Waschmaschine reparieren

Eine streikende Waschmaschine ist unangenehm aber kein Grund zur Panik. Die mechanisch hoch beanspruchten Maschinen unterscheiden sich je nach Marke und Preisklasse stark in der Qualität. Ein Todesurteil ist ein Ausfall auch bei einer billigen Waschmaschine erst einmal nicht. Es gilt, den Fehler zu finden, um die weiteren Maßnahmen einschätzen zu können.

„Kaputt“ ist keine Diagnose

Eine Waschmaschine ist ein komplexes Gerät, bei dem viele verschiedene Baugruppen zusammen wirken müssen, um sie in Funktion zu halten. Die Waschmaschine besteht aus elektrischen, elektronischen, mechanischen, statischen und hydraulischen Elementen. Der permanente Eintrag von Feuchtigkeit, die hohen Unwuchten und die wechselnden Temperaturen wirken sehr belastend auf die gesamte Konstruktion einer Waschmaschine. Ein Ausfall der einen oder anderen Komponente ist deshalb eigentlich nur eine Frage der Zeit. Hochwertige Waschmaschinen halten, bei sachgerechter Verwendung, fünf bis zehn Jahre ohne Störungen. Doch auch ältere Waschmaschinen müssen nicht unrettbar zerstört sein, wenn sie Funktionsstörungen zeigen. Mit System und Geduld kann auch ein Laie viele Fehler an einer Waschmaschine eingrenzen. Das hilft zumindest bei der Kommunikation mit dem Reparaturservice.

Fünf typische Schadensfälle

Vorab: Ein sehr hilfreiches Hilfsmittel bei der Reparatur einer Waschmaschine ist ein Nasssauger. Diese sind inzwischen sehr preiswert zu haben. Als Gebrauchtgerät bekommt man einen Nasssauger schon für 20 Euro oder weniger. Notfalls sollte sich ein Gerät ausgeliehen werden, damit die Arbeit an der Waschmaschine so störungsfrei und angenehm wie möglich durchgeführt werden kann.

Vor der Fehlersuche ist es folgendes sehr wichtig:

  • Wasser abdrehen
  • Abpumpen
  • Abwasserschlauch an den Nasssauger anschließen
  • das Restwasser aus der Maschine entfernen.

Maschine ist „tot“

Wenn die Maschine kein Lichtsignal und keinen Pieps von sich gibt, dann ist etwas an der Elektronik defekt. Hier schaut man zunächst die Sicherungen nach. Ein typischer Fehler ist, dass das Stromnetz durch das gleichzeitige Verwenden von zu vielen Geräten überlastet ist und eine Sicherung abschaltet. Wenn die Sicherung abgeschaltet ist, dann schaltet man erst alle anderen Verbraucher aus und schaltet erst dann die Sicherung für die Waschmaschine wieder ein. Wenn die Sicherung dann sofort wieder auslöst, ist ein Defekt an der Waschmaschine vorhanden.

Sicherung prüfen
Sicherungen prüfen

Im nächsten Schritt schaut man sich – bei ausgeschalteter Sicherung das Stromkabel – genau an. Dazu wird es abgezogen. Sind Verkohlungen am Stecker feststellbar, ist Feuchtigkeit eingedrungen und hat den Kurzschluss verursacht. Es können auch Beschädigungen in der Isolation vorhanden sein. Hier hilft es, das Kabel komplett auszutauschen. Dazu wird die Waschmaschine so weit zerlegt – in der Regel genügen die Entfernung von Deckel und Seitenwand – bis der Anschluss des Stromkabels zugänglich ist. Dieses ist durch eine Zugentlastung und eine Lüsterklemme mit der Elektronik der Waschmaschine verbunden. Einfach die drei Schrauben lösen, das alte Kabel entfernen, das neue anschließen und die Waschmaschine läuft wieder. Es dürfen aber nur für Feuchträume geeignete Stromkabel verwendet werden. Ist der Fehler damit nicht behoben, sollte der Kundendienst kontaktiert werden.

Waschmaschine Türkontakt
Waschmaschine Türkontakt

Ein typischer Fehler, der eine Maschine stillsetzen kann, ist ein defekter Türkontakt. Dieser ist zwar einfach zu beheben, die Reparatur sollte aber dennoch nur von einem Fachmann durchgeführt werden.

Maschine „stottert“ und schleudert nicht richtig

Das ist ein typisches Symptom für verschlissene Kohlen am Antriebsmotor. Diese können für wenige Euro (ca. 8-30 Euro) nachgekauft werden. Sie befinden sich in einem Träger aus Kunststoff, der mit einer oder zwei Schrauben am Elektromotor befestigt ist. Diese werden einfach ausgetauscht. Hilft diese Maßnahme nicht, ist der Motor defekt. Ein Austausch des ganzen Motors lohnt sich in der Regel nicht.

Maschine pumpt nicht ab

Der Ausfall der Pumpfunktion ist ein häufiger Fehler bei einer Waschmaschine, er kann aber viele Ursachen haben.
Die typischen Symptome sind:

  • die Maschine ist undicht
  • die Trommel schleudert nicht
  • das Gerät schlägt und hüpft
  • kein Wasser läuft  ein
  • das Wäsche ist am Ende des Waschvorgangs noch warm
  • die Wäsche riecht komisch und wird nicht sauber
  • quietschende oder klappernde Geräusche

Meistens ist die Pumpe oder der Abwasserschlauch lediglich verstopft. Die berühmte „gefressene Socke“ ist da der häufigste Auslöser. Dafür haben alle Waschmaschinen eine Reinigungsöffnung vor der Pumpe, mit der sie nach Fremdkörpern untersucht werden kann. Das Handbuch der Waschmaschine gibt dazu genaue Auskunft. Ist das Handbuch nicht verfügbar, kann es im Internet recherchiert und herunter geladen werden.

Reinigungsöffnung Waschmaschine
Reinigungsöffnung

Häufig ist das Problem bei einer gestörten Pumpfunktion auch an der anderen Seite zu finden: Wenn die Waschmaschine gar nicht erst Wasser ansaugen kann, dann kann sie es auch nicht abpumpen. Wenn sicher gestellt ist, dass das Zuwasser auch aufgedreht ist, dann sollte der Schlauch untersucht werden. Knicke können den Zufluss verhindern. Auch hier kann ein Fremdkörper, beispielsweise eine Verkalkung, die Ursache sein. Natürlich kann auch die Pumpe selbst defekt sein. Diese auszutauschen ist jedoch definitiv nur eine Arbeit für Leute, die sich wirklich mit der Materie auskennen.

Waschmaschine läuft aus

Eine Überschwemmung in der Waschküche kann viele Ursachen haben. Die inneren und äußeren Dichtungen der Maschine sind mit den vorhandenen Wassermengen überlastet und können sie nicht zurück halten. Das muss nicht unbedingt bedeuten, dass irgend eine Dichtung defekt ist. Waschmaschinen sind so konstruiert, dass sie nur eine gewisse Menge an Wasser zurück halten können. Eine defekte Abpumpfunktion kann, wie in oben beschrieben, viele Ursachen haben. Weitere mögliche Gründe für eine auslaufende Waschmaschine können sein:

Waschmaschine reparieren
Zu- und Abwasser prüfen
  • Auslaufen zu Beginn des Waschvorgangs:
    • Einlaufschlauch ist verstopft und der Einspülkasten läuft über
    • Schlauch des Einspülkastens ist abgerutscht
    • Einlaufschlauch ist undicht
  • Auslaufen während des Waschprogramms:
    • Türdichtung ist undicht
    • Pumpendichtung ist undicht
    • Bottich selbst ist undicht
    • Flusensieb ist undicht.
    • Luftfalle ist undicht
    • Trommellager ist defekt
Dichtung Waschmaschine
Dichtungen prüfen
  • Auslaufen am Ende des Waschvorgangs:
    • Bottich ist oberhalb der Maximalfüllung defekt
    • Ablaufschlauch ist defekt

Einen Einspülkasten oder sogar einen Waschmaschinenbottich kann man theoretisch selbst wechseln. Beim Wechsel des Bottichs kann man den Antriebsriemen und das Lager auch gleich mitwechseln. Das ist aber eine sehr aufwändige Arbeit, die mehrere Stunden in Anspruch nimmt. Ein Austauschbottich kostet jedoch mehrere hundert Euro. Der Kauf einer neuen Waschmaschine ist hier in den meisten Fällen der sinnvollere Weg. Gerissene Türdichtungen sind hingegen sehr einfach und preiswert zu tauschen. Ebenso Zu- und Ablaufschläuche und im begrenzten Umfang auch die inneren Dichtungen in einer Waschmaschine.

Maschine klappert und schlägt laut

Mechanisch gesehen leistet eine Waschmaschine Schwerstarbeit. Die in der Trommel herumfliegende nasse Wäsche erzeugt eine starke Unwucht, die bei Frontlader-Maschinen nur von einem einzigen Lager im Bottich aufgefangen wird. Toplader-Maschinen sind doppelt gelagert, was den Verschleiß in den Lagern stark reduziert.

Eine schlagende und klappernde Maschine hat deshalb meistens einen Fehler in der Lagerung als Ursache. Doch das muss nicht unbedingt gleich das Lager selbst sein.

Damit die Unwuchten überhaupt einigermaßen aufgefangen werden können, ist der Bottich mit großen Zugfedern am Gehäuse der Waschmaschine befestigt. Diese Zugfedern können sich aushängen oder ihre Halterungen brechen. Sie sind nach dem Entfernen des Deckels meist leicht zugänglich. Hier muss man lediglich den Netzstecker ziehen, den Deckel abschrauben und die Feder wieder einhängen. Dieser Fehler tritt meist nach Umzügen auf, wenn die Trommel der Waschmaschine nicht gesichert wurde. Ist die Halterung am Gehäuse gebrochen, kann das Trägerelement meist abgeschraubt und ausgetauscht werden. Wenn aber die Halterung am Bottich gebrochen ist, dann ist die Maschine in der Regel nicht mehr zu retten.

Waschmaschinen-Trommel
Waschmaschinen-Trommel

Ein defektes Lager kann man so identifizieren, in dem man die leere Trommel per Hand durchdreht. Entsteht dabei ein schleifendes Geräusch und spürt man Widerstände beim Drehen, dann ist das Trommellager defekt. Um es auszutauschen muss der Bottich ausgebaut und zerlegt werden. Als Laie kann man für diese Arbeit einen Samstag veranschlagen. Mit etwas Übung schafft man dies in 2-3 Stunden. Zum Wechsel des Lagers gehört immer auch der Austausch der Dichtung zwischen den Hälften des Bottichs. Das Lager kostet ca. 30 Euro. Die Dichtung kostet nochmals 15 Euro. Diese Arbeit lohnt sich jedoch nur, wenn man sie selbst macht. 70-120 Euro Lohnkosten pro Stunde für einen professionellen Reparaturservice machen diese Reparatur meist unwirtschaftlich.

Motor dreht aber Trommel nicht

Hier ist der Antriebsriemen defekt. Dieser befindet sich hinter dem Bottich. Er verbindet das Schwungrad mit dem Elektromotor. Um ihn zu tauschen, wird einfach die Trommel ausgehängt, der neue Riemen aufgelegt und mit dem Einhängen der Trommel wieder gespannt. Dies ist eine einfache und gut allein durchführbare Reparaturmaßnahme. Ein neuer Antriebsriemen kostet ca. 8-20 Euro

Welche Reparaturen lohnen sich?

Reparaturen, die man nicht selbst beheben kann, sind immer eine Abwägungssache. Mit dieser Übersicht soll als Entscheidungshilfe dienen, ob die Waschmaschine repariert oder ausgetauscht werden soll.

  • Betriebszeit der Waschmaschine
    • bis 4 Jahre – Reparaturkosten bis 70 % vertretbar
    • 5-7 Jahre – Reparaturkosten bis 55 % vertretbar
    • 8-10 Jahre – Reparaturkosten bis 35 % vertretbar
    • ab Jahre – Reparaturkosten bis 15 % vertretbar

KostenIm Klartext heißt dies: Eine Maschine mit einem Neuwert von 400 Euro darf bis zum vierten Jahr ein Schaden in Höhe von 280 Euro, bis zum siebten Jahr einen Schaden von 210 Euro, bis zum zehnten Jahr einen Schaden von 100 Euro und über das zehnte Jahr hinaus nur noch einen Schaden von maximal 60 Euro haben, um sinnvoll repariert werden zu können.

Bei Neugeräten kann heute eine Garantieverlängerung bis 5 Jahren gebucht werden. Je nach Wertigkeit des Gerätes kann das sinnvoll sein, um bis 5 Jahren einen einigermaßen wirksamen Schutz zu haben. Jedoch entfällt die Garantie bei Eigenverschulden: Mit Fremdkörpern verstopfte Pumpen fallen beispielsweise nicht unter die Garantie.

Tipps für Schnellleser

  • Ein Nasssauger gehört heute in jeden Haushalt. Spätestens wenn die Waschmaschine defekt ist, kann das Gerät den Tag retten.
  • Systematische Fehlersuche hilft den Schaden einzugrenzen.
  • Reparaturversuche nur mit abgezogenem Stecker und abgedrehtem Wasser!
  • Neugeräte sind heute extrem preiswert zu haben. Bei begrenztem Budget ist der Kauf einer Billig-Waschmaschine für unter 250 Euro mitunter eine gangbare und schnelle Übergangslösung, wenn die eigene Waschmaschine ausfällt.

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