Silikon ist das am weitesten verbreitete Mittel, um Fugen abzudichten. Silikon richtig verarbeiten ist einfach, aber ohne das nötige Wissen kann trotzdem viel schief gehen. Damit Sie zu einem sauberen und wirkungsvollen Ergebnis kommen, haben wir hier die wichtigsten Tipps für Sie zusammengestellt.

Das Ziehen einer neuen oder das Erneuern einer alten Silikonfuge ist eine schnelle Maßnahme, um die Optik und die Sicherheit in einem Feuchtraum wieder herzustellen. Theoretisch kann man diese Arbeit mit wenigen Mitteln erledigen, die in jedem Haushalt zu finden sind. Jedoch gibt es inzwischen zahlreiche, speziell auf das Verarbeiten von Silikon ausgerichtete Werkzeuge. Diese günstigen Helfer können die Arbeit mit dem Fugendichtmittel erheblich vereinfachen und zu einem wesentlich sauberen Ergebnis verhelfen. Wir zeigen ihnen hier, wie Sie Schritt für Schritt vorgehen um eine alte Fuge durch frischen Silikon wieder optisch einwandfrei und technisch sicher abdichten. Denn undichte, alte Fugen können durchaus auch gefährlich werden.

Wozu sind Silikonfugen da?

Es gibt zwei Indikationen, bei denen statt einer mineralischen gefüllten Fuge ein Dichtmittel aus elastischem Silikon gewählt werden sollte:

Dehnfugen

Fliesen und Platten bestehen aus gebranntem Ton oder einem anderen mineralischem Material. Sie dehnen sich bei Erwärmung etwas aus und ziehen sich bei Abkühlung wieder zusammen. Dieser Effekt addiert sich mit der Größe einer gefliesten Fläche auf, bis die normalen, zementbasierten Fugen die thermische Bewegung nicht mehr abfangen können. Dann reißt die Fuge auf und Wasser kann eindringen. Daher werden Dehnfugen aus elastischem Silikon eingebaut, um ein Reißen zu verhindern.

Dichtfugen

Spritzwasser und Taubildung können in feinste Spalten eindringen und dort lange Zeit unbemerkt für Fäulnis und Schimmelbildung sorgen. Damit an kritischen Stellen, wie an der Kante von Duschtassen, Badewannen oder unter Fenstern, keine Feuchtigkeit durch eine Fuge dringen kann, wird sie mit Silikon abgedichtet. Eine frische und sauber ausgeführte Silikonfuge sorgt für einige Jahre Sicherheit. Einmal im Jahr sollte sie aber kontrolliert werden. Wenn sie verschimmelt, gerissen oder stark verfärbt ist, sollte sie ausgetauscht werden.Sanitärsilikon

Eigenschaften von Silikon

Silikon ist ein pastöses Dichtmittel. Pastös bedeutet pastenartig oder teigig. Es wird in Spritzkartuschen geliefert, die mit einer Kartuschenpistole geleert werden. Silikon hat einen Weichmacher, der bei Kontakt mit Luft ausgast. Dadurch härtet Silikon aus, bis es gummiartige Eigenschaften angenommen hat. Sanitärsilikon überzeugt durch seine gute Anhaftung und Elastizität.

Trockenzeiten

Nach dem Abziehen lässt man das Silikon vollständig aushärten und trocknen. Oberflächlich beträgt die Trockenzeit nur ca. 15-20 Minuten. Danach ist die Masse bereits angetrocknet und lässt sich nur schwerlich bearbeiten.

Die Faustregel zur Trocknungszeit insgesamt lautet: Ein Tag pro Millimeter Fugenbreite. So lange muss die Fuge Zeit zum Ruhen haben und darf weder belastet werden, noch mit Wasser in Berührung kommen.

Silikon ist während dem Aushärten sehr wasserempfindlich. Feuchtigkeit während dem Trocknen macht die Fuge wieder undicht, weil es die Klebeeigenschaften von Silikon vermindert. Die Temperatur im Raum sollte bei ca. 20°C oder darunter liegen. Sämtliche Reinigungs- und Verschönerungsversuche während das Silikon trocknet, werden das Ergebnis nur verschlimmern. Wenn das Silikon vollständig durchgehärtet ist, lassen sich Überstände und verschmierte Stellen ganz leicht abziehen bzw. abschneiden.

Silikon gast beim Aushärten stark aus. Eine gute Lüftung kann die Geruchsbelastung vermindern und sorgt für optimale Bedingungen für den Trocknungsprozess.

Arbeitsmittel

Gleichgültig, ob eine neue Fuge gesetzt oder eine alte Fuge repariert werden soll, die Vorgehensweise ist identisch:

  1. Säubern und Trocknen
  2. Bei Natursteinplatten: Abkleben der Kanten
  3. Setzen der Fugen
  4. Nachziehen
  5. Trocknen lassen
  6. Restarbeiten

Die Sauberkeit einer Fuge ist sehr wichtig, da Fremdkörper im Silikon seine Dichtwirkung stark herabsetzen. Vor allem ist dadurch seine Haftung am Untergrund und an den Kanten der Fliesen durch Staub und Schmutz gefährdet.Silikon

Für das Setzen einer neuen Fuge oder dem Austausch einer vorhandenen Fuge ist folgendes Werkzeug hilfreich:

  • „Fugen-Hai“
  • Schere
  • Cuttermesser
  • Kreppband
  • Fugenglätter/Fugenabzieher
  • Gummihandschuhe
  • Kartuschenpistole
  • Silikon-Kartuschen in der gewünschten Farbe
  • Spülmittel und Lappen
  • Silikonentferner
  • Silikon-Primer

Fugen-Hai

Der „Fugen-Hai“ ist ein spezielles Werkzeug, welches explizit für das Reinigen von alten Silikon-Fugen entwickelt wurde. Er kostet ca. 5 Euro und ist wesentlich wirkungsvoller als die traditionell verwendeten Cuttermesser. Vor allem ist der Fugen-Hai aber wesentlich sicherer. Er ist zwar ebenfalls mit einem scharfen Messer ausgestattet, dieses ist aber erheblich einfacher und sicherer zu handhaben, als die beliebten Teppichmesser.

Schere

Die Schere wird zum Öffnen der Silikon-Kartusche und zum Abschneiden des Kreppbands verwendet. Eine Haushaltsschere für 15 Euro reicht für diesen Zweck aus.

Kreppband

Das Kreppband dient zum Abkleben von Natursteinplatten. Auf Schiefer oder anderem unbeschichtetem und offenporigem Mineral lässt sich verschmiertes Silikon nur sehr schwer entfernen. Darum müssen die Kanten der Platten mit Kreppband abgeklebt werden. Eine Rolle hochwertiges Kreppband kostet ca. 5 Euro. Paketband oder Gaffer-Tape sollte nicht verwendet werden. Diese sind sehr teuer, außerdem hinterlassen sie beim Abziehen Rückstände, die wieder entfernt werden müssen.Abkleben mit Kreppband

Fugenglätter

Fugenglätter sind im Set für 5-8 Euro verfügbar. Sie sind eine erhebliche Erleichterung beim Abziehen und Glätten der frisch gesetzten Fugen. Sie machen das Hantieren mit Flaschen oder den bloßen Fingern unnötig und sorgen für wesentlich sauberere Ergebnisse.

Gummihandschuhe

Gummihandschuhe schützen die Hände vor dem Silikon. Dieses ist im frischen Zustand recht scharf und kann zu Hautreizungen führen. Einmalhandschuhe aus Latex sind dazu ideal, da sie gefühlsecht sind. Ein Päckchen mit 100 Stück kostet zwischen 3 und 5 Euro.

Kartuschenpistole

Die Kartuschenpistole dient zum Herauspressen des Silikons aus der Kartusche. Die Qualität sollte zum Arbeitsumfang passen. Einfache Kartuschenpistolen aus Blech sind schon für 3 Euro erhältlich. Damit jedoch ein Mehrfamilienhaus bearbeiten zu wollen ist dann doch eine sehr mühsame Angelegenheit. Elektrisch betriebene Kartuschenpressen sind neu ab ca. 50 Euro zu kaufen. Ein Tipp dazu: Diese Geräte sind häufig gebraucht erhältlich.Silikon Kartuschenpistole

Silikonkartusche

Die Silikonkartusche ist das Gebinde, in dem das Silikon geliefert und gelagert wird. Beim Einsatz der Silikonkartusche muss unbedingt auf das Verfallsdatum geachtet werden. Auch ungeöffnete Silikonkartuschen härten im Lauf der Jahre aus. Das ist nicht nur ärgerlich, weil es dann beim Einsatz fehlt. Unbrauchbar gewordenes Silikon kann, wenn es nicht rechtzeitig bemerkt wird, auch die Kartuschenpresse beschädigen. Fugensilikon ist heute in vielen Farben erhältlich. Hochwertiges Material vom Markenhersteller kostet ca. 6-8 Euro pro Kartusche mit 300 ml Inhalt.

Achtung: Es darf keinesfalls Silikon mit Acryl verwechselt werden! Acryl hat den Vorteil, dass es überstreichbar ist und kann gut in trockenen Räumen eingesetzt werden. Acrylkartuschen sehen so ähnlich aus wie Silikongebinde. Dieses Material ist aber nicht wasserdicht und nicht für Feuchträume geeignet.

Für kleine Reparaturmaßnahmen hält der Handel auch Minikartuschen bereit, die bereits hinreichend unter Druck stehen. Bei diesen ist die Pistole gleich mit integriert. Kompletteinheiten mit ca. 100ml kosten ca. 5-6 Euro.

Spülmittel und Lappen

Spülmittel und Lappen können aus dem Haushalt entnommen werden. Hier kann verwendet werden, was verfügbar ist: Vom Universalreiniger bis zur Badreiniger-Sprühflasche ist alles statthaft. Wichtig ist nur, dass die Fuge nach dem Reinigen gründlich gespült wird.Spülmittel

Silikon-Reiniger und Primer

Silikon-Reiniger ist ein stark entfettendes Lösemittel. Es dient dazu, die ideale Haftung zwischen Untergrund, Fliesenkante und Silikon herzustellen. Die 250 ml Flasche kostet ca. 8 Euro

Silikon-Primer bzw. Silikon-Grundierung ist bei losen oder stark saugenden Untergründen und Fliesen wichtig. Auch bei verzinkten und glatten aber rostenden Metalluntergründen, ist der Silikon-Primer der perfekte Haftgrund für Silikon. Bei Reparaturen im Badezimmer ist der Silikon-Primer aber in der Regel nicht notwendig. Eine 125 ml Dose Silikon-Primer kostet ca. 10 Euro

Silikon richtig verarbeiten

Das Säubern geschieht in drei Schritten:

  1. Loses Material entfernen
  2. Fuge auswaschen
  3. Fuge entfetten

Bei neu gefliesten Flächen ist daher der Staubsauger das ideale Werkzeug, um Fugen vom gröbsten Schmutz zu befreien. Anschließend die Fugen mit Seifenlauge auswaschen, dies bindet die restlichen Feinpartikel. Auch das Seifenwasser muss restlos entfernt werden, darum nach dem Auswaschen gründlich mit Wasser nachspülen. Mit einem Fön kann die Trocknung der Fuge zudem beschleunigt werden. Anschließend nochmals mit Silikonreiniger ausspülen und trocknen lassen. Silikoneiniger ist sehr flüchtig und trocknet schnell. Da er aber starke Lösungsmittel enthält, muss für eine ausreichende Belüftung gesorgt werden.

alte Fugen entfernen
Alte Fugen entfernen

Bei dem Austausch von Altfugen wird mit Hilfe des Fugen-Hais das alte Silikon vorher restlos entfernt. Bei Naturstein oder anderen empfindlichen Materialien sollte so wenig wie möglich auf der Oberfläche herumgekratzt werden. Deshalb ist es besser,  großzügig mit Silikonreiniger und einem Scheuerschwamm aus Kunststoff zu arbeiten, das bewahrt vor unschönen Kratzern.

Bei Natursteinplatten werden nach dem Reinigen, Trocknen und Entfetten der Fugen die Kanten mit Kreppband abgeklebt. Das Klebeband darf dabei nur bis zur Kante reichen und keinesfalls in die Fuge hinein ragen. Auch ein senkrechtes Abkleben der Kanten durch das Kreppband muss unbedingt vermieden werden. Überstehendes Kreppband wird mit dem Cuttermesser entfernt.

Sind die Vorbereitungen abgeschlossen, kann die Silikonkartusche in die Presse eingelegt werden. Dafür schneidet man mit der Schere immer eine schmale, schräge Spitze ab. Die Öffnung sollte etwas kleiner als die Fuge sein.

Fugen ziehen

Nun wird endlich die Fuge mit Silikon gefüllt. Dabei heißt es: Langsam vorgehen. Es wird immer Millimeter für Millimeter gearbeitet. Dabei immer genügend Silikon auspressen, bis die Fuge vollständig gefüllt ist. Erst dann ein kleines Stück weiter wandern. AbziehenAuch wenn eine lang und schnell gezogene Fuge zunächst schöner und glatter aussieht: Das Wichtigste ist, dass das Silikon vollflächig an den Seitenwänden und am Untergrund anliegt und dabei alle Lücken und Hohlräume verschließt. Ein Überstehen des Silikons von ca. 0,5 mm ist dabei unkritisch. Erst wenn die ganze Bahn vollflächig gefüllt ist, wird die Fuge mit dem Fugenglätter abgezogen. Dabei sollte eine kleine Hohlkehle entstehen.

Detaillierte Anleitung zum Ziehen von Silikonfugen: Silikonfugen erneuern

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