Reibeputz Arten – Welchen Putz für Außen und Innen?

Reibeputz

Reibeputz ist nicht gleich Reibeputz – je nach Anwendungsbereich benötigen Sie unterschiedliche Arten von Putz – ob Silikat-, Kunstharz- oder auch Lehmputz. Wir klären auf, welchen Putz Sie für Außen und Innen verwenden sollten.

Reibeputz – Arten

Egal ob außen oder innen, Sie brauchen zunächst den richtigen Putzmörtel für den gegebenen Putzuntergrund. Darüber hinaus kann der Putzmörtel durchaus noch einige Sonderaufgaben erfüllen helfen. Im Detail sollten Sie nach Rat eines Fachhändlers entscheiden, hier folgt ein kurzer Überblick über die Wahlmöglichkeiten:

  • Putzmörtel: Baustoff zur Herstellung von Putz
  • Ausgangsstoffe: Bindemittel, Zuschläge und Zusatzstoffe
  • Werden vom Hersteller zu Trockenmörtel gemischt
  • Der Hersteller legt die einzumischende Wassermenge fest
  • Gemischt wird in Mischmaschinen auf der Baustelle
  • Trockenmischungen für Außenputz enthalten meist Farbstoffe, die das Streichen überflüssig machen

Putzmörtel für Außen

Wenn Sie sich über Putzmörtel informieren, wird Ihnen immer wieder die Unterteilung in Putzmörtelgruppen nach DIN V 18550 unterkommen, während Ihnen auf der anderen Seite erzählt wird, dass die DIN V 18550 gar nicht mehr gelte. Beides ist richtig, die DIN V 18550 wurde bereits im Juni 2015 komplett durch DIN 18550 1 (außen) und 2 (innen) ersetzt. Aber Literatur und Produktbeschreibungen sind oft viel älter (und werden in mehr abgeschriebenen als recherchierten Artikeln einfach übernommen), und gestandene Baupraktiker teilen sowieso nach Erfahrung und Situation ein.

Reibeputz

Das sind die Putzmörtelgruppen der alten DIN V 18550, eingeteilt nach Material, mitsamt den als Außenputz geeigneten Untergruppen:

• PI Kalkmörtel, davon P Ib als Außenputz mit geringer Beanspruchung
• PII Kalkzementmörtel, als Außenputz mit wasserhemmender Eigenschaft und erhöhter Festigkeit
• PIII Zementmörtel, als Außenputz im Bereich der Kelleraußenwand und für den Außensockelbereich
• (PIV, V nur Innenputze)

In DIN V 18550 ist auch in Tabelle 2 abzulesen, welche Mörtelgruppe außen für welchen Anwendungsfall taugt:

• ohne besondere Anforderung
• wasserhemmend
• wasserabweisend
• Kellerwandaußenputz
• Außensockelputz

Diese Bezeichnungen begegnen Ihnen manchmal zusammen mit der seit 2010 geltenden Einteilung der DIN EN 998-1, die Außenputz nach Eigenschaften/Verwendungszweck in:

• GP Normalputzmörtel
• LW Leichtputzmörtel
• CR Edelputzmörtel
• OC Einlagenputzmörtel für außen
• R Sanierputzmörtel
• T Wärmedämmputzmörtel unterscheidet.

Putzmörtel für Innen

In Bezug auf die Einteilung gilt das oben bei Außenputz aufgeführte, wahrscheinlich öfter als die Bezeichnungen nach der geltenden DIN 18550 1 wird Ihnen eine Putzmörtel-Bezeichnung nach der alten DIN V 18550 begegnen.

Bei Innenputz gibt es folgende Putzmörtelgruppen und Untergruppen:

• PI Kalkmörtel, davon P Ia als Innenputz mit geringer Beanspruchung und P Ic als Innenputz für Räume mit normaler Beanspruchung inkl. Feuchträume
• PII Kalkzementmörtel, als Innenputz mit erhöhter Abriebfestigkeit auch für Feuchträume
• (PIII nur Außenputz)
• PIV, V Gipsmörtel, P IVa, b, c, V als Innenputz mit erhöhter Abriebfestigkeit für normale Beanspruchung; P IVd Innenputz mit geringer Beanspruchung

Für Innenputz legt auch die DIN EN 13279 Putzmörtelgruppen fest:

• A: Verschiedene Arten von Gipsbindern, z. B. für Gips-Wandbauplatten
• B1: Gips-Putztrockenmörtel
• B2: gipshaltiger Putztrockenmörtel
• B3: Gipskalk-Putztrockenmörtel
• B4: Gipsleicht-Putztrockenmörtel
• B5: gipshaltiger Leicht-Putztrockenmörtel
• B6 Gipskalkleicht-Putztrockenmörtel
• B7: Gips-Trockenmörtel für Putz mit erhöhter Oberflächenhärte
• C: Gips-Trockenmörtel für besondere Zwecke, z. B. Akustik, Wärmedämmschutz, Brandschutz

Für die einzelnen Putzarten werden die Hauptbindemittel und deren Anteile sowie die Anteile weiterer Zutaten festgelegt, mehr Zusatzstoffe und Zusatzmittel dürfen vom Hersteller beigemischt werden.

In DIN V 18550 ist weiter in Tabelle 3 abzulesen, welche Mörtelgruppe innen für welchen Anwendungsfall taugt:

• Innenputze für übliche Beanspruchung
• Innenputze für Feuchträume

Diese Einteilung der DIN EN 998-1 in Normalputzmörtel GP, Leichtputzmörtel LW, Edelputzmörtel CR, Einlagenputzmörtel für außen OC, Sanierputzmörtel R und Wärmedämmputzmörtel T gilt auch für Innenputz.

Die richtige Zusammensetzung

Wenn Sie Ihre Putzmörtelgruppe gefunden haben, steht eine weitere Entscheidung an: Die Zusammensetzung des Putzmörtels.

Außenputz

Außen geht es erst einmal darum, ob Sie Kunstharzputz, rein mineralischen Putz oder einen Kompromiss zwischen beiden einsetzen möchten:

a) Kunstharzputze waren bis vor kurzer Zeit die am meisten eingesetzten Putze, vor allem als Oberputz sind sie sehr einfach zu verarbeiten. Als Bindemittel wird wie in Kunstharzfarben eine Polymerdispersion eingesetzt (stabile Dispersion von Polymerpartikeln in einer wässrigen Phase), das Kunstharz befindet sich also fein verteilt in Wasser in der Dispersionsfarbe bzw. dem Dispersionsputz. Die Zuschläge können mineralisch oder organisch sein.

Kunstharzputze gelten als besonders widerstandsfähig und werden deshalb gerne im Außenbereich eingesetzt, fachgerecht aufgebrachter Mineralputz ist aber ebenso widerstandsfähig. Kunstharzputz hat gegenüber mineralischem Putz andere Vorteile: Er ist (je nach Kunstharzanteil mehr oder weniger) elastisch und passt sich deshalb Verformungen des Untergrunds z. B. durch Hitze und Feuchtigkeit besser an als mineralischer Putz.

Anfängern wird deshalb häufig zu Kunstharzputz geraten, weil der auch bei (ungleichmäßigem) Auftrag in zu heißer/zu kalter/zu trockener/zu feuchter Umgebung kaum Putzrisse produziert und zudem auf den unterschiedlichsten (auch schlecht vorbereiteten) Untergründen gut haftet.

Außerdem können sie deutlich dünner aufgetragen werden als mineralischer Putz, härten deshalb schneller aus und können durch die Elastizität einige mechanische Belastungen besser wegstecken als die starre Mineralschicht. Aber nicht viele, einige Herausforderungen der modernen Zeiten setzten Kunstharzputz in gleichem Maß zu wie mineralischem Putz:

Reibeputz aufbringen

Den (angeblichen) Vorteilen stehen jedoch gewichtige Nachteile gegenüber: Kunstharzputz ist wasserabweisend und nimmt auch keinen Wasserdampf auf. Sie umgeben Ihr Haus also mit einer wasserdichten Schicht, was auch an stark bewitterten Fassaden (die es selten gibt und die wenn durch Verschalung/Dachüberstand geschützt werden müssen) entgegen Produzentenempfehlung nicht vorteilhaft ist: Wenn Feuchtigkeit nicht vom Material abgefangen wird, liegt sie auf der Oberfläche auf, die so langsam bis nie abtrocknet, Schäden lassen nach dem ersten Haarriss nicht lange auf sich warten.

Mit der Feuchtigkeit werden Algen- und Pilzsporen aufgebracht, Kunstharzputz ist anfällig für Algen- und Pilzbefall. Das wissen die Hersteller, deshalb sind häufig Fungizide und Algizide in den Putzen – über deren Wirkstoffe Sie sich genau informieren sollten (Sicherheitsdatenblatt, einzelne Wirkstoffe nachschlagen), das Gift landet nämlich nach jedem Regen im Vorgarten, wo die Kinder spielen (und im Kanalsystem/der Kläranlage/dem Grundwasser).

Weniger dicht und weniger mit giftigen Zusatzstoffen belastet sollen die neuen Siliconharzputze sein, die Siliconharzemulsion und Polymerdispersion im Bindemittel kombinieren. Inwieweit das stimmt, müsste für das einzelne Produkt erkundet werden.
Kunstharzputz wird im Rahmen der DIN 18 558 Teil 1 bei den Putzsystemen mit genormt, P Org 1 führt als Außen- und Innenputz geeignete Kunstharzputze auf, P Org 2 nur als Innenputz geeignete Kunstharzputze. „Org“ steht für die Polymerdispersion, das organische Bindemittel der Kunstharzputze, das sich aus Kohlenstoffverbindungen zusammensetzt.

b) Mineralische Putze werden mit anorganischen Bindemitteln mineralischen Ursprungs hergestellt. Minerale sind die natürlichen Stoffe, aus denen die Gesteine unserer Erde sind, mit Mineralputz putzen Sie also quasi „Stein an die Wand“. Die am häufigsten verwendeten Bindemittel sind Kalk und Zement (aus verschiedenen Mineralen wie Kalk, Quarzit, etwas Tonerde und Eisenerz).

Mineralische Putze haben große Vorteile: Sie sind diffusionsoffen, können Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben, ohne dabei Schaden zu nehmen. Deshalb bleiben sie nie dauerhaft feucht, Schimmel und Algen finden auf Mineralputz weder genug Feuchtigkeit zum Leben, noch Nahrung im anorganischen Material, und der alkalische pH-Wert wirkt ohnehin natürlich fungizid.

Reiner Zementputz bildet eine sehr harte und belastbare Oberfläche aus, ist im Vergleich zu Kunstharzputz aber anfälliger für Rissbildung, weil er Spannungen im Untergrund nicht so gut abfedern kann. Weniger spröde ist Kalkzementputz, der im Außenbereich häufig eingesetzt wird. Kalkzementputz und reiner Kalkputz wurden bis zum Anfang der 1980er selbstverständlich verbaut, dann kam die Ära der Kunstharzputze. Mineralputze binden vergleichsweise langsam ab, gewinnen aber wegen ihrer hervorragenden wohnhygienischen Eigenschaften gerade wieder zunehmend an Bedeutung. Über reinen Kalk-Außenputz für Fachwerk oder Holzrahmenbau können Sie sich hier: www.fachwerk.de/fachwerkhaus/wissen/putz-zement-40212.html informieren.

c) Kompromisslösungen sind Mischungen aus mineralischen und Kunstharzputzen wie Silikatputz. Er besteht aus Kali-Wasserglas mit Kunstharzdispersion und ist je nach Zusammensetzung mehr dichter Kunstharzputz oder mehr wasserdampfdurchlässig.

Reibeputz aufbringen

d) Putzsysteme werden z. B. bei WDVS (Wärmedämmverbundsystem) eingesetzt und bestehen aus zwei aufeinander abgestimmten Putzlagen aus Unterputz und Oberputz. Der Unterputz kann auch ein Kunstharzputz sein, in der Praxis beschränkte sich der Siegeszug der Kunstharzputze auf den Oberputz, während als Unterputze weiterhin mineralische Putze eingesetzt wurden, weil die besser auf dem Putzgrund (dem Mauerwerk) haften.
Wenn Sie ein Putzsystem einsetzen möchten, weil es zu dem von Ihnen geplanten WDVS gehört, könnte Sie folgende Sicht eines kritischen Geistes interessieren: www.konrad-fischer-info.de/2134bau.htm, mit einer umfassenden Auswahl an Fachliteratur unten auf der Seite.

Innenputz

Auch innen müssen Sie sich grundsätzlich zwischen Kunstharzputz und diffusionsoffenem Mineralputz entscheiden, mit den grundsätzlich gleichen Argumenten für die eine oder die andere Putzart. Aber im Wohnbereich spricht noch mehr für den Einsatz von diffusionsoffenem Naturmaterial:

• Feuchtigkeitsausgleichender Wandbelag verbessert das Wohnklima durch Regulierung der Luftfeuchtigkeit
• Spannende Auswahl an Grundmaterial: Gips, Lehm, Kalk, Mineral–Fertigputz,
• Jedes Material hat eigene Vorteile
• Materialmischungen bieten weitere Möglichkeiten

Welcher dieser Putze zu welcher Art Reibeputz verarbeitet kann, hängt von der Konsistenz der einzelnen Putzmischung ab. Wenn Sie sich in dieser Richtung informieren, gibt es noch Einiges zu entdecken: Für große Flächen moderne Kalkinnenputze der Mörtelgruppe P Ic, die maschinell und einlagig aufgetragen werden können und ganz neue Möglichkeiten an Reibemustern bieten. Lehm-Edelputze mit farbigen Oberflächen, die nach Zufügen von Strohfasern oder Perlmutt gerieben werden; Magnetputz als Zwischenputz, mit denen Sie überdimensionale Pinnwände verputzen; elastische Ziegelmehlputze, Naturfaserputze und Textilputze, die als Reibeputz völlig neue Wandbeschichtungen und -gestaltungen ermöglichen.

Möchten Sie ganz genau wissen, wie man Reibeputz verarbeitet? Hier haben wir eine detaillierte Anleitung für Sie: Reibeputz aufbringen

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