Kalziumsilikatplatten – alle Material-Infos & Preise

Kalziumsilikatplatten

Kalziumsilikatplatten werden eingesetzt, wenn es um die Innensanierung geht. Sie erfordern ein hohes handwerkliches Geschick und sind im Vergleich zu Polystyrolplatten als Dämmstoff wesentlich teurer. Ihr Einbau ist jedoch sehr schnell durchführbar. Außerdem ist Kalziumsilikat baubiologisch ein vollkommen unbedenklicher Dämmstoff, was ihn den Polystyrolplatten weit überlegen gemacht. Die Hauptanwendung für Kalziumsilkatplatten ist die Schimmelbekämpfung.

Gute Dämmung, hervorragende Atmung

Kalziumsilikatplatten sind mineralische Dämmstoffe, die aus Siliziumdioxid, Kalziumoxid, Wasserglas und Zellulose hergestellt werden. Sie werden, ähnlich wie Kalksandsteine oder Porenbeton, durch heißen Wasserdampf gehärtet. Kalziumsilikatplatten haben mit 0,053-0,07 W/mK einen ausreichend guten Dämmwert, um von der EnEV als Dämmstoff anerkannt zu werden.

Kalziumsilikatplatten

Die größte Stärke der Kalziumsilikatplatten liegt aber in ihrer Kapillarität. Diese Platten nehmen außerordentlich gut eine Raum- und Punktfeuchtigkeit auf und geben sie kontrolliert wieder ab. Das Ergebnis sind stets so ausreichend trockene Wände, dass sich kein Schimmel auf ihnen bilden kann. Dies macht die Kalziumsilikatplatten bei der Altbausanierung mit denkmalgeschützten Fassaden so interessant.

Rettung für historische Gebäude

Kalziumsilikatplatten eignen sich durch ihre Atmungsaktivität vor allem für die Innendämmung. Das macht sie für die Sanierung von Gebäuden interessant, die eine schützenswerte Fassade haben. Die Maßnahmen, welche durch die EnEV ausgelöst wurden, haben zwar einen hohen Energiespareffekt. Das üblicherweise an der Außenwand angebrachte Wärmedämm-Verbundsystem besteht jedoch in der Regel aus verputzten Polystyrolplatten. Im Endergebnis sehen immer mehr Häuser von außen vollkommen gleich aus, was bereits zu massiver Kritik geführt hat. Damit die Städte und Straßen nicht vollends ihr Gesicht verlieren, wird nun verstärkt auf Innendämmung gesetzt. Das gilt nicht einmal ausschließlich bei Häusern, die unter Denkmalschutz stehen. Kalziumsilikatplatten sind aus verschiedenen Gründen hierfür ideal:

Vor- und Nachteile

… von Platten aus Kalziumsilikat

+ Einfache Verarbeitung (die aber Kenntnisse und Sorgfalt erfordern)
+ Platten können ohne Wärmeverlust durchgebohrt werden
+ Hoher PH-Wert, trägt ebenfalls zur Resistenz gegen Schimmel bei
+ Räume werden direkt aufgeheizt, ein Aufwärmen der Außenwände entfällt (Warmer-Wand-Effekt)
+ Dadurch schnellere Erwärmung der Innenräume
+ Baubiologisch unkritisch
+ Hervorragender Brandschutz
– Gefahr von „Barackenklima“
– Wärmeleitfähigkeit nicht optimal
– Keine Tragfähigkeit
– Teuer
– Anspruchsvoll in der Beschichtung
– Verlust von Raumfläche durch dicke Dämmplatten

Kalziumsilikatplatten lassen sich gut mit einer Handsäge zurecht schneiden. Zum Montieren wird ein vollflächiges Verkleben mit einem Zahnspachtel empfohlen. Mit einer vollflächigen Verklebung wird eine Ansammlung von Feuchtigkeit hinter der Platte wirkungsvoll vermieden. Kalziumsilikat zählt zu den alkalischen Mineralien. Das macht es, im Gegensatz zu Lehmputz, besonders resistent gegen Schimmelbefall. Bei einer Außendämmung muss eine Heizung zunächst die Außenwand mit aufwärmen, bevor ein gleichmäßiges Wohlfühlklima im Raum entsteht. Dies entfällt bei einer Innendämmung durch Platten aus Kalziumsilikat. Die Innenräume heizen sich dadurch zudem wesentlich schneller auf als bei einer Außendämmung. Das macht eine Innendämmung aus Kalziumsilikatplatten besonders für Räume geeignet, die nur kurzfristig genutzt werden. Die gute Deponierbarkeit ist ein enormer Vorteil von Kalziumsilikat. Hier sind massive Probleme und Kostensteigerungen für Besitzer von Häusern zu erwarten, die mit Polystyrol gedämmt sind. Dem Punkt Entsorgungskosten können Hausbesitzer mit einer Dämmung aus Kalziumsilikat deshalb gelassen entgegen sehen.

Im Punkt „Brandschutz“ sind die Platten aus Kalziumsilikat den Polystyrolplatten ebenfalls deutlich überlegen. Sie sind als mineralischer Dämmstoff vollkommen unbrennbar. Gerade das Thema Brandgefahr wird bei Polystyrolplatten zunehmen virulent. Kalziumsilikatplatten sind nicht nur unentzündlich, sie schirmen auch zuverlässig Brandherde von außen ab. Wald- oder Straßenbrände haben es deshalb bei Kalziumsilikatplatten deutlich schwerer auf das Haus über zu springen.

Das „Barackenklima“ beschreibt ein Phänomen, bei dem durch massive Dämmung die Luft im Innern von Gebäuden „steht“. Dies tritt vor allem bei hohen Temperaturunterschieden von innen nach außen auf. Grund dafür sind fehlende Wärmepuffer, bei denen ein gewisser Austausch von Luft stattfindet. Die Platte an sich ist nicht tragfähig. Dübel für Hängeschränke und Bilder müssen deshalb besonders lang ausfallen, da die Kalziumsilikatplatte dafür vollständig durchbohrt werden muss. Kalziumsilikat muss gegenüber anderen Dämmstoffen, die zudem deutlich preiswerter sind, Abstriche in der Dämmwirkung hinnehmen. Der Preis ist noch der größte Pferdefuß beim flächendeckenden Einbau von Kalziumsilikatplatten. Rechnet man jedoch die Entsorgungskosten hinzu, gleicht sich der Mehrpreis für Kalziumsilikat gegenüber Polystyrolplatten wieder etwas aus.

Man kann sich den ganzen atmungsaktiven Effekt von Platten aus Kalziumsilikat wieder zunichtemachen, wenn eine diffusionsdichte Farbe (z.B. Latex-Farbe) verwendet wird. Auf das ganze Haus gerechnet, gehen durch den Einsatz von dicken Dämmplatten aus Kalziumsilikat einige m² Wohnfläche verloren.

Kalziumsilikatplatten verarbeiten

Für die Verarbeitung dieser Dämmplatten werden folgende Werkzeuge benötigt:

  • Bügelsäge (Ca 12 Euro)
  • Fuchsschwanz (Ca 15 Euro)
  • Bohrmaschine mit Rührstab und Bohrkrone (Ca 120 Euro bzw. 15 Euro im Verleih)
  • Mörtelwanne (Ca 12 Euro)
  • Maßstab (Ca 5 Euro)
  • Glättspan (Ca 8 Euro)
  • Zahnspachtel (Ca 18 Euro)
  • Quast (Ca 5 Euro)
  • Malset (Farbrolle, Pinsel, Verlängerungsstab) (Ca 12 Euro)
  • Gummihammer (ca 15 Euro)

Quast und Grundierung

Das Hantieren mit Kleber und Putz ist eine sehr schmutzige Angelegenheit. Das Tragen geeigneter Kleidung ist deshalb dringend angezeigt.

Die Kalziumsilikatplatte wird auch „Klimaplatte“ genannt. Sie sorgt für eine ausgeglichene Raumfeuchtigkeit im Zimmer. Wird sie zur Schimmelbekämpfung eingesetzt, muss vorhandener Schimmel vorher vollständig entfernt werden. Tapete und lose Farbe vor dem Beschichten entfernen. Ein Besprühen der Rohbauwand vor dem Verkleben mit Kalziumsilikatplatten mit einem Schimmelvernichter schafft zusätzliche Sicherheit. Eine zusätzliche Grundierung verbessert die Haftung des Klebers.

Die Vorbereitung der Platten muss millimetergenau erfolgen. Steckdosenlöcher können mit einem Kernbohr-Vorsatz mit einer normalen Bohrmaschine eingebracht werden. Hier wird ebenfalls sehr exakt gearbeitet. Die Platten werden mit Spezialgrundierer mit einem Quast bestrichen. Anschließend wird der Kalziumkleber angerührt und mit einem Glättspan großzügig aufgetragen. Nach dem Auftragen erhält die Schicht aus Kleber mit dem Zahnspachtel eine definierte Struktur und Dicke. Jetzt erst wird die Platte mit der grundierten Seite an die Wand fest angepresst. Sie muss vollflächig an der Wand kleben. Leichte Schläge mit einem Gummihammer hält die Platte ohne weiteres aus. Ecken, Kanten und vor allem Lücken sollte man jedoch unbedingt vermeiden. Mit einem Reibbrett können leichte Überstände noch nachgeglättet werden. Schließlich ist die Wand bereit für das Verputzen, das Spachteln und den Anstrich.

Kosten

Der Preis für Kalziumsilikatplatten ist abhängig von ihren Maßen und der Abnahmemenge. Ein Standardmaß für diese Dämmplatten ist 1,00 m Breite und 1,22 m Länge. Durch die niedrige Dichte sind diese großen Platten auch für einen einzelnen Arbeiter gut zu verarbeiten.

Klimaplatten

Richtpreise pro m²

2,5 cm Dicke = 25,50 EUR
3 cm Dicke = 30,50 EUR
4 cm Dicke = 36,90 EUR
5 cm Dicke = 42,50 EUR
6 cm Dicke = 46,90 EUR
7 cm Dicke = 48,00 EUR
8 cm Dicke = 50,00 EUR

Für eine normale Zimmerwand ohne Fenster muss also mit 70-125 Euro Kosten für die Dämmplatten pro Meter Länge gerechnet werden (Zimmerhöhe 2,75 m). Je dicker die Dämmplatte gewählt ist, desto besser schützt sie gegen die Außentemperatur. Viel hilft aber gerade in der Wärmedämmung nicht zwangsläufig viel. Ab einem bestimmten Wert ist die Steigerung des Dämmeffektes durch jeden weiteren Aufbau nur noch minimal. Wie groß dieser Wert ist, hängt von der vorhandenen Bausubstanz ab. Eine genaue Berechnung gibt Auskunft darüber, welcher Wärmeschutz gewünscht und sinnvoll ist. Dies geschieht am Besten mit Hilfe eines Energieberaters.

Für Fensterlaibungen gibt es extra dünne und schmalere Kalziumsilikatplatten. Diese lassen einem vormontierten Heizkörper noch genug Raum, um die ideale Luftzirkulation zu gewährleisten. Die knapp 2 cm starken Platten haben ein Maß von 0,5 m x 0,24 m und kosten knapp 7 Euro pro Stück.

Der Kleber für Kalziumsilikatplatten kostet ca. 1,50 – 1,70 Euro pro kg. Man kann mit ca. 3-4 kg/m² rechnen. Die Menge ist abhängig von der Dicke der Platte und der Unebenheit des Untergrunds. Grundierung kostet ca. 5 Euro pro Liter. Die Grundierung ist jedoch sehr ergiebig. Ein Liter reicht für ca. 3-10 m², je nach Saugfähigkeit des Untergrundes. Ob die Klimaplatte verputzt oder spiegelglatt verspachtelt wird, ist Geschmackssache des Anwenders.

Atmungsaktiver und hervorragend verarbeitbarer Kalkspachtel für Klimaplatten kostet ca. 1,60 pro kg. Pro m² wird bei einer 2 Millimeter starken Schicht ca. 3 kg Spachtel benötigt. Klimaputz ist mit 1,30 Euro pro kg zwar scheinbar billiger. Für einen korrekten Putz ist jedoch eine Stärke von 10 Millimeter erforderlich, was ca. 10 kg Fertigmörtel pro m² entspricht. Diese Lösung ist demnach wesentlich teurer als Kalkspachtel. Mit einem Armierungsgewebe für ca. 2,50 Euro pro m² wird beim Verputzen oder Verspachteln wirkungsvoll einer Rissbildung vorgebeugt.

Schließlich muss noch Farbe an die Wand. Es ist dringend abgeraten, eine Wand aus Kalziumsilikatplatten zu tapezieren. Auch Latexfarben sind für Klimaplatten ungeeignet. Ein Liter Farbe für Kalziumsilikatplatten kostet ca. 5,60 Euro. Er reicht für ca. 6,5 m².

Zusammengefasst ergeben sich folgende Kosten für einen m² Wand, der mit einer Klimaplatte verkleidet wurde:

  • Klimaplatte: 25,50- 50 Euro
  • Grundierung: 0,5 Euro
  • Kleber: 5 Euro
  • Spachtel: 5 Euro
  • (Putz: 12 Euro)
  • Armierungsgewebe: 2,50 Euro
  • Farbe: 1 Euro
  • Zusammen: 43,50 – 76 Euro, je nach Stärke der Klimaplatte und Art der Verkleidung

Dabei muss man jedoch bedenken: Die maximale Dicke von 8 cm ist in den seltensten Fällen wirklich notwendig und sinnvoll. Für normale Anwendungen werden Klimaplatten mit einer Stärke von 3-8 cm eingesetzt. In jedem Fall hat man durch den Einsatz von Klimaplatten das maximal Mögliche getan, um einen Befall gegen Schimmel zu verhindern. Dies gilt jedoch nur für Schimmel, der von einem schlechten Raumklima und Wärmebrücken ausgeht. Bei massiv durchfeuchteten Wänden aufgrund eines schadhaften Außenputzes oder einer beschädigten Wasserleitung ist auch die beste Klimaplatte machtlos.

Kellerwand

Platten aus Kalziumsilikat eignen sich hervorragend zur Sanierung von Kellern. Aus vormals muffig-feuchten Kellergewölben kann mit Hilfe dieser Platten ein vollwertig nutzbarer Raum geschaffen werden. Die Wohnwertsteigerung und damit auch Wertsteigerung des Hauses sollte man bei den zunächst hohen Kosten dieser Sanierungsmaßnahme berücksichtigen. Voraussetzung dafür sind jedoch absolut trockene Außenwände.

Tipps für Schnellleser

  • Stärke der Platte mit Energieberater berechnen
  • Platten immer grundieren
  • Platten immer diffusionsoffen beschichten
  • Putzgewebe verhindert Risse
  • Sanierte Keller steigern den Wert des Hauses


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