Einen Schornsteinkopf zu verkleiden kann mehrere Gründe haben: ein bereits vorhandener Schornstein ist undicht und droht deshalb zu versotten; ein neuer Kamin soll prophylaktisch vor Nässe geschützt werden oder man möchte durch eine Schornsteinverkleidung den Kamin an die Optik des Daches anpassen.

Für einen versierten Heimwerker dürfte die Verkleidung eines Schornsteinkopfs kein Problem sein, aber hier gilt: Grundvoraussetzung für Arbeiten auf Dächern ist absolute Höhentauglichkeit! Wer nicht schwindelfrei ist, der MUSS den Auftrag zur Schornsteinverkleidung an einen Handwerker vergeben, sonst kann aus Sparsamkeit Lebensgefahr werden! Doch auch wenn man selbst die dafür notwendigen handwerklichen Fähigkeiten hat, um die Arbeit auszuführen, so ist natürlich die Einhaltung der UVV (Unfallverhütungsvorschrift) zwingend vorgeschrieben, d.h. Aufstellen eines Gerüstes am Haus incl. Absturzsicherung und Sicherung gegen herabfallende Gegenstände, Arbeitsgerüst auf der Dachfläche oder Tragen eines Fanggurts bei Arbeiten am Steildach. Nähere Hinweise darüber gibt hier die BG Bau.

Planung

Erfüllt man alle notwendigen Voraussetzungen, so kann man an die Planung gehen; dabei müssen folgende Punkte berücksichtigt werden:

  1. Wie soll die Verkleidung aussehen?

In erster Linie dient eine Schornsteinverkleidung dazu, schädliche Witterungseinflüsse vom Schornsteinkopf abzuhalten. Daneben spielt natürlich auch die Ästhetik eine Rolle. Deshalb sollte man sich bei dem Material für die geplante Verkleidung auch an den vorhandenen Ziegeln bzw. Dachsteinen, an der Umrandung von Dachflächenfenstern oder der Gestaltung des Ortgangs orientieren (Ortgang = seitlicher Abschluss der Dachfläche am senkrecht stehenden Giebel). Wurde er z.B. nicht mit Ortgangziegeln hergestellt, sondern mit Platten verkleidet, so kann man Form und Farbe der Platten am Schornstein wiederholen.Ortgang

Natürlich kann man auch die heute verwendeten Kaminfertigteile von außen mit Klinkersteinen ummauern. Dann muss aber schon beim Aufbau eine passende Kragplatte (eine aus der Fassade herausragende Platte) eingeplant werden.

Wer sich für eine Verkleidung aus Blech entscheidet, der kann diese entweder selbst aus großen Blechtafeln herstellen (sofern er über passende Werkzeuge und das nötige Knowhow verfügt) oder eine fertige Verkleidung kaufen. Dieser sog. „Stülpkopf“ wird im Ganzen geliefert und dem Schornstein – wie es der Name schon sagt – einfach übergestülpt. Der Vorteil ist eine kurze Montagedauer und die Möglichkeit, bei Reparaturarbeiten oder einer Neueindeckung die Verkleidung einfach wieder abzunehmen. Ein Nachteil: die Maße, vor allem der Grad der Dachschräge, müssen ganz genau stimmen, Änderungen vor Ort sind nur schwer möglich.

Tipp: Achten Sie darauf, dass Farbe, Form und Material zum Stil von Haus und Dach passen!

  1. Welches Material wird benötigt?

Dies richtet sich natürlich danach, welche Art der Verkleidung gewählt wird. Notwendig sind:

  • imprägnierte Dachlatten, Schalbretter oder OSB-Platten für die Unterkonstruktion incl. passendem Befestigungsmaterial (Dübel, Schrauben)
  • Eckleisten für Faserzementplatten und Schiefer
  • Faserzementplatten, Schiefer oder Blech zum Herstellen der Verkleidung
  • Zinkblech, Alu oder Kupfer zum Herstellen des Übergangs von Dacheindeckung zur Verkleidung (Brust-, Kehl- und Seitenbleche)
  • Schieferstifte oder farbige Spezialnägel für zementgebundene Fassadenplatten
  • Kaminklinker und der entsprechende Mörtel
  1. Welche Werkzeuge werden gebraucht?

Abhängig vom verwendeten Material zur Verkleidung sind außerdem einige Spezialwerkzeuge notwendig:

  • Schieferhammer und Haubrücke für Naturschiefer
  • Schlagschere oder kleiner Trennschleifer für zementgebundene Platten (umgangssprachlich oft als „Eternitplatten“ bezeichnet)
  • Schlagschere für Blech, Abkantbank und Handblechschere zum Zuschneiden für eine selbst hergestellte Verkleidung aus Blech
  • Lötkolben und entspr. Lötmaterial
  • Kelle und Fugeisen
  • und natürlich Hammer, Zange, Zollstock, Schrauber usw.
  1. Wird eventuell eine zweite Person zur Hilfe benötigt?

Soll ein Stülpkopf montiert werden, so ist die Hilfe mehrerer Personen notwendig. Denn eventuell muss dieser, je nach Größe – vor allem bei mehrzügigen und hohen Schornsteinen –  sogar mit Hilfe eines Krans auf das Dach gehoben und angebracht werden. Aber allgemein kann eine zweite Person hilfreich sein, die z.B. die Latten für die Unterkonstruktion am Boden zuschneiden kann, so dass man nicht gezwungen ist, mehrmals die Dachfläche für solche Arbeiten zu verlassen.

  1. Welche Kosten fallen an?

WaehrungMit welchen Ausgaben man rechnen muss, richtet sich natürlich vor allem nach der Größe des Schornsteins und dem ausgewählten Material. Auch sind regional große Unterschiede möglich – ebenso zwischen Fachmarkt, Baumarkt oder Internethändler. Ein Preisvergleich kann sich hier durchaus lohnen.

Den finanziell kleinsten Posten machen die Latten (ca. 0,40 €/lfdm) und OSB-Platten (ca. 5 €/m²) und die notwendigen Kleinteile wie Befestigungsmaterial (Dübel, Schrauben, Nägel, evtl. Schieferstifte), Eckleisten, Lötzinn, Mörtel u. ä. aus.

Der Hauptpart liegt wohl bei den benötigten Platten für die Verkleidung. Hier sind je nach Hersteller, Material, Größe und gewünschter Farbe große Preisunterschiede vorhanden. So ist Naturschiefer etwas teurer als Kunstschiefer oder Faserzementplatten, größere Formate im Vergleich zu kleinen preiswerter.

  • Faserzementplatten
    • 60 / 30 der Fa. Eternit ab ca. 5 €/Stk.
    • 30 / 30 Bogenschnitt ca. 1,70 €/Stk.
    • 20 / 20 ca. 0,90 €/Stk.
  • Naturschiefer
    • 0,10 €/Stk. Aufschlag

Die Preise für Kunstschiefer entsprechen in etwa denen der Faserzementplatten.

Blech für die notwendige Umrandung oder eine komplette Schornsteinverkleidung:

  • Zink 0,7mm 40 €/m²
  • Alu 1,5 mm ca. 50 €/m²
  • der Preis für Kupfer ist ein Tagespreis

Muss man das Blech zuschneiden lassen, so muss dafür ein Aufpreis gezahlt werden.

Kaminklinker 11,5 / 24  ca. 1 €/Stk.

Bei der Entscheidung für einen Stülpkopf (ab 400 €) sollte man natürlich vorher Angebote verschiedener Anbieter einholen.

Auch werden die wenigsten Heimwerker ein geeignetes Gerüst besitzen und einen Gerüstbauer mit dem notwendigen Aufbau beauftragen müssen. Hier gibt es große regionale Preisunterschiede – gerade, wenn es um die Standzeit des Gerüstes geht.

Umsetzung

Sind alle o.g. Punkte geklärt, dann geht es an die eigentliche Arbeit – das Verkleiden. Dies geschieht in mehreren Arbeitsschritten:

  1. Überprüfen des Schornsteins

Zuerst wird der Schornstein auf seine Standfestigkeit geprüft. Gerade bei älteren Kaminen, die mit Kaminklinkern aufgemauert wurden, kommt es vor, dass sich die oberen Reihen im Laufe der Zeit gelockert haben. Ist dies der Fall, so müssen sie abgebaut und wieder bis zur ursprünglichen Höhe aufgemauert werden. Keinesfalls darf man die Höhe des Schornsteinkopfs eigenmächtig verringern, um sich diese Arbeit zu ersparen! Der Schornstein könnte so seine Aufgabe (Rauchabzug) nämlich nicht mehr ordnungsgemäß erfüllen und würde bei der nächsten Prüfung durch den Schornsteinfeger beanstandet werden.

  1. Anbringen der Unterkonstruktion

KonstruktionSollen die Kaminfertigteile mit Klinker ummauert werden, oder wird ein Stülpkopf angebracht, dann kann man diese Schritte auslassen.

Zunächst wird ein Grundgerüst aus Dachlatten gebaut, indem man diese – sofern es sich um einen älteren, noch mit Klinkern gemauerten Kamin handelt – an den Ecken mit Dübeln und Edelstahlschrauben befestigt.

Wichtig: Immer in den Stein, nicht in die Fuge bohren, da sich sonst der Mörtel lockern und ins Innere des Rauchabzugs fallen kann.

Bei Schornsteinen, die aus Kaminfertigteilen bestehen, darf nicht in den Stein gebohrt werden. Hier werden die Latten zunächst mit Schraubzwingen gehalten und miteinander verschraubt. Auf diese Konstruktion werden nun Schalbretter, oder besser noch, wasserfeste OSB-Platten aufgebracht. Das ganze wird mit Dachpappe verkleidet und ist nun schon wetterfest.

  1. Notwendige Bleche anbringen

Brust-, Seiten- und Kehlblech werden auf der Unterkonstruktion, aber unter den Platten befestigt, liegen an der Vorderseite des Schornsteins, auf der Dachfläche, auf und dienen dazu Niederschlag, der am Schornstein herabläuft, auf die Dachfläche abzuleiten. Dazu müssen die Dachziegel rund um den Kamin entfernt werden.

Die Bleche aus Zink, Alu oder Kupfer kann man selbst herstellen – so man über die notwendigen Werkzeuge verfügt – oder im Fachhandel (Dachdecker- oder Klempnerbedarf) fertig kaufen. Mittlerweile sind schon komplette Eindeckbleche erhältlich, die einfach über den Schornstein gestülpt werden – das sonst notwendige Verlöten oder Vernieten entfällt. Hier ist natürlich, genau wie bei einem Stülpkopf, ein genaues Aufmaß notwendig, da nichts mehr verändert werden kann.

Wichtig: Möchte man dafür Kupfer verwenden bzw. den Schornsteinkopf ganz mit Kupferblech verkleiden, so müssen auch die darunterliegende Dachrinne und Fallrohr aus diesem Material bestehen, da Kupfer mit Zink chemisch reagiert und das ablaufende Wasser eine darunterliegende Zinkrinne zerstören würde!

  1. Das Montieren der Platten

Hat man sich für Faserzementplatten oder Schiefer entschieden, dann werden nun die farblich passenden Eckleisten angebracht, die mit Metallsäge oder Blechschere auf die passende Länge zugeschnitten werden. Dann kann endlich die erste Platte angebracht werden. Man beginnt an der „Brust“, der Vorderseite des Kamins. Welches Format verwendet wird, richtet sich natürlich nach der Größe des Kamins und vor allem nach dem Geschmack des Hausbesitzers!

PlattenmontageBei einem sog. einzügigen Kamin mit einem Außenmaß (incl. Schalung) von ca. 50 x 50 cm würden Platten im Format 30 / 30, evtl. noch mit Bogenschnitt, optisch keine gute Wirkung erzielen; dafür ist die Fläche des Schornsteins zu klein. Hier sollte man Platten im Format 60 / 30 verwenden, die  – auf das vorher berechnete Maß zugeschnitten  – von oben in die Eckleisten geschoben mit Spezialstiften angenagelt werden.

Bei größeren Kaminen hingegen haben kleinere Platten, etwa im Format 20 / 20 oder 30 / 30 mit Bogenschnitt oder gestutzten Ecken, eine auflockernde Wirkung – der Schornstein wirkt nicht wie ein „Klotz“.

Zum Zuschneiden wird eine sog. Schlagschere verwendet, alternativ kann man die Platten auch mit einem Einhand-Trennschleifer zuschneiden. Schieferplatten aus Naturschiefer müssen auf der Haubrücke mit einem Schieferhammer zugeschlagen werden, wozu jedoch sehr viel Erfahrung gehört, die ein Heimwerker i.d.R. nicht besitzt. Hier sollte der Laie deshalb auf Kunstschiefer zurückgreifen, der wie Faserzementplatten bearbeitet werden kann.

BogenschnittHat man die „Brust verschiefert“, wie es in der Dachdeckersprache heißt, so beginnt man mit den Flanken, den Seitenteilen des Kamins. Dabei ist der vordere Eckpunkt der ersten Platte, die waagerecht angebracht wird, so hoch wie die oberen Eckpunkt der ersten Brustplatte – die untere Schräge richtet sich nach der Dachneigung. Eine Ausnahme bildet die sog. „Deutsche Deckung“ bei kleinformatigen Platten – hier läuft der obere Rand der Seitenplatten parallel zur Dachfläche. Sind Brust und Flanken verkleidet, so kommt zum Schluss die „Kehle“, die Rückseite des Kamins. Hier richtet man sich mit der ersten Platte nach den ankommenden Höhen der Seitenplatten.

  1. Fertigstellung der Schornsteinverkleidung

Sind alle Platten angebracht, so müssen die Bleche miteinander verlötet (Zinkblech oder Kupfer) bzw. vernietet (Alublech) werden, sofern kein ganzer Fertigrahmen verwendet wird. Hier ist größte Sorgfalt geboten, da sonst an den Stößen Regen eindringen kann. Durch die Verkleidung des Schornsteins ändert sich natürlich auch dessen Grundfläche, die daran anschließenden Ziegel bzw. Dachsteine sind dementsprechend zu groß und müssen „beigeschnitten“ werden. Dafür wird wiederum ein Trennschleifer (Trennscheibe für Stein) benötigt.

Die Ziegel an der Vorderseite werden unter das Blech geschoben, Seiten-  und Kehlziegel liegen auf, so dass das Wasser von der Rückseite, der Kehle, über die abgekanteten Seitenbleche auf das Brustblech geleitet wird und ablaufen kann.

Wer sich dazu entscheidet, einen Kamin aus Fertigelementen klassisch mit Klinkern zu verkleiden, der muss beim Aufmauern eine Kragplatte unterhalb der Dachfächer anbringen, auf die die Klinker (Normalformat 11,5 / 24 cm) im Verband aufgemauert werden. Auch hier ist eine Umrandung aus Blech anzubringen, die mit kleinen Edelstahlschrauben am Schornstein befestigt wird.

  1. Oberer Abschluss

Als letzte Arbeit erfolgt das Anbringen der oberen Abdeckung, die das Eindringen von Regenwasser zwischen Kamin und Verkleidung verhindert. Sie kann aus einem entsprechenden Stück Blech gefertigt werden, das an den Rändern nach unten abgekantet wird und die entsprechenden Ausschnitte für den Rauchabzug aufweist. Alternativ dazu kann auch ein Kranz aus Beton hergestellt werden, für dessen Montage aber – je nach Größe – u.U. mehrere Helfer notwendig sind.Haube

Ob man seinen Schornstein noch zusätzlich mit einer Kaminhaube versehen sollte, darüber scheiden sich die Geister. Aus Sicht des Schornsteinfegers wird es wohl nur in klimatisch besonders ungünstigen Lagen mit sehr starken Niederschlägen notwendig sein. Ein schmückendes Element ist eine Haube allemal.

Tipps für Schnellleser

  • Gerüst ordnungsgemäß aufbauen (lassen)
  • Gewünschtes Material auswählen
  • Unterkonstruktion aus Dachlatten und OSB – Platten anbringen
  • Bleche zurichten und anbringen
  • Platten aufnageln – geeignetes Format beachten
  • Bleche miteinander verlöten bzw. vernieten
  • Ziegel oder Dachsteine „beischneiden“
  • Obere Abdeckung zuschneiden und anbringen / Betonkranz herstellen
  • eine Kaminhaube aufsetzen

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