Wanddurchbruch selber machen – Vorbereitung und Anleitung

Wanddurchbruch selber machen

Ein Wanddurchbruch ist eine Maßnahme, um seinen Wohnraum flexibler gestalten zu können. Es gibt zahlreiche Gründe, warum ein Wanddurchbruch praktisch oder sogar notwendig sein kann. Dabei lauern aber zahlreiche Gefahren, die im Schlimmsten Fall die Statik des Hauses gefährden können. Lesen Sie in diesem Text, worauf Sie beim Durchbrechen einer Wand achten müssen.

Gründe für einen Wanddurchbruch

Wände grenzen die einzelnen Räume und den Innenraum von der Außenwelt ab. Die Wohnung ist so, wie sie vom Architekten geplant wurde, im Grunde optimal auf die Bedürfnisse der Bewohner zugeschnitten. Dennoch kann es vorkommen, dass die vorhandenen Öffnungen in den Wänden nicht mehr ausreichen. Gründe können sein:

  • Öffnungen für Versorgungsleitungen
  • Verbreiterungen von Türen (z.B. bei Bewohnern, die auf den Rollstuhl angewiesen sind)
  • Vergrößerungen von Fenstern
  • Einbau von Durchreichen und Oberlichtern

Zollstock

Mit einem Wanddurchbruch kann in diesen Fällen der gewünschte Komfort in der Wohnung hergestellt werden. Doch einfach zum Stemmhammer greifen funktioniert leider nicht. So ein Wanddurchbruch muss gut geplant werden.

Planung

Drei Frage müssen beantwortet sein, bevor der Wanddurchbruch begonnen werden kann:

1. Wie groß soll der Durchbruch werden?
2. Passiert der Durchbruch eine tragende Wand?
3. Hat der Vermieter/Hausbesitzer den Durchbruch genehmigt?
4. Verletzt der Durchbruch die örtlichen Bauvorschriften oder andere Gesetze (z.B. Brandschutz)?
5. Werden beim Durchbruch Strom-.,Gas- oder Wasserleitungen verletzt?

Kleine Durchstöße der Wand für Strom- oder Datenkabel sind in der Regel völlig unproblematisch. Wenn Sie Ihre Satellitenschüssel an der Außenwand befestigen möchten, wird für das Leitungskabel kein statisches Gutachten erforderlich sein. Auch eine Kernbohrung ist in den meisten Fällen kein Problem. Allerdings sollten Sie genau wissen, wo Sie die Bohrung ansetzen. Passieren Sie auf dem Weg durch die Wand einen Stahlträger, kann dessen Beschädigung sehr wohl die Statik des Hauses beeinträchtigen.

Wenn aber Fenster, Türen oder Durchreichen in Wände eingebrochen werden sollen, müssen Sie unbedingt im Vorfeld alle weiteren Fragen klären:

1. Ohne die Genehmigung Ihres Vermieters geht gar nichts. Wenn Sie in einer Mietwohnung einfach eine Wand durchbrechen, hat Ihr Vermieter sowohl das Recht auf eine fristlose Kündigung als auch auf die vollständige Reparatur des Schadens – und aller daraus folgenden Schäden. Diese Schäden können von einem beschädigten Parkettfußboden bis zum Einsturz des ganzen Hauses reichen. Sprechen Sie auch besser sämtliche Durchbohrungen im Vorfeld mit dem Vermieter ab. In der Regel sind sie dabei kooperativ und zumindest sehr dankbar, dass Sie vorher gefragt haben.

2. Bei tragenden Wänden sollten Sie von einem Durchbruch absehen. Tragende Wände sind alle Wände über 12 cm Breite. Falls Sie unbedingt einen Durchbruch in einer tragenden Wand haben wollen, beauftragen Sie mit dem Projekt ein Bauunternehmen mit Statiker. Sie kommen sonst sehr schnell in „Teufels Küche“. Sie müssen mit bis zu 1000 Euro pro Quadratmeter durchbrochener Wand an Kosten rechnen.

3. Es gibt örtliche Bauvorschriften in Bezug auf Optik, Sichtschutz und Brandschutz. Eine Feuerschutzwand dürfen Sie beispielsweise grundsätzlich niemals durchbrechen. Auch können Sich seitliche Nachbarn gegen zusätzliche Fenster wehren, die auf Ihr Grundstück weisen. Klären Sie zunächst alle rechtlichen Fragen ab, bevor Sie einen Wanddurchbruch im größeren Stil durchführen.

Alles genehmigt und geklärt – jetzt kann es losgehen

Wenn Sie alle Fragen rund um den Wanddurchbruch geklärt haben, können Sie sich ans Werk machen. Bei tragenden Wänden haben Sie mindestens das Gutachten eines Statikers vorliegen, aus dem hervorgeht, wie Sie sicher einen Wanddurchbruch herstellen können.

Dazu sollten Sie zunächst wissen, wie Türen und Fenster richtig gebaut werden:

Beim Erstellen eines Bauwerks werden die Seiten der Türen und Fenster – die so genannten „Laibungen“ gerade hoch gemauert. Über der Tür- und Fensteröffnung wird ein so genannter „Sturz“ eingelegt. Stürze sind lange Betonbalken. Sie haben eine integrierte Armierung und können deshalb Druckkräfte von Oben gut aufnehmen. Dazu ist es notwendig, dass die Stürze seitlich gut auf den Laibungswänden aufliegen. Das Mindestmaß für die Auflage des Sturzes von einer normalen Tür oder Fenster beträgt 25 cm. Wenn Sie also jetzt eine bestehende Tür oder ein bestehendes Fenster vergrößern wollen, legen Sie damit auch den Sturz frei. Das Auflager wird zu schmal oder fällt ganz weg. Darum müssen Sie neben dem Mauerdurchbruch für das Fenster oder die Tür zusätzlich ein neues Auflager für einen größeren Sturz frei stemmen.

Betonsturz berechnen

Da der Sturz ein statisch tragendes Element ist, müssen Sie die Wand für die Dauer des Durchbruchs und Einbau des neuen Sturzes abstützen. Dazu genügen zwei Baustützen und ein gerader, stabiler Holzbalken.

Vorbereitung und Material

Um Kosten zu sparen, können Sie den Wanddurchbruch selber herstellen. Folgen Sie dabei dieser Anleitung. Handwerklich ist es nicht besonders schwer. Es ist jedoch sehr laut und sehr schmutzig. Das muss Ihnen vorher klar sein.

Für einen gelungenen Wanddurchbruch brauchen Sie:

  • Zollstock
  • Wasserwaage
  • Bau-Bleistift
  • Großer Winkelschleifer mit Steinsäge-Blatt
  • Stemmhammer mit Flachmeißel
  • Persönliche Schutzausrüstung: Sicherheitsschuhe, Arbeitshandschuhe, Schutzbrille und Bauhelm
  • Folie zum Abdecken
  • Schubkarre zum Ausfahren des Bauschutts
  • Ggf. Baustützen und langes Kantholz
  • Betonsturz
  • Mörtel
  • Fugeneisen
  • Eimer
  • Maurerkelle

Aufgrund der sensiblen Statik eines Hauses ist der Stemmhammer nicht das erste, sondern das letzte Werkzeug zu dem Sie beim Durchbrechen einer Wand greifen. Vorher bereiten Sie die Baustelle gut vor, sonst kann das ganze Projekt im völligen Chaos enden.

Anleitung für Ihren Mauerdurchbruch

Wanddurchbrüche erzeugen enorme Mengen Schmutz und Staub. Räumen Sie daher das Zimmer vollständig leer. Decken Sie auch im Nebenzimmer alles mit Folie ab. Bedecken Sie den Fußboden mit altem Teppichboden und zusätzlich mit Folie. Idealerweise legen Sie den Bereich um den Fußboden mit dicken Styroporplatten aus. So können herab stürzende Brocken den Bodenbelag nicht beschädigen.

Nun zeichnen Sie mit Hilfe von Zollstock, Bleistift und Wasserwaage exakt die Maße des gewünschten Durchbruchs an. Spätestens jetzt müssen Sie die Notstützen setzen, damit die Decke während der Baumaßnahme abgestützt ist.

Schalten Sie alle Sicherungen für das Zimmer aus und drehen Sie die Wasser- und Gaszufuhr sicherheitshalber ab.

Schneiden Sie entlang der gezeichneten Linie mit dem Winkelschleifer die Wand ein. Falls vorhanden, schneiden Sie zunächst mit einem kleinen Schleifer vor und ziehen Sie anschließend mit einem großen Winkelschleifer nach. Jeder Zentimeter, den Sie jetzt tiefer in das Mauerwerk vordringen, spart Ihnen mühsame Stemmarbeiten. Falls der Durchbruch innerhalb der Wohnung geschehen soll, greifen Sie nun zu einem Trick: Bohren Sie an den Eckpunkten mit einem langen Steinbohrer und einer Schlagbohrmaschine die Wand vollständig durch. Sie sehen jetzt auf der anderen Seite die Maße des Durchbruchs. Zeichnen Sie den gewünschten Durchbruch auch dort an und wiederholen Sie die Schnittarbeiten. Setzen Sie auch auf dieser Seite Sicherungsstützen.

Wanddurchbruch selber machen

Nun ist die Wand nach Anleitung angeschnitten. Stemmen Sie nun mit dem Stemmhammer und einem angebauten Flachmeißel von INNEN NACH AUSSEN das Mauerwerk weg. Je weniger Sie den äußeren Bereich verletzen, desto weniger Arbeit haben Sie mit dem Verkleiden der neu geschaffenen Laibung. Am Besten stemmen Sie zunächst in der Mitte ein Loch und vergrößern Sie es stetig. Das macht die Arbeit wesentlich einfacher.

Abschlussarbeiten

Wenn der Wanddurchbruch so weit fertig ist, folgt die Feinarbeit. Stemmen Sie zunächst das Auflager für den neuen Sturz aus. Anschließend stemmen Sie entlang der Laibung so viel Material weg, bis die vorher geschnittenen Kanten vorstehen oder eben mit der Innenfläche sind.

Setzen Sie nun den neuen Sturz in ein Mörtelbett. Achten Sie darauf, dass der Sturz gerade sitzt und ein ausreichend großes Auflager bekommt. Oberhalb des Sturzes pressen Sie mit dem Fugeneisen so viel Mörtel wie möglich ein. Lassen Sie die Notstützen so lange stehen, bis der Mörtel vollständig abgebunden hat. Das kann 48 Stunden dauern. Nutzen Sie die Zeit dafür, den Schutt wegzuräumen und das Haus wieder vom Staub zu säubern.

Putz anmischen

Wenn Sie wollen, können Sie nun die Innenflächen der Laibungen verputzen. Bei einem Türdurchbruch ist das in der Regel nicht erforderlich, da sie dort eine neue Zarge setzen werden.

Statiker

Wenn Sie um Kosten zu sparen den Wanddurchbruch selber machen wollen, ziehen Sie nach Beendigung der Arbeit nochmals den Statiker hinzu. Er wird sich Ihr Bauwerk ganz genau ansehen und Ihnen sagen, ob die Arbeiten so in Ordnung sind. Damit sind Sie auf der sicheren Seite.

Trotz Anleitung: Haftungsausschuss für unsere Sicherheit

Diese Anleitung wurde Ihnen von einem ausgebildeten Baufacharbeiter zur Verfügung gestellt. Wir weisen Sie dennoch darauf hin, dass wir jegliche Haftung, die aus der Befolgung dieser Anleitung entstehen, ablehnen. Das Durchbrechen einer Wand ist ein Eingriff in die Statik eines Hauses, das ausschließlich ausgebildete Baufacharbeiter durchführen sollten. Die Kosten für ein solches Projekt halten sich im Rahmen und stehen im keinem Verhältnis zu den Schäden, die durch einen unfachmännisch durchgeführten Mauerdurchbruch entstehen können.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here