Tunika nähen für Anfänger – DIY-Anleitung + kostenloses Schnittmuster


Eine Tunkia ist gerade in der warmen Jahreszeit sehr praktisch, da sie in der längeren Variante als Kurzkleid getragen werden kann. Der große Vorteil ist aber, dass sie im Winter auch als Bluse zum Einsatz kommt. Es gibt dabei die unterschiedlichsten Ausführungen. Wenn Sie kürzer genäht wird, wirkt sie jugendlich-verspielt und ist eine tolle Ergänzung zu luftigen Röcken oder kurzen Hosen. Auch über Bikini oder Badeanzug macht sie sich großartig.

Da diese Anleitung für Anfänger geeignet sein soll, habe ich mit eine ganz einfache Version überlegt, für die Sie sogar das Schnittmuster selbst erstellen können. Als kleines Zuckerl habe ich dann noch eine Variante dazugeschrieben, bei der sie mittels einer kleinen Änderung dasselbe Schnittmuster auch für die Erstellung eines Cardigans einsetzen können.

Darüber hinaus gibt es eine Mini-Pannenhilfe bezüglich der Ärmellänge und ich beschreibe im Detail, wie die Streifenversäuberung bei einem Halsausschnitt umgesetzt wird.

Schwierigkeitsgrad 2,5/5
(mit dieser Anleitung und etwas Geduld für Anfänger geeignet)

Materialkosten 1/5
(je nach Stoffauswahl)

Zeitaufwand 2,5/5
(für Anfänger inklusive Schnittmuster Erstellung 2h)

Material und Vorbereitung

Materialauswahl

Feinjersey

Für eine Tunika kann prinzipiell jede Art von leichtem Bekleidungsstoff eingesetzt werden. Ein paar kleine Tipps habe ich aber für Sie:

  • Der Stoff sollte nicht zum Großteil aus Polyester bestehen, da Sie sonst sehr schwitzen werden.
  • Der Stoff sollte weich sein und fließend fallen, also nicht zu leicht.
  • Ist der Stoff doch sehr leicht, fällt er oft schöner, wenn der untere Saum breiter genäht wird. In diesem Fall planen Sie bitte die zusätzliche Länge in Ihren Zuschnitt ein.
  • Der Stoff sollte nicht kratzen, da er ungefüttert direkt auf der Haut getragen wird.

Ich habe mich für einen wunderschönen, leichten Viskose-Feinjersey in cremefarben mit buntem Blumen- und Schmetterlingdruck entschieden.

Für Anfänger sind oft dehnbare Stoffarten leichter zu verarbeiten, das sie kleine Fehler „verzeihen“. Dieses Schnittmuster ist aber grundsätzlich auch für nicht dehnbare Stoffe geeignet.

In meinem Beispiel wird die gesamte Tunika in einem Teil zugeschnitten. Sollte dies aufgrund des Motivs oder der Stofflänge nicht möglich sein, und sie schneiden getrennt zu (vor allem bei schwereren Stoffen), sollten Sie die Schulternähte mit Bügeleinlage (ohne Volumen) verstärken, da diese Stellen besonders belastet werden und sonst bald ausleiern können. Bei ganz dünnen Stoffen ist dies nicht nötig, da sie durch ihr eigenes Gewicht nicht aushängen. Dünne Stoffe sind zudem nicht meist nicht blickdicht und man würde die Bügeleinlage sehen, das macht sich natürlich weniger gut.

Zusätzlich benötigen Sie noch Stoff oder Schrägbänder zum Einfassen des Halsausschnitts, sofern Sie dies nicht mittels Streifenversäuberung mit dem Hauptstoff machen möchten. Sie können den Halsausschnitt natürlich auch ganz normal säumen, ich möchte jedoch in jedem Tutorial etwas Neues zeigen. Gerade bei so einfachen Schnitten bietet es sich an die Zeit zu nutzen, um seinen Horizont zu erweitern. Je nach Stoffart legen Sie sich auch noch Wondertape zurecht, damit beim Zusammennähen nichts verrutscht.

Materialmenge und das Schnittmuster

Das Schnittmuster ist denkbar einfach: Messen Sie für die Breite einmal mit ausgestreckten Armen von Ellenbogen zu Ellenbogen und fügen Sie etwa 10 cm hinzu, damit die Ärmel etwas länger sind und gesäumt werden kann. Für die Höhe messen Sie von den Schultern bis zu dem Punkt, zu dem Ihre Tunika etwa gehen soll. Ich möchte eine Kurztunika nähen, daher reichen mir ca. 50 cm. Das Ganze benötigen Sie nun 2-mal oder im Bug und das Schnittmuster ist schon fast fertig!

Tunika-Schnittmuster

Nun werden an den beiden unteren Ecken noch Rechtecke weggeschnitten, und zwar sollten die Ärmel etwa 35 cm breit sein und für den Körperumfang rechnet man etwa 76 cm. Somit kommen bei mir rechts und links jeweils ein Rechteck mit einer Höhe von 15 cm und einer Breite von 12 cm weg.

Jerseystoff abmessen

Sie sollten also mit 1,5 m Stoff bei einer Breite von 1 m wunderbar auskommen. Selbstverständlich kann der Schnitt ganz nach belieben unterteilt werden. Sie können verschiedene Stoffreste zusammenfügen, Borten und Spitzen anbringen, Applikationen aufnähen und vieles mehr.

Falls Sie nicht messen wollen, nehmen Sie einfach diese Maße:

  • Stoffbreite: 100 cm
  • Stoffhöhe: 75 cm (2x oder im Bruch, also 150 cm)

Das ist die „klassische“ Tunikalänge, die kann aber auch gerne noch länger – bis etwa zur Mitte der Oberschenkel – genäht werden. Auch eine kürzere Variante wie in diesem Tutorial ist jederzeit möglich. Eben die Wandelbarkeit macht dieses einfache Schnittmuster besonders interessant.

Im nächsten Schritt zeichnen Sie sich den Halsausschnitt an. Dazu können Sie entweder ein passendes T-Shirt als Vorlage nehmen, oder Sie zeichnen ihn nach Gefühl. Es sollte jedoch unter nur leichter Dehnung des Stoffes ihr Kopf hindurchpassen. Also würde ich mindestens 90% des Kopfumfangs ansetzen. Wenn Sie unsicher sind, schneiden Sie zuerst nur ein etwas kleineres Loch in den Stoff und probieren Sie, ob Ihr Kopf hindurchpasst. Sie können nach Bedarf vergrößern. Mit einem Carmen -Ausschnitt brauchen Sie sich zum Beispiel überhaupt keine Gedanken zu machen. Messen Sie dafür einfach jeweils von einer gewünschten Stelle zur anderen und fügen Sie für die Vorderseite eine etwas größere Rundung hinzu.

Ich habe mich für einen Carmen-Ausschnitt entschieden und markiere mir dafür zuerst die Stoffmitte am Bug mit einer Stecknadel. An meinem Körper habe ich einen Ausschnitt von etwa 30 cm abgemessen. Nun messe ich von der Mitte weg also jeweils 15 cm zu jeder Seite und markiere mir diese beiden Punkte ebenfalls.

Tunika nähen

Da mein Ausschnitt symmetrisch sein soll (ja, sie können ihn auch gerne asymmetrisch machen), lege ich den Stoff nun nocheinmal so zusammen, dass die beiden 15 cm-Markierungen übereinander liegen. Nun schneide ich einen schmalen Streifen aus dem Stoff, der zur Markierung hin schmäler wird, bis er bei der Markierungsnadel ganz endet.

Nähanleitung

Ich falte nun wieder auseinander und lege den Stoff zwischen den Markierungen an der Vorderseite meiner Tunika in den Bruch (also bereits entlang des Halsausschnitts). Hier schneide ich wieder einen schmalen Streifen weg, der an den Markierungen endet, sodass der vordere Ausschnitt minimal tiefer sitzt.

Schnittmuster für Tunika

Genauso verfahren Sie, wenn sie die Tunika aus zwei Teilen zusammensetzen. Nur dass in dem Fall oben die offenen Kanten liegen anstatt des Bugs.

Tipp: Wenn Sie eine Streifenversäuberung machen möchten, müssen Sie keine Nahtzugaben berücksichtigen. Wenn Sie den Ausschnitt säumen oder mit Bündchen versehen wollen, fügen Sie rundum etwa 0,7 cm Nahtzugabe hinzu.

Falls Sie die Vorder- und Rückseite getrennt zugeschnitten haben, nähen Sie zuerst die Schulternähte zusammen. In dem Fall sollten jeweils einige Zentimeter mit Bügeleinlage verstärkt werden.

Nähen Sie nun die Ärmel und die Seiten entlang der weggeschnittenen Rechtecke rechts auf rechts zusammen.

Kurztunika nähen

Sie können sich nun schon vorstellen, wie die fertige Tunika aussehen wird. Im Anschluss säumen Sie die Ärmel und den unteren Saum. Bei dünnen Stoffen können Sie mit Hilfe von Wondertape (oder durch einfaches einbügeln) die Kante nur einmal nach innen klappen und dann absteppen. So wird der Saum nicht zu dick und der Stoff fällt schön.

Dann geht’s an die Streifenversäuberung des Halsausschnitts, sofern Sie diese Variante wählen. Wie Sie ein Bündchen annähen habe ich schon in der Anleitung „Pumphose“ nähen detailliert gezeigt, darum möchte ich heute auf die Streifenversäuberung eingehen.
Anleitung en zur Streifenversäuberung des Halsausschnitts für Anfänger in zwei Varianten

Anleitung 1: die oft gesehene Streifenversäuberung

Ich möchte diese Variante zuerst beschreiben, da sie auch für das Nähen mit einer normalen Nähmaschine geeignet ist. Für die Streifenversäuberung benötigen Sie einen Stoffstreifen. Wenn die Versäuberung 1 cm breit sein soll, benötigen Sie 4 cm Breite. Also wird immer mit dem Faktor 4 gerechnet. Möchten Sie nur in Nahtzugabenbreite versäumen, reichen normalerweise 4 x 0,7 cm, also 2,8 cm. Wollen Sie die Einfassung 2 m breit machen, benötigen Sie 8 cm. Die Stofflänge des Versäuberungsstreifens sollte einige cm mehr als der Halsausschnitt-Umgang betragen.

Damit Sie die folgenden Schritte besser nachvollziehen können, verwende ich nun zum Erklären Stoffstücke mit unterschiedlichen Motiven.

Tipp: Bügeln Sie immer zwischen den einzelnen Schritten für ein schönes, sauberes Ergebnis.

Wenden Sie Ihre Tunika auf links. Legen Sie den Versäuberungsstreifen mit der rechten Seite nach unten auf die linke Seite der Tunika, und zwar so, dass die Kanten oben bündig abschließen.

Streifenversäuberung

Beginnen sie erst nach 2-3 cm und nähen Sie den Streifen rundum an. Wenn Sie wieder zum Beginn kommen, klappen Sie den Anfang des Streifens nach unten (die Kanten müssen wieder gleich aufliegen), legen Sie das Streifenende bündig darüber und nähen Sie darüber. Verriegeln Sie die Naht.

Tunika nähen

Tipp: Bei Rundhalsausschnitten sollten Sie die Streifenversäuberung leicht gezogen anbringen. Bei dehnbaren Stoffen funktioniert das ganz einfach. Ziehen Sie also während dem Nähen ganz leicht am Versäuberungsstreifen. Das kann unter Umständen etwas Übung erfordern. Wenn Sie zu fest ziehen, kräuselt sich der Unterstoff. Wenn Sie zu wenig ziehen, kann es sein, dass der Versäuberungsstreifen nachher absteht.

Klappen Sie den Streifen nach oben und wenden Sie die Tunika auf rechts. Falten Sie den Versäuberungsstreifen zum Ausschnitt hin mittig 2-mal um und stecken Sie alles gut fest. Nähen sie knappkantig mit einem elastischen Stich ab.

Halsauschnitt versäubern

Anleitung 2: die klassische Streifenversäuberung

Die klassische Variante kommt mit einer Stoffschicht weniger aus und trägt dadurch auch weniger auf. Sofern man nicht stolzer Besitzer einer Coverlock-Nähmaschine ist, wird die Innenseite des Halsausschnitts jedoch nicht so schön, da sie nicht klar versäubert ist. Bei Jerseys ist das nicht so schlimm, da sie ja nicht geendelt werden müssen, aber es ist Geschmackssache, ob das offene Ende stört oder nicht.

Legen Sie den Versäuberungsstreifen rechts auf rechts auf die Außenseite des Halsausschnitts (also mit den „schönen“ Seiten zusammen). Steppen Sie ihn bündig an der Oberkante knappkantig fest (bei dehnbaren Stoffen immer mit einem dehnbaren Stich).

Tunika nähen

Falten Sie den Streifen nach oben und bügeln Sie die Kante gerade. Wenden Sie die Tunika auf links und klappen Sie den Streifen über die Nahtzugabe. Bügeln Sie nun auch die neu entstandene Kante kurz fest. Wenden Sie die Tunika wieder und fixieren Sie den Streifen im Nahtschatten mit Stecknadeln. Es wird nun auch im Nahtschatten genäht.

Tunika nähen

Tipp: Als Nahtschatten bezeichnet man die Stelle zwischen den beiden Stoffen, an denen die vorherige Naht verläuft Während dem Nähen kann man die Stoffe leicht auseinanderziehen, dann sieht man die neue Naht im Anschluss so gut wie gar nicht mehr. Verwenden Sie farblich passendes Garn. Ich habe dies der besseren Sichtbarkeit wegen unterlassen.

Streifenversäuberung nähen

Schneiden Sie die überstehende Nahtzugabe vorsichtig bis zur Naht zurück.
Und fertig ist die Tunika für Anfänger!

Tunika nähen

Variationen

Eine schöne Variante dieses Tunika Schnittmusters ist ein Cardigan. Erstellen Sie dafür das Schnittmuster genauso wie für die Tunika. Statt dem Halsausschnitt schneiden Sie aber lediglich vom Bug weg nach unten (bis auf die Höhe der Eckpunkte der zwei weggeschnittenen Rechtecke) ein Dreieck und dann gerade nach unten, sodass der Stoff geteilt ist und vorne wie eine Jacke geöffnet werden kann.

Cardigan aus Tunika

Säumen Sie alle offenen Stellen. Und schon ist ein flotter Cardigan fertig. Diesen können Sie entweder offen oder mit einem Gürtel tragen. Haben Sie keinen Gürtel parat, sieht er auch mit einem Stoffband oder dünnen Schal geschlossen toll aus.

Möchten Sie längere oder kürzere Ärmel haben, variieren Sie einfach die Stoffbreite. Bei den ersten Versuchen sieht das vielleicht manchmal etwas anders aus, als Sie sich das vorgestellt haben, darum hier noch ein paar Tipps:

Sind die Ärmel zu lang, können Sie ganz einfach nachträglich kürzen oder einen breiteren Saum nähen. Sie können auch an der Oberseite Schlitze einschneiden und versäubern, dann fällt der Stoff nach unten und nicht mehr den Armen entlang.

Sind die Ärmel zu kurz, nähen Sie einfach gesäumte Stoffstreifen zum Beispiel als eye-catcher in Kontrastfarben daran. Diese können jede gewünschte Breite haben und das fertige Keidungsstück großteils sogar noch immens aufwerten. Wenn Sie zum Beispiel goldenen oder silbernen Satin dafür verwenden, sieht die Tunika plötzlich sehr elegant aus und kann in die Abendgarderobe integriert werden. Bei einem Cardigan bietet es sich in dem Fall an, auch für die Halseinfassung und die Vorderkanten denselben Stoff anzusetzen. Für den Strand ist Ihnen dieses Oberteil dann vielleicht schon zu schade.

Oder sie setzen eine verspielte Loch-Spitzenborte in einer passenden Farbe an. Auch Stoffreste Ihres Hauptstoff quer zum Fadenlauf können sich je nach Motiv gut machen.
Und jetzt: Viel Freude beim Nachnähen!

Schnellanleitung

1. Maß nehmen oder vorgegebene Maße verwenden und Stoff zuschneiden
2. Halsausschnitt planen und einschneiden
3. Eventuell Schulternähte schließen (Bügeleinlage!)
4. Ärmel und Seiten zusammennähen
5. Säumen und/oder Streifenversäuberung anbringen
6. Und fertig!

Die Zwirnpiratin

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