Anleitung: Fensterkitt verarbeiten – Ist Silikon eine Alternative?

Fenster

Fensterkitt ist ein traditioneller Werkstoff, der schon seit vielen hundert Jahren für das Einfassen von Scheiben in Fensterrahmen verwendet wird. Er besteht meistens aus Schlämmkreide und Leinöl. In der Neuherstellung von Fenstern spielt Kitt keine Rolle mehr. Jedoch existieren noch viele Fenster an denkmalgeschützten Häusern, die mit Kitt verarbeitet wurden. Dieser Ratgeber soll Auskunft darüber geben, wie im Fall einer Sanierung vorgegangen wird.

Warum Fenster reparieren?

Die Wärmedämm-Offensive ist nun schon seit über 15 Jahren im vollen Gange. Das feste Ziel vor Augen, den Verbrauch von fossilen Heiz-Energieträgern zu senken, wird gedämmt, was das Zeug hält. Neben vielen Vorteilen bringt dies auch Probleme mit sich. Viele klassische Fassaden sind schon hinter einem glatten Wärmedämm-Verbundsystem verschwunden. Heute werden die Stadtplaner und Hausbesitzer zunehmend sensibler bei diesem Thema und achten wieder vermehrt auf Ästhetik. Dazu gehören immer auch die schönen, alten Holzfenster. Doch diese sind häufig sanierungsbedürftig.

Problemfall Kitt

Fensterkitt ist kein Baustoff für die Ewigkeit. Es besteht aus Schlämmkreide und Leinöl. Dieses Öl trocknet und wäscht mit der Zeit aus. Das versprödet den Kitt zunehmend. Er wird rissig, trocken und bröckelt allmählich heraus. Fenster, die mit Kitt hergestellt sind, haben meistens nur eine einfache Verglasung. Diese ist aus Lärm- und vor allem aus Wärmeschutzgründen bereits besonders nachteilig. Eine undichte Verkittung verschlimmert diesen Zustand um ein Vielfaches. Darum muss beim Erhalt von alten Fenstern regelmäßig auf den Kitt geachtet werden.

Vor- und Nachteile von Kitt

Kitt ist ein natürlicher Baustoff und damit für das biologische Bauen gut geeignet. Er ist preiswert und sehr gutmütig in der Verarbeitung. Schließlich ist Kitt auch überstreichbar.
Kitt braucht jedoch sehr lange, bis es so weit ausgehärtet ist, dass es überstrichen werden kann. Das bedeutet, dass die Fenster entweder wochenlang eingelagert werden müssen. Alternativ müssen die Außenfenster ggf. mit einer Arbeitsbühne nach gestrichen werden. Das ist recht umständlich und teuer.

Alternative: Silikon?

Die Meinungen, ob Silikon eine gangbare Alternative für Fensterkitt ist, gehen weit auseinander. Dieser Mineralöl haltige Baustoff kommt für Fans des biologischen Bauens nicht in Frage. Technisch ist Silikon wesentlich einfacher zu verarbeiten und härtet auch schneller aus. Es ist jedoch nur sehr schlecht überstreichbar. Da Silikon aber in vielen Farben zur Verfügung steht, kann man sich diesen Arbeitsgang mit der Wahl der richtigen Farbe auch im vornherein sparen. Silikon ist jedoch sehr klebrig. Es muss sorgfältig verarbeitet werden, sonst entsteht garantiert ein unschönes Ergebnis.

Silikon

Hier finden Sie weitere wichtige Tipps und Hinweise über die Verwendung von Silikon: Silikon verarbeiten

Acryl ist für die Verkittung von Außenfenstern gänzlich ungeeignet. Es ist nicht wasserfest und würde sich binnen kurzer Zeit auswaschen.

Fenster neu verkitten

Das Verkitten von Fenstern ist eine recht schmutzige Angelegenheit, die sich aber bei schönen, alten Fenstern lohnen kann. Das Verkitten ist der vorletzte Arbeitsschritt einer kompletten Fenstersanierung. Wirklich sinnvoll ist das Neuverkitten von alten Holzfenstern deshalb nur, wenn es auch entsprechend sorgfältig geschliffen und gestrichen werden soll.

Achten Sie beim Hantieren mit Glas immer auf die persönliche Schutzausrüstung. Augenschutz, langärmliges Hemd und schnittfeste Handschuhe sind beim Arbeiten mit Fenstern sehr wichtig. So vermeiden Sie Verletzungen, wenn doch einmal eine Scheibe kaputt geht.

1. Fugen auskratzen

Das Wichtigste beim neuen Verkitten eines Fensters ist Sauberkeit. Der alte Fensterkitt muss vollständig entfernt werden. Bei einem einzelnen Fenster genügt dazu ein flacher Schlitz- Schraubenzieher. Mit leichten Hammerschlägen auf den Schraubendreher kann diese Arbeit sehr beschleunigt werden. Dabei aber immer Augenmaß halten, um das Glas oder den Rahme nicht zu beschädigen. Je flacher Sie den Schraubendreher halten, desto schonender behandeln Sie die Scheibe. Ideal zum Entfernen des alten Kitts ist ein Staubsauger. Für das Entfernen des Kitts auf der Innenseite sind Fugenmesser bzw. Fugenkratzer ideal. Diese Werkzeuge sind ab 8 Euro verfügbar.

Hinweis: In den Jahren von 1950 bis 1990 wurden Fensterkitte mit Asbest versetzt. Arbeiten Sie deshalb immer mit Atemschutz, wenn sie ein Fenster aus dieser Zeit neu verkitten wollen.

Wenn aber eine größere Anzahl an Fenstern renoviert werden soll, ist ein Oszillier-Multifunktionswerkzeug empfohlen. Diese überaus praktischen elektrischen Handwerkszeuge sind seit ca. 5 Jahren auf dem Markt und sind für viele Anwendungen sehr gut geeignet. Unter anderem lassen sich mit diesen Oszillier-Werkzeugen auch die Kittfugen von Fenstern hervorragend entfernen. Ein Oszillier- Multifunktionstool kostet ca. 100 Euro.

2. Rahmen schleifen und vorbehandeln

Je besser der Rahmen vom Fenster vor dem Einsetzen der neuen Scheibe behandelt wird, desto sauberer wird das Endergebnis. Schleifen und Grundieren ist im scheibenlosen Zustand besonders einfach. Verwenden Sie hier möglichst keine elektrischen Werkzeuge, vor allem aber keine Winkelschleifer. Wenn Sie mit einem Elektroschleifer arbeiten wollen, verwenden Sie feines Schleifpapier. Damit verhindern Sie, dass sie zu viel Material abtragen. Beim Ausbauen der Scheibe sollten Sie besonders vorsichtig sein. Alte Glasfenster haben häufig kein Standard-Maß, sondern individuell zugeschnittene Fenster. Eine zerbrochene Scheibe ist deshalb nur schwer zu ersetzen.

Fensterrahmen erneuern

Tipp: Wenn Sie Wurmlöcher an einem noch ausreichend stabilen Fensterrahmen entdecken, legen Sie den Rahmen über Nacht in eine Wanne mit Leinöl. Das schützt das Holz wieder ausreichend gegen die Witterung. Diese kann unbehandelt in die kleinen Löcher eindringen und das Holz von innen schädigen.

3. Neue Scheibe einsetzen

Wenn es nötig ist, setzen Sie die neue Scheibe ein. Das ist vor allem bei blinden und zerkratzten Fenstern der Fall. Ansonsten genügt auch bei alten Scheiben in der Regel eine gründliche Reinigung.

Ein Fenster wird idealerweise liegend verarbeitet. Kleinere Fenster lassen sich aber auch im eingebauten Zustand gut verglasen. Nehmen Sie sich bei großen Fenstern unbedingt einen Helfer dazu. Die neue Scheibe wird einseitig mit einer ca. 1 cm breiten „Wurst“ aus Fensterkitt umrandet. Anschließend wird das Glas in den Rahmen eingedrückt. Sie können jetzt von Innen sehr gut sehen, wie gut der Fensterkitt das Fenster abdichtet. Achten Sie unbedingt darauf, dass Sie keine durchgehenden Fugen haben. Das Fenster muss vollständig dicht sein, sonst zieht es unweigerlich an dieser Stelle. Kleine Drahtstifte helfen dabei, das Fenster im Rahmen zu halten. Es genügen vollkommen die kleinen Nägelchen, wie man sie für die Rückwände von Schränken und Regalen zum Selbstbau kennt. Orientieren Sie sich in Anzahl und Größe der Nägel am Originalzustand des Fensters. Alternativ dazu bietet der Fachhandel auch spezielle Fensterscheiben-Haltenägel an.

4. Die Scheibe abdichten

Wenn die Scheibe einwandfrei dicht im Rahmen sitzt, wird sie noch an der Außenseite abgedichtet. Dazu wird wieder eine Randwurst von einem Zentimeter Breite gelegt. Das ideale Werkzeug zum Herstellen der Kante ist ein Fugenabzieher. Komplette Sets sind schon für 8 Euro erhältlich.

Fugenabzieher

Zunächst wird der Kitt fest über die Kante des Fensters abgezogen. Anschließend mit einer ruhigen und gleichmäßigen Bewegung der Länge nach geglättet. So erhalten Sie ein schönes Ergebnis. Vergessen Sie nicht, auch die Innenseite abzuziehen. Kontrollieren Sie die Verkittung nach einigen Tagen nochmal. Kitt schwindet beim Trocknen etwas. Der Baustoff lässt sich aber gut nach bearbeiten. Tragen Sie gegebenenfalls einfach eine weitere, dünne Schicht Kitt auf.

5. Kitt trocknen und überstreichen

Fensterkitt benötigt zirka eine Woche zum Aushärten. Dann erst kann es überstrichen werden. Wenn Sie diese Zeit absolut nicht warten können oder wollen, verwenden Sie spezielles Fenster-Silikon. Dieses Material ist wesentlich geruchsärmer als Badewannen-Silikon. Außerdem sind die Fenster-Silikone mit speziellen Fungiziden versetzt. Diese verhindern die Bildung von Schimmel jedoch nicht dauerhaft, zögern sie aber einige Zeit heraus. Verwenden Sie Silikon in einer Farbe, die zum Rahmen des Fensters passt.

Tipps für Schnellleser

  • Beim Ausbau alter Scheiben vorsichtig sein
  • Oszillier-Werkzeuge erleichtern die Arbeit
  • Fugenmesser und Staubsauger sorgen für saubere Ergebnisse
  • Fensterkitt ist überstreichbar, Silikon ist es nicht

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