Alte Silikonfugen sollen erneuert werden, wenn sie unschön aussehen und müssen erneuert werden, wenn sie Schimmelspuren zeigen. Mit dieser Anleitung ist das kein Problem.

Silikonfugen erneuern – rasend komplizierte Angelegenheit mit erheblichem Informations- und Arbeitsaufwand? Eigentlich nicht, mit dem richtigen Silikon, dem richtigen Werkzeug und der richtigen Anleitung können Sie Ihre Fugen recht einfach selbst erneuern –  und dabei völlig ohne Einsatz toxischer Stoffe gleich einem Schimmelbefall vorbeugen.

Benötigtes Material

  • Cuttermesser
  • Eimer
  • Schwämme, Tücher, Papier-Küchenrolle
  • Seifenlauge
  • Silikon in der Kartusche mit mehreren Spritztülle
  • Zeitungspapier als Unterlagen
Seifenlauge - Wasser mit viel Spülmittel
Seifenlauge – Wasser mit viel Spülmittel

Legen Sie ausreichend Zeitungspapier oder Folie bereit, um die Silikonkartusche unkompliziert ablegen zu können. Sehr hilfreich ist auch, wenn Sie Wasser und Küchenpapier zum Wegwischen von falsch verteiltem Silikon sofort zur Hand haben, was nicht ganz schnell weggewischt wird, macht später richtig Arbeit.

Wenn alles bereitliegt, können Sie schon die erste Silikonkartusche in die Kartuschenpresse einlegen und die Silikonkartusche öffnen. Dazu schneiden Sie das obere Ende des Kunststoff-Schraubverschlusses mit dem Cuttermesser ab.

Silikon-Kartusche aufschneiden
Silikon-Kartusche aufschneiden

Anschließend wird die erste Spritztülle angeschraubt. Angeschnitten (geöffnet) wird die Spitze der Spritztülle aber erst, wenn Sie wirklich loslegen möchten.

Untergrund vorbereiten

Der Untergrund bzw. die zu verfugenden Objekte müssen abschließend vorbereitet werden.

Wie die alte Fugenmasse rückstandslos entfernt werden kann, wird im Artikel „Anleitung: So entfernen Sie alte Silikonfugen“ beschrieben.

Nach dem Entfernen der Silikonfugen wurde der Untergrund ausgiebig gereinigt und sollte nun gut austrocknen.

Kurz bevor es losgeht, sollte die Fuge nun noch einmal frisch gesäubert werden. Nehmen Sie sich einen Eimer mit lauwarmem Wasser und einem Schuss Spüli sowie einen feinporigen Schwamm. Säubern und entfetten Sie den Untergrund noch einmal mit wenig Feuchtigkeit. Danach gehen Sie einmal mit heißem Wasser darüber, welches nicht aus dem Schwamm laufen sollte. Zum Abschluss erfolgt eine Reinigung mit Spiritus.

Untergrund reinigen
Untergrund reinigen

Jetzt haben Sie einen sauberen, fettfreien, trockenen Untergrund vor sich, auf dem die neue Fuge aufgebracht werden kann.

Neue Silikonfugen ziehen

Mit Silikonfugen können Sie elastische Verbindungen zwischen gefliester Fläche und Waschtisch, Badewanne, Duschwanne herstellen, Dehnungsfugen zwischen Wand- und Bodenfliesen ziehen und Lücken zwischen Wänden und Vorwandinstallationen schließen. Silikon hat gummiartige Elastik-Eigenschaften, Silikondichtstoffe lassen sich schon unter geringem Kraftaufwand verformen und gleichen so die, durch unterschiedliches mechanisches Verhalten der Baustoffe, anfallenden Kräfte und Spannungen lastfrei aus.

Schritt 1: Abkleben des Fugenbereichs

Bereich für das Silikon abkleben
Bereich für das Silikon abkleben

Für Anfänger ist es empfehlenswert sich den Fugenbereich vorab mittels „Malerkrepp“ abzukleben. Dies erleichtert die Handhabung. Das „Malerkrepp“ sollte nach dem Auftragen des Silikons jedoch schnellstmöglich entfernt werden, da sich sonst das Silikon mit dem Krepp verbinden und beim Entfernen für unschöne Kanten sorgt oder sogar einreißen kann.

Schritt 2: Breite und Tiefe der Fuge beachten

Arbeiten Sie am besten nach der „Zweidrittelregel“, die für Profils die Richtlinie für korrektes Arbeiten vorgibt.

  • Die Tiefe der Fuge wird bezogen auf die Fugenbreite zu etwa 2/3 ausgefüllt, z. B. Fugenbreite 3 mm, Fugentiefe 2 mm
  • Die Fuge sollte nie tiefer sein als breit

Um dies zu erreichen, können Sie verschieden geformte Schaumstoffschnüre oder Folienstreifen in die Fuge einsetzen. Dadurch wird ein zu tiefes Eindringen der Silikonmasse in die Fuge verhindert.

Tipp: Die Verwendung von Zeitungspapier ist eine preiswerte Möglichkeit zu tiefe Fugen aufzufüllen.

  • Das Silikon darf nur auf die Baustoffe aufgetragen werden, die verfugt werden sollen und auch nur diese an beiden Kanten berühren
  • eine Dreiflankenhaftung muss vermieden werden,
    • d. h. dass eine Bodenfugen mit so viel Silikon ausgespritzt wird, dass es eine Verbindung mit der Wandfliese, der Fußbodenfliese und dem Untergrund eingeht
    • Dies schränkt die Bewegungsfreiheit des Silikons stark ein und kann Ablösen an den Haftflächen und mittige Risse verursachen

Schritt 3: Silikon auftragen

Bevor Sie das Silikon auftragen, schneiden Sie die Spitze der Spritztülle in gewünschter Breite schräg ab.

Silikon gleichmäßig auftragen
Silikon gleichmäßig auftragen

Der Fugenraum wird nun gleichmäßig ausgefüllt. Es wird empfohlen den Fugenraum möglichst in einem Zug vollständig mit Silikon zu füllen. Dies ist jedoch für Anfänger oder auch für sehr lange Fugen recht schwierig. Es spricht nichts dagegen, wenn Sie die Fuge in mehreren Abschnitten auffüllen. Jedoch müssen Sie dabei auf die Übergänge achten.

Schritt 4: Silikonfugen abziehen

Nun kommt die vorbereitete Seifenlauge zum Einsatz. Es gibt zweierlei Varianten die Silikonfuge abzuziehen.

Variante 1: Mit dem Finger abziehen

Silikon mit dem Finger abziehen
Silikon mit dem Finger abziehen
  • Finger ausgiebig mit der Seifenlauge benetzen und anschließend über die Silikonfuge streichen.
  • erfordert viel Übung und ist nicht für Anfänger geeignet, da das Silikon dabei schnell breit geschmiert wird und hässliche Schlieren hinterlässt
  • Finger immer wieder mit der Seifenlauge befeuchten bis die Fuge vollständig glatt abgezogen ist
  • überschüssiges Silikon mit einem Küchentuch vom Finger bzw. der Oberfläche entfernen

Variante 2: Mit dem Fugenglätter abziehen

Silikon mit dem Fugenglätter abziehen
Silikon mit dem Fugenglätter abziehen
  • den Fugenglätter in die Seifenlauge tunken und anschließend die Silikonfuge abziehen
  • geht recht zügig von der Hand und hat den Vorteil, dass auch die Übergänge gut angedrückt und abgedichtet werden
  • auch hier gilt: Fugenglätter immer wieder in die Seifenlauge befeuchten und überflüssiges Silikon mit dem Küchenpapier vom Glätter entfernen

Tipp: Man kann auch die Seifenlauge mit einer Sprühflasche direkt auf die Silikonfuge aufsprühen. Ebenfalls gibt es im Handel Glättmittel für Silikon, welches das Anhaften des Silikons am Werkzeug verhindert.

Falls Sie im Schritt 1 abgeklebt haben, entfernen Sie nun schnellstmöglich das Klebeband. Die Silikonfugen sollte nun mindestens 2 Tage ohne Belastung trocknen.

Klebeband zügig wieder abziehen
Klebeband zügig wieder abziehen

Das richtige Werkzeug

Wenn es wirklich ganz toll werden soll oder muss oder Sie viele Meter zu verfugen haben, sollten Sie sich dringend ein paar Gedanken über die richtige Kartuschenpresse (Kartuschenpistole) machen.

Folgende Eigenschaften sollte eine gute Kartuschenpresse haben, damit Sie sauber und lange mit ihr arbeiten können:

  • robust und deshalb lange haltbar sein
  • das Nachlaufen des Materials sollte reguliert werden (sparsamer Verbrauch)
  • patentierter Dripless-Funktion, die Nachtropfen durch Druckentlastung verhindern, was besonders sparsames Arbeiten ermöglichen soll
  • justierbarer oder stufenloser Vorschub macht die Verarbeitung des Materials ebenfalls einfacher
  • gut funktionierende Hebelübersetzung macht die Arbeit leichter
  • ergonomisch geformter Griff und eventuell einen Leiterhaken
  • leichte Gewicht und leichte Handhabung
Kartuschenpistole für Silikon und Acryl
Kartuschenpresse für Silikon und Acryl

Hier die grundsätzlichen Modelle der Kartuschenpressen mit ungefähren Preisen, von denen gibt es nämlich viele verschiedene Modelle (wenn nicht anders angegeben, für 310-ml-Kartuschen):

  • Einfache mechanische Skelettpistolen mit dünnem Rahmen aus Metall (Kunststoff) fangen bei 7,00 – 8,00 € an
  • Die nächsten sind mechanische Kartuschenpistolen, in denen die Kartusche in eine Halbschale gelegt wird, mit/ohne Zahnstange ab rund 15,00 €
  • Bei mechanischen Kartuschenpistolen mit Rohr werden die Kartuschen vorne eingeführt und durch einen Schraubverschluss gesichert, ab 30,00 €
  • Bei hochwertigen Rohr-Kartuschenpressen kann der Druckstempel umgebaut werden, so können Kartuschen und Folienbeuteln verarbeitet werden, sie kosten meist um 40,00 €
  • Batteriebetriebene elektronische Kartuschenpressen, die durch stufenlos einstellbare Vorschubgeschwindigkeit ermüdende Pumpbewegung mit der Hand ersparen sollen, gibt es ab 50,00 €
    • Sie werden auch mit automatischer Tropf-Stop-Funktion, spezieller Kartuschen-Arretierung für leichteren Wechsel, LED-Licht und Füllstands-Anzeige angeboten
  • Akku-Kartuschenpistolen versprechen langes ermüdungsfreies Arbeiten, können aber auch um 300,00 € kosten
  • Druckluftpressen arbeiten mit elastischen Kolben an der Innenseite eines Rohres, sie sollen sauber, schnell, materialsparend arbeiten und leicht zu handhaben sein. Sie werden ab etwa 180,00 € angeboten und können mit 310-ml-Kartuschen, 400-ml-Kartuschen und Schlauchbeuteln betrieben werden

Mit Kartuschenpressen können Sie im Rahmen Ihrer Renovierung übrigens nicht nur Silikon ausbringen, es gibt auch Kartuschen mit Acryl (für Fugenverschlüsse im nicht feuchtigkeitsbelasteten Wohnbereich), mit Infektionsmörtel und mit Ultra Montagekleber (für alle Materialien & Oberflächen im Innen- und Außenbereich). Es gibt sogar Kartuschen mit Gummi-Klebstoff (für einen Bodenbelag aus Gummimatten) und anderen Öko-Klebern und Dichtstoffen, im Grunde klingt es so, als könnten Sie Ihr ganzes Haus mit der Kartuschenpresse in der Hand zusammensetzen.

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