Gips ist nicht gleich Gips. Wer damit basteln möchte, sollte zuvor genau überlegen, was er damit tun will, was erreicht werden soll und welche Art Gips dafür am besten geeignet ist. Angerührt werden müssen sie alle, aber es gibt durchaus Unterschiede.

Gips ist ein Mineral und kommt in der Natur vor. Er kann allerdings auch künstlich erzeugt werden. Gips zum Basteln und Modellieren muss vor dem Verkauf durch den Handel gebrannt werden, damit ein Teil des enthaltenen Wassers entzogen wird.

Bei Gips gibt es verschiedene Sorten, was einfach an den unterschiedlichen Vorkommen (wo wird er abgebaut) und der Körnung liegt. So können auch die Eigenschaften durchaus abweichen. Besonders bemerkbar macht sich das beim Ansetzen der Gipsmasse, also beim Anrühren.
Werden die Mischungsverhältnisse der einzelnen Gipsarten gleich angesetzt, kommen häufig unterschiedliche Konsistenzen heraus. Auch das Fließverhalten ist davon betroffen. Günstig ist, wenn das Mischungsverhältnis auf der Packung angegeben ist. Ansonsten kann man nur etwas herumexperimentieren, um das richtige Gips-Wasser-Verhältnis zu ermitteln.

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Als Anhaltswert für das richtige Mischungsverhältnis gilt: 1 Teil Wasser zu 1,5 Teilen Gips

Tipp: Nie das Wasser in den Gips geben, sondern immer den Gips in das Wasser!!!

Die unterschiedlichen Gipssorten

Wie erwähnt, findet man Gipsvorkommen in der Natur. In Steinbrüchen wird der Gips abgebaut. Anschließend wird das Gestein gebrannt und gemahlen. Ausschlaggebend für die verschiedenen Gipssorten ist die Höhe der Brenntemperatur. Der Vorgang entzieht dem Gips Wasser. Das muss dann beim Anrühren wieder zugeführt werden.

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Man unterscheidet hauptsächlich zwischen Gips als Baustoff oder Modell- und Formgips.

  • Modellgips (Modelliergips) – meist Alabastergips genannt. Der Gips für alle künstlerischen und kunsthandwerklichen Arbeiten. Er ist reinweiß und ganz fein gemahlen. Da er sehr fest aushärtet, kann dieser Gips gut mit Werkzeugen bearbeitet werden. Man nutzt ihn zum Bau von Gipsformen und zum Gießen von Gipsrelief, im Modellbau für Landschaften und den Dioramenbau. Für Bastelarbeiten der meist genutzte und beste Putz.
  • Hartgips – wird speziell von Zahnärzten für Zahnabdrücke genutzt, ist aber auch ideal zum Basteln, wenn Objekte mit dünnen und präzisen Oberflächen erschaffen werden sollen. Diesen Gips bekommt man im Laborbedarf für Zahntechniker. Es gibt unterschiedliche Härtestufen. Meist reicht die geringste für Bastelarbeiten aus.
  • Stuckgips – deutlich gelblicher oder grauer und weniger fein gemahlen als Modellgips, braucht länger zum Abbinden und ist weicher und poröser, wodurch er sich nicht so gut mit Werkzeugen bearbeiten lässt. Dient zur Herstellung von Ornamenten an Wänden und Decken
  • Ansetzgips – dieser Gips versteift sehr langsam und haftet sehr gut an Gipskartonplatten, weshalb er hauptsächlich zum Ansetzen von Gipskartonplatten als Wand-Trockenputz verwendet wird.
  • Fugengips – enthält spezielle Zusatzstoffe, welche das Wasserrückhaltevermögen des Gipses verbessern. Der Gips versteift sich sehr langsam. Das ist vor allem beim Verbinden von Gipsbauplatten wichtig.
  • Putzgips – grober Gips, der zur Herstellung von Putz und Mörtel beim Bau eingesetzt wird. Wird auch für grobe Stuckarbeiten verwendet.

Tipp: In der Regel kommt man mit dem preisgünstigen Gips aus dem Baumarkt gut hin. Kauft man im Fachgeschäft, also z.B. im Bastelbedarf oder im Modellbaushop, zahlt man deutlich mehr.

Vorbereitung

Bevor man mit dem Anrühren von Gips beginnt, sollte man sich alle Zutaten bereitlegen. Alle Handwerkzeuge und Hilfsmittel sollten sehr sauber sein, damit keine Verunreinigungen in den Gips gelangen, die dann nach dem Trocknen zutage treten. Benötigt werden:

  • Am besten Rundgefäße zum Anrühren verwenden. Geeignet sind, je nach gewünschter Menge Schüsseln, Eimer, Schalen, Becher usw.
  • Behälter aus Kunststoff sind am einfachsten zu reinigen. Gipsbecher aus schwarzem Weichgummi werden gern von Profis genutzt. Sie sind handlich, preiswert und gut von harten Gipsrückständen zu reinigen. Man muss sie nur zusammendrücken und schon platzt der erhärtete Gips ab.
  • Zum Umrühren werden Gummiteiglöffel, Holzstäbe oder Spachteln genutzt.
  • Waage zum Abwiegen

Gips anrühren

Es ist wichtig, sich an die Vorgaben auf den Packungen zu halten, was das Mischungsverhältnis anbelangt. Die einzelnen Zutaten, also Gips und Wasser, müssen genau abgewogen werden. Profis machen das meist nach Gefühl, aber für Anfänger oder Bastelfreunde, die nur selten mit Gips arbeiten, lohnt sich da Abmessen.

1. Gips und Wasser genau abmessen. Beide sollten in etwa die gleiche Temperatur haben, also weder zu heißes, noch zu kaltes Wasser verwenden.

gips-anruehren-022. Wasser in das Anrührgefäß geben. Dieses sollte ausreichend groß sein. Die Gipsmasse benötigt einiges an Volumen. Zu kleine Gefäße laufen gerne einmal über. Außerdem lässt sich schlecht rühren.

3. Gipspulver locker und nicht alles gleich auf einmal ins Wasser streuen. Nicht zu schnell einfüllen, sonst kann Luft eingebunden werden. Es kommt zu sogenannten Gipsknollen. Bei größeren Wassermengen recht schnell einstreuen, da sonst der schon abgesunkene Gips abbindet, während oben noch eingestreut wird. Erst alles Gipspulver zufügen, bis begonnen wird umzurühren. Die richtige Menge Gips ist erreicht, wenn sich auf der Oberfläche eine Art Kruste bildet und der eingestreute Gips nicht mehr absinkt.gips-anruehren-03

4. Alles Gipspulver verrühren, bis eine glatte Masse entsteht. Wenn sich Klümpchen bilden, diese am besten am Gefäßrand zerdrücken. Wichtig ist, keine Luft einzurühren. Dafür

5. Regelmäßig am Gefäß rütteln oder es immer mal hochnehmen und härter aufsetzen, so dass die eingeschlossenen Luftbläschen entweichen können. Sie steigen meist an die Oberfläche und können dort zerdrückt werden.

6. Masse 20 bis 30 Sekunden ruhen lassen – Sumpfen.gips-anruehren-04

7. Weiter rühren! Man kann dies manuell tun oder mit einer Maschine arbeiten. Bei manueller Bearbeitung dauert es länger. 2 bis 3 Umdrehungen pro Sekunde sind ideal. Gerührt wird etwa 30 Sekunden lang. Bei langsam abbindenden Gipsarten muss meist länger gerührt werden.

Gips verarbeiten

Gips härtet schnell aus. Innerhalb von 5 bis 10 Minuten wird er stetig fester. Je nachdem, was man arbeiten möchte, muss man recht schnell vorangehen, denn er zieht schnell weiter an und ist meist schon nach 15 Minuten nicht mehr zu verarbeiten. Er sollte dann nicht mehr gestört werden, also nicht mehr gerührt, sonst wird er bröcklig.

gips-anruehren-05Wer den Gips bearbeiten möchte, sollte ihn mindestens 2 Tage aushärten lassen, besser aber länger. Er muss ganz austrocknen, wird dabei heller und leichter. Wer feine Detailarbeiten ausführen möchte, sollte damit gleich nach dem Ende des Mischvorganges beginnen.

Anfänger sollten immer erst mit einfachen und kleineren Projekten beginnen, um ein Gefühl für die Masse und ihr Verhalten beim Andicken und Aushärten zu bekommen. Mit der Zeit hat man im Gefühl, wie der Gips reagiert und wie schnell man arbeiten muss. Häufig sind Luftblasen ein Problem. Besonders bei Bildern und kleinen Figuren sieht das nicht schön aus. Deshalb beim Rühren darauf achten, dass nicht so viel Luft eindringt und die Blasen rausklopfen bzw. rausschlagen. Wer festeren Gips benötigt, muss mit weniger Wasser arbeiten. Für die Herstellung von Fasergips können Baumwollfasern, aber auch Hanf oder Tierhaare zugefügt werden. Auch dadurch wird die Gipsmasse fester.

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Feli
Hallo Bastelfreunde, mein Name ist Feli. Mit talu.de habe ich eine Möglichkeit gefunden, meine Kreativität auszuleben und gleichzeitig originelle Ideen zu entdecken. Besonders freue ich mich darauf, diese mit Euch zu teilen. Neben der Textbearbeitung beschäftige ich mich vor allem mit der Bildbearbeitung und Dokumentation verschiedenster Themen und Anleitungen. Die Vielseitigkeit, die in talu.de steckt, gibt uns die Chance, gemeinsam einen Ort für kreative Ideen zu gestalten.

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