Sauerkirschbäume sind zierlicher als Süßkirschen und das, obwohl sie auf dem Wurzelstock einer Süßkirsche veredelt werden. Dafür haben sie aber den Vorteil, dass sich diese Bäume selbst bestäuben, um sich zu befruchten, man braucht also keine zwei davon. Sauerkirschen tragen ihre meisten Blüten und das beste Fruchtholz an einjährigen Trieben. Die ideale Länge dieser Triebe liegt zwischen 20 und 40 cm. Wenn der Baum nicht regelmäßig geschnitten wird, vergreisen die Fruchttriebe schon nach drei bis vier Jahren und die Ernte wird deutlich geringer ausfallen. Vergreiste Triebe tragen kaum noch Blüten und demzufolge auch keine Kirschen. Nur ein jährlicher, strenger Schnitt hält das Fruchtholz vital.

Pflanzschnitt

Die Sauerkirsche wird wie die Süßkirsche geschnitten. Beim Kauf des Sauerkirschbaumes ist darauf zu achten, dass der Baum einen geraden Stamm und fünf bis sechs einjährige Triebe besitzt. Aus solche einem Baum lässt sich eine gute Rundkrone formen. Gleich nach der Pflanzung werden vier Gerüsttriebe festgelegt. Der senkrechte Mitteltrieb ist der erste, dazu kommen noch drei weiter Seitentriebe, die idealerweise in einem Winkel von etwa 60 Grad vom Mitteltrieb abzweigen. Alle anderen Triebe werden vollständig entfernt, unmittelbar am Stamm. Die übrigen Seitentriebe sollten um ein Drittel gekürzt werden. Wichtig ist, dass die oberste Knospe bei jedem Trieb nach außen zeigt. Nur so erfolgt die Triebverlängerung im nächsten Jahr nach außen und nicht ins Kroneninnere hinein. Der Mitteltrieb wird ebenfalls gekürzt, so stark, dass zwischen ihm und den Seitentrieben ein Winkel von 90 bis 120 Grad entsteht. Speziell dies fördert eine gleichmäßige Entwicklung aller Gerüsttriebe.

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  1. Nur der Mitteltrieb und drei kräftige Seitentriebe bleiben stehen, alle anderen werden am Stamm entfernt
  2. Seitentriebe um ein Drittel einkürzen
  3. Die oberste Knospe muss dabei immer nach außen zeigen
  4. Mitteltrieb einkürzen
  5. Der Winkel zwischen Spitze Mitteltrieb und Ende Seitentriebe – 90 bis 120 Grad. Der Mitteltrieb ist dabei der Winkelpunkt.

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Erziehungsschnitt der Sauerkirsche

Auch die Sauerkirsche wird ähnlich wie Süßkirsche und Apfel geschnitten. Sauerkirschen bilden ebenfalls die klassische Rundkrone, weshalb ein Mitteltrieb und dazu vier Seitentriebe als Gerüst benötigt werden. Damit das Gerüst auch kräftig genug für den Baum wird, kürzt man in den ersten fünf Jahren die Gerüsttriebverlängerungen jeweils um die Hälfte ein. Die Krone ist nach fünf bis sieben Jahren aufgebaut, weshalb sich der Schnitt dann auf die Erhaltung des Fruchtholzes konzentrieren kann. Dabei werden die Jungtriebe nahe am Gerüst gefördert. Es müssen alle steilen und Konkurrenztriebe an den Spitzen herausgeschnitten werden. Außerdem sind die Fruchttriebe auszulichten. Man rechnet, dass pro 10 cm Gerüsttrieblänge drei 20 bis 30 cm lange einjährige Triebe stehen bleiben dürfen. Darüber hinaus werden alle übrigen ein- bzw. mehrjährigen Triebe auf kleine Zapfen nahe am Gerüst geschnitten. Auch wenn die Zapfen eintrocknen, bilden sich dort später junge Triebe. Wird direkt am Gerüsttrieb geschnitten, bilden sich an der eingetrockneten Schnittstelle keine neuen Triebe. Spitzen von Gerüsttrieben, die nicht verlängert werden, sind wie Fruchttriebe zu behandeln.

  1. In den ersten fünf Jahren die Gerüsttriebsverlängerungen um die Hälfte einkürzen.
  2. Nach fünf bis sieben Jahren ist die Krone aufgebaut, dann Schnitt nur noch zur Erhaltung von Fruchtholz
  3. Jungtriebe nah am Gerüst fördern
  4. Alle steilen und Konkurrenztriebe an den Spitzen entfernen
  5. Fruchttriebe auslichten
  6. Pro 10 cm Gerüstlänge drei 20 bis 30 cm lange einjährige Triebe stehen lassen
  7. Alle übrigen ein- und mehrjährigen Triebe nah am Gerüst auf Zapfen schneiden. Nicht direkt am Trieb schneiden!

Erhaltungsschnitt bei der Sauerkirsche

Der Erhaltungsschnitt bei der Sauerkirsche ist unkompliziert. Dabei werden alle steilen Triebe herausgeschnitten. Außerdem entfernt man alle Triebe, die den Gerüsttriebspitzen Konkurrenz machen. Zweijährige Triebe werden auf gerüstnahe einjährige umgelenkt.

  1. Zu steile Triebe herausschneiden
  2. Konkurrenztriebe zu Gerüsttriebspitzen entfernen

Verjüngungsschnitt der Sauerkirsche

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Ohne Schnitt vergreist ein Sauerkirschbaum innerhalb weniger Jahre. Typisch ist die Bildung überhängender Triebe, ähnlich wie bei einer Schleppe. Es muss dringend geschnitten werden. Der beste Zeitpunkt ist im Sommer, direkt nach der Ernte. Die vergreisten Gerüsttriebe und ebenfalls die Schleppen werden auf junge Seitentriebe umgelegt. Wichtig dabei ist, dass diese jungen Triebe so nah wie möglich an den Gerüsttrieben liegen. Wenn der Baum so stark vergreist ist, dass einfach keine Jungtriebe mehr vorhanden sind, kürzt man die kahlen Triebe auf einen etwa 5 cm langen Zapfen am Gerüst ein. Dort bilden sich dann im nächsten Jahr neue Triebe.
Genau wie bei anderen Obstbäumen auch, sollte ein sehr starker Rückschnitt in Etappen vorgenommen werden. Man schneidet drei oder vier Jahre lang, allerdings immer nur etwa ein Drittel bzw. ein Viertel.

Ausnahmen

Es gibt Sauerkirsch-Sorten, bei denen sich das Fruchtholz ähnlich wie bei Süßkirschen entwickelt. Sie haben den Vorteil, dass sie nicht nur an den einjährigen Langtrieben fruchten, sondern auch an kurzen Trieben, den so genannten Buketttrieben. Diese Sauerkirschbäume werden weniger streng geschnitten. Man schneidet sie nur alle zwei bis drei Jahre. Zu diesen Sauerkirschen gehören: ’Morellenfeuer’, ’Ludwigs Frühe’, ’Koröser Weichsel’, ’Gerema’ und ’Beutelsbacher Rexelle’.

Tipp – Wenn einzelne Triebe kurz nach dem Austrieb plötzlich eintrocknen, ist Vorsicht geboten. Ein Pilz kann die Ursache sein, der Monilia Pilz, ganz genau. Er löst die Monilia Spitzendürre aus, welche zahlreiche Obstsorten befallen kann. Betroffene Triebe müssen sofort bis ins gesunde Holz zurückgeschnitten werden, um den Pilz an der Ausbreitung zu hindern. Das Schnittgut wird am besten verbrannt oder über den Restmüll entsorgt. Um diese Krankheit zu vermeiden, sollten nur besonders widerstandsfähige Kirschsorten ausgewählt werden.

Wenn Sie mehr über die verschiedenen Schnitt- und Wuchsformen des Kirschbaumes erfahren wollen und sich darüber informieren möchten, was sie beim Schneiden vom Kirschspindelbaum, dem Kirschspalier oder der Säulenkirsche beachten müssen, klicken Sie hier:

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Feli
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