IP-Schutzklassen für Innen/Außenbereich – Tabelle + PDF

IP-Schutzklassen

Grundwissen für Elektroarbeiten – Die IP-Schutzarten geben an, wie ein elektrisches Bauteil abgesichert ist. Anhand der Schutzklassen kann der Anwender die passenden Bauteile für die jeweilige Einbausituation wählen. So vermeidet er Ausfälle oder schwere Folgeschäden. „IP-Code“ bedeutet übersetzt „International Protection Codes“. Im englischen Sprachraum wird auch „Ingress Protection“ verwendet, was „Schutz gegen Eindringen bedeutet. In diesem Text erfahren Sie alles, was Sie über die IP Schutzklassen wissen müssen.

Wenn ständig die Sicherung fliegt…

Elektrische Installation wirkt ja so einfach: Ein paar Drähte mit den vorgesehenen Klemmen verbinden, schon brennt das Licht, schaltet der Bewegungssensor oder lässt sich das Garagentor öffnen. Aber leider steckt der Teufel wie so oft im Detail: Eine falsche Installation hat nicht nur lästige Ausfälle zur Folge, sondern kann auch zu gefährlichen Situationen führen. Bauteile, die plötzlich unter Strom stehen oder eine permanente Brandgefahr sind die übliche Folge von mangelndem Fachwissen rund um die Installation. Darum ist es eben ein Unterschied, wo man welches elektrische Bauteil an die Haustechnik anschließt. Die Umweltfaktoren, welche einen Einfluss auf das Funktionieren eines Schalters, einer Steckdose oder einer Lampe haben, können sehr unterschiedlich sein. Beispielsweise kann der Sud, der beim Kochen entsteht, ohne weiteres eine Steckdose zum Durchbrennen bringen. Hier hilft nur, bei jedem Projekt systematisch vor zu gehen.

Definition der Schutzart

Man unterscheidet bei den elektrischen Betriebsmitteln zwischen „Schutzarten“ und „Schutzklassen“. Die Schutzarten haben die typischen IP-Bezeichnungen. Sie reichen von IP00 bis IP 69K. Die Schutzklassen werden von I bis III eingeteilt.

Die IP-Schutzarten sind vorwiegend für den Schutz gegen direktes Berühren und das Eindringen von Fremdkörpern ausgelegt. Die Schutzklassen hingegen geben die Berührungsspannungen vor. Hier erfahren Sie alle über Schutzklassen in der Elektrotechnik: Schutzklassen in der Elektrotechnik

Grundlagen

… für die Schutzarten und Schutzklassen

Schutzarten und Schutzklassen werden nicht willkürlich gewählt, sondern sind in einem international anerkannten Normenkatalog festgehalten. Diese Normung wird in die jeweiligen nationalen Normen überführt. Diese sind:

DIN EN 6459 2014-09: Diese auch in der VDE 0470-1 geschriebene Norm benennt alle Schutzarten durch Gehäuse.

ISO 20653: 2013 Hierin sind die Schutzarten aufgeführt, die beim Einbau von elektrischen Betriebsmitteln in Straßenfahrzeuge zur Geltung kommen.

Schutzart-Codierung

Die IP-Codierung wird immer durch die beiden Buchstaben IP mit nachgehängter, doppelter Kennziffer bezeichnet. Die Kodierung der ersten und zweiten Nummer geben an, wie ein Gehäuse gegen das Eindringen eines Fremdkörpers (ersten Nummer) oder eine Flüssigkeit (zweite Nummer) geschützt ist.

Schutzklasse einer Badlampe

Da die „Null“ ebenfalls als klassifizierende Ziffer dient, ist im Fall einer undefinierten oder unnötigen Eingrenzung ein „X“ vorgesehen. Insgesamt gibt die IP Nummer an, welchen Schutz ein Gehäuse von einem elektrischen Gerät bei Berührung bietet – und gegen Eindringen von Fremdkörpern und Feuchtigkeit bieten kann.

IP-Nummern

Die IP Nummer besteht immer aus den beiden Buchstaben IP und der direkt daran angeschlossenen Ziffernfolge. Das Fehlen des Leerzeichens ist auch eine brauchbare Methode, um Produktpiraterie zu identifizieren. Ein Leerzeichen zwischen IP und zweistelliger Ziffer deutet auf mangelnde Sachkenntnis hin, welche wiederum nur bei nicht zertifizierten Herstellern zu erwarten ist.

Kennziffern für Berührungsschutz1. Kennziffer der IP Nummer

Die ISO 20653 und die DIN EN geben vor, wie die Kennziffern zu lesen sind. Die erste Kennziffer der Schutzklassen beschreibt den Schutz vor Berührungen. Die Schutzklassen 5 und 6 werden allerdings unterschiedlich beschrieben. Die ISO 20653 fügt bei diesen Schutzklassen ein zusätzliches „K“ ein.

0 = Das Gehäuse bietet keinen Schutz

1 = Das Gehäuse bietet einen Schutz gegen Fremdkörper, die einen größeren Durchmesser als 50 mm haben. Dazu zählt beispielsweise der Handrücken oder Bälle aller Art.

2 = Das Gehäuse bietet einen Schutz gegen Fremdkörper, die einen größeren Durchmesser als 12,5 mm haben. Dazu zählen beispielsweise auch Finger.

3 = Das Gehäuse bietet einen Schutz gegen Fremdkörper, die einen größeren Durchmesser als 2,5 Millimeter bieten. Dazu zählen beispielsweise Spitzzangen, Stricknadeln, Messerspitzen und ähnliche, spitze Werkzeuge.

4 = Das Gehäuse bietet einen Schutz gegen Fremdkörper, die einen größeren Durchmesser als 1 Millimeter bieten. Dazu zählen beispielsweise Nadeln, Draht, Nägel, Kugelschreiber-Minen und ähnliche, nagelartige Werkzeuge.

5/5K = Das Gehäuse bietet Schutz gegen Staub, wenn er in erheblicher Menge ausgetragen wird. Diese Schutzart ist beispielsweise in Werkstätten aller Art empfohlen, in denen geschliffen wird. Auch mineralischer Staub kann für eine Elektronik gefährlich werden, wenn er feucht wird. Dazu genügt bereits die normale Umgebungsfeuchte.

6/6K = Das Gehäuse ist vollständig gegen Berührung und Eindringen von Staub geschützt.

Kennziffern für SchlagschutzZusätzlich zum Durchmesser des eindringenden Gegenstandes ist auch die kinetische Energie in den Normen für Gehäuse Schutzklassen definiert. Diese wird jedoch nicht durch den IP-Code, sondern durch den IK Code angegeben. Die dazu gehörende Norm ist die DIN EN 62262. Sie sieht folgende kinetischen Schlagenergien vor. :

00 = Kein Schutz gegen Schläge
01 = 0,15 Joule
02 = 0,2 Joule
03 = 0,35 Joule
04 = 0,5 Joule
05 = 0,7 Joule
06 = 1 Joule
07 = 2 Joule
08 = 5 Joule
09 = 10 Joule
10 = 20 Joule

Zum Vergleich: Ein einfacher Bohrhammer, mit dem sich in Ziegelwand ein Loch für einen Dübel schlagen lässt, hat ca. 1,5 bis 3 Joule. Um ein Gehäuse der Stärke 10, sprich 20 Joule Widerstandskraft zu „knacken“, braucht es schon eines richtigen Bohrhammers, der zum Hausabriss oder zum Straßenbau verwendet wird.

Dennoch ist die Angabe der IK-Nummer recht selten. Für den normalen Gebrauch wird darauf verzichtet. Wenn sie jedoch verlangt wird, wird sie als zweite Angabe hinter die IP Nummer gestellt.

2. Kennziffer der IP NummerKennziffern für Wasserschutz

Die zweite Kennziffer beschreibt die Widerstandsfähigkeit des Gehäuses gegen eindringendes Wasser. Die Wasserfestigkeit schließt auch die Schutzfähigkeit des Gehäuses gegen Dämpfe ein.

Hier hat die ISO 20653 bei den Klassen 4 und 6 wieder ein zusätzliches K eingeführt.

0 = Das Gehäuse bietet keinen Schutz gegen eindringendes Wasser oder diffundierende bzw. kondensierende Feuchtigkeit. Die Elektronik ist ungeschützt. Dazu zählen beispielsweise normale Steckdosen im Wohnraum.

1 = Das Gehäuse bietet Schutz gegen Tropfwasser. Tropfendes Wasser kommt dabei immer von oben. Das Gehäuse ist demnach mit einer kleinen Abschirmung ausgestattet, welches tropfendes Wasser ableitet.

2 = Das Gehäuse bietet Schutz gegen Tropfwasser, auch wenn das Gehäuse bis zu 15° geneigt ist.

3 = Das Gehäuses bietet Schutz gegen fallendes Sprühwasser, auch wenn das Gehäuse zwischen 60° und 90° geneigt ist. Wichtig ist in dieser Kategorie der Unterschied von „Tropfwasser“ zu „Sprühwasser“. Die Bezeichnung „Sprühwasser“ schließt auch größere Wassermengen mit ein.

4 = Das Gehäuse ist umseitig gegen Sprühwasser geschützt. Es eignet sich z.B. zur Montage unter einem Vordach.

4K = Sonderform der ISO 2065. Diese zweite Ziffer schließt den Schutz gegen umseitiges Sprühwasser mit ein, das mit erhöhten Druck gegen das Gehäuse gespritzt wird.

5 = Das Gehäuse bietet Schutz gegen Strahlwasser, welches aus einem beliebigen Winkel auf das Gehäuse spritzt. Diese Schutzklasse kann man beispielsweise in Auto-Waschanlagen erwarten.

6 = Das Gehäuse bietet einen Schutz gegen starkes Strahlwasser. Es hält jedoch noch keinen direkten Strahl eines Hochdruck-Reinigers aus.

6K = Diese Klasse ist identisch mit der Klasse 6, bezieht sich aber besonders auf Straßenfahrzeuge. Scheinwerfer von Fahrzeugen müssen beispielsweise in der Klasse 6K eingeordnet sein.

7 = Das Gehäuse bietet einen Schutz gegen ein zeitweiliges Untertauchen. Sie bietet einen umseitigen Schutz, ist jedoch nicht Druckwasser- bzw. Tauchfest.

8 = Diese Gehäuse sind in der „Pool- oder Tauchklasse“ angesiedelt. Sie bieten einen ausreichenden Schutz gegen andauerndes Untertauchen. Jedoch ist die zulässige Tauchtiefe wiederum damit nicht definiert und muss dezidiert in der Dokumentation des elektrischen Geräts angegeben werden.

9 = Dies ist die „Hochdruck-Reiniger-Klasse“. Sie wurde für die Landwirtschaft entwickelt und bietet einen besonderen Schutz für harte Reinigungsarten mit einem Hochdruck- oder Dampfreiniger.

9K = Dies ist die Anwendung der Klasse 9 auf Straßenfahrzeuge.

Etwas verwirrend sind die Angaben darüber, welche Klasse die anderen mit einschließt. Als Faustregel kann man sich an folgendes halten:

Bis IPX6K sind alle darunter liegenden Klassen mit eingeschlossen. Was nach IPX6K wasserdicht ist, ist es auch nach IP0-IP6.

Ab IP/IPK7 gilt dies jedoch nicht mehr. Hier kann man sich an die IP9K halten. Ist ein Gehäuse nach IPX9K tauch- und druckwasserdicht, schließt es auch die Klassen IP7 und IP 8 mit ein. Wenn beide Dichtheitsklassen gefordert sind, müssen auch beide auf dem Gerät angegeben sein. Das kann dann so aussehen: IP46K/IP59K

Schutzartenziffern im Überblick – PDF

Zur Übersicht können Sie hier die Kennziffern als PDF downloaden:

IP-Schutzarten – Kennziffern als PDF

Typische Anwendungsfälle

Elektrische Anwendungen in Industrie- und Produktionsanlagen sind, sofern nicht dezidiert anders gefordert, standardmäßig in IP54 klassifiziert. Das bedeutet also: „Gut gegen eindringenden Staub geschützt und zusätzlich hinreichend dicht gegen umseitig aufspritzendes Wasser“ Für die meisten Anwendungen ist das ausreichend. In Umgebungen, in denen aber Metalle und vor allem CFK zerspant wird, sollte es schon 6 bzw. 6K sein. Vor allem der noch recht neue Werkstoff CFK – das sind Kohlefaser verstärkte Kunststoffe – wird in vielen Betrieben noch nicht mit der gebotenen Sorgfalt behandelt. CFK-Stäube sind, im Gegensatz zu GFK-Stäuben, elektrisch leitend. Zudem stauben sie extrem fein, so dass mit einer zu niedrigen Schutzklasse die Kurzschlüsse quasi vorprogrammiert sind.

Installationen an KFZ werden standardmäßig in IP55 ausgelegt. Das bedeutet „Umseitig Strahlwasser- und Staubgeschützt. Für normale PKW und LKW ist das ausreichend. Offroad-Fahrzeuge sollten hier ebenfalls eine höher klassifizierte Installation einsetzen. Dies ist vor allem für Zusatzausstattungen sehr interessant: Ein allzu billiger Zusatzscheinwerfer sollte deshalb vor seinem Kauf auf seine IP-Nummer untersucht werden. Ist er nur in IP44 oder darunter klassifiziert, ist er für das KFZ unbrauchbar.

Baumaschinen wie Betonmischer, Bagger, Kompressoren oder Baufahrzeuge gilt üblicherweise die hohe Einstufung IP6K6K. Gleiches wird in der Wehrtechnik verwendet.
In Straßenbahnen oder Bussen findet man häufig besonders hoch eingestufte Installationen. Damit soll Vandalismusschäden vorgebeugt werden.

Vorgehensweise bei der Auswahl der Installationen

Für den Hausgebrauch wird die Anwendung der IP Klassen vor allem dann wichtig, wenn außen am Haus oder in Feuchträumen etwas eingebaut werden soll: Außenlampen mit Bewegungssensor, Steckdosen und Schalter im Bad, Installationen in der Küche sollten stets mindestens eine Klasse überdimensioniert werden. So erhält man einen hinreichenden Schutz und kann sich einer langen und sicheren Betriebsdauer gewiss sein.

In Bädern, Waschküchen und auch in der normalen Hausküche ist der Einbau von Steckdosen mit gefederten Schutzklappen eine sinnvolle Maßnahme. Hierzu bietet der Handel inzwischen Lösungen an, die sehr schick sind und die Installationen perfekt in den bestehenden Fliesenspiegel integrieren lassen. Die Vorteile der Schutzklappen sind, dass sich kein Sud in ihnen festsetzen kann. Dies geschieht, beispielsweise bei der Verwendung von liegenden Mehrfach-Steckdosen, häufig völlig unbemerkt. Der Sud setzt sich in der Steckdose ab und bildet einen Film, bis der Strom seine Kriechstrecke gefunden hat. In der Regel brennt die Steckdose dann durch und muss ausgetauscht werden. Regelmäßiges Inspizieren und reinigen beugt dem vor. Dabei aber bitte die Sicherung vorher ausschalten und erst wieder einschalten, wenn die Steckdose trocken ist. Dazu ist ein Fön hilfreich.

Tipps für Schnellleser

  • Schutzklassen immer überdimensionieren
  • Schutzklassen auf Anwendungsfall anpassen
  • im Fachhandel beraten lassen
  • Steckdosen in Feuchträumen regelmäßig auf Verschmutzung prüfen

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