Definition: was ist eine Loggia? Unterschied zum Balkon erklärt

Loggia und Balkon

Wohnen bedeutet mehr, als sein Dasein in vier geschlossenen Wänden zu fristen. Licht, Luft und Raum machen eine Wohnung erst wirklich angenehm und geben ein großes Stück Lebensqualität. Bei ebenerdigen Wohnungen wird dies durch Terrassen und Gärten gelöst. Ab der ersten Etage wird es aber zu einer architektonischen Herausforderung, um jederzeit ein Stück Frischluft zu erhalten. Um Sich im Freien aufhalten zu können, ohne dafür die Wohnung zu verlassen wurde die Loggia und der Balkon erfunden. Erfahren Sie in diesem Text alles, was es darüber zu wissen gibt.

Drinnen im Freien sitzen

Was zunächst als Widerspruch klingt, wird durch Loggien und Balkone möglich. Man sitzt im Freien, ohne dazu die Wohnung verlassen zu müssen. Den Wind spüren, die Vögel zwitschern hören und den Sonnenuntergang genießen – das geht auf Balkonen und Loggien in einer besonders angenehmen Weise. Auch wenn es stürmt und regnet, kann die Loggia und der Balkon noch ein spannender Aufenthaltsort sein, wenn sie entsprechend ausgelegt sind. Jedoch ist das, was hier so romantisch klingt, häufig nur schwer umsetzbar.

Unterschied zum Balkon

In Deutschland wird allgemein alles, was einen Übergang zwischen „Innen“ und „Außen“ in höheren Etagen darstellt, als „Balkon“ bezeichnet. Das ist sachlich wie fachlich falsch, denn die meisten Balkone sind keine, sondern sind Loggien.

Balkon
Balkon

Ein Balkon zeichnet sich dadurch aus, dass er an ein bestehendes, geschlossenes Gebäude angebaut wird. Er kann auch theoretisch ebenso wieder von dem Gebäude entfernt werden, ohne dass dadurch die Fläche der Innenwohnung verkleinert wird. Darum eignen sich Balkone auch dazu, sie nachträglich an ein Gebäude anzubauen.

Balkone werden mit eigener, autarker Statik hergestellt oder als Kragplatten mit dem Baukörper verbunden. Die autarke Statik, meist durch Stahl- oder Holzkonstruktionen umgesetzt, hat einige Vor- und Nachteile. Die Vorteile sind:

  • Nachträglicher Anbau möglich
  • Hohe Eigenstabilität
  • Thermische Entkopplung zum Baukörper
  • Die Nachteile von Balkonen mit autarker Statik sind
  • Aufwändige Konstruktionen
  • Mehrere Stützpfeiler nötig, dadurch eingeschränkte Rundumsicht

Besonders der Punkt „Thermische Entkopplung“ ist ein großes Problem bei den Balkonen, die bereits in der Bauphase als Kragplatte geplant waren. Bei diesen Balkonen wird die bestehende Zwischendecke um die Fläche des Balkons erweitert. Dazu sind erhebliche statische Maßnahmen notwendig. Das entstehende Hebelmoment vom Eigengewicht der Kragplatte sowie sämtliche Aufbauten, beispielsweise Geländer, müssen statisch von der Kragplatte ohne zusätzliche Abstützung aufgefangen werden. Dies geht nur mit massiver Armierung durch Baustahl im Innern der Platte. Die Vor- und Nachteile der Kragplatten-Balkone sind:

  • Elegante Integration in den Baukörper
  • Perfekte Rundumsicht ohne störende Stützpfeiler
  • Die Nachteile der Kragplatte sind
  • Aufwändige Statik
  • Sehr empfindlich bei Rostbefall
  • Thermisch kaum vom Baukörper zu entkoppeln

Besonders die thermische Kopplung von Kragplatten mit dem Baukörper ist ein großes Problem. Die Kragplatte wirkt praktisch wie die Kühlrippe von einem luftgekühlten Motor: Die Innenwärme des Gebäudes wird über die Platte abgestrahlt und dort abgetragen. Neben hohen Heizkosten kann die Kragplatte auch für eine Taupunktverschiebung sorgen. So kann es sein, dass es an der Innenseite vom Balkon immer zu Feuchtepunkten und Schimmelbildung kommt.

Gegenmaßnahmen für die Thermische Kopplung sind eine umseitige Isolation der Kragplatte oder die Verwendung eines Trennkorbs. Ein Trennkorb ist ein statisches Armierungselement, welches die Kragplatte mit der Zwischendecke verbindet ohne dabei über den Beton mit ihr verbunden zu sein. Dies ist technisch aufwändig herzustellen und ein permanenter Angriffspunkt für eindringende Feuchtigkeit.

Unsere Empfehlung ist daher ein nachträglicher Anbau von Balkonen. Sie sind technisch einfacher, stabiler und wirtschaftlicher. Heute sind auch Systeme verfügbar, welche die zusätzliche Statik so klein und unsichtbar wie möglich umsetzen können.

Die Loggia

Die Loggia, eng verwandt mit dem deutschen Wort „Loge“, ist ein integraler Bestandteil eines Gebäudes. Sie besteht nicht, wie der Balkon, aus einem zusätzlich angebautem Gebäudeteil. Die Loggia bietet Luft und Licht, ohne dabei über die Außenfassade hinaus zu ragen. Das macht sie technisch besonders leicht umsetzbar: Die Loggia besteht im Grunde nur aus einem normalen Außenzimmer, bei dem die Außenwand und das Fenster weg gelassen und durch ein Geländer ersetzt wird. Jedoch bringt dieser Ansatz für eine Steigerung des Wohnkomforts nicht nur Vorteile mit sich.

Arten von Loggien

Die Loggia ist ein seit Jahrhunderten eingesetztes architektonisches Stilmittel. Sie hat ihren Ursprung im warmen Italien, wo sie in der Renaissance einen wahren Boom erlebt hatte. Aus dem ursprünglichen Ansatz, einfach durch Weglassen der Fassade einen offenen Raum zu schaffen, hat sich eine Vielzahl verschiedener Loggia-Typen entwickelt.

Freigang

Der Freigang ist eine offene, jedoch überdachte Verbindung zwischen zwei Gebäudeteilen. Der italienische Stil stattete die Freigänge mit pompösen Rund- und Spitzbögen aus. Der Freigang ist heute nur noch bei öffentlichen Gebäuden gebräuchlich.

Freigang
Freigang

Freisitz

Die gebräuchlichste Form der Loggia ist der Freisitz. Dies ist ein abgeschlossener, nur durch eine Tür zugänglicher Raum innerhalb einer Wohnung. Er kann sowohl im Erdgeschoss wie in jeder anderen Etage umgesetzt werden.

Loggia
Loggia – Freisitz

Einzelgebäude

Offene, fensterlose Gebäude die nur aus einem Dach bestehen das auf mehreren Säulen ruht, können ebenfalls als Loggia bezeichnet werden. Sie wurden in der Renaissance häufig als Markthallen verwendet. Gelegentlich wird dieser Gebäudetyp auch heute noch gebaut. Kleinere Loggien dieser Art findet man als Gartengebäude für festliche Anlässe.

Dachloggia

Die Dachloggia ist eine Öffnung in einem Giebeldach. Sie bietet einen hohen Nutzwert, jedoch hat sie auch einige Nachteile.

Vorteile und Nachteile

Vorteile einer Loggia

  • Einfache Umsetzung
  • Leichter Umbau zum geschlossenen Zimmer
  • Vergrößerung des Lichteinfalls der angeschlossenen Zimmer

Nachteile einer Loggia

  • Eingeschränktes Platzangebot
  • Eingeschränkte Nutzbarkeit
  • Im Vergleich zum Balkon nur geringe Rundumsicht
  • Notwendigkeit von mehreren Außenfenstern

Die Loggia lässt sich wie gesagt, technisch leicht umsetzen, indem man einfach die Außenwand und das Fenster weg lässt. Natürlich verlagert man damit Fenster und Zugang an die dahinter liegenden Räume. Statt einem Fenster wird bei einer Loggia meist zwei Außenfenster erforderlich, von denen eines als Tür ausgebildet ist. Das ist zwar teurer als eine durchgehende Fensterfront. Dafür haben die angeschlossenen Zimmer meist eine zusätzliche Lichtquelle nach Außen.

Eine Loggia kann einfach durch das nachträgliche Einziehen einer Fensterfront in einen Innenraum umgewandelt werden. Neben den einfach verfügbaren permanent-Lösungen bietet die Industrie auch sehr interessante Möglichkeiten an, die Loggia nur saisonweise zu verschließen. Unter dem Stichwort „Loggiaverglasung“ gibt es zahlreiche Ansätze, die Funktionalität einer Loggia zu steigern. Das ist vor allem im Winter sehr interessant: Eine verglaste Loggia bietet einen zusätzlichen Wärmeschutz für die dahinter liegenden Räume und trägt damit dazu bei, die Heizkosten zu senken. Doch Vorsicht – die Verglasung einer Loggia ist eine bauveränderliche Maßnahme. Sie muss vom Vermieter und von den örtlichen Bauämtern genehmigt sein.

Problematisch bei einer Loggia ist, dass sie nur ein beschränktes Platzangebot bietet. In Plattenbauten und Mehrfamilienhäusern ist die Loggia häufig so knapp ausgelegt, dass sie außer zum Aufstellen eines Wäscheständers, kaum zu gebrauchen ist. Um eine Loggia mit echtem Wohnwert zu erhalten, muss sie gründlich bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden.

Dachloggia – der perfekte Kompromiss

Eine Ausnahme bei den Loggien bietet die Dachloggia. Dieses Bauelement wird auch „negative Gaube“ genannt, da sie die Idee der Gaube zwar aufgreift, aber umkehrt.
Bei einer Dachloggia werden das Gestühl und die Dachhaut über einer bestimmten Fläche unterbrochen und entfernt. Das Dach wird entlang der Loggia mit senkrechten Stützwänden versehen. An der größten Wand werden die Tür und meist noch ein Fenster eingebaut. Im Ergebnis bekommt man eine angenehm große Fläche, die vielfältige Nutzungsmöglichkeiten bietet: Aufstellen eines kleinen Pools, eine Grillecke, ein kleiner Esstisch und eine Begrünung ist auf einer Dachloggia besonders wirkungsvoll.

Dachloggia
kleine Dachloggia

Wann ist eine Dachloggia sinnvoll?

Eine Dachloggia eignet sich zum nachträglichen Einbau in einen bestehenden Dachstuhl besonders dann, wenn das Dach vorher nicht als Wohnung genutzt wurde. Eine Dachloggia ist zwar ein äußerst angenehmer Aufenthaltsort, wenn ein entsprechendes Wetter vorliegt. Jedoch ist sie vom Nutzwert mit einem vollwertigen, geschlossenen Raum nicht zu vergleichen. Ist man Besitzer einer Dachwohnung, ist der nachträgliche Einbau einer Gaube meist der wesentlich sinnvollere Weg, den Wohn- und Nutzwert der Behausung zu steigern. Eine Dachloggia beschneidet den ohnehin knappen Wohnraum einer Dachwohnung zusätzlich und erfordert damit hohe Kompromisse.

Nachteile einer Dachloggia

Eine Dachloggia hat eine Schwachstelle: Die Abdichtung. Damit Platzregen, Schneefall und andere Niederschläge sicher abgeführt werden, ist eine fachgerechte Entwässerung der Dachloggia notwendig. Diese ist recht aufwändig und nur von Fachfirmen herstellbar. Eine undichte Dachloggia führt zwangsläufig zu Feuchtestellen in den darunter liegenden Wohnungen. Meist schließt sich dann ein Schimmelbefall an. So kann aus dem gut gemeinten Ansatz der Wohnwertsteigerung durch eine Dachloggia schnell eine Kaskade an Folgeschäden entstehen.

Die gute Nachricht ist jedoch auch hier, dass die Industrie inzwischen eine große Auswahl an interessanten Produkten anbietet, welche den Nutzwert einer Dachloggia erheblich steigern können. Unter den Stichworten „Verglasung“ und „Dachloggia“ findet man sehr interessante Lösungen, welche eine Dachloggia besser gegen Witterung schützen und ihre Nutzbarkeit erhöhen. Mit einer passenden Verglasung lässt sich so die Dachloggia ganzjährig nutzen. Tatsächlich sind die heute verfügbaren Systeme so weit entwickelt, dass sie Gauben- und Loggia Ansätze miteinander vereinen können. Dies hat zwar seinen Preis, steigert aber den Wohnwert der Dachwohnung zum Maximum.

Loggia nachträglich einbauen?

Eine Loggia nachträglich einzubauen ist eine bauliche Herausforderung. Niemand wird ernsthaft einen Teil seiner Außenwand heraus brechen wollen, nur um einen balkonartigen Zugang zur Frischluft zu bekommen. Hier sind die nachträglich anbaubaren Balkone die wesentlich intelligentere Lösung.

Ein häufig nicht beachteter baulicher Fall macht jedoch den nachträglichen Einbau einer Loggia durchaus sehr interessant: Ein Einfamilienhaus mit angeschlossener Fertig-Garage kann besonders einfach um einen Balkon oder eine Loggia ergänzt werden. Hier genügt es, einen Zugang zum Dach der Garage herzustellen und ein Dach darüber zu bauen. Die baulichen Anforderungen dazu sind gering. Die Garage hat bereits ein Dach, dessen wetterfeste Entwässerung gewährleistet ist. Die Außenwände der Betongarage sind bei Weitem stabil genug, um ein Geländer aufnehmen zu können. Auch Dachpfosten und ein leichtes Überdach lassen sich auf ihr einfach unterbringen, ohne dass man sich Gedanken über die Statik machen müsste. Als Bedeckung für einen Fußbodenbelag empfehlen sich Holzbohlen. Sie können an definierten Punkten befestigt werden und geben ein angenehmes Trittgefühl.

Eine Erweiterung des Raums über der Garage in einen vollwertigen Wohnraum ist hingegen nicht empfohlen: Die Abgase der Autos können leicht nach oben in den Raum eindringen. Das riecht nicht nur schlecht, es kann unter Umständen sogar gefährlich werden. Ein offener Balkon oder eine Loggia ist das Äußerste, womit man das Dach einer Garage erweitern sollte.

Loggia und Balkon für mehr Lebensqualität

Im Freien sitzen und die Sonne genießen – und dabei nur wenige Schritte vom sicheren Zuhause entfernt sein. Kein anderes Bauelement bietet diesen Komfort wie eine Terrasse, eine Loggia oder ein Balkon. Wir haben ihnen in diesem Text die wichtigsten Unterschiede, Vor- und Nachteile sowie die Möglichkeiten zum nachträglichen Einbau in Ihr Eigenheim gezeigt. Um es im eigenen Zuhause wirkungsvoll umzusetzen, empfehlen wir aber immer den Rat eines Fachmanns. Das Architekturbüro in Ihrer Nähe berät Sie gerne dabei, Ihren Wunsch nach mehr Frischluft und Licht in Ihrem Zuhause verwirklichen zu können. Machen Sie mehr aus Ihrem Zuhause mit Balkon, Loggia und Co.

Tipps für Schnellleser

  • Nachträgliche Balkone sind thermisch unbedenklich
  • Kragplatten müssen auf Korrosion kontrolliert werden, wenn sie mit Anschlusskörben befestigt sind
  • Loggien haben einen hohen Platzbedarf
  • Dachloggien mit Verglasung sind ganzjährig nutzbar


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