Raglan stricken – Schritt für Schritt Anleitung für Anfänger

Raglan stricken

Ein Raglan-Pullover ist in einem Stück gestrickt und hat keine störenden Nähte. Diese Anleitung erklärt Ihnen Schritt für Schritt, wie die Technik funktioniert. Ein praktischer Rechner hilft Ihnen, die passende Maschenzahl zu ermitteln.

Der Pullover ist fertig gestrickt, aber vor der Anprobe steht noch das Vernähen an. Lästig? Bei einem Raglan-Pullover entfällt dieser Schritt komplett. Viele industriell hergestellte Pullis sind auf diese Art gearbeitet. Sie stricken an einem Stück von oben nach unten und nehmen im oberen Teil Maschen zu. Diese Zunahmen verlaufen schräg vom Hals bis zu den Achseln. Dadurch entstehen die charakteristischen Linien. Sobald Sie verstanden haben, wie die Technik funktioniert, dauert es nicht länger als ein normal gestrickter Pullover.

Material und Vorbereitung

Für Ihren Pullover können Sie jedes beliebige Garn verwenden. Die passende Nadelstärke und Pflegehinweise finden Sie auf der Banderole. Wieviel Wolle Sie benötigen, hängt von der Lauflänge ab, das heißt, wie viele Meter Garn ein 50 g-Knäuel enthält. Außerdem ist Ihre Kleidergröße entscheidend. Für einen Pullover aus leichtem Garn können 500 g reichen, während einer aus dicker Wolle über ein Kilo wiegen kann. Erste Orientierungswerte sind oft auf der Banderole vermerkt. Der Preis hängt zudem vom Material ab. Synthetik-Garne sind deutlich günstiger als natürliche Produkte. Für ein Acrylgarn müssen Sie 3-4 Euro pro 50 g-Knäuel rechnen, für Schurwolle 5 Euro.

Der Pullover wird von oben nach unten in einem Stück ohne Nähte gestrickt. Am einfachsten stricken Sie glatt rechts, das heißt abwechselnd eine Reihe rechte und linke Maschen und nur rechts in Runden. Dadurch können Sie sich ganz auf die Zunahmen konzentrieren. Zunächst müssen Sie ausrechnen, wie viele Maschen Sie am Anfang benötigten, damit Ihnen der Pullover passt. Dabei hilft Ihnen dieser Rechner: Raglan-Rechner

Raglan-Rechner

Der Rechner benötigt drei Eingaben.

1. Die Maschenprobe: Schlagen Sie mit dem Garn Ihrer Wahl 22 Maschen an und stricken Sie mindestens fünf Zentimeter. Anschließend messen Sie aus, wie breit 20 Maschen sind. Die Randmaschen beziehen Sie nicht mit ein, weil diese oft lockerer ausfallen und das Ergebnis verfälschen.

2. Der Halsumfang: Legen Sie das Maßband locker um Ihren Hals. Rechnen Sie zum Messergebnis zwei Zentimeter dazu, damit der Pullover bequem über den Kopf passt.

3. Die Maschenzahl der Raglan-Linien: Diese Linien sind charakteristisch für die Technik und verlaufen vom Hals schräg hinunter zur Achsel. Üblicherweise sind sie ein bis vier Maschen breit. Über wie viele Maschen Sie Ihre Linien stricken möchten, entscheiden Sie selbst.

Das benötigen Sie

  • Wolle in ausreichender Menge
  • Paar Stricknadeln in passender Stärke
  • Rundstricknadeln in gleicher Stärke
  • Sechs Maschenmarkierer oder kurze Wollfäden in zwei verschieden Farben
  • Zwei Maschenraffer oder große Sicherheitsnadeln

Strickanleitung

Tipp: Rundstricknadeln sind mit einer Plastikschnur miteinander verbunden. Dieses Zwischenstück gibt es in unterschiedlichen Längen. 80 bis 90 Zentimeter sind für einen Pullover passend. Für die Ärmel benötigen Sie 30 bis 40 Zentimeter oder ein Nadelspiel mit fünf Nadeln.

Grundlagen

Entlang der Raglan-Linien werden die Maschen vermehrt. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Umschläge

Umschlag stricken

Legen Sie den Faden einmal von vorne nach hinten über die rechte Nadel. In der nächsten Reihe stricken Sie den Umschlag wie eine normale Masche. Entlang der Linie entsteht ein dekoratives Lochmuster.

Raglan stricken

Verschränkte Maschen

Wenn keine Löcher entstehen sollen, stricken Sie den Umschlag in der nächsten Reihe verschränkt ab. Dazu stechen Sie in das hintere Glied der Masche ein anstatt wie üblich in das vordere.

Maschen verdoppeln

Anstelle eines Umschlags können Sie eine Masche verdoppeln. Dazu arbeiten Sie die Masche wie gewohnt, lassen sie aber nicht von der linken Nadel rutschen. Stricken Sie sie nochmals verschränkt. Bei dieser Methode entstehen ebenfalls keine Löcher.

Raglan stricken

Um zu ermitteln, wie viele Maschen Sie benötigen, rechnen Sie mit den Ergebnissen des Rechners:

Maschenanzahl Rückenteil + 4 x Maschenanzahl Raglan-Linie + 2 x Maschenanzahl pro Ärmel + 3

Schlagen Sie die Maschen an.

Maschenanschlag

Anschließend bringen Sie Markierungen in zwei Farben nach folgendem Schema zwischen den Maschen an. Beginnen Sie an der Spitze der Stricknadel.

  • 1 Masche für das Vorderteil, dahinter Markierung in Farbe 1
  • 1 Masche, dahinter Markierung in Farbe 2
  • Maschenanzahl Ärmel + Linie, dahinter Markierung in Farbe 2
  • Maschenanzahl Rückenteil + Linie, dahinter Markierung in Farbe 2
  • Maschenanzahl Ärmel + Linie, dahinter Markierung in Farbe 2
  • Maschenanzahl Linie, dahinter Markierung in Farbe 1
  • 1 Masche

Raglan stricken

Stricken Sie zwei Reihen.

Raglan-Pullover stricken

In der 3. Reihe nehmen Sie an jeder Markierung in Farbe 1 eine Masche und bei Farbe 2 zwei Maschen zu.

Tipp: Unter dem Punkt „Grundlagen“ finden Sie dazu verschiedene Möglichkeiten.

Diese Zunahmen wiederholen Sie in jeder zweiten Reihe. An den Markierungen in Farbe 2 entstehen die Raglan-Linien.

Raglan stricken

Stricken Sie die Zunahmen, bis Sie vor und hinter den Markierungen in Farbe 1 jeweils die Maschenzahl erreicht haben, die der Rechner bei Vorderteil links beziehungsweise rechts anzeigt. Diese beiden Markierungen können Sie anschließend entfernen.

Zur Runde schließen. Schieben Sie die Maschen auf eine Rundstricknadel.

Schlagen Sie nun die Maschenanzahl neu an, die der Rechner für Vorderteil Mitte ausgibt. Schließen Sie die Arbeit zur Runde.

Raglan stricken

Stricken Sie in Runden weiter, wobei Sie weiterhin in jeder zweiten Runde an jeder Markierung in Farbe 2 zwei Maschen zunehmen.

Tipp: Für glatt rechts in Runden stricken Sie nur rechte Maschen.

Arbeiten Sie die Zunahmen, bis der Pullover Ihnen bis knapp unter die Achseln reicht. Der Teil der Arbeit mit den Raglan-Linien ist geschafft!

Raglan stricken

Den restlichen Pullover stricken

Legen Sie die Maschen für die Ärmel auf zwei Maschenraffern oder Sicherheitsnadeln still. Die Markierungen können Sie danach entfernen. Schlagen Sie anstelle der ruhenden Maschen neue an und zwar an jeder Seite so viele, wie der Rechner bei Maschenanzahl pro Ärmel angibt. Stricken Sie in Runden weiter bis der Pullover lang genug ist. Für ein elastisches Bündchen arbeiten Sie in den letzten Runden abwechselnd eine Masche links und rechts.

Für den ersten Ärmel nehmen Sie die stillgelegten Maschen auf. Zusätzlich stechen Sie in die neu angeschlagenen Maschen unterhalb der Achsel ein. Arbeiten Sie in Runden, wobei Sie in jeder vierten Runde zwei Maschen zusammenstricken. Beenden Sie auch die Arbeit mit einem Bündchen. Stricken Sie den zweiten Ärmel genauso.

Tipp: Um zwei Maschen zusammen zu stricken, stechen Sie in beide ein und stricken Sie zugleich ab. Danach haben Sie nur noch eine Masche.

Kurz-Anleitung

1. Mit dem Rechner ermittelte Maschenzahl anschlagen, Markierungen setzen und zwei Reihen stricken.
2. Entlang der Raglan-Linien und an beiden Seiten des Vorderteils je zwei Maschen beziehungsweise eine zunehmen, bis die errechnete Maschenzahl für das Vorderteil erreicht ist.
3. Neue Maschen für die Mitte des Vorderteils anschlagen und in Runden weiterstricken. Dabei entlang der Linien zunehmen, bis der Pulli Achselhöhe erreicht hat.
4. Die Maschen für die Ärmel stilllegen, darunter so viele Maschen wie errechnet anschlagen. Bis zur gewünschten Länge des Pullovers ohne Zunahmen stricken.
5. Stillgelegte und neu angeschlagene Maschen auffassen und Ärmel in Runden stricken, dabei in jeder vierten Reihe zwei Maschen zusammenstricken.

Mögliche Variationen

1. Stricken Sie die Maschen der Linien links, um sie zu betonen. Dadurch erhalten Sie kleine Knötchen anstelle der flachen v-förmigen Maschen.

2. Nehmen Sie die Maschen des Halsausschnitts wieder auf und stricken Sie einen Rollkragen an. Gut geeignet ist hierfür das Muster, das Sie für die Bündchen verwendet haben.

3. Aufwendige Strickmuster sind in einem Raglan-Pullover durch die ungewohnte Strickrichtung von oben nach unten und die sich ändernden Maschenzahlen schwer zu verwirklichen. Melierte Wolle, ein Garn mit Farbverlauf oder Streifen verleihen Ihrem Pulli Pfiff. Alternativ können Sie Motive auf das fertige Gestrick sticken.

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