Olivenbäumchen werden gerade in großen Mengen als Hochstamm angeboten. Botanisch sind das echte Olea europaea (wenn auch meist aus zwei Sorten, Unterlage und Veredelung). Praktisch haben sie mit echten Olivenbäumen nur bedingt etwas zu tun, was die Pflege nicht gerade einfacher macht.Der „Trendbaum Olive“ wird gerne als Olivenbäumchen-Hochstamm gezogen und verkauft, ein einzelner dünner Stamm ist nämlich bei der Olivenpflanze schneller als alles andere hochzuziehen. Eine echte, robuste Olive ist das aber nicht, was die Pflege kitzliger macht und auch sonst Nachteile hat:

Ein Olivenbäumchen-Hochstamm ist kein echter Olivenbaum

Wenn Sie diese Artikelreihe lesen, weil Sie gerade über die Anschaffung eines Olivenbaums nachdenken, vorweg eine kleine Warnung: Wenn Sie mit Ihrem Olivenbaum alt werden möchten, ist ein Olivenbäumchen-Hochstamm nicht unbedingt das richtige für Sie.

  • Olivenbäumchen-Hochstämme können sehr schnell in die Höhe gezogen werden
  • Genau das wird getan, der rasch wachsende Anfangstrieb wird erst in stattlicher Höhe gekappt
  • Während normalerweise bei der Aufzucht auf anständige Verzweigung kräftiger Hauptäste geachtet wird…
  • Dieser für Oliven untypische Aufbau wird verstärkt durch hoch sitzende Äste, die die Krone tragen
  • Die dann auch noch zu einer sehr kleinen runden, untypisch dichte Krone geformt werden
  • Die Qualität des Wurzelsystems bleibt meist auf der Strecke bei diesem Schnellwuchs
  • So würde eine Olive freiwillig nie wachsen, und dieser Aufbau tut ihr auch nicht unbedingt gut
  • Enge Kronen begünstigen zum Beispiel Pilzbefall, auch Pflanzenläuse fühlen sich im Dickicht wohl

Das Ganze bekommen Sie dann in einem (zu) kleinen Topf und mit minderwertiger Erde, oft aus einem Lager, dass für Pflanzen wirklich nicht geeignet ist, entweder vertrocknet oder quitschnass gegossen – die meisten Olivenbäumchen-Hochstämme müssen erstmal umgetopft und gründlich aufgepäppelt werden. Versuchen Sie, den Hochstamm in echte Gartenerde mit Sand zu setzen, das ist für ihn am schonendsten und gibt ihm Chancen zur Erholung.

Tipp: Olivenbaum-Hochstämme werden oft so veredelt, dass sie sehr schnell Oliven tragen. Schmecken werden diese Oliven allerdings nur unter zwei Bedingungen: 1. Eine zweite Olive steht (auch beim Selbstbefruchter) in der Nähe, Fremdbestäubung verbessert die Qualität der Früchte erheblich. 2. Zusatzbeleuchtung, damit die Oliven in unserem Klima ausreifen können. Pflanzenbeleuchtung gibt es heute mit LEDs, sie verursachen Betriebskosten von wenigen Euros im Monat.

Pflege-Anleitung für den Olivenbaum-Hochstamm

Wenn ihr Hochstamm ein Hochstamm bleiben soll, braucht er vor allem regelmäßige Schnittpflege:

  • Er wurde in eine Form gebracht, die dem natürlichen Wachstum zuwider läuft
  • Er wird diese Form deshalb nur behalten, wenn Sie durch Beschnitt dafür sorgen
  • Also regelmäßig im Frühjahr alle Zweige entfernen, die aus der runden Krone herauswachsen
  • Und Sie müssen ständig, auch zwischendurch, alle Triebe am Stamm entfernen, die unterhalb der Krone wachsen
  • Die Krone selbst wird bei der Schnittpflege ausgelichtet
  • Dabei sollten Sie zuerst die Triebe entfernen, die kränklich aussehen, quer wachsen usw.

Ansonsten werden die Olivenbäumchen-Hochstämme genauso gepflegt wie die normalen Oliven, nachzulesen bei „Olivenbaum auf dem Balkon – Pflege im Kübel“.

Allerdings mit zwei Besonderheiten:

1. Sie brauchen sehr viel Sorgfalt bei der Pflege, um das Turbogewächs gut wachsen zu lassen. Machen Sie sich gefasst darauf, dass das Olivenbäumchen erst einmal einen Wachstumsstopp einlegt, das ist kein Grund zum Verzweifeln, sondern eher gut. Das Bäumchen versucht dann, eine anständige Wurzel zu bilden, und die braucht es auch, um sich gut zu versorgen.

2. Ein Olivenbäumchen-Hochstamm kann und soll im Sommer auf den Balkon, kann aber nie in einen deutschen Garten ausgepflanzt werden. Dazu müsste der Stamm dicker werden, sehr viel dicker werden – da beim Hochstamm der Stamm aber ständig beschnitten wird und sich das Wachstum in der veredelten Krone abspielt, ist das ausgeschlossen. Kältetraining lohnt sich also nicht, wenn der Hochstamm ein Hochstamm bleiben soll, Sie können ihn einfach gut geschützt überwintern.

Tipp: Wenn ihr Olivenbaum-Hochstamm nichts wird oder Ihnen zu mühsam wird, könnten Sie ihn einfach wachsen lassen, mit etwas Glück wird er zu einer echten urigen Olive. Dann wird beim veredelten Olivenbaum-Hochstamm irgendwann die Unterlage „die Macht übernehmen“, und das ist in der Regel eine richtig schön robuste Olivensorte. Ob es sich lohnt, diesen Olivenbaum nun auf ein Leben im deutschen Garten vorzubereiten, wissen Sie dann allerdings immer noch nicht, weil Sie kaum erfahren werden, um welche Olivensorte es sich handelt. Gute Chancen haben Sie allerdings nicht, hier geht es eher um wachstumsstarke Sorten, die möglichst schnell zu verkaufsfertigen Bäumen werden und nicht um Frosthärte.

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