Tüllrock nähen – kostenlose Anleitung für Anfänger

Tüllrock nähen

Ein Alltime-Klassiker mit Stil: der Tüllrock. Es gibt ihn in unzähligen Varianten. Früher wurde er vorwiegend als Unterrock getragen, um Kleidern und Röcken mehr Volumen zu verleihen. In letzter Zeit jedoch sieht man ihn immer häufiger als eigenständiges Kleidungsstück.

In dieser Anleitung zeige ich Ihnen, wie Sie auch als Anfänger einen einfachen Tüllrock nähen können, der optisch richtig was her macht. Ich werde etwas über die verschiedenen Materialien erzählen, die zum Einsatz kommen können und auch, wie Sie sie aus Ihrem Tüllrock ein Unikat machen können.

Schwierigkeitsgrad 2/5
(für Anfänger geeignet)

Materialkosten 1/5
(je nach Stoffauswahl zwischen EUR 0,- aus der Resteverwertung und EUR 30,-)

Zeitaufwand 2/5
(inkl. Schnittmuster etwas über 2h)

Material und Vorbereitung

Materialauswahl

Da in dieser Anleitung das Nähen eines Tüllrocks beschrieben wird, liegt es nahe, auch Tüll als Hauptmaterial zu verwenden. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel und da ich einen Unterrock für das Faschingskostüm meiner Tochter brauche, die noch ein Baby ist, wollte ich ein besonders weiches Material verwenden. Es gibt natürlich auch ganz weiche Tüllarten, diese kosten jedoch auch etwas mehr und bei einem Faschingskostüm möchte ich das Budget nicht sprengen. Daher habe ich mich diesmal für Organza entschieden. Damit der Rock blickdicht ist und auch eigenständig getragen werden kann, habe ich außerdem noch farblich passenden Futterstoff besorgt. Für den Bund habe ich ein sehr breites, extra starkes Gummiband besorgt, damit der Tüllrock bequem sitzt und nicht so leicht verrutschen kann.

Materialmenge & Schnittmuster

Tüllrock nähen

Je nachdem, welche Größe Sie nähen und wie viele Lagen ihr Tüllrock haben soll, variiert auch der Stoffbedarf. Darum komme ich vorab auf das Schnittmuster für den Tüllrock zu sprechen: Sie benötigen nur ein Schnitt-Teil und können damit alle Lagen zuschneiden.
Messen Sie zuerst den Hüftumfang der Person, die den Tüllrock tragen soll. Dieser wird an der breitesten Stelle des Pos gemessen. Dieses Schnittmuster ist als Tellerrock konzipiert, also muss zuerst der Radius berechnet werden. Ich benötige einen Hüftumfang von 46 cm.

Schnittmuster

Ich benötige also einen Radius von 8,5 cm. Wenn Sie einen nicht dehnbaren Stoff verwenden, rechnen Sie nun noch 1 cm Kulanz hinzu. Beginnen Sie nun in einer Ecke (90-Grad-Winkel) mit Ihrem Schnittmuster. Messen Sie direkt aus der Ecke den Radius (bei mir 8,5 cm) ab und markieren Sie diesen. Zeichnen Sie in diesem Abstand einen Viertelkreis auf das Schnittmuster. Dazu können Sie entweder den Abstand mehrmals markieren und dann Freihand einen Viertelkreis zeichnen oder einen Zirkel verwenden.

Tipp: Sollten Sie keinen Zirkel besitzen, können Sie auch einfach ein Stück Faden an einen Stift binden. Messen Sie dann die Fadenlänge am Stift ab und halten Sie das Ende genau ans Eck. Nun können Sie mit dem Stift einen Halbkreis zeichnen, wenn der Faden unter Spannung bleibt. Halten Sie den Stift dabei möglichst gerade, damit der Viertelkreis gleichmäßig wird.

Nun benötigen Sie die Rocklänge. In meinem Fall ergibt sich diese durch die Länge des Kostümrocks und beträgt 25,5 cm. Messen Sie dafür einfach von der Taille nach unten bis dahin, wo der Rock enden soll.

Tipp: Den so erstellten Schnitt können Sie mehrfach verwenden. Notieren Sie aber darauf, dass die Naht- und Saumzugaben noch nicht enthalten sind und ob Sie ihn für dehnbare oder nicht dehnbare Stoffe erstellt haben. Das Schnittmuster entspricht genau einem Viertel des Rocks. Wenn Sie es für Motivstoffe einsetzen möchten, die ein „oben und unten“ haben, bietet sich eine Teilung an, damit das Motiv nicht „auf dem Kopf“ steht. Sie können in diesem Schnittmuster auch weitere Teilungen anbringen.

Das Schnittmuster ist somit auch schon Fertig und kann an beiden Kreislinien entlang ausgeschnitten werden.

Schnittmuster für Tüllrock

Da das Schnittmuster für den Tüllrock ein Viertelkreis ist, lässt sich die benötigte Stoffmenge PRO STOFFLAGE wie folgt berechnen:

[Radius + Rocklänge + NZ (+SZ)] x2

  • 8,5 + 25,5 + 0,7 + 1 = 35,7 cm
  • aufgerundet 36 cm x 2 = 72 cm

Ich benötige also pro Lage 72 x 72 cm.

Ich möchte den Stoff mit drei Lagen nähen, also brauche ich 144 x 144 cm vom Organza. Ich habe es so geteilt, da die meisten Stoffe 145 – 155 cm breit sind. So weiß ich, dass ich mindestens 144 cm auf volle Breite benötige. Daraus könnte ich sogar vier Lagen zuschneiden. Das ist in meinem Fall aber zu voluminös.

Tüllrock nähen

Außerdem möchte ich den Tüllrock blickdicht machen, damit die kleine Maus ihn auch ohne Kostüm tragen kann. Daher benötige ich vom Futterstoff ebenfalls noch ein Quadrat mit 72 x 72 cm.

Wenn Sie den Rock auch wirklich aus Tüll machen, können Sie in den meisten Fällen auf eine Saumzugabe und eine Nahtzugabe am Saum verzichten, da Tüll nicht ausfranst. Die Nahtzugabe am Bund benötigen Sie aber auf jeden Fall. Diese kann zwischen 0,7 und 1 cm variieren, je nachdem, was Sie für eine Nähmaschine haben.

Wenn Sie – so wie ich – den Tüllrock aus Organza nähen, rechnen Sie am Saum etwa 1 – 1,5 cm hinzu. In diesem Fall legen Sie den Saum einmal nach innen um und steppen diesen mit einem farblich passenden Garn fest. Bei einem Tüllrock für ein Mädchen oder für Erwachsene würde ich die Saumzugabe noch breiter machen und vor dem Feststeppen doppelt einschlagen.

Den Futterstoff können Sie entweder auch säumen oder einfach abendeln. (Mit einem breiten Zick-Zack-Stich am Rand entlang nähen – die Nadel sticht dabei wechselweise in den Stoff und daneben. So wird ein ausfransen verhindert)

Überlegen Sie also vorab, wie Sie Ihren Rock gestalten wollen und schneiden Sie entsprechend der Zugaben zu. Legen Sie dazu alle Quadrate mit den gleichen Zugaben übereinander und falten Sie diese dann einmal längs und einmal quer.

Organza nähen

Tipp: Wenn Sie mehr als vier Lagen vernähen wollen, würde ich nicht alle Lagen zugleich zuschneiden, sondern einzelne Stapel mit maximal jeweils 4-5 Lagen zurechtlegen. So können Sie viel genauer arbeiten.

Zuschnitt und Nähen

Legen Sie nun das Schnittmuster so auf, dass die kleine Rundung in dem Eck zu liegen kommt, in dem keine offenen Kanten liegen und stecken Sie es mit Stecknadeln fest oder fixieren Sie es mit Wonderclips.

Tüllrock nähen

Schneiden Sie nun mit den entsprechenden Nahtzugaben (oben auf jeden Fall – unten nach Wunsch) zu. Wenn Sie den Stoff nach dem Zuschnitt auffalten, sehen Sie, dass ein Kreis mit einem Loch in der Mitte entstanden ist. Das Foto sieht aufgrund der dünnen Organzalagen, die leicht verschoben aufeinander liegen, unscharf aus.

Nähen Sie nun zuerst allfällige Säume. Legen Sie dann alle Stoffteile mit der rechten Seite (also der „schönen“ Seite) nach oben übereinander auf, beginnend mit dem Futterstoff. Stecken Sie alle Stofflagen des Tüllrocks fest und nähen Sie diese innerhalb der Nahtzugabe zusammen.

Tüllrock nähen

Jetzt fehlt nur noch der Bund. Markieren Sie sich dazu vier Punkte in gleichen Abständen.

Tipp: Die vier Punkte können Sie ganz einfach durch entsprechendes Falten ermitteln. Legen Sie die Stoffe des Tüllrocks einmal längs und einmal quer übereinander. So wie für den Zuschnitt vorhin.

Den Gummi für den Bauchbund habe ich ebenfalls schon zum Ring geschlossen und mir vier Punkte markiert. Nun lege ich den Gummi rechts auf rechts um die Bauchöffnung und stecke die vier Punkte zusammen. Wie genau das funktioniert habe ich bereits im Beitrag zum Bündchen annähen hier beschrieben: Bündchen – Anleitung

Anleitung für Tüllrock

Tipp: Für diesen Rock sollten Sie wirklich ein festeres Gummiband verwenden und keinen Bündchenstoff. Je mehr Lagen Sie für den Tüllrock vernähen, umso mehr halt braucht er am Bund. Bündchenstoff ist dafür einfach zu weich und nachgiebig.

Nun beginne ich an einem der Punkte zu nähen, indem ich gut vernähe. Dann dehne ich den Gummi so weit, bis die Organzalagen des Tüllrocks keine Falten mehr machen und nähe den Gummi nach und nach unter Dehnung an.

Tüllrock nähen

Zum Schluss klappe ich noch den Gummibund nach oben und der Tüllrock ist fertig!

Tüllrock nähen

Varianten

Am einfachsten können Sie ihrem Rock Pep verleihen und ihn abändern, indem Sie unterschiedliche Säume verwenden oder überhaupt gleich mit Wellen oder Zacken am Saum zuschneiden und leicht versetzt zusammennähen. Hier können sie sehr kreativ werden. Zum Beispiel kann auch jede Rocklage an der Vorderseite von Lage zu Lage etwas kürzer werden. Oder es bleiben alle Lagen gleich lang und sie raffen die oberste Lage an zum Beispiel acht Stellen in gleichen Abständen und befestigen daran Blumen oder Schleifen.

Sie können Ihren Rock auch aufmotzen, indem Sie verschiedene Dekoelemente auf- oder unter die Stofflagen nähen, wie zum Beispiel Silbersterne, schimmernde Schneeflocken und vieles mehr.

Auch durch den Einsatz verschiedener Farben können Sie Ihrem Rock den letzten Schliff geben. Wenn Sie beispielsweise „nur“ weißen Tüll verwenden und gerne einen Akzent setzen möchten, können Sie den Unterrock in einer Pastellfarbe gestalten. Neonfarben können ausgefallene Kombinationen bringen – auch unter schwarzem Tüll.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Schnellanleitung

1. Hüfte und Rocklänge abmessen
2. Schnitt erstellen, Gummibund zuschneiden
3. Rocklagen zuschneiden (NZ und SZ berücksichtigen – vorher schon im Detail planen)
4. Säume gegebenenfalls nähen oder umgestalten
5. Alle Lagen am Bauchbund innerhalb der NZ zusammennähen.
6. An Bund und Gummiband 4 Punkte markieren
7. Gummibund an nähen und hochklappen
8. Fertig!

Die Zwirnpiratin


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