Heizungswasser

Der Winter steht vor der Tür und Sie möchten die Heizung optimal auf die kalte Jahreszeit vorbereiten? Oder Sie bemerken im Sommer eine nachlassende Leistung der Warmwasseraufbereitung? Dann wird es Zeit, den Wasserdruck zu kontrollieren und bei Bedarf das Heizungswasser nachzufüllen. Diese Arbeit ist in wenigen Schritte schnell ausgeführt und stellt die vollständige Funktion der Heizungsanlage wieder her. Lesen Sie, wie oft Sie das Nachfüllen vornehmen müssen und welche Schritte hierfür notwendig sind.

Ohne eine ausreichende Menge an Heizungswasser kann das System nicht optimal arbeiten und es kommt zu Funktionsausfällen. Daher ist es entscheidend, dass Sie den Druck regelmäßig kontrollieren. Ob als Vermieter, Mieter oder Besitzer eines Einfamilienhauses, das Nachfüllen des Heizungswassers kann in wenigen Schritten ohne Hinzunahme eines Heizungsbauers durchgeführt werden. Gerade vor dem Einsetzen des Winters gilt es, die Funktion der Gastherme sicher zu stellen, da in der kalten Jahreszeit die Anlage besonders stark arbeiten muss. In unserem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie die Anlage auffüllen, im Anschluss korrekt entlüften und welche Besonderheiten hierbei auftreten können.

Das Grundprinzip

Das Nachfüllen des Wassers hängt vom jeweiligen System ab. Das Grundprinzip ist immer gleich: Sie müssen eine bestimmte Menge an Trinkwasser in das Heizungssystem einfüllen. Für die Befüllung sind entsprechende Hähne, die sogenannten KFE-Hähne, vorinstalliert. KFE ist die Abkürzung für Kessel-Füll-Entleer-Hahn. Sie finden die Hähne in der Regel an der niedrigsten Stelle des kompletten Rohrsystems. An den Hahn muss nun ein geeigneter Wasserschlauch angeschlossen werden, beziehungsweise er ist bereits vorhanden. In letzterem Fall ist es wichtig, dass eine dauerhafte Trennung beider Wassersysteme gewährleistet ist, da ansonsten Heizungsanlagenwasser in das Trinkwasser gelangen kann.Wasserhahn

Welcher Druck ist optimal?

Die Heizungsanlage ist mit einem Druckmessgerät, dem sogenannten Manometer, ausgestattet. Anhand der Anzeige können Sie den aktuellen Druck leicht ablesen. Im Allgemeinen sollte der Wasserdruck bei Einfamilienhäusern zwischen 1 und 2 Bar liegen. Als Faustregel gilt, dass pro Höhenmeter 0,1 bar vorhanden sein sollten. Die Meterzahl orientiert sich hierbei an der Entfernung zwischen der Heizung und dem Punkt des am höchsten gelegenen Heizungskörpers. An den meisten Manometern ist ein Normbereich gekennzeichnet, an welchem Sie den optimalen Druck ablesen können. Es ist wichtig, dass diese Vorgaben eingehalten werden, da ansonsten die Funktion der Heizung beeinträchtigt ist und es zu Schäden kommt.

Manometer
Manometer

Tipp: Damit Sie die Höchstgrenze für den Wasserdruck nicht versehentlich überschreiten, füllen Sie das Wasser langsam und gegebenenfalls in mehreren Teilschritten nach. Sollte am Manometer kein Normbereich gekennzeichnet sein, finden Sie in der Betriebsanleitung weitere Hinweise zum optimalen Druck.

Nachfüllen des Heizungswassers

Achten Sie darauf, dass sich in der Nähe der Heizung beziehungsweise des KFE-Hahns ein Wasserhahn befindet. Der Schlauch muss über eine ausreichende Länge verfügen, sodass das Wasser in das System geleitet werden kann.

Schritt 1: Schalten Sie als erstes die Umwälzpumpe ab.

Schritt 2: Öffnen Sie die Thermostatventile vollständig.

Thermostatventil
Thermostatventil

Schritt 3: Nehmen Sie anschließend den Wasserschlauch und verbinden Sie ihn mit dem KFE-Hahn. Es ist wichtig, dass Sie den Schlauch noch nicht fest drehen, da er noch Luft enthält, welche entweichen muss.

Schritt 4: Nehmen Sie nun die andere Seite vom Schlauch und verbinden Sie ihn mit einem Wasserhahn. Setzen Sie zwischen den Wasserhahn und den Schlauch einen Systemtrenner.

Systemtrenner
Systemtrenner

Schritt 5: Nun müssen Sie den Wasserhahn öffnen, sodass sich der Schlauch vollständig mit Wasser füllt. Die Luft entweicht aus dem Schlauch, allerdings kann hierbei Wasser aus dem Übergang austreten. Stellen Sie daher den Eimer unter die Verbindung und fangen Sie das Wasser somit auf.

Schritt 6: Sobald der Schlauch vollständig mit Wasser befüllt ist, drehen Sie ihn fest an den KFE-Hahn.

Schritt 7: Am Einfüll-Hahn befindet sich ein Ventil, welches Sie nun öffnen. Das Wasser läuft nun in das Heizungssystem.

Einfüllhahn Heizungsanlage
Einfüllhahn Heizungsanlage

Tipp: Achten Sie beim Einfüllen genau auf die Druckanzeige, sodass Sie den optimalen Druck herstellen können. Eventuell kann hierbei eine zweite Person hilfreich sein.

Schritt 8: Sobald der richtige Druck hergestellt ist, schließen Sie das Ventil wieder.

Schritt 9: Lassen Sie das sich im Schlauch befindliche Wasser in den Eimer laufen.

Weitere Hinweise

Wie oft muss man nachfüllen?

Eine generelle Regel für die Häufigkeit des Nachfüllens besteht nicht. Wichtig ist, dass Sie den aktuellen Druck regelmäßig kontrollieren und gegebenenfalls korrigieren. Würde der Druck zu stark abfallen, dann würde die Heizung keine Leistung mehr erbringen können. Moderne Systeme verfügen zudem über einen Selbstschutz und schalten in diesem Fall in den Fehlerzustand. Überprüfen Sie daher in festen Abständen, spätestens alle 3 bis 4 Monate den Wasserdruck. Bei einer intakten Heizungsanlage sollte das Befüllen circa ein Mal im Jahr notwendig sein. Kommt es häufiger zum Druckverlust, dann kann ein Defekt am System vorliegen. Oftmals ist in diesem Fall das Ausdehnungsgefäß beschädigt und muss ausgewechselt werden. Die Frage, wie oft die Heizungsanlage mit Wasser befüllt werden muss, hängt somit vom Zustand und dem Alter des Systems ab.

Anforderungen an den Schlauch

In der Bedienungsanleitung erfahren Sie, welcher Schlauch für Ihre Heizungsanlage geeignet ist. Oftmals ist ein herkömmlicher Gartenschlauch ausreichend. Wichtig ist, dass Sie den verwendeten Schlauch nur für die Heizungsentlüftung einsetzen und anschließend nicht wieder zur Gartenbewässerung nutzen. Beim sich bereits im System befindlichen Heizungswasser handelt es sich um kein sauberes Trinkwasser, sodass sich ungesunde Ablagerungen bilden können. Spülen Sie den Schlauch daher nach dem Gebrauch gründlich aus und legen Sie ihn für das nächste Auffüllen der Anlage zur Seite. Je dunkler das Heizungsanlagenwasser ist, desto mehr Korrosion hat im Inneren der Anlage stattgefunden.

Systemtrenner
Heizungswasser und Trinkwasser trennen

Wichtig: Setzen Sie vor dem Anschließen des Schlauches einen Systemtrenner auf die Öffnung. Diese spezielle Schlauchverbindung verhindert, dass verschmutztes Heizungswasser versehentlich in das Trinkwassersystem gelangen kann. In der Regel wird der Systemtrenner zwischen den Wasserhahn und den Schlauch gesetzt, sodass das Trinkwasser optimal geschützt ist.

Immer ein Schlauch angeschlossen

Nicht immer ist es notwendig, einen Wasserschlauch anzuschließen. Bei einigen Anlagen ist bereits eine Verbindung durch einen Schlauch vorhanden, wobei allerdings aus Sicherheitsgründen ein Trennsystem integriert ist. Da das Trinkwassersystem und das Heizungswassersystem nicht dauerhaft miteinander verbunden sein dürfen, kann der Schlauch zwar bereits angeschlossen sein, durch einen Hebel und eine interne Abschirmung ist allerdings die Unterbrechung realisiert.

Gehen Sie in diesem Fall wie folgt vor:

Der Schlauch verbindet den Wasserkreislauf der Heizung mit dem Trinkwassersystem. Für die Trennung seitens der Heizungsanlage ist ein Hebel vorhanden. Auf der Seite des Trinkwassersystems befindet sich ein Hahn.

  • Öffnen Sie zunächst den Hebel.
  • Öffnen Sie nun den Wasserhahn, sodass das Trinkwasser in die Therme fließen kann.
  • Lassen Sie so lange Heizungswasser einlaufen bis sich der richtige Druck eingestellt hat.
  • Verschließen Sie den Wasserhahn wieder.
  • Schließen Sie anschließend den Hebel.

Tipp: Achten Sie auf die genaue Reihenfolge beim Öffnen und Schließen der Hebels und des Wasserhahns, damit es zu keiner zu hohen Belastung auf den Hebel kommt.

Gewünschte Heizleistung bleibt aus

In diesem Fall ist es möglich, dass zu viel Luft in das System gelangt ist. Dieser Vorgang ist normal und kann durch das Entlüften der Heizkörper behoben werden. Durch diese strömt das erwärmte Heizungswasser, sodass vorhandene Luft zu einer verminderten Leistung führt. Um die Luft abzulassen benötigen Sie einen speziellen Heizungsschlüssel, welcher zu einem sehr geringen Betrag im Baumarkt erhältlich ist.

Tipp: Damit die Heizungsleistung stets optimal ist, sollten Sie nach jedem Auffüllen der Anlage, die Heizungskörper entlüften.

Heizung entlüften
Heizung entlüften

Sehen Sie sich dazu auch unseren Beitrag: „Heizkörper richtig entlüften“ an.

Bei der austretenden Flüssigkeit handelt es sich um kein frisches Trinkwasser sondern um eventuell mit Metallen versetztes Heizungswasser. Durch den Verbleib in den Heizungsrohren können sich gerade bei älteren Anlagen Schwermetalle absetzen, sodass dieses Wasser ohne direkten Kontakt entsorgt werden sollte.

Stark kalkhaltiges Trinkwasser

Der Kalkgehalt im Trinkwasser ist von Region zu Region verschieden und kann zu Ablagerungen im System führen. In Abhängigkeit davon, wie oft die Anlage nachgefüllt werden muss, ist hierbei die Gefahr größer oder kleiner. Das Problem bei Kalkablagerungen ist, dass sie zu großen Defekten am Kessel führen können und somit im schlimmsten Fall eine Reparatur zur Folge haben. Daher empfiehlt es sich, hartes Trinkwasser vor der Verwendung zu entkalken. Hierfür werden mobile Entkalkungsanlagen angeboten, die schnell und effektiv arbeiten. Bereits betroffene Heizungsanlagen können ebenfalls entkalkt werden, sodass sich die Auswirkung der Schäden minimieren lässt.

Tipp: Alternativ werden im Fachhandel auch Präparate angeboten, welche das Absetzen von Kalk verhindern sollen. Vor der Verwendung muss allerdings Rücksprache mit dem Hersteller der Heizungsanlage genommen werden, da nicht in jedem Fall ein Einsatz gefahrlos für das System ist.

Druck zu hoch

Da ein zu hoher Druck schädlich ist und zur Gefahr wird, sollten Sie in jedem Fall vermeiden, zu viel Heizungsanlagenwasser einzufüllen. Allerdings verfügen moderne Anlagen über ein Sicherheitsventil, welches sich bei einem zu hohen Druck öffnet. Bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus tritt dieser Sicherheitsmechanismus bei rund 2 bar in Kraft, sodass überschüssige Flüssigkeit abgelassen wird. Sobald sich wieder der korrekte Druck eingestellt hat, stoppt der Wasserabfluss und das Ventil schließt sich. Allerdings besteht immer die Gefahr, dass dieser Mechanismus nicht einsetzt und der Druck dauerhaft zu hoch ist. Handelt es sich nur um eine kleine Überschreitung des Normbereiches, dann können Sie das zu viel eingefüllte Heizungsanlagenwasser durch den entsprechenden Hahn an der Therme ablassen:

  • Schlauch am Gewinde des Hahn befestigen (eventuell ist eine Schutzkappe vorhanden, die vorher abgenommen werden muss)
  • Schlauch in ein Waschbecken hängen
  • Hahn öffnen, sodass das Wasser abfließen kann
  • Hahn wieder verschließen

Tipp: Damit der oftmals starre Schlauch auch im Waschbecken verbleibt und das Heizungswasser nicht auf den Boden gelangt beziehungsweise im Raum verspritzt wird, sollte eine zweite Person den Schlauch festhalten.

Tipps für Schnellleser:

  • Wasserdruck an der Therme kontrollieren
  • Wasserhahn in der Nähe der Gastherme nutzen
  • Eimer unterstellen
  • Schlauch anschließen
  • Schlauch noch nicht festdrehen
  • Luft im Schlauch entweichen lassen
  • Schlauch an Wasserhahn anschließen
  • Ventil an der Heizungsanlage öffnen
  • auffüllen bis optimaler Druck erreicht ist
  • Wasserhahn wieder verschließen
  • Ventil schließen und Schlauch abnehmen
  • Heizungskörper regelmäßig entlüften
  • alle drei bis vier Monate Druck kontrollieren

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