Verblühte Tulpen: Darf man die Blüten schneiden?

Tulpenblüten schneiden

Tulpen im Garten sind immer eine Augenweide. Doch leider blühen die schönen Blumen in der Regel maximal zwei Wochen. Nach dieser Zeit ist nichts mehr von der bunten Pracht zu sehen – und viele Besitzer stellen sich die Frage, wie sie nun weiter vorgehen sollen. Die Blüten schneiden oder doch lieber dranlassen? Wir erklären, weshalb der Schnitt die einzig richtige Methode ist, und was man im Anschluss berücksichtigen muss, um die Pflanzen im nächsten Jahr wieder in ihrer farbenfrohen Ausprägung genießen zu können!

Deshalb ist Schneiden sinnvoll

Aus verblühten Tulpen weicht das Leben nur an der Oberfläche. Tatsächlich ackert die Zwiebelblume innerlich weiter. Sie investiert all ihre Energie, um so viele Samen wie möglich für den Blütenkopf hervorzubringen. Dies ist jedoch nicht unterstützenswert. Denn die Kraft, die die Tulpe für diesen Prozess verbraucht, fehlt ihr dann für die Ausbildung der Brutzwiebeln, die in der kommenden Saison erblühen und begeistern sollen.

Tulpen

Hinweis: Zwiebelpflanzen im Allgemeinen und Tulpen im Speziellen vermehren sich auf zwei verschiedene Arten:

  • Variante 1: Samen und Blüten werden ausgebildet.
  • Variante 2: Brutzwiebeln werden ausgebildet.

Dabei ist die zweite Variante die wesentlich effizientere Lösung. Deshalb empfiehlt es sich, die Tulpe daran zu hindern, sich für die Samenbildung unnötig zu verausgaben, wenn die Vermehrung mit Brutzwiebeln doch erheblich schneller und „aufwandsärmer“ vonstattengeht, sowie letzten Endes auch das schönere Ergebnis liefert. Zur Verhinderung des immensen Kräfteverschleißes ist es also ratsam, jede abgeblühte Tulpe zu schneiden.

Wichtig: Lässt man eine Tulpe nach der Blütezeit noch Samen ausbilden und reifen, kann diese nur eine geringe Anzahl von Brutzwiebeln kreieren, die noch dazu ziemlich „kraftlos“ daherkommen. Daran ändern auch regelmäßiges Gießen und adäquates Düngen nichts. Insofern ist der Schnitt der verwelkten Blüte unabdingbar.

Verblühte Tulpen – Schnitt

Das Schneiden der Tulpe greift in den Energiefluss innerhalb des pflanzlichen Organismus‘ ein. Er sorgt dafür, dass sich die Blume auf die Entwicklung einer neuen prächtigen Blüte konzentrieren kann. Natürlich gilt es darauf zu achten, die Nährstoffversorgung trotzdem aufrechtzuerhalten. Aus diesem Grund kürzt man die Tulpe am besten in zwei Etappen. Die folgende Vorgehensweise hat sich in der Praxis bewährt:

  • verwelkte Tulpenblüten zeitnah abschneiden
  • die Blätter erst kürzen, wenn sie vergilbt sind

Verwelkte Tulpen

Schritt 1: Verwelkte Tulpenblüten entfernen

Tulpenblüten sollte man sofort entfernen, wenn sie verwelkt sind. Es wäre allerdings fatal, in diesem Zusammenhang auch gleich die grünen Blätter abzuschneiden. Dies liegt daran, dass über die Blätter dank der Photosynthese Kohlenstoffdioxid und Sonnenlicht in Sauerstoff und Energie umgewandelt werden – Elemente, die die Pflanze unbedingt braucht, um im nächsten Frühjahr wieder qualitätsvolle Brutzwiebeln und Blüten hervorzaubern zu können.

Hinweis: Eigentlich sind die so gewonnenen Nährstoffe für die Versorgung der Samenstände bestimmt. Durch den Schnitt der Blüte hat die Tulpe aber die Möglichkeit, den reichen Saft anderweitig zu nutzen. Sie legt quasi ein Energiedepot für die neue Saison an.

Heißt also im Klartext:

  • Verwelkte Blüte kürzen? Ja, sofort!
  • Blätter abschneiden? Noch nicht!

Hinweis: Auch wenn die Pflanzen nach dem Entfernen der Blütenköpfe keine Augenweide mehr sind, sollte man sie weiterhin pflegen – die verbliebenen Stängel also in regelmäßigen Abständen gießen und düngen. Auch nach dem Schnitt der Blätter tut man gut daran, die Maßnahmen fortzusetzen – es sei denn, man trocknet die Zwiebeln und bewahrt sie bis zum nächsten Frühjahr separat auf. Doch dazu später mehr.

Schritt 2: Vergilbte Blätter kürzen

Nach dem Kürzen der Tulpenblüten ist erst einmal Warten angesagt. Man sollte dem perfekten Zeitpunkt für den Schnitt des Laubes große Bedeutung beimessen, denn:

a) Greift man zu früh zur Schere, gehen wichtige Nahrungsreserven für die Tulpen unwiederbringlich verloren.

b) Zögert man hingegen zu lange, drohen unerwünschte Nebenwirkungen und Schädigungen wie Fäulnis und Krankheiten.

Was im ersten Moment schwierig klingt, erweist sich bei näherer Betrachtung als relativ einfach. Tatsächlich signalisieren nämlich die Frühlingsblumen selbst, wann sie weiter gekürzt werden wollen. Die Erkennungsmerkmale sind:

  • vollständig vergilbte Blätter
  • sukzessive aufweichendes Pflanzengewebe
  • zunehmende Neigung des Laubes zum Boden

All diese auch für unerfahrene Hobbygärtner gut vernehmbaren Charakteristika machen deutlich, dass die Pflanze nun sämtliche Kräfte gebündelt und in die Zwiebel im Boden gezogen hat. Sie will ihre Ruhe haben und sich auf das nächste Jahr vorbereiten. Dann ist es an der Zeit, die Blätter bis zum Bodenniveau abzuschneiden.

Wichtig: Man darf mit dem Schneiden keinesfalls warten, bis die Blätter schon eine matschige Konsistenz angenommen haben. Ansonsten ist Fäulnis in Verbindung mit einer Pilzinfektion oder einem Schädlingsbefall nicht mehr weit.

Im Übrigen dient der Akt der Entfernung der Blätter nicht allein den Tulpen, sondern auch etwaigen benachbarten Pflanzen, die vor einer gefährlichen Ansteckung durch das verrottende Laub bewahrt werden sollen.

Wissenswert: Die Zwiebeln im Boden drücken sich Jahr für Jahr tiefer in den Boden hinein. So kommt es, dass sie irgendwann derart „versenkt“ sind, dass sie nicht mehr nach oben wachsen können. Des Weiteren kann Staunässe zur Fäulnis der Zwiebeln führen. Um solchen negativen Entwicklungen vorzubeugen, empfiehlt es sich, die Tulpenzwiebeln alle zwei bis drei Jahre aus dem Boden zu nehmen, zu trocknen und bis zur nächsten Einpflanzung in einer Holzkiste mit unbehandeltem Papier aufzubewahren. Die Kiste sollte dann in einen möglichst dunklen Raum mit einer dauerhaften Temperatur von fünf bis zehn Grad Celsius gebracht werden.

Tulpenzwiebeln
Tulpenzwiebeln

Und noch ein wesentlicher Hinweis: Wie andere Frühlingsblüher in Zwiebelform sind auch Tulpenzwiebeln giftig. Man muss also zwingend sicherstellen, dass weder Kleinkinder noch Haustiere Gelegenheit bekommen, die Zwiebeln auszugraben und zu fressen. Die Folgen eines solchen Unfalls sind vor allem Übelkeit und Erbrechen. Unter Umständen kann das Intermezzo sogar zum Tod führen – etwa dann, wenn mehrere Zwiebeln verzehrt werden und die Auswirkungen lange unbemerkt bleiben.

Tipp: Zwiebelpflanzen funktionieren alle gleich. Insofern kann man die Informationen dieses Tulpen-Ratgebers auf sämtliche Angehörigen der Pflanzenfamilie übertragen.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here