Innenwanddämmung im Altbau – Anleitung und Kosten

Innenwanddämmung

Nicht bei allen Altbauten sind die üblichen Fassadendämmungen machbar. In Einzelfällen kann die Innenwanddämmung die einzig mögliche Lösung sein, ein Gebäude gegen Wärmeverluste zu isolieren. Wie Innenwanddämmungen gemacht werden, und worauf man achten muss, verrät ausführlich dieser Beitrag.

Eine Dämmung der Innenwand ist grundsätzlich die schlechtere Möglichkeit – in Einzelfällen aber unvermeidbar. Das gilt vor allem für historische Gebäude und Gebäude unter Denkmalschutz, wo die Fassade im Originalzustand erhalten werden soll oder muss. Die bauphysikalischen Nachteile und Risiken einer Innenwanddämmung können bis zu einem gewissen Punkt minimiert werden, ganz ausschließen kann man sie aber nie. Wenn man sich dessen bewusst ist, kann man sich ans Werk machen.

Was Sie vorher wissen sollten

Bauphysikalische Probleme

… bei der Innenwanddämmung

Das eindeutig größte Problem besteht im Temperaturgefälle zwischen Außenwand und Innendämmung. Bei niedrigen Temperaturen kühlt die Außenwand auf Außentemperatur ab, die Innendämmung verhindert, dass sich die Innenfläche der Außenwand (die ja von der Dämmung bedeckt ist) durch die Raumheizung erwärmt. Wird hier der Taupunkt unterschritten kommt es zur Bildung von Kondensfeuchtigkeit, die die Außenwand auf Dauer schädigen kann und auch zu Schimmelbildung zwischen Wand und Dämmung oder überhaupt zu Schimmel am Dämmmaterial führen kann. Das geschieht umso stärker, je höher die relative Luftfeuchtigkeit in beiden Bereichen ist (besonders bei Altbauten mit ohnehin schon bestehenden Feuchteproblemen).

Temperaturgefälle
Temperaturgefälle

Abhilfemaßnahmen

… bei der Gestaltung der Dämmung

Im Wesentlichen kann man folgende Punkte ins Auge fassen:

  • sorgfältiger Einbau von Dampfsperren
  • Verwendung von stark alkalischen Baustoffen (hoher pH-Wert, etwa bei Calciumsilikatplatten) um Schimmelbildung zu vermeiden
  • Verwendung von Baustoffen mit möglichst hohem Wasserspeichervermögen (ebenfalls wieder Kalziumsilikatplatten)
  • sinnvoller Auswahl der möglichen und erreichbaren Dämmwirkung (in vielen Fällen sind die EnEV Werte nicht realistisch zu erreichen, damit muss man leben)
  • Gründliche Untersuchung auf mögliche Wärmebrücken (Wand- und Deckenanschlüsse, Hohlräume, etc.) und Planung der Behebung schon von vornherein
  • Begutachtung und Planung des Wandaufbaus durch einen Bausachverständigen

Neben der Planung des Wandaufbaus sollten unbedingt auch die vorhandenen Fenster (Wärmebrückengefahr, Anschlussprobleme für Dampfsperren) begutachtet werden.
Zudem sollte die Feuchtigkeitsbelastung, der die Außenwände von außen her ausgesetzt sind (Schlagregen) so weit wie möglich mit geeigneten Maßnahmen vermieden werden (Fassadenschutz, Vergrößerung des Dachüberstands, etc.).

Bei einer kompletten Renovierung lohnt es sich außerdem, über das Verhältnis von Heizaufwand, verwendeter Heizungstechnologie und Wärmedämmung nachzudenken. Infrarotheizungen können beispielsweise die Oberflächentemperaturen von Außenwänden wirkungsvoll und dauerhaft erwärmen und so eine völlig andere Ausgangssituation für eine Innenwanddämmung schaffen.

Sonderfall Fachwerkhaus

Fachwerkhäuser, insbesondere solche mit außen sichtbarem Fachwerk, stellen eine Besonderheit dar. Einerseits treffen hier zwei unterschiedliche Materialien – nämlich das Holz des Fachwerks und das Material für die Verfüllung – aufeinander, zudem sind traditionell erbaute Fachwerkhäuser in ihrem originalen „Materialmix“ und der verwendeten Bautechnik sehr geschickt angelegt. Feuchtigkeit kann laufend abgeführt werden (auch aus den Innenräumen), das Holz kann ausreichend trocknen ohne zu faulen.

Fachwerkhaus

Die Verwendung von dampfdichten Innenwanddämmungen sind der Tod für jedes Fachwerkhaus! Die bauphysikalischen Gegebenheiten, die ursprünglich mit Bedacht geschaffen wurden, werden damit außer Kraft gesetzt und sind nicht mehr wirksam. Damit sind Feuchteschäden innerhalb kürzester Zeit unumgänglich, insbesondere bei Innendämmungen wo der sd-Wert (Wasserdampfdiffusionswiderstand) über 2 m liegt.

Soll bei einem Fachwerkhaus dennoch eine Innenwanddämmung erfolgen, muss man immer auf geeignete Materialien und geeignete Techniken zurückgreifen (etwa Leichtlehm und Schilfrohr, oder unter bestimmten Voraussetzungen auch Holzfaserplatten). Da das aber immer von den jeweiligen Gegebenheiten abhängig ist, können wir in diesem Rahmen auf die spezielle Situation und die Unterschiede bei Fachwerk nicht eingehen. Alle unten genannten Anleitungen und Hinweise gelten also nicht für historische Fachwerkgebäude!

Material und Vorbereitung

Für eine gut wirksame und bauphysikalisch relativ sichere Innenwanddämmung bei Altbauten können Sie Kalziumsilikatplatten in Vollverklebung verwenden. Die besonderen Eigenschaften von Kalziumsilikatplatten machen sie besonders dafür geeignet. Eine Dampfsperre wird nicht benötigt.

Kalziumsilikatplatten

Vollverklebung ist deshalb nötig, um eine Hinterlüftung (ein Luftraum zwischen Dämmplatte und Wand) in jedem Fall zu vermeiden. Dort könnte ansonsten eine Wärmebrücke entstehen und sich Kondensationsfeuchtigkeit halten, die langfristig Schäden anrichtet.

Das benötigen Sie:

  • Kalziumsilikatplatten in gewünschter Stärke
  • Kleber
  • Glättkalk zum Verspachteln
  • Tiefgrund zum Grundieren
  • Säge für den Zuschnitt
  • Zahnspachtel
  • Spachtel
  • Material für zusätzliche Dämmung bei Wärmebrücken (typischerweise Dämmkeile)
  • keine Dampfsperre!

Tipp : Eine Planung der Dämmung gemeinsam mit einem Bausachverständigen, die Berechnung der Taupunkte, und die Festlegung von möglicherweise problematischen Stellen die eine zusätzliche Dämmung brauchen ist in jedem Fall unbedingt empfehlenswert.

Anleitung : Innenwanddämmung mit Kalziumsilikatplatten

1. Planung durchführen
Gewünschten Dämmwert ermitteln und Berechnungen durchführen. Zu dämmende Wandfläche ermitteln. Verschnitt ausreichend berücksichtigen. Die ermittelte Quadratmeteranzahl ist die Grundlage für den Materialkauf (Platten, Kleber, Glättkalk, Tiefgrund).

2. Problematische Stellen identifizieren
Wärmebrücken, Hohlräume, Unebenheiten und andere problematische Stellen suchen. Geeignete zusätzliche Dämmmaßnahmen festlegen und passendes Material beschaffen.

3. Untergrundvorbereitung
Die Wandfläche, auf die die Dämmung aufgebracht werden soll, muss sauber, trocken, fettfrei und eben sein. Zusätzliche Voraussetzungen für die Haftkraft des Klebers können gelten (Herstellerhinweise auf der Verpackung beachten!)

4. Dämmung beginnen
Mit der Zahnspachtel Kleber flächig aufbringen und Platten festdrücken. Auf möglichst schmale Fugen zwischen den Platten achten. Platten, falls erforderlich, zurechtsägen. Kleber nach Herstelleranweisung trocknen lassen.

5. Zusätzliche Dämmmaßnahmen
Die zusätzlich benötigten Dämmmaßnahmen (Dämmkeile einsetzen, Hohlräume dämmen, etc.) an den problematischen Stellen durchführen.

6. Fugen verspachteln
Mit dem Glättkalk die Fugen sauber verspachteln. Es dürfen keine Risse oder unausgefüllte Stellen bleiben. Gegebenenfalls kurz überschleifen.

7. Tiefgrund auftragen
Nach Anweisung auf der Packung Tiefgrund satt mehrmals auftragen. Kalziumsilikatplatten sind immer als „stark saugender Untergrund“ zu betrachten.

8. Wand fertigstellen
Mit geeignetem mineralischen Putz verputzen, oder andere Wandbearbeitung wählen. Jede Wandbekleidung muss unbedingt diffusionsoffen sein. Bei Tapeten sind nur dünne Papiertapeten geeignet.

Preise und Kosten

Für die Selbstverlegung der Dämmung können Sie auch gut fertige Innenwanddämm“pakete“ verwenden. Manche Baumärkte bieten alles benötigte Material zu einem Komplettpreis pro Quadratmeter an (Achtung, auch hier Verschnitt berücksichtigen!). Die Preise dafür beginnen typischerweise bei rund 80 Euro pro Quadratmeter.

Kalziumsilikatplatten

Ansonsten müssen Sie für 5 cm starke Dämmplatten aus Kalziumsilikat zwischen rund 40 und 60 EUR pro m² rechnen, dazu kommen noch der benötigte Kleber, der Glättkalk und eine Grundierung für die Wand (Tiefgrund). Die Kosten für diese Materialien sind verbrauchsabhängig und können deshalb im Einzelfall recht unterschiedlich liegen.
Die Preise für Handwerkerleistungen richten sich unter anderem stark nach dem Aufwand am Objekt, sie beginnen bei rund 40 – 50 EUR pro m² (netto). Im Einzelfall sind aber auch deutlich höhere Preise möglich. Holen Sie am besten mehrere Angebote ein und vergleichen Sie gründlich.

Tipps für Schnellleser

  • Innenwanddämmung immer nur, wenn wirklich unumgänglich
  • sorgfältig planen (Wärmebrücken, Fenster, Komplettplanung bei umfassender Renovierung)
  • Begutachtung durch Bausachverständigen empfehlenswert
  • vollverklebte Kalziumsilikatplatten eignen sich hervorragend für den Einsatz im Altbau (von vielen Studien bestätigt)
  • Komplettpreis rund 80 EUR pro m²
  • Innenwanddämmungen bei historischem Fachwerk müssen immer besonders geplant werden!

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