Stoffe färben – Anleitung + die besten Hausmittel und Naturfarben

Stoffe zu färben, ist eine tolle Möglichkeit, Textilien aufzuwerten und dem eigenen Geschmack anzupassen. Mit wenig Aufwand erhalten Ihre Kleidungsstücke, Vorhänge oder Kissenbezüge ein völlig neues Design in strahlenden Farben. Neben der unkompliziertesten Variante mit fertiger Textilfarbe gibt es auch effektvolle Alternativen aus natürlichen Quellen. Wer einige wichtige Details beachtet, erzielt mit allen Methoden einen intensives Ergebnis genau nach Wunsch.

Daheim Stoffe färben

Die Bettwäsche wirkt ziemlich angegraut und farblos? Oder beim neuen Shirt haben Sie sich doch in der Nuance vergriffen? Kein Problem, versuchen Sie einfach, diese Stoffe zu färben, anstatt sich direkt von ihnen zu trennen und Neues zu kaufen. Diese nachhaltige und damit umweltfreundliche Vorgehensweise sorgt für erstaunliche Ergebnisse und lässt Ihrer Kreativität freien Lauf. Sie werden überrascht sein über die Veränderung.

Vorausgesetzt, es handelt sich um färbbare Fasern, können Sie nahezu jede Wunschfarbe erzielen.

Näheres zu den Stoffen

Egal für welche der folgenden Methoden Sie sich entscheiden, um Ihre Stoffe zu färben, gilt folgender Ansatz: Alle Textilien sollten frisch gewaschen und frei von Flecken sein. Denn solche Makel würden sich durch das Färben nur verstärken und trotz neuer Strahlkraft sichtbar bleiben. Damit die Stücke den Färbeprozess unbeschadet überstehen, müssen sie zudem bei mindestens 40 Grad waschbar sein. Prüfen Sie das vorher im Etikett nach.

Darüber hinaus spielt die Ausgangsfarbe der Stoffe eine Rolle: Es leuchtet schnell ein, dass das kleine Schwarze nie zum kleinen Gelben werden kann. Dafür ist die Grundfarbe einfach zu dunkel. Je heller also der Ausgangston, desto reiner und kräftiger wird das Ergebnis. Weiß ist somit optimal, aber auch eine Basis in Hellblau, Rosa oder Hellgelb beispielsweise kann schöne Resultate hervorbringen. In diesen Fällen wird die erreichte Farbe etwas dunkler ausfallen, und vom bereits vorhandenen Unterton beeinflusst sein. Beispiel: Ein hellblaues Shirt, dass Sie mit einer Textilfarbe in Erdbeerrot überfärben, wird ein leicht blaustichiges dunkleres Rot ergeben.

Leider nehmen nicht alle Fasern die Farbe gleichermaßen an. Grundsätzlich sind reine Naturfasern optimal färbbar, synthetische Stoffe hingegen nicht. Mischungen entwickeln einen helleren, pastelligen Ton. Je mehr Naturfasern in Ihrem Textilstück also enthalten sind, desto besser wird Ihr Ergebnis. Hier ein Überblick:

Färbbare Fasern:

  • Baumwolle
  • Leinen, Halbleinen
  • Viskose
  • Zellulose
  • Mischfasern mit mindestens 60 % Anteil obiger Naturfasern

Stoffe färben

Nicht färbbare Fasern:

  • Kunstfasern wie Polyester, Acryl, Polyacryl, Polyamid
  • Seide (außer mit Naturfarben)
  • Wolle (außer mit Naturfarben)

Seide

Wichtig: Selbst Textilien aus gut färbbaren Naturfasern sind häufig mit synthetischen Nähten versehen. Da diese wie beschrieben die Farbe kaum bis gar nicht annehmen, bleiben sie im Ausgangston bestehen. Insbesondere wenn Sie in sehr großen Farbsprüngen Stoffe färben oder sehr dunkle Zielfarben erreichen wollen, ergibt sich somit ein starker Kontrast zwischen Nähten und sonstigem Textil. Das kann schick aussehen – oder auch nicht. Beziehen Sie diesen Faktor aber unbedingt in Ihre Farbwahl ein.

Mit Textilfarbe

Sie benötigen:

  • Textilfarbe in Wunschton und ausreichender Menge (etwa Simplicol, aus dem Drogeriemarkt oder online zu erwerben)
  • evtl. zusätzliches Färbesalz (wenn nicht im Hauptprodukt enthalten)
  • Waschmaschine

Batikfarben

Anleitung:

1. Schritt: Wiegen Sie zunächst die zu färbende Wäsche im trockenen Zustand. Dadurch können Sie sicher bestimmen, wie viel Farbe Sie verwenden wollen, um Ihr gewünschtes Farbergebnis zu erzielen. Je mehr Stoff, desto mehr Packungen werden nötig. Genaue Angaben entnehmen Sie Ihrem Produkt.

Tipp: Als Orientierung, bei Simplicol etwa erreichen 600 g Stoff die auf der Packung angezeigte Zielfarbe. 1200 g hingegen erzielen einen etwas helleren, aber immer noch sehr farbintensiven Ton.

2. Schritt: Daraufhin durchfeuchten Sie die saubere Wäsche gut. Das funktioniert am besten mit einer kleinen Schüssel in der Badewanne oder Dusche. Alles eintauchen und anschließend wieder auswringen.

3. Schritt: Die komplett benetzte Wäsche legen Sie nun wie gewohnt in die Waschmaschine.

4. Schritt: Schneiden Sie die Tüte des Farbfixierers vorsichtig auf und stellen ihn ebenfalls in die Waschmaschine.

5. Schritt: Jetzt starten Sie ein Pflegeleicht-Programm bei 40 Grad.

6. Schritt: Warten Sie etwa fünf Minuten.

7. Schritt: Nach dieser Zeit gießen Sie das Färbemittel ins Waschmittelfach und spülen mit einem Liter klarem Wasser nach.

Einfüllkammer

8. Schritt: Warten Sie nun, bis das Waschprogramm vollständig abgelaufen ist.

9. Schritt: Danach starten Sie das Waschprogramm erneut, diesmal aber ganz normal mit Waschmittel.

10. Schritt: Wäsche trocknen und fertig! Eventuelle Flecken an der Waschmaschine lassen sich leicht mit Essig oder Reiniger problemlos entfernen.

Farbverlauf färben

Eine besondere kreative Option ist es, nicht das gesamte Textilstück zu färben, sondern mit einer passenden dunkleren Nuance einen tollen Farbverlauf zu erzielen. Beispiel: Ein gelbes Kleidungsstück könnte mit einem hellen Rot aufgepeppt werden. Der Farbverlauf würde dann von diesem Rot über ein fließendes Orange bis hin zum Ausgangston Gelb reichen.

Materialien:

  • Textilfarbe
  • zwei große Schüsseln mit 40 Grad heißem Wasser
  • langen Löffel oder Ähnliches- Haushaltshandschuhe
  • optional: Bodenabdeckung mit Zeitungen oder Malerplane

So geht es:

1. Schritt: Füllen Sie beide Schüsseln mit 40 Grad heißem Wasser. Arbeiten Sie daraufhin zügig, damit die Temperatur nicht zu sehr nachlässt.

2. Schritt: In eine der Schüsseln rühren Sie mit Ihrem Löffel die Farbe sowie das zugehörige Färbesalz oder den Farbfixierer.

Tipp: Handschuhe nicht vergessen! Schützen Sie auch die umliegenden Gegenstände und eventuell auch den Boden vor Spritzern.

3. Schritt: Nun tauchen Sie Ihren Stoff in die Schüssel mit klarem Wasser, um ihn gut zu befeuchten. Dadurch nimmt er anschließend die Farbe besser auf.

4. Schritt: Etwas auswringen und dann mit der Seite, auf der Ihr Farbverlauf beginnen soll, vorsichtig in die Schüssel mit der Farbe tauchen, und zwar so weit, wie der Farbverlauf reichen soll.

5. Schritt: Nun ziehen Sie das Textil wieder ein Stück weit aus der Farbe heraus. Der untere Bereich verbleibt jedoch immer darin. So nimmt er am meisten Farbe an, die nach oben hin dann graduell heller wird.

Stoffe färben

6. Schritt: Wieder eintauchen bis zu dem gewünschten Ende des Farbverlaufes.

7. Schritt: Wiederholen Sie die Schritte 5 und 6 etwa fünf Minuten lang.

8. Schritt: Danach lassen Sie den unteren Teil des Farbverlaufes für weitere fünf Minuten in der Farbe ruhen. Der obere Teil bleibt mit der bereits eingesogenen Farbe benetzt, liegt aber nicht in dieser.

Tipp: Bewegen Sie die in der Schüssel befindlichen Stoffe beim Färben immer wieder leicht mit dem Kochlöffel. So glätten Sie Falten aus, die sonst Farbflecken annehmen könnten.

9. Schritt: Gefällt Ihnen die Farbe, dann gehen Sie wieder über zum klaren Wasser und waschen den Stoff ein wenig aus. Ansonsten wiederholen Sie die Prozedur noch so oft, bis Ihnen die Nuance intensiv genug ist.

10. Schritt: Nun können Sie Ihre Wäsche in der Dusche oder Badewanne komplett ausspülen oder in der Waschmaschine waschen, um Farbreste zu entfernen.

Mit Pflanzenfarben

Wer es lieber natürlich mag, kann mit Kraft der Pflanzen und simpler Hausmittel ebenfalls tolle Ergebnisse erzielen. Schon im Mittelalter und weit früher war es beliebt, Stoffe mit Pflanzenfarben zu verschönern. Naturgemäß fallen die Resultate etwas sanfter aus als beim chemischen Färben. Das natürliche Verfahren bietet allerdings den Vorteil, dass auch Wolle und Seide behandelt werden können. Außerdem wird aus jedem Textil ein Unikat, da alle Färbebäder auf diese Weise einzigartig reagieren. Und zu guter Letzt bekommen durch diese schonende Variante auch Allergiker die Möglichkeit, ihre Stoffe zu färben.

Stoffe pflanzlich färben

Damit die Fasern die Farben richtig aufnehmen, benötigen Sie einen Extraschritt vor dem eigentlichen Stoffe-Färben: die Beize. Das gewählte Beizmittel kann außerdem die Farbintensität beeinflussen. Deshalb vorab ein Überblick über die möglichen Naturfarben und ihre passenden Beizmittel:

  • Beige bis Braun -> Schwarzer Tee (Beize: Essig)
  • Braun -> Kaffee (Beize: Essig)
  • Hellgelb -> Kamille (Beize: Essig)
  • Kräftiges Goldgelb -> Kurkuma (Beize: Essig oder Alaun)
  • Orange -> Zwiebelschale (Beize: Essig)
  • Hellgrün -> Spinat (Beize: Essig)
  • Grün -> Birke, Brennnessel, Schafgarbe (Beize: Eisensulfat)
  • Blau -> Indigo (Beize: nicht nötig)
  • Violett -> Holunderbeeren (Beize: Alaun)
  • Pink -> Brombeere, Kirsche, Himbeere, Erdbeere (Beize: Salz), Rotkohl (Beize: Essig)
  • Rot -> Krapp (für Hellrot Beize: Alaun; Mittelrot Beize: Kupfersulfat; Weinrot Beize: Chromkali)

Tipp: Alaun und sonstige nicht im Haushalt vorkommende Beizmittel erhalten Sie in der Apotheke.

Sie benötigen:

  • die Pflanzen oder Beeren für Ihren Farbwunsch
  • das zugehörige Beizmittel
  • einen großen Topf
  • Herd
  • Haushaltshandschuhe

Anleitung:

1. Schritt: Waschen Sie Ihren Stoff bei 40 bis 60 Grad und ohne herkömmliche Waschmittel oder Weichspüler, um ihn von Chemikalien zu befreien.

2. Schritt: Bereiten Sie das Beizbad vor. In einem großen Topf mischen Sie:

  • ca. einen Liter Wasser und einen Viertelliter Essig
  • ca. einen Liter Wasser und einen halben Liter Salz
  • ca. einen Liter Wasser und einen Teelöffel Alaun oder sonstige Beizmittel

Tipp: Je mehr Stoff, desto mehr Wasser wird natürlich nötig. Erhöhen Sie dann den Anteil der Beize gleichmäßig proportional.

3. Schritt: Lassen Sie Ihren Stoff je nach Menge für ein bis zwei Stunden bei schwacher Hitze in der Beize einweichen.

4. Schritt: Danach spülen Sie den Stoff gründlich mit klarem Wasser in der Badewanne oder Dusche aus.

5. Schritt: Bereiten Sie nun das Färbebad vor. Erhitzen Sie in Ihrem Topf mehrere Liter Wasser gemäß der Menge Ihrer zu färbenden Wäsche. Leicht zum Köcheln bringen.

6. Schritt: Nun fügen Sie die Färbemittel, also Ihre Pflanzenteile oder Beeren hinzu.

7. Schritt: Wie lange Ihr Stoff nun im Färbebad verbleibt, hängt davon ab, wie intensiv Sie sich das Ergebnis wünschen. Als Richtwert gilt etwa eine Stunde bei mittlerer Hitze.

Tipp: In Sachen Einwirkzeit ist es ratsam, etwas zu experimentieren, da die individuellen Bedingungen von Herd, Wasserqualität, Stoffart, etc. sehr variieren können und damit auch die nötige Intensität der Prozedur beeinflussen.

8. Schritt: Rühren Sie ab und an um, damit die Farbe sich gleichmäßig verteilen kann, und keine Farbflecken in möglichen Stofffalten entstehen.

9. Schritt: Zeigt der Stoff im Topf die gewünschte Farbe, nehmen Sie ihn aus dem Färbebad.

10. Schritt: Spülen Sie Ihre Textilien nun gründlich mit kaltem Wasser aus, bis keine Farbe mehr fließt.

Dekorative Muster

Ähnlich wie beim Batiken können Sie Ihre Stoffe nicht nur färben, sondern gleichzeitig mit hübschen Mustern versehen. Dafür binden Sie Ihr Textil mit Gummis oder Stoffbändern fest ab. An den Bindestellen und Faltkanten kann die Farbe nicht so gut einwirken. Dadurch bleiben diese Areale heller und ergeben die kreativen Muster.

Wie bei der Batik-Technik stehen verschiedene Binde-Varianten zur Verfügung, die dann wiederum unterschiedliche Designs erzielen. Hier lohnt es sich, einfach Auszuprobieren, was Ihnen am meisten zusagt, da das Resultat immer sehr individuell ausfällt. Einige Möglichkeiten zum Binden im Überblick:

Batik selber machen

  • Einzelne Areale abknoten für ringförmige Muster. Bei Shirts oder Pullover etwa an jedem Ärmel einen oder mehrere Knoten in gleichmäßigen Abständen anbringen.
  • Den gesamten Stoff Aufwickeln wie beim Auswringen und dann mit Bändern versehen. Hier entstehen spiralartige Muster.
  • Symmetrische Formen wie Vorhänge oder Handtücher Kante auf Kante übereinander falten bis ein kleines Paket entsteht. Dieses per Band fixieren. So ergeben sich parallele Streifen oder Karos.
  • Einen Stoffteil nach oben ziehen und rundherum abbinden. Auf diese simple Weise zaubern Sie einen Kreis darauf.

Eine detaillierte Anleitung zum Batiken haben wir hier für Sie: Batik-Anleitung

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