Schranktüren sind eines der markantesten Dinge in der Wohnung, dienen sie doch nicht nur dazu, Gegenstände vor Staub zu schützen, sondern sind zudem auch Ausdruck der Wohnatmosphäre. Schlecht eingestellt kann diese schnell gestört, weil man wegen der geraden Formen des meisten Mobiliars schon von weitem sieht, wenn eine Schranktür schief hängt.

Türscharniere sind ein unverzichtbarer Zusatz für jeden Schrank, egal ob Glastüren, Holztüren oder andere Materialien. Schlecht eingestellt sehen schief hängende Türen nicht nur extrem unschön aus, sondern beschädigen auch den Schrank und die Türen an sich. Zu tief hängende Türen schleifen über die Bodenplatte des Schranks oder den Fußboden des Raumes. Was kurze Zeit ohne Probleme funktioniert, kann schon in wenigen Wochen ein Schadensfall sein. Wie man dies verhindert, erklärt diese Anleitung.

Um schief hängende Türen zu verhindern und damit ein Verziehen des Schrankes oder Kratzer zu vermeiden, ist ein richtiges Einstellen der Scharniere unumgänglich. Um dies jedoch zu tun, muss zuerst geklärt werden, um welches Scharnier es sich handelt. Scharniere gibt es viele auf dem Markt und je nach Ausführung sind unterschiedliche Einstellungen möglich. So lassen sich nicht bei jedem Scharnier Höhe, Tiefe und Neigungswinkel ändern und jedes Scharnier hat seine Vor- und Nachteile.

Die Arten der Scharniere

Topfscharniere

Topfscharniere sind wohl die am häufigsten anzutreffenden Scharniere und die Standardscharniere schlechthin. Egal ob in Wohnzimmerschränken, Badezimmerschränken oder Küchenschränken, sie sind in verschiedenen Formen und Arten anzutreffen. Ihr großer Vorteil ist die recht kompakte Bauweise und die hohe Tragkraft. Topfscharniere sind in einer Einbauvariante erhältlich, dabei befindet sich die Schranktür zwischen beiden Seitenplatten des Schrankes oder als Vorbauvariante. Hierbei verdeckt die Schranktür beide Seitenteile, mitunter auch Boden und Deckplatte.

Verschiedene Schranktüren
Verschiedene Schranktüren

Der Öffnungswinkel kann je nach Einbauvariante bis zu 180° betragen. Zum Einbau dient diesen Scharnieren ein 35 mm Topfdurchmesser, indem das Scharnier gesetzt und mit zwei Schrauben befestigt wird. Eine Montageplatte am Schrankkorpus bildet das Gegenstück. Die Verbindung zwischen beiden Seiten ist der Tragarm. Schrauben an der Montageplatte der Schrankplatte können dabei die Möbeltür in der Neigung, der Tiefe und der Höhe beeinflussen.

Stollenscharniere

Stollenscharniere sind eine spezielle Art der Topfscharniere. Diese Scharniere sind besonders für enge Einbaumöglichkeiten durch ihre kurze und kompakte Bauart geeignet. Der Platzverbrauch an der Schrankseitenwand beträgt oft nur 28 mm in der Tiefe. Nachteil dieser Scharnierart ist ein maximaler Öffnungswinkel von 95°, zudem die im Gegensatz zu normalen Topfscharniere geringe Tragkraft, sodass Türen klein und leicht ausfallen müssen.

Einlass-Scharniere

Eine spezielle Art der Schrankscharniere bilden die Einlassscharniere. Diese sind bei beiden Seiten des Scharniers zylindrisch geformt und können so entweder in die Seitenwand oder die Schranktür eingelassen werden. Alternativ können Einlassscharniere auch in die Stirnseiten der Seitenwand und Schranktür montiert werden. Großer Vorteil ist, dass diese Art von Scharnieren sowohl beim geschlossenen, als auch geöffneten Zustand kaum bis gar nicht zu sehen sind. Nachteil jedoch ist die geringe Tragkraft des Scharniers. Zudem müssen Schranktür, als auch der Korpus eine hohe Materialstärke aufweisen. Ebenfalls ein großer Nachteil ist, dass eine Höhenverstellung der Tür nicht möglich ist. Auch fehlen oft auch andere Einstellmöglichkeiten der Tür.

Aufschraubscharniere

Aufschraubscharniere sind eine Abart der Topfscharniere. Sie verfügen über die gleichen Eigenschaften wie Topfscharniere, werden aber, wie der Name schon verrät, an der Seitenwand des Schranks und der Tür nur angeschraubt. Die zusätzliche Versenkung, der sogenannte Topf bei Topfscharnieren, in dem das Gelenk beim Schließen der Tür verschwindet, entfällt beim Aufschraubscharnier. Nachteil ist der größere Platzverbrauch des Scharniers.

Glastürscharniere

Glasscharniere sind eine sehr spezielle Form der Scharniere, sie können sowohl als Topfscharniere aber auch als Aufschraubscharnier vorkommen. Die Halterung der Glasseite ist dabei immer gleich. Das Glas besitzt vorgebohrte Löscher, durch die die Schraube und ein Kunsstoffkern zum Befestigen geführt werden. Die Innenseiten der Halterung für die Glasseite sind zumeist entweder aus Kunststoff oder einem anderen weichen Material, dass die Glastür festhalten, jedoch vor zu viel Druck schützen soll.

Das Montieren der Scharniere

Die Montage von Scharnieren erklärt sich am besten am Beispiel eines Topfscharniers, da dies die meisten Einstellungsmöglichkeiten hat. Die Schranktür kann in der Höhe, Tiefe und im Neigungswinkel bis zu -/+ 2 mm geändert werden. Bei gekauften Möbeln sind sämtliche Bohrungen und Schrauben an Tür und Korpus bereits vorhanden.

Schritt 1
Als erster Arbeitsschritt werden alle Topfbänder an der Tür des Schranks montiert. Dazu wird der Topf in die dazu gehörige, standardmäßig 35 mm Bohrung gedrückt. Der Arm der Schranktür zeigt dabei nach außen. Oberhalb sowie unterhalb der Topfbohrung befinden sich zwei weitere Bohrlöcher, diese dienen für die Schrauben der Topfbänder. Mit den passenden beiliegenden Schrauben werden die Topfbänder fixiert.

Topfband eindrücken
Topfband eindrücken

Schritt 2
Der zweite Arbeitsschritt ist, die Montageplatten an die Innenseite des Schranks zu montieren. Welche Seite bei den Montageplatten nach vorn zeigen muss, ist zumeist als Pfeil auf der Montageplatte markiert. Der Pfeil muss dabei immer nach außen zeigen. Die Montageplatte kann nun mit den passenden Schrauben am Schrankkorpus befestigt werden. Wichtig ist, die Montageplatten haben ein Langloch, sodass sie sowohl nach oben, als auch nach unten verschiebbar sind. Zur ersten Montage werden die Platten mittig angeschraubt.

Montageplatte festschrauben
Montageplatte festschrauben

Schritt 3
Ist dieser Arbeitsschritt erledigt, kann die Schranktür das erste Mal eingehängt werden. Zuerst hängt man die Schranktür oben ein und zuletzt unten. Prinzipiell, vor allem bei großen Türen, ist anzuraten eine zweite Person um Hilfe zu bitten, die die Tür hält, während man die Tür mit dem Korpus befestigt.

Schranktür einhängen
Schranktür einhängen

Schritt 4
Die Tür kann nun das erste Mal geschlossen und das Gesamtbild kontrolliert werden. Dabei schließt man die Tür vorsichtig und ohne Gewalt.

Tipp: Reicht die Tür des Schranks nicht bis zum Boden, können auch dickere Schuhe angezogen werden und die Schranktür auf diese gestellt werden. Mit dem Fuß kann zur Hilfe auch etwas vermittelt werden, um die Schranktür einzuhängen, wenn keine zweite Person helfen kann.

Das richtige Justieren der Scharniere

Einstellen der Höhe

Ist die Schranktür erst einmal fest am Schrank, geht es zuerst an das Einstellen der Höhe. Sie sollte als erstes eingestellt werden, da diese Einstellung der Ausgangspunkt aller anderen Einstellungen ist. Mit Augenmaß oder Zollstock, wird nun der Abstand zwischen Oberkante der Tür und der Unterkante des Schrankdeckels kontrolliert. Anschließend wird der Abstand Unterkante der Tür zur Oberkante des Schrankbodens gemessen. Ist der Abstand gleich, ist dies hervorragend, wenn nicht, muss nun nachkontrolliert werden. Dazu wird die Schranktür wieder ausgebaut. Dabei geht man in umgekehrter Reihenfolge wie beim Einhängen vor.

Wichtig: Niemals die Höhenänderung bei eingehangener Tür vornehmen, die Schraubenlöcher können durch das Gewicht der Tür ausgefranst werden.

Höhe der Schranktüren einstellen
Höhe der Schranktüren einstellen

Die Nachjustierung erfolgt an den Bändern an der Innenseite des Korpus. Ober- und unterhalb der Aufhängung der Tragarme werden nun die Schrauben leicht gelöst. Sitzt die Tür zu niedrig, müssen alle Bänder etwas höher gesetzt werden. Sitzt die Tür zu hoch, müssen die Bänder etwas herunter gesetzt werden. Sind alle Bänder versetzt worden, werden die Schrauben wieder angezogen und die Tür erneut eingehangen. Ist der Abstand nach oben und unten nun gleich, kann mit der nächsten Einstellung begonnen werden, wenn nicht, muss der letzte Arbeitsschritt nochmals wiederholt werden. Wichtig ist immer der feste Sitz der Schrauben.

Einstellen der Tiefe

Ist die Höhe des Schrankes korrekt, wird die Tiefe der Tür eingerichtet. Sieht man den Schrank von der Seite an, auf der Seite, wo auch die Scharniere sitzen, muss zwischen Korpus und Tür ein Abstand von ca. 1 – 2 mm vorhanden sein. Die Tür wird geöffnet und der Spalt beobachtet. Zu keiner Zeit darf die Tür am Korpus schleifen. Sollte es zu Berührungen zwischen beiden Teilen kommen, wird die Tür geöffnet. Am Tragarm befinden sich zwei Schrauben, die in horizontaler Richtung verlaufen. Die vordere Schraube ist zuerst uninteressant.

Tiefe der Schranktür einstellen
Tiefe der Schranktür einstellen

Wichtig ist die hintere Schraube, mit der auch die Tür am Schrank befestigt wird. Schleift die Tür nun am Korpus muss die Schraube gelöst werden und die Schranktür ein Stück hinaus oder herein gedrückt werden. Wichtig ist, dass der Spalt von 1 – 2 mm von oben nach unten läuft.

Einstellen der Schräge

Die letzte Einstellung ist die der Schräge. Sieht man den Schrank bei geschlossener Tür von vorn an, gibt es sowohl oberhalb, als auch unterhalb der Schranktür einen horizontalen Spalt zwischen Schranktür und Schrankboden sowie Schrankdeckel. Durch die Rechtwinkligkeit der Tür sind beide Spalten identisch. Ist der Spalt gleichmäßig, wäre die Arbeit an der Schranktür beendet, wenn nicht, muss nachjustiert werden.

Dazu wird die letzte Schraube an den Scharnieren genutzt, jene, die gerade übersehen werden sollte und auf dem Montageträger ganz vorn sitzt. Diese Schraube hat eine Doppelfunktion. Sie dient zum einen für den Neigungswinkel, zum anderen um die gesamte Tür horizontal zu verschieben.

Kommen wir zuerst zum Neigungswinkel. Schaut die Tür mit der rechten oberen Ecke (Voraussetzung ist, dass die Scharniere auf der linken Seite befestigt sind) nach oben, muss am oberen Scharnier die Schraube ein wenig hinein geschraubt werden, bei dem unteren Scharnier etwas heraus geschraubt werden.

Die Schranktüren justieren
Die Schranktüren justieren

Sollte die Tür mit der rechten Ecke nach unten sehen (Voraussetzung ist, dass die Scharniere auf der linken Seite befestigt sind), muss die untere Schraube hinein, die obere Schraube herausgedreht werden. Dies wird nun so lange gemacht, bis ein einheitlicher Spalt entsteht.

Sind zwei Schranktüren vorhanden oder schaut die Tür auf einer Seite etwas über den Schrankkorpus heraus, werden ebenfalls diese beiden Schrauben genutzt. Schaut die Tür (Voraussetzung ist das die Scharniere auf der linken Seite befestigt sind) auf der rechten Seite über den Korpus hinaus, müssen beide Schrauben gleichmäßig ein wenig herausgedreht werden. Die Schranktür wandert so nach links. Stehen sich zwei Türen gegenüber und ist der mittlere Spalt zu groß oder zu klein, wird sowohl der linken, als auch auf der rechten Tür bei allen Scharnieren gleichmäßig nachjustiert.

Kurzfassung

Türanschlag/ Scharnier links:

  • Wird die Schraube hinein gedreht (mit dem Uhrzeigersinn) wandert die Tür nach rechts.
  • Wird die Schraube heraus gedreht (gegen den Uhrzeigersinn) wandert die Tür nach links.

Türanschlag/ Scharnier rechts

  • Wird die Schraube hinein gedreht (mit dem Uhrzeigersinn) wandert die Tür nach links.
  • Wird die Schraube heraus gedreht (gegen den Uhrzeigersinn) wandert die Tür nach rechts.

Wenn alle Arbeitsschritte ausgeführt wurden, ist die Tür richtig eingerichtet. Bei Schränken mit mehr als zwei Scharnieren werden immer das oberste und das unterste Scharnier zum Einstellen benutzt. Bei alle anderen Scharnieren werden die Schrauben locker gelassen, damit sie sich den Einstellungen der anderen Scharniere anpassen. Ist der Schrank fertig ausgerichtet, werden die Schrauben dieser Scharniere festgemacht.

Das richtige Justieren der Sonder-Scharniere

Andere aufgeführte Scharniere wie Stollenscharniere unterscheiden sich nicht in der Montageanleitung. Auch Glasscharniere werden ebenso behandelt, wichtig ist hier jedoch die Montage der Bänder an der Glasseite. Nicht zu vergessen sind hier die immer mitgelieferten Kunststoffkörper, die in die Bohrungen der Glastür gehören und durch die die Schraube geführt wird. Größte Vorsicht ist hier beim Anziehen der Schraube geboten. Leicht handfest, fester sollte die Schraube nicht angezogen werden, da sonst ein Glasbruch entstehen kann.

Tipp: Ein bis zwei Tropfen Schraubensicherungslack auf die Schraube geben und einige Minuten warten. Der Lack verklebt die Gewindegänge und verhindert damit ein selbstständiges Lösen der Schrauben. Wird an der Schraube mit einem Schraubendreher wieder Hand angelegt, bricht der Lack und die Schraube lässt sich ganz einfach wieder Lösen.

Auch Aufschraubscharniere lassen sich über die gleichen Möglichkeiten einstellen, nur befinden sich die Justierschrauben dann, je nach Hersteller, an einer anderen Stelle als beim Topfscharnier.

Unterschiede gibt es jedoch beim Einlass-Scharnier, diese lassen sich in den meisten Fällen weder in Höhe, Neigung und Tiefe korrigieren. Der richtige Sitz ist vom Hersteller vorgegeben.

Tipps für Schnellleser

  • Tür als erstes in das Scharnier einhängen, zuletzt ins untere
  • beim Herausnehmen der Tür umgekehrte Reihenfolge
  • zuerst Höhe der Tür einstellen, dann Tiefe, danach Schräge
  • Tür bei Höhenkorrektur nicht eingehangen lassen
  • Abstand Unterkante Tür – Bodenplatte min. 1 – 2 mmm
  • bei mehreren Scharnieren erst oberstes und unterstes Scharnier zum Ausrichten nutzen, alle anderen Schrauben bei anderen Scharnieren werden locker gelassen und nach Ausrichten angezogen

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