Bienenwachs reinigen

Bienenwachs kann man fertig und gold-gelb kaufen, ist aber in dieser sauber verarbeiteten Form sehr teuer. Sie möchten dennoch selbst einmal Kerzen aus Bienenwachs herstellen oder Bienenwachs für selbstgemachte Kosmetik verwenden, dann haben wir genau die richtige Anleitung für Sie. Bienenwachs zeichnet sich durch seine lange Brenndauer und Farbe aus und ist als Naturprodukt auf jeden Fall etwas für Naturliebhaber und Selbermacher.

Bei der Verarbeitung und Reinigung von Bienenwachs müssen einige Punkte beachtet werden. Mit unserer Anleitung haben Sie das nötige Handwerkszeug, um auch als Anfänger Bienenwachs reinigen zu können.

Naturbelassenes und unverarbeitetes Bienenwachs bekommt man beim Imker. Umso weniger dieser am Wachs gearbeitet hat, desto billiger wird es. Das Reinigen von Wachs ist ein aufwendiger Vorgang und kostet viel Zeit und Geduld – das Ergebnis kann sich hingegen aber sehen lassen.

Anleitung: Bienenwachs filtern und klären

Die graue und braune Farbe des Wachses wird durch Schwebstoffe und Dreck verursacht. Dabei handelt es sich um Reste von Puppenhäuten, Kot der Larven und Pollen. Durch das mehrmalige Filtern vom Wachs werden diese Stoffe gelöst und setzen sich beim Aushärten unten in der Form ab. Diese Schicht kann dann kinderleicht entfernt werden.

Ungereinigtes Bienenwachs

Würden Sie Kerzen aus ungefilterten Bienenwachs herstellen, hätten Sie mit diesen keine große Freude. Grau-braune Kerzen mag nun wirklich keiner und hinzukommt, dass die Schwebstoffe nicht brennen. Demnach würden solche Kerzen immer wieder ausgehen.

Aber nun zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie selbst Bienenwachs klären.

Sie benötigen:

  • Bienenwachs vom Imker
  • Topf
  • leere Konservendose
  • hitzebeständigen Behälter
  • Handschuhe
  • Damenstrumpf
  • Gummiband
  • Holzstäbchen

Bevor Sie weiterlesen, sollten Sie wissen, es handelt sich im Folgenden um die Verarbeitung einer kleineren Menge Bienenwachs für den Hausgebrauch. Natürlich können Sie auf diese Art und Weise mehrere Mengen Wachs reinigen – dafür müssen Sie nur ausreichend große Gefäße und Töpfe haben.

Bienenwachs zerkleinern

Zu Beginn muss das Bienenwachs zerkleinert werden. Mit einem Messer, Spachtel oder einem Schraubenzieher lassen sich kleine Wachsklumpen vom Barren trennen. Seien Sie dabei sehr vorsichtig. Das Wachs ist als Barren ziemlich kompakt, aber dennoch weich – so besteht die Gefahr, dass man mit dem Messer schnell abrutschen kann.

Bienenwachs zerkleinern

Bienenwachs im Wasserbad erhitzen

Ist das Wachs in kleine Stücke geteilt, wird es erhitzt. Hierbei sollten Sie ebenso sehr vorsichtig vorgehen. Wachs kann überkochen oder sogar anbrennen – dies sollte beim Erhitzen unbedingt vermieden werden. Sorgen Sie also für eine abgedeckte Arbeitsfläche, dass nervige Wachsflecken gar nicht erst entstehen können. Ist Ihnen dann doch etwas daneben gegangen, haben wir hier die nötigen Tipps zur Wachsentfernung: https://www.talu.de/kerzenwachs-entfernen/

Bienenwachs schmelzen

Die einfache und sichere Variante ist das Erhitzen im Wasserbad. Stellen Sie ein metallenes Gefäß in den Topf mit Wasser. Den allerliebsten Kochtopf sollten Sie für das Schmelzen von Wachs nicht verwenden. Wir verwenden eine alte Konservendose als Schmelztiegel. Diese leitet die Wärme und kann später einfach weggeschmissen werden.

Bienenwachs im Wasserbad schmelzen

Die Wachsklumpen werden nun in die Dose gelegt und langsam im Wasserbad geschmolzen. Nach und nach schrumpfen diese ein und Sie können noch mehr Wachs nachlegen. Lassen Sie das Bienenwachs nun so lange schmelzen, bis alles restlos verflüssigt ist. Die Farbe des flüssigen Wachses variiert natürlich, aber grundsätzlich sollte es dunkelbraun sein und einen gelblichen Schimmer aufweisen.

Bienenwachs reinigen

Jetzt filtern Sie das Wachs. Stülpen Sie dafür einen alten Damenstrumpf oder ein Stück einer alten Strumpfhose über den hitzebeständigen Behälter. Das kann eine Plastikeimer oder eine kleine Plastikdose sein. Befestigen Sie den Strumpf sicher mit einem Gummiband.

Danach kochen Sie eine kleine Menge Wasser im Wasserkocher und kippen dieses heiße Wasser etwa 1 bis 2 cm breit in den Behälter.

Bienenwachs filtern

Im Anschluss wird das heiße Wachs – natürlich mit Handschuhen – in den Behälter gekippt. Gießen Sie langsam und lassen Sie sich Zeit, denn das Wachs ist durch die erhitzte Konservendose noch sehr lange heiß. Der Damenstrumpf arbeitet als Sieb und filtert alle Schwebstoffe heraus. Das heiße Wasser im Behälter verhindert, dass das Wachs am Boden direkt aushärtet. Der Boden soll aber langsam erkalten, dass sich alle restlichen Schwebstoffe im Wachs langsam unten absetzen können.

Bienenwachs aushärten lassen

Nun entfernen Sie vorsichtig den Strumpf. Im Anschluss stellen Sie den Behälter auf eine ebene Fläche und decken diesen mit einem Deckel oder Alufolie ab. Beim Aushärten sollte das Wachs nun nicht mehr bewegt werden, dass sich der Dreck langsam unten absetzen kann. Würden Sie das Wachs noch eine Weile hin- und her bewegen, würde der Dreck sich wieder verteilen.

Bienenwachs aushärten lassen

Zankschicht entfernen

Nach 12 bis 24 Stunden ist das Wachs ausgehärtet. Nun können Sie deutlich erkennen, wie die Schwebstoffe sich am Boden abgesetzt haben.

Nehmen Sie nun das Wachs aus der Gießform. Dass zuvor eingegossene Wasser können Sie seitlich herausfließen lassen und wegschütten. Drehen Sie den Barren um und Sie können die Dreckschicht, auch Zankschicht genannt, deutlich erkennen. Mit einem Spachtel oder einem Messer wird dieser Dreck nun entfernt.

Bienenwachs reinigen

Erneut filtern

Das Bienenwachs hat jetzt eine deutlich saubere Farbe, ist aber immer noch nicht komplett rein. Demnach sollte der Reinigungsvorgang immer wieder wiederholt werden, bis das ausgehärtete Wachs die gewünschte Klarheit hat. Das kann je nach Verschmutzungsgrad 3- bis 4-mal notwendig sein.

Bienenwachs aufhellen

Sie möchten unbedingt helle oder honiggelbe Kerzen haben? Jetzt sieht das ausgehärtete Bienenwachs aber immer noch nicht nach Honig aus – was dann?

Ursache für die gräulich-braune Farbe ist, neben restlichen Schwebstoffen und Überresten von Pollen, der Kontakt mit Eisen aus den Schmelztöpfen. Dieser verursacht ein Nachdunkeln des Wachses.

Kein Problem – Sie können Bienenwachs auf verschiedene Art und Weise aufhellen, mit Wasserdampf, Säure, Laugen oder auch Sonnenlicht. So kreieren Sie selbst gold-gelbes Bienenwachs.

Wenn Sie das Bienenwachs in dünnen Schichten gießen, können Sie die Platten im Sonnenlicht aufhellen. Dieser Vorgang dauert allerdings mehrere Wochen.

Etwas schneller gelingt das Aufhellen wenn Sie das erhitzte Wachs mit einer Wasser-Säure-Lösung vermischen. Ameisensäure oder Oxalsäure, welche Imker meistens vorrätig haben. Vorsicht: bei der Verarbeitung von Säuren und Laugen sollten Schutzbrille und Schutzkleidung unbedingt getragen werden.

Eine andere Variante ist das Aufhellen mit Zitronensäure. Sie benötigen ca. 1/5 der Wachsmenge an Wasser und wenige Tropfen Zitronensäure.

Beispiel

  • 5 kg Bienenwachs
  • 1 L Wasser
  • 2 g Zitronensäure

Erhitzen Sie das Bienenwachs und die gelöste Säure langsam auf 85 °C. Rühren Sie das Gemisch über einen längeren Zeitraum, so dass Wasser und Wachs in engen Kontakt kommen. Mit einem Holzstab kann die Farbe und Helligkeit des Wachses dann mehrmals kontrolliert werden. Dafür tauchen Sie den Stab kurz in das heiße Wachs und lassen ihn danach abkühlen. Das getrocknete Wachs am Stab verrät Ihnen die künftige Farbe.

Bienenwachskerzen

Auch wenn das Reinigen von Bienenwachs ein aufwendiger Vorgang ist, wird das Ergebnis Sie überzeugen. Haben Sie alles richtig gemacht, ist das Bienenwachs nun bereit, um weiterverarbeitet zu werden. Gießen Sie Kerzen oder kreieren Sie eigene kosmetische Produkte wie Salben oder Heilpackungen. Oder Sie verwenden das gereinigte Wachs zur Lederpflege oder als Holzschutz.

Sie sehen, Bienenwachs ist zwar anspruchsvoll, aber dennoch ein Naturprodukt, aus dem man viel machen kann.

Anleitungs-Video

 

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