Rhododendron-Schädlinge

Rhododendron-Schädlinge müssen nicht immer erkannt und nicht immer bekämpft werden, sie sind von der Evolution nicht vollkommen sinnlos so entwickelt worden. Erst wenn die Schädlinge überhand nehmen, besteht Handlungsbedarf, der Artikel gibt einen Überblick, in welche Richtung.

Wenn es krabbelt auf dem Rhododendron, ist ein Tierchen unterwegs, was erst einmal keine Panik verursachen muss. Sie müssen nur einschätzen, was da krabbelt, danach richtet sich, ob Bekämpfung ansteht und wie schnell und intensiv diese sein muss.

Schädling oder Liebling?

Jede Pflanzenart hat Ihre Schädlinge – die man genauso gut Lieblinge nennen könnte. Pflanze und Kleintier leben in einer Symbiose, in der ein Teil dem anderen irgendwelche Vorteile bringt. Symbiose samt Umfeld sorgen normalerweise dafür, dass kein Einzelwesen zum Schaden der anderen überhandnimmt – das regelt die Natur in einem Lebensraum im biologischen Gleichgewicht vollkommen alleine.

Wenn etwas nicht stimmt, regelt die Natur immer noch erstaunlich viel, aber irgendwann ist das Gleichgewicht soweit gestört, dass alle Korrekturmechanismen versagen. Wenn Schädlinge überhand nehmen, ist genau das der Fall – entweder leidet Ihr Rhododendron unter Mangelversorgung/Pflegemängeln oder Ihrem Gartenboden geht es insgesamt nicht wirklich gut, und damit auch Ihrem Rhododendron nicht.

Tipp: Zuallererst sollten Versorgungsmängel beim Rhododendron abgestellt werden. Sie ebnen übermäßiger Schädlingsvermehrung erst den Weg (und Krankheitserregern vielleicht auch noch). Zusammen mit möglichst sanfter (mechanischer) Schädlingsreduzierung und weiterer Stärkung des Rhododendrons ist das der erste wichtige Schritt zu einem Garten mit Pflanzen, die nicht unter Schädlingsbefall leiden.

Mögliche Rhododendron-Schädlinge

Das sind die Schädlinge, die Rhododendren besonders gern mögen:

Blattläuse

Blattläuse, sind zu erkennen, weil sie an den Blättern herumfressen und klebrige Spuren hinterlassen. Diese klebrigen Spuren sind Honigtau, ein wichtiger Nährstoff z. B. für Ameisen. Ameisen wiederum sind mit die wichtigsten Bewohner Ihres Gartens, wenn es um natürliche Bodenpflege geht.Blattläuse

Blattläuse vermehren sich irgendwann im Frühjahr und treten dann eine Zeitlang in Massen auf, was noch keine Besorgnis erregen muss: Bei Überpopulation bekommt ein Teil der Nachkommen Flügel und verlässt die Pflanze vor Schädigung durch zu viel Fraß. Da nur ca. 10 % der Blattläuse den Wirt wechseln, sterben die beflügelten Nachkommen, wenn sie keinen Rhododendron in der Nähe finden.

Ein normaler, kräftiger Rhododendron schüttelt sich nach diesem Frühjahrsdurchzug kurz und wächst munter weiter, er hat während dieser Zeit mit „seinem Schädling“ alle möglichen nützlichen Kleintiere ernährt:

  • Marienkäfern und deren Larven
  • Schwebfliegenlarven
  • Florfliegenlarven
  • Schlupfwespenlarven
  • Raupenfliegen
  • Raubwanzen
  • Laufkäfer
  • Weichkäfer
  • Spinnen und Vögel

Blattläuse müssen erst bekämpft werden, wenn ein geschwächter Rhododendron ihnen so wenig Widerstand entgegensetzt, dass sie sich übermäßig vermehren. Wenn Sie „zu viele Blattläuse sehen“, sind dann erst einmal Pflanzenstärkungsmittel dran, die Blattläusen ein ungünstiges Umfeld bieten, Brennnesselsud zum Beispiel.

Brennnesselsud
Brennnesselsud

Die oft empfohlene chemische Bekämpfung tötet zwar Blattläuse, tut aber auch dem Rhododendron nicht unbedingt gut und verstärkt das Ungleichgewicht in Ihrem Garten noch mehr, weil auch die blattlausfressenden Nützlinge getötet werden.

Thripse

Blasenfüße, Fransenflügler (Thripse) fallen auf, weil die Blätter silbrig gesprenkelt aussehen, vielleicht sehen Sie auch millimetergroße Larven auf den Blattunterseiten oder winzige, transparente Insekten.

Was für Blattläuse gilt, gilt für Thripse – bei übermäßigem Befall Rhododendron-Stärkung und pflanzenschonende Bekämpfung:

  • Abduschen mit Öl-Spüli-Wasser-Emulsion
    • 2 El Rapsöl + 1 Spritzer Spüli auf 1 l Wasser, durchmixen
  • Schmierseifenlösung
    • 15 g auf 1 l warmes Wasser
    • Kontaktmittel tropfnass sprühen

Fliegende Thripse landen auf Klebetafeln, aber nur auf blauen, Gelb mögen sie nicht. Bei starkem Befall biologische Schädlingsbekämpfung mit Fressfeinden (Raubmilben namens „Amblyseius cucumeris„, Blumenwanzen der Gattung Orius, Florfliegenlarven von „Chrysoperla carnea„) Diese Fressfeinde gibt es alle zu kaufen.

Dickmaulrüßler

Gefurchter Dickmaulrüßler, Otiorrhynchus sulcatus, frisst Halbmonde in die Blattränder und die Larven fressen Löcher in die Wurzeln.

Rüsselkäfer
Rüsselkäfer

Gegen die unscheinbaren Rüsselkäfer und deren Larven hilft nur regelmäßiges Absammeln, abends am Wurzelhals mit Taschenlampe oder eine biologische Bekämpfung mit Nematoden. Chemische Mittel versagen bei Rüsselkäfern.

Rhododendron-Wanzen

Rhododendron-Wanzen, Stephanitis rhododendri und Stephanitis obertii, verursachen helle und später bräunliche gesprenkelte Flecken auf der Blattoberseite und braunschwarze Kottropfen.

Ortstreue Tiere mit nur einer Generation pro Jahr, werden bekämpft durch Entfernung befallener Blätter und Larven im Frühsommer und Entfernung von Triebenden mit eiertragenden Blättern im Winter. Es gibt noch zu wenige Erfahrungen, ob Pflanzenschutzmittel gegen saugende Insekten bei starkem Befall helfen.

Rhododendron-Zikaden

Die Zikaden werden in einem eigenen Artikel beschrieben: Rhododendronzikaden

Rhododendron-Zikade
Rhododendron-Zikade

Fazit

Das zweite Schritt zum Garten mit Pflanzen, die nicht unter Schädlingsbefall leiden, ist mehr Natur im Garten, damit sich alle möglichen Kleintiere ansiedeln, die unter sich ein Gleichgewicht zwischen Schädlingen, Nützlingen, Lieblingen, Flieglingen und Krabbelingen auskämpfen. Kann ein wenig dauern, ist aber vor dem Hintergrund zunehmender Resistenzen gegen Pflanzenschutzmittel langfristig das einzige Mittel mit Aussicht auf Erfolg.

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