Phasenprüfer/Spannungsprüfer – Funktionsweise und Anleitung

einpoliger Phasenprüfer

Der Phasenprüfer oder Spannungsprüfer ist ein Grundwerkzeug, wenn es um den Einbau von Wandschalter, Steckdosen und Hängelampen geht. Es wird zwischen einpoligen und zweipoligen Spannungsprüfern unterschieden. Der korrekte Umgang mit einem Spannungsprüfer schützt vor schweren, evtl. sogar tödlichen Verletzungen. In diesem Ratgeber lernen Sie, worauf Sie beim Arbeiten mit einem Phasenprüfer oder Spannungsprüfer achten müssen.

Korrektes Arbeiten mit dem Spannungsprüfer

Beim Hantieren mit elektrischem Strom ist Vorsicht das oberste Gebot. Ein Stromschlag mit 240 V Hausstrom ist zwar in den seltensten Fällen direkt tödlich. Es ist aber in jedem Fall sehr schmerzhaft und kann, wenn man beispielsweise auf einer Leiter steht, zu tödlichen Stürzen führen. Zwar kann man sicherheitshalber bei jeder Arbeit an der Hauselektrik die Hauptsicherung ausschalten. Dagegen sprechen jedoch praktische Gründe, beispielsweise durch das erschwerte Arbeiten bei Dunkelheit. Mit dem richtigen Werkzeug und dem Wissen um dessen korrekten Einsatz ist das Totlegen der gesamten Wohnung in der Regel nicht nötig.

Rechtslage beim Arbeiten mit Hausstrom

Die gewerbliche Arbeit an 230 V Leitungen ist in Deutschland ausschließlich ausgebildetem Fachpersonal vorbehalten. Rein rechtlich dürfen Heimwerker, Hausmeister-Services oder fachfremde Handwerker, z.B. Maler und Tapezierer, ohne entsprechende Qualifikation keine Arbeit an stromführenden Leitungen im Haus durchführen! Falls beim Hantieren mit 230 Volt Leitungen Gesundheitsschäden oder Gebäudeschäden verursacht werden, kann dies auch zu Schwierigkeiten bei den Unfall- bzw. Hausratversicherungen führen. Der grundsätzliche Rat für alle Elektroarbeiten im Haus ist deshalb: Einen Fachmann zu konsultieren garantiert eine korrekte Ausführung, schließt Unfälle und Folgeschäden aus und vermeidet Rechtsfolgen. Elektroarbeiten in Heimarbeit geschehen deshalb stets auf eigenes Risiko! Sämtliche Haftungsansprüche aus folgenden Informationen und Anleitungen sind deshalb grundsätzlich ausgeschlossen.

Wie fließt der Strom im Haus?

Strom fließt immer in Kreisen. Erst wenn ein Stromkreis geschlossen ist, kann er von einem Verbraucher genutzt werden.

Der Strom kommt vom Umspannwerk über die Frei- oder die Erdleitung im Haus an. Er wird über den Hauptstrom- und Sicherungskasten an die einzelnen Entnahmepunkte verteilt. Diese Entnahmepunkte sind die Steckdosen oder die Leitungen für Lampen und Schalter. Sie bestehen aus drei Kabeln. Ein Kabel ist die „heiße“ Leitung, also die Leitung, welche den Strom führt. In der Regel wird sie mit einem blauen, braunen oder roten Kabel markiert. Die zweite Leitung ist der Erd- oder Nullleiter. Dieser ist die Rückleitung des Stroms. Er führt in den Erdboden, von wo aus der Strom zurück ins Kraftwerk fließt. Der Erdleiter ist standardmäßig mit schwarzer Isolierung versehen. Das dritte Kabel ist der Schutzleiter. Er ist gelb-weiß oder gelb-grün gestreift und dient zum Auslösen der Schutzkontakt-Sicherung im Fall von einem Kurzschluss.

Ausgeschaltet muss nicht „Aus“ bedeuten

Ein Lichtschalter trennt oder schließt den Stromkreis, je nachdem wie er geschaltet wird. Jedoch bedeutet ein ausgeschaltetes Licht nicht, dass an der Verkabelung der Lampe kein Strom mehr fließt. Es ist dem Stromkreis vollkommen egal, an welcher Stelle er unterbrochen wird. Der Normalzustand sollte sein, dass ein Stromkreis an einem Schalter immer an der Phase, also dem stromführenden Leiter unterbrochen wird. Wenn jedoch aufgrund mangelnder Kenntnis der Erdleiter an den Schaltunterbrecher geschlossen wurde, funktioniert der Schalter aber dennoch einwandfrei. Das Licht lässt sich mit dieser Schaltung ebenfalls ganz normal ein- und ausschalten. Wenn nun eine zuvor ausgeschaltete Deckenlampe abgehängt werden soll, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Handwerker einen ordentlichen Stromschlag bekommt. Um dies zu verhindern werden die Spannungsprüfer eingesetzt.

Der einpolige Spannungsprüfer

Um es vorweg zu sagen: Der einpolige Spannungsprüfer wird von professionellen Elektrikern nicht mehr standardmäßig eingesetzt. Es ist wirklich nur ein rudimentäres Hilfsmittel, mit dem sich ein Heimwerker bei kleinen Arbeiten rund um die Hausinstallation helfen kann. Empfohlen wird der einpolige Spannungsprüfer jedoch nicht mehr.

Der einpolige Spannungsprüfer sieht aus wie ein kleiner Schlitzschraubendreher. Auffällig sind an ihm folgende Merkmale:

  • Glasklarer Griff
  • manche Modelle haben eine rote Endkappe mit Metallkontakt
  • Isolierter Hals

Spannungsprüfer

Im Innern des glasklaren Griffs hat der Prüfschraubendreher eine Glimmlampe. Diese leuchtet auf, wenn sie an einen stromführenden Leiter gehalten wird. Wichtig ist dabei zu wissen: Ein Prüfschraubendreher ist immer nur für einen bestimmten Spannungsbereich zugelassen. Üblich sind Bereiche von 6-24V und von 100-240V. Um sie nicht zu verwechseln, sind die Prüfschraubendreher für den KFZ-Bereich, also für Spannungen von 6-24V meistens gelb oder grün. Außerdem haben sie in der Regel eine zusätzliche Krokodilsklemme angebaut. Sie eignen sich sehr gut dafür, um Kriechströme am Fahrzeug festzustellen.

einpoliger Phasenprüfer

Die Prüfschraubendreher für höhere Spannungen sind dagegen klarweiß. Ein eindeutiges Unterscheidungsmerkmal ist die Farbgebung des Prüfschraubendrehers jedoch nicht. Manche Hersteller von KFZ-Spannungsprüfern machen keine optischen Unterschiede zu den Spannungsprüfern für den Hausgebrauch.

Die Qualität von Spannungsprüfern geht weit auseinander. Preisgünstige Modelle sind bereits ab 3,50 Euro erhältlich. Hochwertige Geräte können bis zu 20 Euro kosten. Die Qualität der Geräte betrifft dabei weniger die Prüffunktion, sondern eher die Isolation und die Werkstoffqualität in der Schraubendreherspitze. Das bedeutet, dass die Spitzen von allzu billigen Geräten sehr leicht beim Öffnen und Schließen von Lüsterklemmen abbrechen. Marken-Prüfschraubendreher sind jedoch bereits ab 4,50 Euro im Handel erhältlich

Anwendung

Der Prüfschraubendreher dient dazu, eine spannungsführende Leitung zu identifizieren. Diese findet man in einem Haushalt in Form von Anschlüssen an Steckdosen oder an blanken Drähten an Wand und Decke, an welchen Lampen aufgehängt werden.

An einer Steckdose wird der Prüfschraubendreher nacheinander in beide Öffnungen der Steckdosen gesteckt. Beim Berühren des Metallkontakts an der Rückseite des Prüfschraubendrehers mit dem Daumen kann durch die integrierte Prüflampe festgestellt werden, ob Spannung anliegt oder nicht. Auch der Schutzkontakt wird überprüft, erkennbar an dem blanken Messingleiter, der quer zu der Achse der Öffnungen für die Stecker in der Steckdose verbaut ist. Man kann den Spannungsprüfer an die zentrale Schraube halten, da diese mit dem Schutzkontakt verbunden ist.

einpoliger Spannungsprüfer

Man darf jedoch NIEMALS mit zwei Spannungsprüfern gleichzeitig arbeiten! Wenn man gleichzeitig zwei Prüfschraubendreher in die Steckdose einführt, wird ein Kurzschluss hergestellt und der Körper wird mit den vollen 240 Volt durchströmt.

Bei blanken Drähten an Deckenlampen geht man anders vor. Da für das Aufhängen der Deckenlampe auf eine Leiter gestiegen werden muss, sind hier besondere Vorsichtsmaßnahmen erforderlich.

Vorher sollten Sie sich über die Stromkabelfarben informieren. Den passenden Beitrag dazu finden Sie hier: Stromkabelfarben

Lampe anschließen

Zunächst wird die Sicherung für den Raum ausgeschaltet. Ideal ist, wenn noch eine alte Lampe an der Decke hängt. Falls nicht, kann ein im Raum angeschalteter Verbraucher (z. B. Radio oder Stehlampe) als Indikator für den Stromkreis dienen. Man schaltet einfach alle Sicherungen so lange durch, bis der Raum vom Stromnetz getrennt wird.

Nun steigt man auf die Leiter und prüft vorsichtig alle Leitungen durch. Dazu wird der Prüfschraubendreher an die blanken Spitzen der Drähte gehalten. Falls noch Strom anliegt, ist die Deckenlampe an einen anderen Stromkreis angeschlossen. Es müssen weiter so lange die Sicherungen ausgeschaltet werden, bis kein Stromfluss mehr angezeigt wird. Falls kein Strom mehr angezeigt wird, werden die Leitungen so weit auseinander gebogen, dass sie sich nicht mehr berühren können. Dann können die Sicherungen wieder eingeschaltet werden. Nun wird der Wandschalter überprüft. Dazu wird er eingeschaltet und die weit auseinander gebogenen Leitungen mit dem Stromprüfer kontrolliert. Folgende fünf Fälle können nun eintreten:

  • Leidiglich die Phase führt Strom
  • Nur der Nullleiter führt Strom
  • Nur der Schutzleiter führt Strom
  • Kein Leiter führt Strom
  • Mehrere Leiter führen Strom

einpoliger Spannungsprüfer

Wenn nur die Phase, erkennbar am blauen, roten oder braunen Draht, Strom führt, dann wird der Lichtschalter ausgeschaltet. Wenn jetzt die Phase keinen Strom mehr führt, ist der Schalter in Ordnung und die Deckenleitung ist korrekt verkabelt. Nun kann gefahrlos die Deckenlampe montiert werden.

Wenn nur der Nullleiter Strom führt, ist der Schalter falsch verkabelt. Hier hilft nur, den Wandschalter zu öffnen und die Verkabelung zu überprüften. Gleiches gilt, wenn der Schutzleiter als stromführendes Kabel identifiziert wird.

Wenn kein Leiter sowohl beim An- wie beim Ausschalten des Wandschalters Strom führt, dann liegt ein Kabelbruch vor. Das Kabel sollte dann schnellstmöglich getauscht werden, damit keine Folgeschäden entstehen können.

Wenn die Prüflampe bei mehreren Leitern Spannung anzeigt, dann hat man einen Fall von Induktionsstrom. Dies ist der Grund, warum Prüfschraubendreher von professionellen Elektrikern nur sehr ungern verwendet werden: Die Aussagekraft der Glimmlampe ist einfach zu schwach. Hier muss nun mit einem zweipoligen Spannungsprüfer nachgeprüft werden, welche der Leitungen die Stromführende ist.

Zweipoliger Phasenprüfer

Ein zweipoliger Phasenprüfer ist für das schnelle Identifizieren der stromführenden Leitung und für viele weitere Zwecke das wesentlich bessere Werkzeug als der Prüfschraubendreher. Preislich sind die zweipoligen Phasenprüfer heute sehr erschwinglich. Brauchbare Geräte für den DIY-Bereich sind im Handel bereits ab 15 Euro verfügbar.

Ein zweipoliger Phasenprüfer besteht aus zwei sehr gut isolierten Prüfspitzen, die mit einem Kabel verbunden sind. Eine der Prüfspitzen ist mit einer Skalierung bzw. Anzeige ausgestattet, mit welcher zahlreiche Informationen abgerufen werden können.

Je mehr in einen zweipoligen Phasenprüfer investiert wird, desto größer ist der Funktionsumfang, der mit diesem Gerät abgerufen werden kann. Die Grundfunktionen sind:

  • Phasenprüfung
  • Prüfung der Spannungshöhe
  • Durchgangsprüfung
  • Gleich/Wechselspannungsprüfung
  • Polaritätsprüfung

Mit höher wertigeren und besser ausgestatteten zweipoligen Phasenprüfern können noch zahlreiche weitere Funktionen, wie beispielsweise die FI-Schutzschalter Auslösung, hinzukommen.

Die Arbeit ist mit einem zweipoligen Phasenprüfer wesentlich schneller, sicherer und eindeutiger. Im Gegensatz zum einpoligen Spannungsprüfer kann mit der zweipoligen Variante zwei Kabelenden bzw. beide Öffnungen einer Steckdose gleichzeitig überprüft werden. Dabei zeigt der zweipolige Phasenprüfer nicht nur an, welche die stromführende Leitung ist. Auch die Höhe der Spannung und die Polarität werden gleich mit angegeben. Jedoch kann mit einem zweipoligen Spannungsprüfer nicht geschraubt werden. Ein passender Werkzeugsatz ist deshalb zusätzlich notwendig.

Werkzeuge für Elektroarbeiten

Das Wichtigste für Werkzeuge, die für Elektroarbeiten eingesetzt werden sollen ist eine vollständige Isolation. Man erkennt diese Werkzeuge zumeist an der roten Ummantelung. Übliche Werkzeuge für Elektroarbeiten sind:

  • Elektro-Schraubendreher
  • Elektro-Zangensatz
  • Abisolierzange

Elektro-Schraubendreher kosten in brauchbarer Qualität im Satz ab ca. 25 Euro. Elektro-Zangen, sogenannte Kabelscheren, sind ebenfalls wie die Schraubendreher an der dicken Isolierung an den Griffen erkennbar. Fehlt eine Isolierung, ist die Zange für Elektroarbeiten nicht einsetzbar! Eine hochwertige Kabelschere kostet ab ca. 25 Euro.
Eine sehr sinnvolle Investition ist die Abisolierzange. Diese entfernt mit einem Handgriff eine genau definierte Menge an Isolation von der Spitze eines Kabels. Das umständliche Herumschneiden mit einem Teppichmesser entfällt mit diesen praktischen Werkzeugen. Eine Abisolierzange kostet ab ca. 18 Euro.

Die Grenzen kennen

Zwar wird Eingangs eindeutig auf die rechtliche Situation beim Arbeiten an Steckdosen und Deckenlampen hingewiesen. Jedoch ist es wenig realistisch, dass sich der einigermaßen versierte Heimwerker vom Aufhängen einer Deckenlampe abbringen lässt. Aber auch der motivierteste DIY-Mensch sollte seine Grenzen wissen.

Elektroherd

Einen Elektroherd anzuschließen ist definitiv Sache eines ausgebildeten Elektrikers. Dieser Service kostet bei den meisten Fachbetrieben mit entsprechender Qualifikation maximal 100 Euro. Dafür hat der Anwender aber die Sicherheit, dass das Kocherlebnis nicht durch durchbrennende Elektronik, stromführende Gehäuse oder ewig auslösenden Sicherungen getrübt wird.

Herdanschlüsse

Starkstromanschlüsse

Ein Stromschlag mit 220 Volt ist sehr unangenehm, in den seltensten Fällen aber sofort tödlich. Bei 400 Volt sieht es jedoch anders aus: Die Wahrscheinlichkeit eines tödlichen Herzstillstands ist bei Stromunfällen im 400 Volt Bereich absolut gegeben. Falls also ein Starkstromanschluss im Haus gewünscht ist (beispielsweise für Schweißgeräte in der Garage) ist deren Installation nur Fachbetrieben vorbehalten.

Tipps für Schnellleser

  • Arbeiten an 230 Volt Leitungen ist rechtlich nur Fachbetrieben vorbehalten
  • Ein einpoliger Stromprüfer liefert nur ungenaue Ergebnisse
  • Niemals zwei einpolige Stromprüfer gleichzeitig verwenden
  • Zweipolige Stromprüfer haben eine höhere Aussagekraft
  • Elektroherde, Klimaanlagen und Starkstrom-Steckdosen nur durch Fachkräfte installieren lassen
  • Auf hochwertiges Werkzeug achten, das für Elektroarbeiten zulässig ist

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