Vogelfutter selber machen

Nicht alle heimischen Vögel suchen in der kühlen Jahreszeit das Weite, um im sonnigen und warmen Süden zu überwintern. Tatsächlich bleiben viele der gefiederten Lebewesen beinhart von Januar bis Dezember an Ort und Stelle und versuchen, auf dem frostigen Boden Nahrung zu finden – ein schwieriges Unterfangen für die Flügelflitzer. Aus diesem Grund sollten wir Rotkehlchen, Amseln, Finken, Meisen und Co. bei der Futtersuche unterstützen. Dieser Ratgeber liefert Ihnen grundlegende Infos sowie verschiedene Rezepte zur Herstellung von Vogelfutter, mit dem Sie helfen können, die Artenvielfalt zu erhalten!

Vielerorts sind die Lebensräume für Pflanzen und Tiere in sehr schlechtem Zustand – ein Fakt, der die Existenz zahlreicher Gattungen bedroht. Auch die in unseren Gefilden beheimateten Vögel haben immer größere Schwierigkeiten, langfristig zu überleben. Insofern bezieht sich die Notwendigkeit, die fliegenden Wesen gewissermaßen zu ernähren, nicht nur auf die späten Herbst- und Wintermonate. In manchen Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz ist eine ganzjährige Fütterung von Wildvögeln sinnvoll – genauso übrigens wie das Anbieten von Brutplätzen. Durch Ihr Engagement tragen Sie zur Erhaltung einer stabile(re)n und vielfältige(re)n Vogelpopulation bei. Suchen Sie sich aus den folgenden Tipps und Anleitungen Ihre Favoriten aus und machen Sie die Vögel in Ihrer Umgebung glücklich!

Alles über das richtige Vogelfutter

Bevor Sie sich an die Zubereitung köstlichen Vogelfutters wagen, sollten Sie sich unsere grundlegenden Informationen durchlesen. Um den Vögeln wirklich Gutes zu tun, ist es nämlich wichtig, ihre Futterpräferenzen zu kennen.

Es gibt viele verschiedene Wildvögel, die natürlich nicht alle dieselbe Nahrung fressen. Man kann sie grob in zwei Gruppen unterteilen: die Weich- und die Körnerfresser.

a) Weichfresser: Zu den Weichfressern zählen beispielsweise Rotkehlchen, Amseln, Drosseln, Spechte, Stare und Zaunkönige. Die Nahrung dieser Vögel setzt sich hauptsächlich aus Früchten und Insekten zusammen. Daher bevorzugen sie im Herbst und Winter weiches Futter in Form von Beeren, Nüssen, Haferflocken, Dinkel und Weizen.

Amsel mit Beeren

b) Körnerfresser: Vogelarten wie Meisen, Finken und Sperlinge gehören zu den Körnerfressern. Die Bezeichnung verdanken diese Vögel ihren im Vergleich zu den Weichfressern kräftigeren Schnäbeln, die die Ernährung mit Körnern ermöglichen. Körnerfresser nehmen unter anderem Samen, Sonnenblumenkerne, Mohn, ungeschälte Saat und alle Nussarten zu sich.

Meise

Informieren Sie sich, welche Vögel in Ihrer näheren Umgebung leben. Mit dem Wissen können Sie das Futterangebot entsprechend anpassen. Ansonsten bleiben Ihre gut gemeinten Hilfestellungen womöglich unberührt am Futterplatz liegen.

Nach den einführenden theoretischen Hinweisen geht es nun ans Praktische: Wir erklären Ihnen anhand mehrerer Tipps und Rezepte, wie Sie Vögel artgerecht mit Futter versorgen können.

Natürliches Vogelfutter anbieten

Eine relativ einfache Möglichkeit, sowohl Vögeln als auch sich selbst eine Freude zu bereiten, besteht darin, im eigenen Garten sogenannte Vogelnährgehölze zu pflanzen. Diese sind für Ihre gefiederten Freunde ausgesprochen nahrhaft – und für Sie ein dekorativer Blickfang. Hier einige Tipps dazu:

  •  Pflanzen Sie die Vogelnährgehölze so tief, wie sie in der Baumschule standen (erkennbar an der bräunlichen Verfärbung am Wurzelhals). So sorgen Sie für optimierte Anwachsbedingungen.
  • Haben Sie es mit Wurzelware zu tun, sollten Sie nur angebrochene oder verletzte Wurzeln glatt zurückschneiden. Von einem allgemeinen Rückschnitt der Wurzeln raten wir ab.
  • Teurere Gehölze im Container sollten Sie unbedingt austopfen.
  • Vogelnährgehölze mit Ballentuch stellen Sie zunächst mitsamt dem Tuch in das präparierte Pflanzloch. Füllen Sie zwei Drittel des Loches mit Erde auf. Dann das Tuch oben öffnen und leicht zurückschlagen. Auf diese Weise verhindern Sie ein späteres Einschnüren der Pflanze.

Aus mehreren Vogelnährgehölzen können Sie eine Hecke entstehen lassen. Mit der Anpflanzung verschiedener Varianten haben Sie in spätestens zwei Jahren einen wunderbar bunten Sichtschutz – und im Herbst viele gefiederte Besucher im Garten, die ihren Hunger stillen wollen. Auch hierzu diverse Tipps:

  • Sie möchten in einer Reihe pflanzen? Dann sollte der Abstand zwischen den einzelnen Gehölzen circa einen Meter betragen.
  • Sie wünschen eine breitere Hecke? Pflanzen Sie die Sträucher im Zick-Zack und halten jeweils ungefähr 70 Zentimeter Abstand. So findet jedes Exemplar genügend Platz, um prachtvoll zu gedeihen.
  • Jedes Pflanzloch sollte etwa doppelt so groß wie der Wurzelballen sein. Reichern Sie es mit Kompost an, sodass die Pflanze einen Nährstoffschub erhält und gut anwächst. Das Loch ordentlich, aber dennoch vorsichtig festtreten und anschließend reichlich angießen.

Zum Abschluss dieses Abschnittes noch vier Beispiele für Vogelnährgehölze:

Gemeiner Schneeball: Der einheimische Strauch erreicht in ausgewachsenem Zustand eine Höhe von bis zu vier Metern und wächst dicht verzweigt. Ab Juni blüht er weiß, ehe er im Herbst rote Früchte trägt, die Vögel besonders schätzen. Der Gemeine Schneeball fühlt sich auch im Schatten wohl und kommt mit einem durchlässigen, normalen Gartenboden gut klar.

Gemeiner Schneeball

Schlehe: Die Vogelschutzpflanze ist mit sehr hübschen Blüten ausgestattet. Im Herbst bildet sie die bekannten Schlehenfrüchte aus. Aufgrund der dunklen Dornen an ihren Zweigen wird die Schlehe auch Schwarzdorn genannt.

Felsenbirne: Das Kernobstgewächs kann bis zu vier Meter hoch werden. Beim Austrieb sind die Blätter der Felsenbirne noch kupferrot, ehe sie einen grünen Ton annehmen und im Herbst gelb bis orangerot leuchten. Durch seine wechselnde Farbenpracht fasziniert der Strauch das gesamte Jahr über.

Blaumeise auf Felsenbirne
Blaumeise auf Felsenbirne

Kornelkirsche: Der Hartriegel blüht häufig schon im März oder April und fungiert daher als bedeutende Bienennährpflanze. Später freuen sich die Vögelchen über die dunkelroten, mehlig-süßen Früchte, von denen Sie natürlich auch ein paar stibitzen können, um sie zu Likör oder Marmelade zu verarbeiten.

Vogelfutter selber herstellen

vogelfutter-selber-machen

Kommen wir nun zu den Optionen, Vogelfutter selber herzustellen. Dazu brauchen Sie in erster Linie Früchte, Nüsse und Sämereien. Diese können Sie im Handel kaufen (etwa als Vogelfuttermischungen), von Ihren eigenen Lebensmitteln abzweigen oder bei Spaziergängen in der Natur sammeln. In Bezug auf die letztgenannte Methode kommen folgende „Zutaten“ in Frage:

Zutaten von BäumenZutaten von Sträuchern Zutaten von Gräsern, Getreide, Blumen und Stauden
  • Samen aus Kiefernzapfen
  • Samen aus Tannenzapfen
  • Samen aus Erlenzapfen
  • Birkensamen
  • Ahornsamen
  • Samen aus Bucheckern
  • Apfelkerne
  • Birnenkerne
  • Pflaumenkerne
  • Kirschkerne
  • Ebereschenbeeren
  • Walnüsse
  • Holunderbeeren
  • Mehlbeeren
  • Früchte von Schneeball
  • Früchte von Liguster
  • Früchte von Weißdorn
  • Früchte von Pfaffenhütchen
  • Haselnüsse
  • Hirse
  • Disteln
  • Kletten
  • Vogelmiere
  • Nachtkerze
  • Ampfer
  • Melde
  • Heidekraut
  • Knöterich
  • Wegerich
  • Hirtentäschel
  • Mohn
  • Löwenzahn
  • Korbblütler

Zudem empfiehlt es sich, Reste von gekauftem Obst und Gemüse für die Zubereitung des Vogelfutters aufzuheben – etwa Melonen- oder Kürbiskerne.

Rezept 1: Meisenknödel selber herstellen

Meisenknödel bringen alle Nährstoffe mit, die eine Meise zum Leben braucht.

Meisenknödel

Das benötigen Sie:

  • 170 g Fett (Rindertalg vom Metzger oder Kokosfett)
  • 200 g Früchte und Körner (Rosinen, Mohn, Haferflocken und Kleie)
  • festen Bindfaden
  • weiches Netz

So gehen Sie vor:

1. Schritt: Erhitzen Sie das Fett in einem Topf.

2. Schritt: Geben Sie circa 180 Gramm der Futtermischung zu dem flüssigen Fett und rühren Sie sie ein. Beobachten Sie, wie sich die Masse entwickelt. Sobald diese nach Ihrem Dafürhalten eine gute Konsistenz erreicht hat, gehen Sie weiter zu Schritt 3.

3. Schritt: Stellen Sie den Topf zum Erkalten neben die Herdplatte.

4. Schritt: Ist das Fett fast erkaltet, können Sie beginnen, aus der Masse einzelne Kugeln zu formen. Ziehen Sie den Bindfaden durch jede Kugel.

5. Schritt: Verteilen Sie die restlichen 20 Gramm Futtermischung auf den geformten Kugeln und drücken Sie sie an.

6. Schritt: Spannen Sie das Netz um den fertigen Meisenknödel und verschließen Sie die Öffnung mit dem Bindfaden.

7. Schritt: Hängen Sie das Futter an einer geeigneten Stelle im Garten auf. Die Meise wird sich auf dem Knödel niederlassen und das servierte Mahl in Ruhe genießen.

Tipp: Vielleicht besitzen Sie noch einen alten Tontopf. Dann brauchen Sie keine Kugeln zu formen, sondern können die gesamte Fettfuttermischung in dem Topf erkalten lassen.

Bevor Sie das noch flüssige Futter hinein geben, stecken Sie einen stabilen Ast durch die Topföffnung. Nach dem Aushärten der Futtermischung hängen Sie das ganze Konstrukt, das als Futterglocke bezeichnet wird, auf. Alternativ zum Tontopf sind übrigens auch Kokos- oder Orangenschalen als Behälter denkbar.

Rezept 2: Vogelfutterplätzchen

Vogelfutterplätzchen sehen hübsch aus – und schmeicheln dem Wildvogelgaumen.

Das benötigen Sie:

  • 1 Packung Kokosfett
  • 1 bis 2 EL Speiseöl
  • Vogelfuttermischung (bestehend aus Sonnenblumenkernen, Haferflocken, Nüssen, Samen, Rosinen etc.)
  • große Plätzchenausstecher
  • dünne Strohhalme
  • Schnur
  • Backblech
  • Backpapier

So gehen Sie vor:

1. Schritt: Lassen Sie das Fett im Kochtopf zergehen – ohne es aufzukochen.

2. Schritt: Mischen Sie das Vogelfutter unter.

Tipp: Nicht zu viel Futter verwenden, ansonsten besteht die Gefahr, dass die Anhänger später brüchig werden.

3. Schritt: Nehmen Sie die Mischung zum kurzen Auskühlen vom Herd.

4. Schritt: Geben Sie ein bis zwei Esslöffel Speiseöl hinzu und rühren Sie es ein. So stellen Sie sicher, dass die Vogelplätzchen geschmeidig bleiben.

5. Schritt: Kleiden Sie ein Backblech mit Backpapier aus.

6. Schritt: Legen Sie darauf verschiedene Ausstechformen aus und füllen Sie diese mit der Vogelfuttermischung.

7. Schritt: Schneiden Sie jeweils ein Stück von einem Strohhalm ab und stecken Sie dieses in die Plätzchenstelle, wo zum Schluss die Schnur durchgezogen werden soll.

8. Schritt: Platzieren Sie das Backblech über Nacht an einem kühlen Ort, damit die Plätzchen aushärten können.

9. Schritt: Am nächsten Tag drücken Sie die Plätzchen vorsichtig aus den Formen.

10. Schritt: Strohhalmstückchen entfernen und die Schnur durch die Löcher ziehen.

11. Schritt: Hängen Sie die Vogelfutterplätzchen in Ihrem Garten oder einem nahe gelegenen Wald auf.

Hinweise:

Die Zutaten für das Vogelfutter können Sie letztlich selbst bestimmen – durch den theoretischen Teil wissen Sie ja, welche Vögel welche Nahrung wünschen. Unsere Angaben in den Rezepten dienen lediglich der Orientierung beziehungsweise Inspiration.

Egal, welches Rezept Sie umsetzen wollen: Vermeiden Sie unbedingt die Verwendung von Salz – auch salzige Nüsse oder gesalzener Talg sind tabu.

Viel Spaß beim Kreieren leckeren Vogelfutters und der Unterstützung Ihrer fliegenden Nachbarn!

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