen stehen lassen. Hängt die Baumspitze selbst über, muss diese ebenfalls auf einen mindestens zweijährigen, schräg nach oben wachsenden Trieb umgelenkt werden. Auch diese Spitze gilt es zu verschlanken. Sehr aufrechte und zu starke Triebe im oberen Baumbereich werden direkt am Stamm entfernt, immer auf kleine Zapfen. Spindelbäume werden nur etwa 20 Jahre alt. Ab diesem Alter lohnt sich ein Verjüngungsschnitt nicht mehr. Besser ist, einen neuen Baum zu erziehen.

  1. Überhängende, vergreiste Fruchttriebe auf mindestens zweijährige, waagerecht nach außen wachsende Triebe umlenken
  2. Neue Triebspitzen verschlanken
  3. Zu dicke Fruchttriebe entfernen, Zapfen stehen lassen
  4. Hängende Baumspitze ebenfalls umlenken, auf mindestens zweijährigen, schräg nach oben wachsenden Trieb
  5. Verschlanken
  6. Zu aufrechte und zu starke Triebe im oberen Baumbereich auf Zapfen herausschneiden

Allgemeine Hinweise und Tipps zum Schneiden von Sauer- und Süßkirschbäumen finden Sie hier:

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Feli
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