Treppenarten-Übersicht – die häufigsten Treppenformen

Treppenarten

Wie kommt man von einer Etage in die nächste? Die Treppe ist für die Verbindung zweier Stockwerke oder dem Anschluss von Keller und Dachboden bis heute das geeignetste Bauelement. Die Kernforderungen an die Treppe sind maximaler Nutzwert bei minimalem Verbrauch von Grundfläche. Platzsparende Spindeltreppen sind für Personen zwar ausreichend, können für den Transport von Möbeln aber sehr unpraktisch sein. Um für jeden Zweck die geeignete Treppe zu finden, hat die Baugeschichte deshalb zahlreiche Lösungen hervor gebracht.

Eine Treppe verbindet zwei Etagen eines Gebäudes miteinander. Um ohne technische Hilfsmittel von einer Gebäudeebene in die nächste zu kommen, sind Treppen seit Jahrtausenden das bewährte bauliche Element. Dabei standen Treppen seit jeher im Zielkonflikt, zwar hervorragend für diesen Zweck einsetzbar, aber andererseits auch sehr platzaufwendig zu sein. Je kompakter eine Treppe konstruiert wird, desto eingeschränkter wird ihr Nutzwert. Dieses Spannungsfeld hat zu zahlreichen Treppenarten und Treppenformen geführt, aus denen ein Kunde heute wählen kann. Hier werden die gebräuchlichsten Bauformen und Konstruktionsmerkmale von Treppen vorgestellt.

Unterschied zwischen Form und Art

Die Form und Art einer Treppe ist nicht das Gleiche. Tatsächlich können aus Form und Art einer Treppe zahlreiche Kombinationen hergestellt werden. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zwischen den Treppen ist ihr Material. Dessen beschränkt sich zwar im Wesentlichen aus Stahl, Kunst/Naturstein oder Holz, sie soll in dieser Auflistung aber nicht weiter berücksichtigt werden.

Treppenformen

Die Form einer Treppe bezieht sich auf ihre Draufsicht. Sie ist maßgeblich für den praktischen Nutzwert und für den Flächenverbrauch der Treppe verantwortlich. Es stehen fünf Grundformen für Treppen zur Auswahl, die ihrerseits kombiniert und variiert werden können. Die Grundformen von Treppen sind:

  • Gerade Treppen
  • Podesttreppen
  • Wendelttreppen
  • Spindeltreppen
  • Polygonaltreppen

Gerade Treppen

Gerade Treppen sind die einfachste Treppenkonstruktion. Sie bestehen aus einem geraden, gleichmäßigen Treppenlauf, bei dem die Etagen ohne Unterbrechung und ohne Abzweig miteinander verbunden werden. Gerade Treppen haben einen hohen Platzverbrauch. Sie können beliebig breit konstruiert werden, was den Transport von sperrigen Lasten besonders einfach macht.

Gerade Treppe

Eine platzsparende Variante der geraden Treppen sind die Raumspartreppen. Bei dieser kämmen die Trittstufen ineinander. Damit ist vorgegeben, mit welchem Fuß die Treppe zuerst begangen werden muss. Sie eignen sich gut als Klapptreppen für Dachböden, sind für den regelmäßigen Gebrauch aufgrund der Sturzgefahr jedoch nicht empfehlenswert.

Podesttreppen

Podesttreppen bestehen aus mindestens zwei einzelnen Segmenten von geraden Treppen, die durch Podeste miteinander verbunden sind. Bei jedem Podest kann die Richtung der Treppe geändert werden. Üblich ist ein permanenter Wechsel um 90°. Wird nur eine Richtungsänderung bei der Treppe durchgeführt, spricht man von einer 1/4 gewendelten Treppe.

Podesttreppe

Werden zwei Winkel eingebaut, spricht man von einer halbgewendelten Treppe oder von einer U-Treppe. Dies ist die Standard-Treppenform in Mehrfamilienhäusern. Sie erlauben bei Umzügen ein Absetzen der Lasten. Das macht den Transport von sperrigen Möbeln oder Geräten sehr sicher. Podesttreppen bieten einen maximalen Nutzwert. Außerdem sind sie durch die Verwendung von gleichförmigen Bauteilen besonders schnell und preiswert herstellbar.

U-Treppe

Wendeltreppen

Wendeltreppen erlauben den Einbau von Kurven im Treppenlauf. Sie bieten eine platzsparende und elegante Möglichkeit, beim Wechsel der Etage auch die Richtung der Treppe zu ändern. Ihre Konstruktion ist sehr aufwändig, kann aber höchst individuell an die Erfordernisse des Gebäudes angepasst werden. Üblich sind Kurven von 90 – 180°. Wendeltreppen können auch mit Podesten kombiniert werden.

Wendeltreppe

Spindeltreppen

Spindeltreppen sind kreisrund ausgelegte Treppenformen. Sie sind besonders platzsparend. Jedoch ist ihre Breite konstruktiv stets eingeschränkt. Für den Transport von sperrigen Lasten sind sie kaum geeignet. Spindeltreppen werden zum Begehen von Türmen oder als Nottreppe für Personen verwendet. Auch im Innenbereich von mehretagigen Wohnungen sind sie gerne im Gebrauch. Jedoch sollte bei ihrem Einsatz immer noch ein zweiter Zugang zur oberen Etage bestehen. Wendeltreppen in Einfamilienhäusern sind als zusätzlicher, bequemer Verbinder aufgrund des minimalen Platzbedarfs gut geeignet. Als vollwertiger Verbinder von Etagen können sie hingegen nur sehr eingeschränkt eingesetzt werden.

Spindeltreppe

Polygonaltreppen

Bei Polygonaltreppen wird die Wendung nicht durch Radien, sondern durch winkelige Abzweige hergestellt. Sie sind für Treppen mit einem ausgeprägten Auge gut geeignet. Das Auge einer gewendelten Treppe ist ihr offener Bereich in der Mitte. Polygonaltreppen waren deshalb früher häufig in Hotels zu finden, da sich in ihrer Mitte gut ein offener Aufzug unterbringen ließ. Heute haben Polygonaltreppen etwas an Bedeutung verloren.

Polygonaltreppe

Treppenarten

Treppen unterscheiden sich in ihrer Art durch ihre statische Konstruktion. Wie in der Form, befinden sich Treppen auch in ihrer Art in einem Zielkonflikt: Möglichst hohe statische Belastbarkeit muss mit einem möglichst geringen Verbrauch von Material kombiniert werden. Eine Treppe ist ein stets dynamischer Ort, der immer nur kurz und vorübergehend genutzt wird. Neben dem Flächenverbrauch, sollen sich Treppen deshalb auch optisch ästhetisch und so wenig dominant wie möglich in ein Gebäudekonzept einfügen. Das führt zu zahlreichen Variationen in der statischen Konstruktion.

Treppen-Elemente

Eine Treppe besteht aus Trittstufen, die mit dem Untergrund verbunden werden müssen. Dazu können die nächst gelegene Wand, eine separate Unterkonstruktion, stabile Wangen oder sogar nur die Setzstufen eingesetzt werden. Selbst die Setzstufen können durch dünne Bolzen ersetzt werden, was eine besonders filigrane und luftige Treppe entstehen lässt. Je filigraner und leichter eine Treppe aber konstruiert wird, desto weniger ist sie belastbar. Die Belastbarkeit kann zwar im gewissen Umfang durch die Wahl von hochwertigen Werkstoffen ausgeglichen werden. Dies ist jedoch nur eingeschränkt möglich und ist auch stets eine Kostenfrage. Aufwändige, filigran und leicht konstruierte Treppen sind deshalb meist für den Innenbereich gedacht, bei denen einer Treppe auch eine besondere optische Funktion zukommen soll. Eine Treppe kann deshalb aus folgenden Elementen bestehen:

  • Trittstufe
  • Setzstufe
  • Wange
  • Unterkonstruktion
  • Hängekonstruktion
  • Brüstung
  • Handlauf

Die Trittstufe ist das zentrale Element der Treppenfunktion. Sie muss ausreichend breit und stabil sein, um Mensch und Last sicher aufnehmen zu können.

Die Setzstufe verbindet die Trittstufen miteinander. Sie hat statische und optische Funktionen. Außerdem ist sie für die Sicherheit wichtig, indem sie ein Durchrutschen von Beinen und Füßen verhindert.

Treppenstufen

Die Wangen einer Treppe sind die Seitenelemente, zwischen denen die Stufen befestigt werden. Sie können bauseits vorhanden oder extra für die Treppe angefertigt werden. Bei einseitig angeschlagenen Treppen bildet die Wand eine Wange der Treppe.

Als Unterkonstruktion können senkrechte Stützelemente oder längs unter der Treppe entlang laufende Profilkonstruktionen dienen. Mit Q- oder R-Profilen (Profile mit quadratischem oder rechteckigem Querschnitt) können hoch feste und sehr belastbare freitragende Treppen hergestellt werden. Diese Unterkonstruktionen herzustellen ist jedoch aufgrund der gestückelten und geschweißten Bauweise sehr aufwändig.

Bei Hängekonstruktionen werden die Stützlasten der Stufen durch an der Decke, der Brüstung oder dem Handlauf befestigte Seilen oder Stangen abgefangen. Hängekonstruktionen sind selten und aufgrund der Schwingung der Stufen nur schwierig umsetzbar. Dennoch sind sie aufgrund ihrer Sicherheit gegen ein seitliches Herunterfallen in manchen Fällen sinnvoll.

Die Brüstung bietet einen geschlossenen Seitenhalt, der ein seitliches Herabstürzen von der Treppe verhindern soll. Im Innenbereich werden für Brüstungen gerne große Glasplatten verwendet. Diese bieten einen maximalen Schutz bei größter Transparenz. Die Brüstung kann ebenso massiv wie durch Stahl- oder Holzkonstruktionen sehr filigran ausgearbeitet werden.

Der Handlauf dient hauptsächlich dazu, sich während dem Begehen der Treppe festhalten zu können. In manchen Fällen, beispielsweise bei hängend konstruierten Treppen, können dem Handlauf auch statische Aufgaben zukommen.

Je nach Werkstoff und Konstruktion der Treppe können die einzelnen Elemente eine mehr oder weniger große Rolle bei der Statik einer Treppe spielen. Häufig werden verschiedene Elemente der Befestigung miteinander kombiniert. Daraus ergeben sich verschiedene Grundformen von Treppen, die aber in der Regel als Mischformen umgesetzt werden.

Freitragende Treppen

Freitragende Treppen finden sich sowohl in der besonders massiven, wie auch in der besonders filigranen Bauweise wieder. Normale Stahlbetontreppen werden beispielsweise hauptsächlich als freitragende Treppen konstruiert. Sie werden als monolithischer Block gegossen, der an definierte Punkte an der Gebäudestatik aufgelegt wird. Eine zusätzliche Hänge- oder Unterkonstruktion benötigen freitragende Treppen nicht. Im Innenbereich sind freitragende Treppen als Faltwerktreppen zu finden. Dies sind optisch sehr ansprechende, jedoch nur wenig belastbare Lösungen.

Freitragende Treppe

Wangentreppen

Im einfachsten Fall sind dies bereits bauseits vorhandene Wände des Gebäudes. Diese Lösung findet man häufig bei Eingängen oder Kellertreppen. Die Wange kann ebenso ein konstruktives Element der Treppe selbst sein. Stahltreppen sind häufig als Wangentreppen ausgelegt, da sie besonders einfach herstellbar sind. Im Innenbereich werden Wangentreppen häufig aus Holz hergestellt. Eine Variante der mitunter mächtigen Holz-Wangentreppen sind Flachwangentreppen. Hierbei besteht die Wange aus hochfestem GfK. Dies ermöglicht eine besonders dünn ausgeprägte Wange.

Wangentreppe

Bolzentreppen

Bei Bolzentreppen werden die Setzstufen durch Verbindungsbolzen ersetzt. Sie sind statisch sehr aufwändig umsetzbar und können nur mit einer Hänge- oder Unterkonstruktion hergestellt werden. Sie bieten aber interessante optische Effekte. Die fehlende Setzstufe ist jedoch stets ein erhöhtes Unfallrisiko. Dieser Typ von Treppen wird in Bolzentreppen und Tragbolzentreppen unterschieden. Bei Tragbolzentreppen kommen den Bolzen zusätzliche statische Funktionen zu.

Bolzentreppe

Kragarmtreppen

Bei Kragarmtreppen sind die Trittstufen nur einseitig an einer Wand befestigt. Sie „kragen aus“ und hängen an der anderen Seite frei in der Luft. Die Kragarmtreppen wirken technisch sehr einfach, sind aber nur sehr schwer umsetzbar. Die einseitig an der Wand hängende Treppenstufe erzeugt ein Hebelmoment, welches nur mit großem Aufwand dauerhaft sicher statisch abgeführt werden kann. Dies wird teilweise durch massive Treppenstufen erreicht, die aber ihrerseits ein hohes Hebelmoment durch ihr Eigengewicht erzeugen.

In jedem Fall benötigen Kragarmtreppen eine hoch feste Wand, an welcher sie befestigt werden. Selbst Ziegelmauerwerk kann hierfür nicht ausreichend sein. Die ideale Wand für Kragarmtreppen besteht deshalb aus Stahlbeton mit mindestens 24 cm Wandstärke. Kragarmtreppen sind zwar sehr stylisch. Aufgrund des fehlenden Seitenhalts und der offenen Bauweise ohne Setzstufe sind sie jedoch auch sehr gefährlich. Ihr Einsatz sollte deshalb wohlüberlegt sein. Wenn eine Kragarmtreppe aus Gründen der Sicherheit mit einem Geländer ergänzt werden soll, dann lassen sich auch sehr einfach optisch ähnliche, jedoch wesentlich stabilere Konstruktionen für die Treppe finden.

Kragarmtreppe

Kombinationen

Diese Grundtypen von Treppenarten werden in der Praxis häufig miteinander kombiniert. Treppen werden aufgrund der wirtschaftlichen Raumplanung einseitig an einer Wand angeschlagen. Damit ist die Kragarmtreppe bei vielen Treppenformen ein Teil der Konstruktion. Diese kann nun durch eine Unterkonstruktion mit den statischen Eigenschaften einer freitragenden Treppe statisch entlastet werden. Die freitragenden Eigenschaften kann auch ein stabiler Handlauf oder eine Brüstung leisten, woran die Stufen angehängt werden. Die Möglichkeiten der Kombination sind so vielfältig, dass sich für jeden Einsatz die genau passende Konstruktion einer Treppe finden lässt.

Welche Treppe nehmen?

Die Wahl der Treppe muss im Dreieck zwischen den Parametern Optik, Statik und Funktion abgewogen werden. Leichte und luftige Optik bei gleichzeitig hohem ästhetischem Anspruch und zusätzlichen Wunsch nach statischer Belastbarkeit hat immer die Wahl zu besonders aufwändiger Konstruktion und hochwertigen Werkstoffen zur Folge. Es lohnt sich deshalb, eine Treppe ganz genau zu planen. Mit einer gewissen Bereitschaft zu Kompromisse kann beim Anpassen der Parameter deshalb das Budget deutlich entspannt werden.

Bei allen Wünschen an die Optik sollte man jedoch keinesfalls die Sicherheit vernachlässigen. Ein seitlicher Halt durch einen stabilen Handlauf, Schutz gegen Durchrutschen zur Seite oder zwischen den Stufen oder eine schützende Brüstung kann die Sicherheit der Treppe maximieren. An eine Optik gewöhnt man sich relativ schnell. Gut, wenn dann die Sicherheit nicht zu kurz gekommen ist.

Tipps für Schnellleser

  • Spindeltreppen nur als zusätzliche Treppe planen
  • Kragarmtreppen sind statisch sehr aufwändig
  • gerade Treppen sind schnell, sicher und einfach herstellbar
  • Brüstungen aus Glas geben maximale Sicherheit bei bester Optik

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