Küchenfront erneuern

Besonders an den Küchenfronten fällt es auf, wenn die Küche so langsam in die Jahre gekommen ist. Doch die Küchenfront lässt sich heute recht einfach austauschen. So denkt jeder, Sie hätten eine ganz neue kostspielige Küche, obwohl Sie nur die Fronten erneuert haben. Wir stellen die verschiedenen Varianten vor, wie Sie Ihre Küchenfront erneuern und erklären in der Anleitung, wie Sie diese austauschen.

Ob Sie die Fronten komplett austauschen oder selbst aufarbeiten, wählen Sie die Variante, die Ihnen am meisten liegt und die besten Ergebnisse verspricht. Zwischen dem Lackieren der Küchenfronten und einem Bezug mit einer poppig bunten Lackfolie liegt unterschiedlich viel Arbeit. Diese Varianten sind längst nicht so kostspielig wie beispielsweise Edelstahl- oder Glasfronten. Es geht aber auch sehr robust und verhältnismäßig günstig, wenn Sie Melaninfronten kaufen und selbst montieren. Wie Sie vorgefertigte Fronten austauschen, zeigen wir hier in der Anleitung. Auch eine Anleitung für den Bezug mit einer hochglänzenden Lackfolie zeigen wir hier.

Das benötigen Sie:

  • Rakel
  • Schraubendreher
  • Schwingschleifer, Bohrmaschine
  • Holzbohrer, Topfbohrer
  • Stichsäge
  • Schere, Cuttermesser
  • Schaumstoffrolle, Lackschale
  • Glasreiniger / Essig
  • selbstklebende Folie
  • Komplettfronten
  • Scharniere / Topfbänder
  • Griffe
  • Türen neu
  • Dekorplatten, Melanimplatten, Glasplatten
  • Montagekleber
  • doppelseitiges Klebeband
  • Schleifpapier
  • Lack

Gründe für einen Austausch

Fronten, die ganz plan sind, lassen sich relativ leicht aufarbeiten. Unebene Fronten jedoch, die in Kassettenoptik beispielsweise sind, können mit einer Folie nicht sauber beklebt werden. Selbst um diese Fronten zu streichen, ist jede Menge Vorarbeit notwendig. Daher werden derartige Fronten natürlich häufiger ausgetauscht als gänzlich glatte Fronten. Die Profilleisten, die teilweise oben um die Schränke herum verlaufen, sollten entweder mit ausgetauscht oder lackiert werden.

Kranzleisten austauschen oder lackieren
Kranzleisten austauschen oder lackieren

Wenn Sie von derartigen Landhaus- oder Kassettenfronten zu glatten Flächen wechseln, sollten Sie als Abschlussleisten ebenfalls glatte Leisten verwenden. Prüfen Sie, ob es überhaupt für den neuen Stil notwendig ist, rund um die Schränke derartige Leisten neu anzubringen. Vielleicht passen zu dem neuen Stil offene Regale auf den Hängeschränken besser, da würde die Leiste dann eher stören. Wenn Sie sich jedoch an den offenen Flächen über den Schränken gestört haben, können Sie dort mit wenigen Latten und Brettern Türen mit den gleichen neuen Fronten einarbeiten. So wirkt die Küche dann wirklich komplett neu und Sie gewinnen noch sehr viel Stauraum.

Varianten und Material – diese Kosten entstehen

Wenn Sie wirklich kostbare Fronten wünschen, eignen sich Glasfronten gut. Allerdings verkaufen viele Hersteller Glasfronten, deren Material in Wahrheit aus Acryl besteht. Dieses Material ist längst nicht so robust und hitzebeständig wie eine echte Glasfront. Die einfachsten Varianten sind Lack- oder Folienfronten. Diese lassen sich sehr gut von einem Einsteiger selbst erneuern. Wenn Sie große Platten kaufen und selbst zuschneiden, sollten Sie den Verschnitt in die Berechnungen mit einbeziehen.

  • Lackfronten etwa 15 Euro / m²
  • Folienfronten etwa 20 Euro / m²
  • Holzfronten etwa 40 Euro / m²
  • Edelstahlfronten etwa 200 Euro / m²
  • Melaminfronten etwa 80 Euro / m²
  • Acrylfronten etwa 80 Euro / m²
  • Laminatfronten etwa 60 Euro / m²
  • Glasfronten etwa 300 Euro / m²

Wer braucht einen Handwerker?

Grundsätzlich können Sie die meisten Fronten mit ein wenig handwerklichem Geschick und einer Portion Geduld selbst austauschen oder erneuern. Einige ganz spezielle Materialien, wie zum Beispiel die recht teuren Glasfronten, sollten Sie allerdings zumindest vom Fachmann zuschneiden lassen. Die meisten Heimwerker hätten dafür ohnehin nicht das passende Schneidwerkzeug.

Küchenfront erneuern – die Varianten

Die grundsätzlichen Schritte in unserer Anleitung sind immer gleich bei den drei Varianten, die Türen zu erneuern oder zu wechseln. Daher finden Sie die unterschiedlichen Varianten jeweils unter Punkt 2.

Tür ausbauen

Egal, welche Variante oder welches Material Sie gern für die Küchenfronten haben möchten, sollten Sie die Türen zunächst ausbauen. Sie können nicht sauber an einer eingebauten Tür eine Veränderung vornehmen. Lösen Sie die Schraube an den Topfbändern und nehmen Sie die Tür vorsichtig aus dem Schrank.

Tür abschrauben
Tür abschrauben

Tipp: Wenn die Tür von der Innenseite her nicht verändert werden soll, ist dies die Gelegenheit die Tür gründlich vom Fett zu reinigen. Dazu eignet sich purer Essig sehr gut. Sie müssen aber anschließend mit einem feuchten Tuch ohne Reinigungsmittel etwas nachwischen. Außerdem sollten Sie den Griff während der Arbeit abmontieren und zur Seite legen.

Wird die Tür lackiert oder mit einer Folie bezogen, sollten Sie die Löcher der Griffe verspachteln, wenn später andere neue Griffe angebracht werden sollen. Verwenden Sie dazu Holzspachtelmasse und schleifen Sie diese nach dem Trocknen mit der Tür plan.

Türgriffe entfernen
Türgriffe entfernen

Tür komplett ersetzen

Wird die alte Tür entsorgt, sollten Sie die Scharniere abbauen und für die neue Tür verwenden. Wollen Sie neue Topfbänder einarbeiten, müssen auch die Gegenstücke in den Schränken erneuert werden. Verschiedene Modelle der Topfbänder passen nicht immer ganz optimal zusammen. Die Tür würde sich eventuell später nicht einstellen lassen. Beachten Sie bei einer neuen Tür den Abstand der Topfbänder und wo diese in dem Schrank befestigt sind. Messen Sie die Positionen genau aus.

Abstände richtig ausmessen
Abstände richtig ausmessen

Tipp: Kaufen Sie sich für das Ausbohren der Löcher für die Topfbänder einen passenden Bohrer. Diese kleine Anschaffung wird Ihre Nerven schonen, wenn Sie die Türen wechseln wollen. Außerdem wird die Arbeit sehr viel sauberer und exakter. Dadurch sitzen die Scharniere später wirklich perfekt und die Türen lassen sich gut einstellen.

Wenn Sie eine rahmenlose Glasfront einsetzen wollen, müssen Sie meistens die Anordnung der Topfbänder innerhalb des Schrankes verändern. Die Löcher für die Scharniere sind in diesen Glaselementen häufig vorgegeben und lassen sich nicht verändern.

Front auf alter Tür ersetzen

Türen mit einer ebenen Fläche lassen sich mit einer neuen Dekor- oder Melaminplatte bekleben. Andere vor allem schwere Dekorplatten aus Edelstahl oder Echtglas können mit speziellen Schmuckschrauben an der alten Tür befestigt werden. Dann wird in die Tür an jeder der Ecken ein Loch gebohrt, durch das die Spezialschraube gesteckt wird. An der Rück- beziehungsweise Innenseite kommt auf die Schraube eine Sicherung.

Montagekleber für die Dekorteile
Montagekleber für die Dekorplatten

Tipp: Die Spezialschrauben für Dekorplatten gibt es in vielen verschiedenen Designs. Sie sollten darauf achten, dass die Schrauben oder Nieten zu den neuen Türgriffen passen. So wirken die Schrauben nicht so störend, sondern gehören ganz zum neuen Küchendesign.

Wenn Sie die Dekorplatten selbst zuschneiden müssen, bleibt oft ein etwas harter Übergang. Hier sollten Sie ein wenig mit Schleifpapier arbeiten. Für viele derartige Systeme gibt es zudem noch Randeinfassungen, die exakt zu den gängigen Küchentürstärken passen. Diese Leisten werden auf Gehrung geschnitten und um die Ränder der Küchentür gesteckt. Befestigt werden die Leisten mit Montagekleber.

Tipp: Wenn Glas- oder Acrylfronten mit einer durchscheinenden Optik auf die Türen aufgesetzt werden sollen, ist es wichtig, die Tür vorher farblich passend zu lackieren, damit später nicht die alte unerwünschte Farbe durchscheint. Im Gegensatz zu Acryl ist Glas als Material deutlich kratzfester. Ähnlich wie Kunststoffgläser in einer Brille verkratzt die Acrylfront schon beim normalen täglichen Gebrauch schnell.

Küchenfront mit Folie aufmöbeln

Selbstklebende Folien bekommen Sie in jedem Baumarkt. Die Folien sind nicht nur günstig, sondern auch leicht aufzuziehen. Es gibt unzählige Dekore bei den Folien, die normalerweise sehr pflegeleicht sind. Folienfronten sind jedoch längst nicht so widerstandsfähig wie beispielsweise Holz- oder Melaminfronten. Wenn Sie mit den heißen Wasserdampf an die Folie kommen, wird diese beschädigt und muss eventuell erneuert werden. Auch Kratzer entstehen in der Folie relativ leicht und sind deutlich sichtbar.

Die Oberfläche muss eben und fettfrei sein. Im Zweifel können Sie die Oberfläche mit feinem Schleifpapier und einem Schwingschleifer anschleifen. Ansonsten sollten Sie die Flächen mit Essig oder einem Glasreiniger reinigen. Arbeiten Sie immer auf einer festen ebenen Unterlage, wie der Arbeitsplatte oder dem Küchentisch. Legen Sie die Folienrolle unten an der Tür an und ziehen Sie wenige Zentimeter der Schutzfolie zurück. Streichen Sie nun die Folie glatt. Luftblasen entfernen Sie durch ein leichtes Zurückziehen der Folie. Arbeiten Sie immer von der Mitte der Tür zu den Rändern hin.

Folie mit Rakel auftragen
Folie mit Rakel auftragen

Tipp: Wenn die Arbeit mit der ganzen Rolle zu fummelig ist, können Sie Ihre Folie vorher mit der Schere oder einem Cutter zuschneiden. Allerdings sollten Sie ausreichenden Überstand einplanen. Nach Möglichkeit sollte die Folie die Kanten der Tür bedecken. Sollte Ihnen die Optik der Innenseite der Tür egal sein, hält die Folie sogar noch besser, wenn sie auch um diese Kante geschlagen wird und dann auf der Innenseite endet.

Beim Vorschneiden der Folie können Sie mit der Schere arbeiten. Wenn Sie die Folie komplett aufgezogen haben, sollten Sie diese an den Kanten der Schranktür mit einem scharfen Cuttermesser sauber abschneiden. Drücken Sie die Folie anschließend besonders an den Rändern noch einmal mit dem Rakel fest.

Küchenfront lackieren

Zunächst stellt sich die Frage, ob Sie matten oder glänzenden Lack möchten. Die Kosten für diese Veränderung sind ebenfalls sehr gering, der Arbeitsaufwand ist jedoch um einiges höher. Die Flächen müssen zunächst gut angeschliffen werden. Bei einer hochglänzenden Oberfläche arbeiten Sie bis zu einer Körnung von 240. Bei einer matt lackierten Oberfläche brauchen Sie nur bis etwa zu einer 150er-Körnung schleifen. In der Küche ist bei der hochglänzenden Lackierung unbedingt ein klarer Härtungslack als Abschluss notwendig. Der matte Lack ist nicht ganz so widerstandsfähig, da ihm der Härter fehlt und seine Oberfläche immer etwas offenporiger bleibt. Allerdings entfallen auch die lästigen Fingerabdrücke, die auf einer glänzenden Fläche ständig weggeputzt werden müssen.

Tipp: Verwenden Sie möglichst einen hochwertigen Lack für Ihre Küchenfronten. Acryllack kann einfach mit Wasser verdünnt werden und ergibt so eine schöne Oberfläche, da Sie mehrere dünne Schichten streichen können. Zwischen den einzelnen Schichten arbeiten Sie, besonders wenn Sie eine glänzende Oberfläche wünschen, noch zusätzlich mit sehr feinem Schleifpapier.

Türen lackieren

Den Lack tragen Sie auf die geschliffene Oberfläche mit einer feinen Schaumstofflackrolle dünn auf. Sie tragen möglichst zwei bis drei Schichten Farbe auf, um eine gute Abdeckung zu erreichen. Lassen Sie die Flächen zwischendurch immer gut trocknen.

Tür einsetzen und einstellen

Die neue Tür wird wieder an den Topfbändern befestigt. Drücken Sie die Tür nicht gleich ganz tief in den Schrank, sondern schauen Sie, wie die Tür gleichmäßig vor dem Schrankrahmen steht. Schrauben Sie dann die Befestigungsschraube auf dem Band fest. Wenn die Tür noch ungleichmäßig ist, können Sie an der kleinen Abstandsschraube oben und unten eine Justierung vornehmen. Haben Sie etwas Geduld, jede Tür lässt sich perfekt einstellen. Im Zweifel fangen Sie ganz von vorn an und nehmen die Tür noch einmal heraus. Unter Umständen haben Sie auch Fronten vertauscht und eine Tür gehört eigentlich an eine andere Stelle in der Küche. Wie Sie die Türen am Schrank richtig einstellen erfahren Sie in unserem Artikel: „Schranktüren montieren – Möbelscharniere richtig einstellen“.

Die Schranktüren justieren
Die Schranktüren justieren

Tipp: Verwenden Sie eine kleine Wasserwaage, um die senkrechte und waagerechte Ausrichtung der Tür zu überprüfen. Nichts ist schlimmer, als eine Küchenfront, bei deren Anblick einem schwindelig wird. Die Türen der Küchenfront sollten außerdem alle gleichhoch sein. Auch diesen Punkt können Sie am besten mit einer Wasserwaage prüfen.

Profile und Leisten

Die Profile und Leisten von alten Küchen passen normalerweise nach der Veränderung der Fronten nicht mehr dazu. Wenn Sie die Fronten gestrichen haben, ist es einfach, die Profilleisten ebenfalls zu streichen. Bei neuen Holztüren schaffen Sie Leisten aus dem gleichen Holz an, die zu der neuen Optik passen. Sie können die Leisten aber auch, wie oben beschrieben, komplett weglassen.

Blende erneuern
Blende erneuern

Tipp: Um das Sockeldekor ebenfalls anzupassen, sollten Sie passend zur Arbeitsplatte oder zu den neuen Türfronten entweder Folie kaufen, die Sie einfach auf die alte Sockelblende aufkleben. Die zweite Variante sind Dekorplatten aus Laminat, die Sie selbst zuschneiden können. Diese Platten können Sie mit doppelseitigem Klebeband oder mit Montagekleber aus der Kartusche befestigen.

Arbeitsplatte wechseln

Arbeitsplatten gibt es in unterschiedlichen Tiefen und Breiten für die Küche. Wenn Sie die Arbeitsplatte ebenfalls erneuern möchten, entsorgen Sie die alte Platte noch nicht gleich. Sie können sie noch als Schablone für die Ausschnitte von Spüle und Herd verwenden. Wenn die Platte in der Ecke zusammengesetzt werden muss, können Sie die Eckverbindungen, die sich unter der alten Platte befinden ebenfalls wieder nutzen. Neue Eckverbindungen gibt es jedoch im Baumarkt ganz ohne Rost.

Tipp: Das Ausschneiden der Vertiefungen unter der Arbeitsplatte ist etwas schwierig, aber auch dafür können Sie an der alten Platte eine Schablone abzeichnen. Der Topfbohrer, den Sie für die Scharniere verwendet haben, eignet sich auch für die Vertiefungen, in denen die Eckverbindungen verschraubt werden.

Tipps für Schnellleser

  • Qualität der alten Küchenfronten prüfen
  • neue Fronten und passende Leisten wählen
  • Türen komplett austauschen
  • Tür ausbauen – eventuell Scharniere ausbauen
  • Griff abmontieren
  • Front neu lackieren, beziehen oder auswechseln
  • Griffe an Türen ersetzen
  • neue Tür/Front wieder einbauen
  • Türen einstellen
  • Sockelblende mit Dekorplatte/Folie beziehen
  • Leisten austauschen oder neu lackieren
  • Seitendekor der Küche anpassen
  • Arbeitsplatte bei Bedarf wechseln

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