Ein Apfelbaum ist das Sinnbild des Obstbaumes. Wenn nur ein einziger Obstbaum im Hausgarten steht, ist es zu 98 Prozent ein Apfelbaum, der typische, mit Stamm und Rundkrone. Im Frühjahr glänzt so ein Obstgehölz durch seine Blütenpracht, im Sommer spendet es Schatten und im Herbst liefert es aromatische Früchte. Damit der Baum sich wie gewünscht entwickelt, gut gedeiht, gesund bleibt und jährlich viele Äpfel liefert, muss er geschnitten werden.

Nicht jeder Apfelbaum wird gleich geschnitten. Es kommt immer darauf an, was erreicht werden soll und wie alt so ein Baum ist. Außerdem gibt es verschiedene Wuchsformen, auch hier wird unterschiedlich geschnitten. Eine Rundkrone sieht anders aus, als eine Spindel, eine Säulenform oder gar ein Spalierapfel. Die Schnitttechniken sind speziell auf die Bäume ausgerichtet.

Unterschieden wird außerdem zwischen dem Pflanzschnitt, dem Erziehungsschnitt, dem Erhaltungsschnitt und dem Verjüngungsschnitt. Im Pflanzjahr wird der Apfelbaum gleich geschnitten. Seine spätere Form wird festgelegt (Rundkrone, Hohlkrone, Spindel, Spalier). In den folgenden Jahren wird der Baum erzogen. Hat er seine endgültige Form erreicht, sorgt der Erhaltungsschnitt dafür, dass der Baum vital bleibt und reichlich Äpfel trägt. Der Verjüngungsschnitt hilft älteren Apfelbäumen, die nicht mehr gut tragen und aus der Form gekommen sind.

Wann wird geschnitten?

Apfelbäume werden in der Regel im Spätwinter bis Frühjahr geschnitten. Der Schnitt regt das Wachstum des Baumes an. Dabei ist es so, dass er stärker wächst, je früher geschnitten wird. Das hat mit dem Saftdruck zu tun. Steigen die Temperaturen gegen Ende Januar, wird der Saftdruck in Gang gesetzt, das Wachstum beginnt und zwar mit aller Kraft. Das ist der ideale Zeitpunkt für den Schnitt. Sind die Temperaturen noch im Keller, ist langanhaltender Frost zu erwarten, dann sollte erst Mitte Februar geschnitten werden, damit keine Gefahr des Erfrierens oder Eintrocknens gegeben ist.

Rundkrone beim Apfel schneiden

Die Rundkrone ist die häufigste Apfelbaumform und die klassischste. Bei einem neu gekauften Baum dauert die Erziehung dazu zwischen 6 und 10 Jahren. In dieser Zeit ist es wichtig, das Gehölz jedes Jahr zu schneiden. Wissen muss man, dass ein Apfelbaum an einjährigen Langtrieben keine Blüten hervorbringt. Werden diese aber auf unter 15 cm eingekürzt, entsteht an der Spitze eine Blüte. Die meisten Blüten wachsen an zweijährigen Langtrieben, die zusätzlich von einjährigen kleinen Seitentrieben mit je einer Blütenknospe besetzt sind. Die Seitentriebe werden auch Spieße genannt. Sie verzweigen sich im kommenden Jahr mit neuen Blütenknospen. Gleiches passiert in den nächsten Jahren. Allerdings dauert es nur etwa 6 Jahre, bis das so genannte Fruchtholz Vitalität verliert und nur noch sporadisch Blüten bildet. Es muss ersetzt werden.

apfelbaum-rundkrone

Pflanzschnitt

Beim Kauf eines Apfelbaumes ist darauf zu achten, dass der Baum einen geraden Stamm und fünf bis sechs einjährige Triebe besitzt. Aus solche einem Baum lässt sich eine gute Rundkrone formen. Gleich nach der Pflanzung werden vier Gerüsttriebe festgelegt. Der senkrechte Mitteltrieb ist der erste, dazu kommen noch drei weiter Seitentriebe, die idealerweise in einem Winkel von etwa 60 Grad vom Mitteltrieb abzweigen. Alle anderen Triebe werden vollständig entfernt, unmittelbar am Stamm. Die übriggebliebenen Seitentriebe sollten um ein Drittel gekürzt werden. Wichtig ist, dass die oberste Knospe bei jedem Trieb nach außen zeigt. Nur so erfolgt die Triebverlängerung im nächsten Jahr nach außen und nicht ins Kroneninnere hinein. Der Mitteltrieb wird ebenfalls gekürzt, so stark, dass zwischen ihm und en Seitentrieben ein Winkel von 90 bis 120 Grad entsteht. Speziell dies fördert eine gleichmäßige Entwicklung aller Gerüsttriebe.

apfelbaum-pflanzschnitt-grafik

  1. Nur der Mitteltrieb und drei kräftige Seitentriebe bleiben stehen, alle anderen werden am Stamm entfernt
  2. Seitentriebe um ein Drittel einkürzen
  3. Die oberste Knospe muss dabei immer nach außen zeigen
  4. Mitteltrieb einkürzen
  5. Der Winkel zwischen Spitze Mitteltrieb und Ende Seitentrieb – 90 bis 120 Grad. Der Mitteltrieb ist dabei der Winkelpunkt.

Erziehungsschnitt

Ab dem darauffolgenden Jahr muss regelmäßig an der Krone gearbeitet werden. Einjährige Triebe sind gewachsen und zusätzlich haben sich unterhalb der Schnittstellen Konkurrenztriebe gebildet. Im zeitigen Frühjahr werden nun zahlreiche Triebe entfernt: alle nach innen und senkrecht wachsende Triebe und die Konkurrenztriebe der Gerüsttriebsverlängerung. (Meist wachsen an der Schnittfläche des vergangenen Jahres zwei neue Triebe, einer meist nach außen und einer mehr nach innen. Der nach innen wachsende muss entfernt werden) Flach wachsende Seitentrieb bleiben erhalten.

apfelbaum-erziehungsschnitt-grafik

Alle Gerüsttriebe müssen wieder um ein Drittel eingekürzt werden, ausgehend vom Neuzuwachs. Seitengerüsttriebe werden in einer Höhe eingekürzt, wobei das letzte Auge wieder nach außen zeigen muss. Auch der Haupttrieb wird wieder eingekürzt, im selben Winkel. Hier ist allerdings wichtig, dass die oberste Knospe dieses Mitteltriebs diesmal in die entgegengesetzte Richtung zeigt als im Vorjahr. Nur so bleibt die Mitte gerade. Sollte einer der Gerüsttriebe deutlich schwächer sein als die anderen, ist es notwendig, alle Gerüsttriebe um die Hälfte einzukürzen.

  1. Nach innen und senkrecht wachsende Triebe herausschneiden
  2. Konkurrenztriebe der Gerüstverlängerung entfernen
  3. Flach wachsende Seitentriebe stehen lassen
  4. Alle Gerüsttriebe um 1/3 einkürzen
  5. Ist einer dieser Triebe deutlich schwächer als die anderen, alle Triebe um die Hälfte einkürzen
  6. Das letzte Auge muss nach außen zeigen
  7. Haupttrieb im 90 bis 120 Gradwinkel einkürzen
  8. Sein letztes Auge muss in entgegengesetzte Richtung zeigen wie im letzten Jahr

Erhaltungsschnitt

Ab dem 6. bis 8. Standjahr ist es Zeit für den Erhaltungsschnitt. Die Krone ist aufgebaut, jetzt gilt es, den Baum gesund und vital zu erhalten und Fruchtholz zu fördern. Dieser Schnitt wird dann immer weiter, alle zwei bis drei Jahre durchgeführt. Auch dabei werden nach innen oder steil wachsende Triebe entfernt, damit die Krone nicht zu dicht wird. Die Gerüsttriebsverlängerungen werden nun nicht mehr eingekürzt. Sie sind jetzt stabil genug. Dafür werden die Spitzen der Gerüsttriebe verschlankt, damit immer genügend Licht ins Bauminnere gelangt, sonst reifen die Äpfel nicht aus. (Verschlanken bedeutet nichts anderes, als dass einige Triebe entfernt werden, die an den langen Spitzen der Triebe zu dicht stehen) Außerdem sind an den Gerüsttrieben Konkurrenztriebe zu entfernen. Wichtig ist, ältere Fruchttriebe, die sich abgesenkt haben, auf einen zweijährigen Trieb mit Blütenknospen umzulenken, der sich weiter im Inneren des Baumes befindet. Er muss schräg nach oben oder nach außen wachsen. Der verbleibende Seitentrieb bildet die neue Triebspitze.
Fruchttriebe sollten nicht zu dick werden. Ideal ist, wenn sie nur halb so dick sind, wie die Gerüsttriebe. Entwickeln sich am Mitteltrieb einfach zu kräftige Fruchttriebe, sollten diese besser entfernt werden, da sie die Seitengerüsttriebe beschatten. Dagegen werden flach stehende, schwache und junge Seitentriebe stehen gelassen. Sie bilden die neuen Fruchttriebe.

apfelbaum-erhaltungsschnitt-grafik

  1. Nach innen und steil wachsende Triebe entfernen
  2. Außerdem Konkurrenztriebe der Gerüsttriebe herausschneiden
  3. Spitzen der Gerüsttriebe verschlanken
  4. Ältere Fruchttriebe, die sich absenken, auf einen zweijährigen Trieb mit Blütenknospen umlenken
  5. Zu kräftige Fruchttriebe entfernen
  6. Flach stehende, schwache und junge Seitentriebe stehen lassen

Verjüngungsschnitt

Auch der Verjüngungsschnitt wird im Spätwinter oder zeitigem Frühjahr durchgeführt, wenn kein Frost mehr droht. Bei sehr alten und vergreisten Apfelbäumen wird besser im Sommer geschnitten, das vertragen sie oft besser. Meist muss das Gerüst neu angelegt werden, weil das alte nicht mehr oder kaum noch zu erkennen ist. Alle Konkurrenztriebe der Gerüsttriebe müssen entfernt werden. Nur vier Triebe bleiben stehen, sonst gelangt nicht ausreichend Licht ins Kroneninnere. Nicht mehr stehen lassen, auch wenn es schwer fällt! Alle steil nach oben wachsenden Triebe müssen vollständig herausgeschnitten werden. Sie bilden eine Konkurrenz zum Mitteltrieb. Die Spitzen der Gerüsttriebe müssen verschlankt werden. Dazu überhängende Besen auf einen weiter innen, steiler stehenden Jungtrieb umlenken. Durch ihn sollte die Wuchsrichtung des Gerüsttriebes harmonisch fortgesetzt werden. Alle nach innen wachsenden und zu steil stehenden Triebe in der Krone entfernen. Auch sehr starke Fruchttriebe müssen herausgeschnitten werden. Stehen bleiben junge Triebe, die direkt aus dem Gerüst wachsen. . Zu lange Fruchttriebe auf weiter innen stehende umlenken. Sie müssen nach außen und oben weisen und Blütenknospen besitzen. Bei sehr vergreisten Bäumen muss nicht selten ein Drittel der kompletten Krone weg. Wichtig ist, zu große Schnittstellen zu vermeiden. Sie sollten nicht größer sein, als der halbe Durchmesser des verbleibenden Astes. Bei extrem ungepflegten und überalterten Apfelbäumen macht es Sinn, den Verjüngungsschnitt etappenweise durchzuführen, also über einige Jahre verteilt. Erstens ist das schonender und zweitens wird das Wachstum nicht so stark angeregt.

Nach einem starken Verjüngungsschnitt wird der Baum versuchen, das Gleichgewicht zwischen Wurzel und Krone wieder herzustellen. An den Schnittstellen bilden sich jede Menge Jungtriebe. Davon müssen jährlich mindestens die Hälfte bis zwei Drittel entfernt werden. Hier macht es Sinn, schon im Sommer zu schneiden, weil sich dadurch das Wachstum beruhigt. Vor allem zu steil und nach innen wachsende Triebe müssen weg. Dagegen bleiben flach nach außen wachsende Triebe stehen. Sie sind das zukünftige Fruchtholz und dürfen auch nicht eingekürzt werden. Nachdem sich das Wachstum des Apfelbaumes wieder beruhigt hat, reicht es, alle zwei bis drei Jahre einen Erhaltungsschnitt durchzuführen.

  1. Gerüst neu anlegen
  2. Alle Konkurrenztriebe der Gerüsttriebe entfernen
  3. Nur vier Triebe bleiben stehen
  4. Alle steil nach oben wachsenden kräftigen Triebe herausschneiden
  5. Spitzen der Gerüsttriebe verschlanken
  6. Alle nach innen wachsenden und zu steilen Triebe entfernen
  7. Sehr starke Fruchttriebe entfernen
  8. Zu lange Fruchttriebe auf weiter innen stehende umlenken
  9. Bei starken Schnittmaßnahmen verteilt auf einige Jahre schneiden
  10. Im nächsten Jahr die Hälfte bis zwei Drittel der Jungtriebe entfernen
  11. Im Sommer schneiden, um Wachstum zu bremsen
  12. Alle nach innen und zu steil wachsenden Triebe herausschneiden
  13. Wenn sich Wachstum beruhigt hat, alle zwei bis drei Jahre Erhaltungsschnitt durchführen

Details und genaue Anleitungen dazu, wie Sie Ihren Spindel-, Spalier- oder auch Säulenapfelbaum so schneiden, dass er seine Form behält, erfahren Sie hier: https://www.talu.de/apfelbaum-in-form-schneiden/

 

TEILEN
Vorheriger ArtikelDachschindeln selbst verlegen – Dach mit Bitumenschindeln
Nächster ArtikelDachneigung von Pultdach und Flachdach – Factsheet
Feli
Hallo Bastelfreunde, mein Name ist Feli. Mit talu.de habe ich eine Möglichkeit gefunden, meine Kreativität auszuleben und gleichzeitig originelle Ideen zu entdecken. Besonders freue ich mich darauf, diese mit Euch zu teilen. Neben der Textbearbeitung beschäftige ich mich vor allem mit der Bildbearbeitung und Dokumentation verschiedenster Themen und Anleitungen. Die Vielseitigkeit, die in talu.de steckt, gibt uns die Chance, gemeinsam einen Ort für kreative Ideen zu gestalten.

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT