Rhododendronzikade

Rhododendronzikaden sind Pflanzensauger, beißen nicht, kratzen nicht und stechen nicht, saugen nur ein wenig Saft, den die Pflanze sofort auffüllt. Mit Übertragung von Pilzen/Viren ist es auch so eine Sache – im Artikel erfahren Sie, warum Rhododendronzikaden kein Grund zum Fürchten sind.

Rhododendronzikaden saugen an Blättern und richten keinen sichtbaren (erst recht keinen erwähnenswerten) Schaden an, das Thema Übertragung von Pilzen/Viren verliert bei differenzierter Betrachtung ebenfalls seinen Schrecken – ein aufgebauschtes Kleintier, das relativ harmlos ist:

Was ist eine Rhododendronzikade?

Die Rhododendronzikade, Graphocephala fennahi oder coccinea, ist eine hübsche bunte Zwergzikade.

Zikaden gehören mit über 20.000 Arten (Deutschland: 452) zu den artenreichsten Insektenfamilien, von der Natur nicht ohne Grund und ohne Aufgabe hervorgebracht. Eine wissenschaftliche Veröffentlichung der Uni Graz: „Zikaden – die Insekten des 21. Jahrhunderts“ hat Zikaden gerade „entdeckt“, weil sie eine erhebliche ökologische Rolle in sämtlichen Grünlandbiotopen spielen. Wie Blattläuse produzieren sie Honigtau und ernähren Nützlinge, außerdem bieten die Pflanzensauger ständiges Fitness-Training (Training der Abwehrkräfte) für Ökosystems – Saugen und Übertragung von Viren, Pilzen, Bakterien ist für die Fitness/Widerstandsfähigkeit einer Pflanze genauso wichtig wie Spielen im Dreck für Entwicklung des kindlichen Immunsystems.

Rhododendron-Zikade
Rhododendron-Zikade

Tipp: „Blattschäden der Rhododendronzikade“ stammen von allen möglichen Tieren, die „Bisschen“ der Rhododendronzikade sind winzig und normalerweise nicht zu sehen.

Wo „Zikaden-Blattschäden“ beschrieben werden, geht es meist auch um Verwechslungsmöglichkeiten – das ist wohl war, es gibt allein 2.974 Pflanzenläuse in Europa und bestimmt noch mehr Tierchen, die an Blättern herumsaugen. Die genaue Art des Saugers ist aber egal, in einem gesunden Garten richten Pflanzenläuse keinen Schaden an.

Das eigentliche Problem – ist wohl keins

Die Rhododendronzikade soll den Knospenfäule-Pilz Pycnostysanus azaleae übertragen. Allerdings sind Medienvertreter sicher, dass Rhododendronzikaden schlimme Viren übertragen und unbedingt (mit Produkten des Anzeigenkunden) bekämpft werden müssen.

Unter Wissenschaftlern ist das nicht so, vor ein paar Jahren haben Forscher sich einen Rhododendronpark in Bremen vorgenommen und die Zusammenhänge ergründet, 2003 wurden die Ergebnisse vorgelegt:

  • keine Verknüpfung zwischen Rhododendronzikaden-Befall und Knospenfäule
  • schwer von Knospensterben betroffene Rhododendren frei von Rhododendronzikaden
  • Rhododendren mit vielen Zikaden frei vom Pilz
  • Pilz und Zikade bevorzugen verschiedene Rhododendronsorten
Knospenfäule am Rhododendron
Knospenfäule am Rhododendron

Die Forschung im Park ergab, dass der Pilzbefall von anderen Faktoren (dichter Wuchs, nasser Boden, falsche Nährstoffversorgung) abhängt und Zikaden sich auf gesunden, luftig wachsenden Rhododendren tummeln, denen sie nicht schaden.

Rhododendronzikaden können wie andere Pflanzensauger Viren übertragen, gegen die pflanzliche Abwehrkräfte nicht immer ausreichen. Betroffen davon sind aber vor allem Hochleistungs-Zuchtsorten, die für die Intensiv-Landwirtschaft entwickelt wurden: Von vornherein zu wenig Abwehrkräfte, durch Monokultur-Anbau weiter geschwächt – und ohne Chance, starke Abwehr oder Abwehrstoffe gegen neue Viren zu entwickeln, weil die mit toxischer Chemie bekämpft werden (die auch den Pflanzenwirt schwächen).

Bekämpfung unnötig

Sie müssen in diesen Kreislauf nicht einsteigen, sondern können Ihren Garten natürlich bewirtschaften und robuste Pflanzen kultivieren, denen Zikaden genau das Fitness-Training bieten, das in der Natur benötigt wird.

Kräftige Rhododendren kommen mit Rhododendronzikaden klar, Schwächlinge können unterstützt werden, bis Pflegefehler behoben und die Pflanzen gekräftigt sind.

Rhododendron auslichten
Pflanze auslichten
  • bei Rhododendronzikaden
    • während der Flugzeit (Juni bis Oktober/November) Gelbtafeln aufhängen
  • bei Pilzbefall
    • durch Entfernen aller befallenen Pflanzenteile (gartenfern entsorgen) und gründlichem Auslichten.

Vorsicht mit der Giftspritze

Gegen den Pilz gibt es kein Fungizid, aber es gibt chemische Pflanzenschutzmittel, die Rhododendronzikaden (und andere, nützliche Kleintiere) töten. Je fortschrittsgläubiger der Gärtner, desto schneller ist er dabei, alles was querläuft mit einer kräftigen Spritze Chemie ins Reine zu bringen.

Scheinbar ins Reine zu bringen – Fortschritt ist toll, niemand will noch wie im Mittelalter leben, doch bei der Spezies Mensch hat die Sache mit dem Fortschritt häufig einen Haken: Mensch entwickelt etwas, Mensch setzt es ein, einfach weil er es kann und häufig nicht von der geringsten Ahnung beseelt, was für ein schädliches Chaos er in einem Ökosystem verursacht. Der Haken wird größer, je mehr Gewinn vor Vernunft geht, inzwischen werden chemische Substanzen eingesetzt, von denen man genau weiß, dass sie giftig sind.Giftig

Gegen Zikaden gibt es zwei zugelassene Pflanzenschutzmittel mit Fenpyroximat. Ein Gift, das mitochondrialen Elektronentransport in der Atmungskette blockiert, Teil des Energiestoffwechsels der meisten Lebewesen. Deshalb ist Fenpyroximat wohl auch für uns „gesundheitsschädlich bei Einatmen“, ansonsten bescheinigt die Gefahrstoffkennzeichnung: „Gesundheitsschädlich“, „Umweltgefährlich“, „verursacht schwere Augenreizung“, „sehr giftig für Wasserorganismen“ und schließlich „Freisetzung in die Umwelt vermeiden“ – hört sich an, als wenn es das Beste wäre, genau das zu tun und die Mittel im Laden zu lassen.

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