Infos über Tiefengrund – richtig Auftragen + Trockenzeit
Ob Neu- oder Altbau, ohne Tiefengrund kommen Sie bei kaum einer Sanierung oder Renovierung aus. Der Tiefengrund schafft die optimalen Verhältnisse, um Tapeten, Fliesen oder Farben auf einem Material aufzubringen. Alle Fakten über den optimalen Tiefengrund und eine Anleitung für das Auftragen von Tiefengrund beziehungsweise Haftgrund finden Sie hier.
Ob vor dem Verputzen einer älteren Mauer oder um die Saugfähigkeit des neuen Putzes einzuschränken, Tiefengrund ist ein wahrer Allrounder. Dabei ist diese Art von Grundierung sehr leicht zu verarbeiten und meistens nicht sehr kostspielig. Dabei spart ein Haftgrund viel von der kostspieligen Wandfarbe ein, die sonst einfach aufgesaugt würde. Die Ergebnisse sind überzeugend und nicht nur das Malerhandwerk oder der Fliesenleger schwört auf die Verwendung von Grundierung bei vielen Anwendungen. Welcher Tiefengrund für welchen Ihrer Zwecke die richtige Vorbehandlung ist, zeigen wir hier ebenso auf wie die Trockenzeit von unterschiedlichen Produkten.
Das benötigen Sie:
- Quast
- Malerrolle
- Schwamm
- Spachtel
- Verlängerungsstiel
- Eimer
- Rührquirl
- Leiter
- Tiefengrund
- Malerkrepp
- Folie
- Malervlies
Inhalte
Kosten und Preise für Tiefengrund
Einen Handwerker werden Sie für den Tiefengrund wirklich nicht benötigen. Sie könnten die Arbeit mit dem Tiefengrund sogar gemeinsam mit Ihren Kindern erledigen. Selbst beim Kauf von Haftgrund ist kaum etwas falsch zu machen, da die meisten Produkte genau den Job erledigen, für den Sie den Tiefengrund kaufen.
Tiefengrund, Haftgrund oder Grundierung – es gibt viele Begriffe dafür. Vielfach wird im Handel heute Acrylgrundierung verkauft, die für viele Zwecke eingesetzt werden kann. Sowohl für sandende und poröse Putzoberflächen als auch für kreidende Untergründe wie Gipskarton oder sogar auf Fliesen. Die Preise fallen zwar sehr unterschiedlich aus, wie Sie an den Beispielen unten ersehen können, die Qualitäten sind allerdings auch bei günstigen Preisen recht gut. Sie finden den Tiefengrund unter Wandgrundierungen im Baumarkt oder online bei den einschlägigen Händlern.
- Acryltiefengrund wasserverdünnbar (farblos)
- 1 Liter für 6 Quadratmeter etwa 6,50 Euro
- 5 Liter ab etwa 16,00 Euro
- 12 Liter ab etwa 16,00 Euro
- Tiefengrund – besonders für Gips, Gipskartonplatten und Kalk – lösemittelfrei –
- 5 Liter ab etwa 30,00 Euro
Funktionsweisen von Tiefengrund
Es gibt zwei grobe Unterteilungen für die Nutzung von Tiefengrund. Bei der ersten Variante soll der Haftgrund die Saugfähigkeit des Untergrunds reduzieren, damit Farbe, Tapete oder Putz aufgebracht werden kann. Neuer Putz beispielsweise saugt große Mengen Farbe oder Kleister auf. Zudem gelingt durch diese ungleichmäßige Saugfähigkeit kein gleichmäßiger Anstrich. Der Tiefengrund gleicht dieses Manko aus, indem er in die Oberfläche einzieht und dort die Poren verstopft. Es wird weniger Farbe benötigt und das Ablösen der Tapeten wird in einigen Jahren ebenfalls deutlich leichter von der Hand gehen.
Tipp: Einen saugfähigen Putz können Sie prüfen, indem Sie einfach Wasser dagegen schütten oder spritzen. Wenn das Wasser nicht an der Wand herunterläuft, sondern direkt eingesogen wird, muss die Oberfläche dringend mit Tiefengrund behandelt werden. Zum Beispiel beim Tapezieren wird sonst der Kleister ebenso schnell in die Wand einziehen und nicht wie gewünscht Wand und Tapete verbinden. Die Tapeten würden spätestens beim Trocknen herabfallen.
Bei der zweiten Variante, bei der Tiefengrund eingesetzt wird, geht es jedoch nicht um saugfähige Untergründe, sondern im Gegenteil darum, glatte Untergründe haftfähig zu machen. Ein wichtiges Beispiel ist hier die Verklebung von Fliesen auf alten Fliesen. Tiefengrund wird dafür häufig auf einer Alkyd- oder Acrylharzbasis angeboten und dient als eine Art Zwischenschicht.
Saugfähigkeit reduzieren
- Putz
- Gips
- Beton
- Holz teilweise
Haftfähigkeit verbessern
- Fliesen
- Stein
- Beton
- Kunststoff / Metall
- wechselnde Untergründe
Festiger für den Putz
Besonders sandiger poröser Putz saugt ebenfalls zu stark, außerdem lösen sich Bestandteile des Putzes beim Anstreichen. Sogar beim Abreißen von Tapeten kann ein derartiger Putz beschädigt werden. Der Tiefengrund festigt den Putz dann nachträglich. Ähnlich wie ein Haargel, zieht der Haftgrund in die Oberfläche ein und stabilisiert deren Zusammenhalt. Für eine derartige Oberfläche empfiehlt sich ein lösemittelhaltiger Tiefengrund, da dieser deutlich tiefer in den Putz beziehungsweise die Oberfläche eindringt und so mehr Material in der Putzschicht erreicht, das dann verfestigt wird.
Tipp: Ein sehr sandiger Putz ist so porös, dass bereits Sand an Ihrer Hand haften bleibt, wenn Sie nur mit der Hand über die Wand streichen. Derartige Sandputze benötigen zwingend eine Vorbehandlung mit einem hochwertigen Tiefengrund. Meist reicht eine Anwendung hier noch nicht aus und Sie müssen mindestens zwei Lagen Tiefengrund verstreichen. Sichtbar wird das, wenn der Tiefengrund beim Streichen sofort auf der Wand abtrocknet und einzieht.
Farbiger Tiefengrund – sichtbare Grundierung
Für einige Anwendungen gibt es Tiefengrund, der farbig ist. So können Sie besser erkennen, wo Sie die Grundierung bereits aufgetragen haben. Ob dieser Tiefengrund jedoch für Ihre Zwecke sinnvoll ist, hängt auch davon ab, was später auf dem Tiefengrund aufgebracht werden soll. Wird lediglich eine sehr helle dünne Papiertapete auf die Grundierung geklebt, könnte der farbige Anteil eventuell durchschlagen und die Oberfläche verfärben.
Der Vorteil von farbigem Tiefengrund liegt aber in der Erkennbarkeit der Oberflächenbeschaffenheit. Ist eine Oberfläche besonders porös oder ungleichmäßig, sehen Sie nach einer Anwendung des farbigen Tiefengrunds, wo der Putz noch stark saugt. Dort ist die farbige Grundierung dann kaum sichtbar und Sie sollten ein weiteres Mal Tiefengrund auftragen. Es sollte so oft Tiefengrund aufgetragen werden, bis die Oberfläche gleichmäßig eingefärbt ist.
Tipp: Pigmentierter Tiefengrund sollte vor allem in der Grundfarbe des späteren Anstrichs aufgetragen werden, um Farbunterschiede im Untergrund auszugleichen. Ein derartiger Tiefengrund ähnelt dann tatsächlich mehr einer Grundierung als einem flüssigen Tiefengrund.
Tiefengrund – lösemittelhaltig oder wasserverdünnbar?
Es gibt grundsätzlich zwei Varianten von Tiefengrund. Der lösemittelfreie Tiefgrund kann mit Wasser verdünnt werden und riecht kaum. Der lösemittelhaltige Tiefgrund sollte nicht verdünnt werden und möglichst wenig eingeatmet werden. Als kleine Faustregel sollten Sie lösemittelhaltigen Tiefgrund möglichst, eher im Außenbereich anwenden. Dort stört der Geruch der Lösemittel nicht so sehr und die gesundheitlichen Folgen sind hier ebenfalls zu vernachlässigen. Wollen oder müssen Sie jedoch lösemittelhaltigen Tiefengrund im Innenbereich nutzen, sollten Sie mehrere Wochen mit dem erneuten Bezug der Räume warten. Die Lösemittel gasen sehr lange aus den Oberflächen heraus, was nicht nur im Hinblick auf den Geruch lästig ist.
Tipp: Da eine lösemittelfreie Grundierung nicht die gleichen Ergebnisse bei besonders saugenden Oberflächen bietet, wie ein lösemittelhaltiger Tiefengrund, können Sie mit den neuen Mikroemulsionen ein besseres Ergebnis erreichen. Wie meist bei neuen Entwicklungen, sind die Mikroemulsionen allerdings auch ein wenig teurer als ein normaler Tiefengrund.
Der lösemittelfreie Tiefengrund kann sowohl im Inneren als auch an Außenwänden eingesetzt werden. Es gibt daher im Grunde – außer sehr losem sandigen Putz – keinen Anlass, um den lösemittelhaltigen Haftgrund zu verwenden.
Anleitung – Tiefengrund auftragen
Die meisten Produkte können Sie sowohl mit einem Quast als auch mit einer Malerrolle auftragen. Verwenden Sie ruhig das Gerät, das Ihnen am ehesten liegt. Bedenken Sie beim Auftragen von Tiefengrund auf der Zimmerdecke aber, dass Tiefengrund meist sehr flüssig ist.
Vorbereitung der Oberfläche
Lose Putzstellen oder abblätternde Farben müssen vor dem Auftragen des Tiefengrunds sorgfältig entfernt werden. Sollten sich noch Kleister oder Tapetenreste auf der Wand befinden, müssen diese ebenfalls vollständig entfernt werden. Kleister oder kreidende Oberflächen können Sie mit einem dicken Schwamm gründlich abwaschen. Die meisten Hersteller weisen auch darauf hin, dass die Oberfläche frei von Öl, Fett oder Ausblühungen sein muss.
Tipp: Der Putz in einem Neubau beziehungsweise Putz allgemein, sollte mindestens vier bis sechs Wochen austrocknen, bevor die Grundierung mit Haftgrund aufgetragen werden kann. Im Sommer geht die Trocknung schneller vonstatten als im Winter. Den Grad der Durchfeuchtung können Sie im Zweifel mit einem Feuchtemesser prüfen.
Tiefengrund vorbereiten
Wenn Sie lediglich einen Liter gekauft haben, können Sie das Produkt einfach in der Flasche gut aufschütteln. Ansonsten wird der Haftgrund mit einem Rührstab aus dem Malerbedarf in einem Eimer gründlich durchgerührt. Lesen Sie die Anleitung des Herstellers gut durch. Einige Produkte sind Konzentrate und sollten noch mit Wasser in der angegebenen Menge verdünnt werden.
Tipp: Selbst Tiefengrund ohne Lösungsmittel kann hässliche graue Flecken auf Oberflächen zurücklassen. Fensterrahmen, Türrahmen und dergleichen sollten Sie mit Malerkrepp und Folie abkleben. Wenn der Boden nicht gerade ebenfalls renoviert werden soll, ist es besser Malervlies auszulegen. Auf Folie würden Sie zu leicht ausrutschen, wenn Feuchtigkeit darauf tropft.
Haftgrund auftragen
Beginnen Sie immer oben an den Wänden. Wenn die Raumdecke ebenfalls mit Haftgrund gestrichen werden muss, sollten Sie hier beginnen. Flüssiger Haftgrund tropft recht stark und durch die Arbeit von oben nach unten, verstreichen Sie verkleckerte Reste automatisch wieder.
Tipp: Der Tiefengrund sollte zwar relativ „satt“ aufgetragen werden, doch er sollte auch nicht von der Wand laufen. Besonders am Boden kann ein zu reichlicher Auftrag zu Pfützenbildung führen. Soll der Boden später mit einem flüssigen Produkt behandelt werden, wird dieses überschüssige Bindemittel zu Problemen führen. Tragen Sie daher im Bodenbereich zunächst nur wenig Tiefengrund auf.
Sollten Sie im Innenbereich einen lösemittelhaltigen Haftgrund auftragen, ist es wichtig, für eine gute Belüftung der Räume zu sorgen. Zusätzlich sollten empfindliche Personen eine Atemmaske tragen, damit etwas weniger von den Lösungsmitteln eingeatmet wird. Außerdem ist es wichtig, auch in den Wochen danach den Raum immer wieder gut zu lüften.
Trockenzeiten
Die Trockenzeiten bei Haftgrund sind recht unterschiedlich. Sie sollten daher unbedingt die Anleitung des Herstellers lesen. Allerdings gibt es auch verschiedene Anwendungen, bei denen nass in nass gearbeitet wird und die nächste Schicht direkt auf den nassen Tiefengrund aufgetragen wird. Das sind jedoch eher Ausnahmen.
Hier einige Beispiele für Trockenzeiten von Tiefengrund:
- Acryltiefengrund für viele Zwecke – etwa 4 Stunden
- Tiefengrund für Gipskartonplatten – etwa 2 bis 3 Stunden
- Tiefengrund auf Fliesen – etwa 6 bis 10 Stunden
Tipp: Da die Trockenzeit zusätzlich immer auch von der Saugfähigkeit des Untergrunds abhängt, sollten Sie lieber etwas Geduld aufbringen und die Oberfläche erst am nächsten Tag weiterbehandeln. Stellen Sie allerdings fest, dass die Grundierung sofort in der Wand verschwindet, sollten Sie direkt noch eine zweite Lage Tiefengrund auftragen. Dann müssen Sie nur einmal auf die Trockenzeit warten.
Tipps für Schnellleser
- Tiefengrund mit oder ohne Lösemittel
- innen und außen anwendbar
- reduziert Saugfähigkeit von Oberflächen
- dient der Haftverbesserung von glatten Flächen
- Oberflächen trocken und sauber vorbereiten
- neuer Putz muss mindestens vier Wochen trocknen
- Umgebung abdecken / Fenster schützen
- Tiefengrund gut durchschütteln oder umrühren
- Tiefengrund mit Malerrolle / Quast auftragen
- immer oben an Wand oder Raumdecke beginnen
- farbiger Tiefengrund zeigt Sättigung besser
- saugende Untergründe eventuell mehrfach behandeln
- Boden zunächst sparsam einstreichen
- Trockenzeiten zwischen zwei und sechs Stunden
7 Comments
Weiss jemand was ich machen soll: Einen Kalkzementputz im Altbau der nicht saugend war mit Tiefgrund gestrichen riesen Fehler jetzt nimmt die Wand keinen kleinen Wasserfleck auf und saugt nix ein. Kann die Zimmer nicht nutzen da es nach Tiefgrund stinkt und auch eine Farbe musste ich abmachen. Das Schleifen mit der Hand ist unmöglich. Ist hier ein Malermeister in Barmbek Hamburg der vorbei kommen kann und mir ein preiswertes Angebot macht alles zu entfernen. Gibt es ein Mittel. was in die Wand einzieht, denn es zieht kein Wasserfleck mehr ein und die Umrandung sieht man immer. Danke Danke
Hallo zusammen,
mein Tiefengrund muss drei stunden trocknen. Kann man danach auch erst 6 Tage später weiterarbeiten oder sollte man das zeitnah machen?
Gruß
Gut gegliedert und sehr informativ, bravo !
Vielen Dank für die Infos. Jetzt weiß ich, welchen Tiefengrund ich nehmen muss. Prima Beitrag!
Sehr informativ, gut und verständlich ge- und beschrieben, so sollten Anleitungen immer sein.
Super, vielen Dank für die Infos, dann kann ich um vieles wissenswerter loslegen
sehr hilfreicher und gut geschriebener Artikel – vielen Dank!