Schleifpapier/Sandpapier: welche Körnung für welches Material

Schleifpapier und Sandpapier

Schleifpapier oder Sandpapier sind in jeder Werkstatt eines Handwerkers oder Heimwerkers zu finden. Diese Schleifmittel gehören zu den wichtigsten Werkzeugen und finden vielfache Anwendung, beispielsweise beim Entfernen von Lackresten, Verschmutzungen, Rost oder anderen unerwünschten Rückständen auf unterschiedlichen Materialien. Auch zum Polieren und Glätten werden feine Schleifpapiere eingesetzt. Wichtig ist es, das passende Schleifpapier für den jeweiligen Verwendungszweck auszuwählen.

Sandpapier, Schleifpapier, Glaspapier oder auch Schmirgelpapier sind Begriffe für eines der wichtigsten Handwerker- und Heimwerkerwerkzeuge. Mithilfe dieses Papiers können Oberflächen aus Holz geglättet und versiegelt, alte Farbanstriche von verschiedenen Materialien entfernt, durch den Zeitverlauf in Mitleidenschaft gezogene Oberflächen poliert, erneuert oder gesäubert, Schweißnähte geglättet, Verkrustungen und Schmutz auf verschiedenen Materialien entfernt, Glas poliert oder Metall getrennt werden sowie weitere Schleifarbeiten ausgeführt werden. Je nach Art der Schleifarbeit kann allein mit dem Schleifpapier gearbeitet werden oder es werden weitere Hilfsmittel genutzt, wie beispielsweise Schleifblöcke, Schleifklötze aus Holz, Kunststoff oder Gummi, Schleifmaschinen und Schleifscheiben. Bei der Auswahl des Schleifpapieres muss auf die passende Kornart, die Körnung, die Streuung der Körner sowie das zu schleifende Material und das gewünschte Schleifergebnis geachtet werden.

Form des Papieres

Unterschiedliche Schleifpapiere für verschiedene Anwendungszwecke und Arbeitsweisen

Schleifpapiere oder Sandpapiere gehören zu den allgemein bezeichneten Schleifmitteln. Neben den Schleifpapieren werden auch weitere Hilfsmittel zum Schleifen von verschiedenen Materialien hinzugezählt, wie beispielsweise Schleifmaschinen mit unterschiedlichen Möglichkeiten Schleifpapiere auf der Schleiffläche zu befestigen, Schleifblöcke, über die die Schleifpapiere geführt werden und mit denen dann manuell geschliffen werden kann, sowie weitere Hilfsmittel. Eine einfache Unterscheidung von verschiedenen Schleifpapieren kann zum Beispiel in

  • Schleifpapiere in einzelner Blattform,
  • Schleifpapiere in Rollenform,
  • Maschinen-Schleifpapiere,
  • Nass-Schleifpapiere und Trocken-Schleifpapiere

getroffen werden. Schleif- oder Sandpapier in Blattform ist im Handel in loser Form oder in Paketen mit mehreren Blättern erhältlich.

Schleifpapier

Aufbau von Schleifpapier

Schleifpapiere bestehen aus verschiedenen Schichten. Auf einer Papierschicht, dem sogenannten Trägerpapier, sind eine oder mehrere Schichten mit Schleifmitteln aufgebracht. Der Begriff „Sandpapier“ entstammt noch einer früheren Bezeichnung, als zum Schleifen hauptsächlich Sandkörner verwendet wurden.

Heutzutage bestehen die Schleifkörner auf den Schleifpapieren in den häufigsten Fällen aus Korund. Ein weiterhin häufig verwendetes Schleifkorn ist das Karborund, auch Siliciumcarbid genannt. Diese Schleifmittel sind sehr harte mineralische und chemische Verbindungen. Es werden aber auch immer häufiger Schleifmittel zum Beispiel aus der technischen Keramik eingesetzt oder Schleifmittel, wie beispielsweise Aluminiumoxid, Bornitrid, kubisch kristallines Bornitid mit einer kristallinen diamantähnlichen Struktur, Chrom(III)-oxid und Zirconium(IV)-oxid sowie weitere harte Schleifsubstanzen.

Schleifpapiere aus Korund oder Siliciumcarbid können leicht an ihrer Färbung erkannt werden. Schleifpapier mit Korund ist in weißer und rosa Farbe erhältlich, Siliciumcarbid in grüner oder schwarzer Farbe. Wichtig für die Qualität von Schleifpapieren ist die Bindung der Schleifkörper an das Trägerpapier. Hierfür wird in den häufigsten Fällen hochwertiger Kunstharz verwendet. So können die gekörnten Schleifmittel beim Schleifen so lange auf dem Trägerpapier gehalten werden, bis die Schleifmittel sich durch das Schleifen abgestumpft haben. Die Bindung der Schleifmittel an das Trägerpapier ist sehr wichtig, da diese die Schleifeigenschaften sowie die Härte der Schleifmittel wesentlich beeinflussen kann. Minderwertige Schleifpapiere können beim Schleifen leicht auseinanderreißen oder verlieren Teile ihrer gekörnten Schicht.

Rotes Schleifpapier

Die Körnung

Die Feinheit von Schleifmittel kann an den Kennzahlen für die Körnung erkannt werden. Je höher die Kennzahl für das Schleifmittel ausfällt, desto feiner ist sie als Schleifmittel auf dem Trägerpapier aufgebracht. Die Kennzahl für die Körnung kann der Rückseite des Schleifpapieres entnommen werden, dort ist sie immer verzeichnet. Weitere Informationen, wie zum Beispiel die Eignung des Schleifpapieres für die jeweiligen verschiedenen Materialien, können ebenfalls auf der Rückseite vermerkt sein.

Mithilfe einer groben Körnung kann ein höherer Abtrag des Materials, wie beispielsweise Lacke, Leim- oder Farbreste, Verschmutzungen, Rost und Ähnliches, erreicht werden. Eine grobe bis mittelgrobe Körnung liegt bei einer Kennzahl von 80 und geringer vor. Die Oberfläche wird durch die Körnung dieses Schleifpapieres stark angeraut, wie beispielsweise bei einem groben Vorschliff bei hölzernen Oberflächen. Als mittlere und mittelfeine Körnung gelten Schleif- und Sandpapiere mit Kennzahlen zwischen 80 und 150. Diese Schleifpapiere eignen sich für den Zwischenschliff, für das Schleifen von Furnieren oder gehobelten Holzflächen. Grundierungen, gespachtelte Flächen, Kunststoffe und Lacke sollten mit Schleifpapieren mit feiner Körnung und Kennzahlen zwischen 150 bis 240 geschliffen werden. Zum Polieren von Metall, Glas oder durch Alterung stumpfen Lacken werden sehr feine Schleif- und Sandpapiere mit Körnungen ab 220 verwendet.

Körnung von Schleifpapier

Einige gebräuchliche Korngrößen bei Schleifpapieren oder Sandpapier im kurzen Überblick:

6 bis 30, grob eignet sich zur Entfernung von Farben, Lacken, Leim- und Klebresten sowie Ähnliches
36 bis 80, mittel wird häufig für Vorschliffarbeiten auf Holzuntergründen verwendet
100 bis 180, feinbeispielsweise für den Feinschliff von hölzernen Untergründen
220 bis 1.000, sehr feinzum Feinschleifen von gebeizten, grundierten, gewässerten oder lackierten Werkstoffen

Die Kennzeichnung für die Härtegrade der Körnung kann zusätzlich zur Zahlenangabe auch mit vorangestellten Buchstaben versehen sein:

  • A bis K zeigt eine weiche bzw. feine Körnung an,
  • I bis O bedeutet eine mittel-harte Körnung,
  • P bis Z steht für eine harte Körnung.

Streuung von Sandpapier

Neben der Körnung und den jeweiligen Härte- sowie Feinheitsgraden kommt es für das Schleifergebnis auf die Streuung an. Die Streuung ist die Art der Verteilung auf dem Trägerpapier. Es wird zwischen einer geschlossenen Streuung, bei der eine dichte Körnung vorhanden ist, einer halb offenen Streuung mit einer auf der Unterlage verteilten Körnung und einer offenen Körnung mit weiter voneinander entfernt liegenden Körnern unterschieden.

Die höhere Anzahl und dicht liegende Körnung sorgt für ein gleichmäßigeres Schleifergebnis. Nachteil einer dichten Körnung ist aber, dass sich die Zwischenräume zwischen den Körnern schneller mit Schleifstaub zusetzen können. Schleifpapiere mit einer weniger dichten Streuung sind für das Schleifen von Farben und Lacken geeignet. Auch weiche Hölzer, die eventuell einen hohen Anteil an Feuchte, Harz oder Öl enthalten, sollten daher mit Schleifpapieren mit einer offenen Streuung behandelt werden. Halb offene Streuungen sowie geschlossene Streuungen sind bei der Bearbeitung von feinporigen Hölzern, Furnieren, Kunstharzwerkstoffen, Kunststoffen, Metallen oder Glas besser geeignet, da das Schleifergebnis sehr viel feiner ausfällt als bei Schleifpapieren mit offenen Streuungen.

Welches Papier für welches Material?

Das Material, der Härtegrad und die Stärke der Körnung sollten zu den zu schleifenden Werkstoffen passen:

Neben Korund ist das Aluminiumoxid das am häufigsten verwendete Schleifkorn. Es verfügt über allgemein gute Eigenschaften und kann auf verschiedenen Materialien verwendet werden, bevorzugt auf hölzernen Untergründen, Furnieren, Lacken und Ähnliche.

Das Siliziumcarbid oder Karborund genannt ist hitzebeständig. Schleif- und Sandpapier aus diesem Material ist besonders gut für den Einsatz mit Schleifmaschinen geeignet.

Schleifpapiere mit einer Diamant-Körnung sind am härtesten. Diese Schleifpapiere sind in ihrer Herstellung deutlich kostspieliger als andere Schleifpapiere. Die industriell hergestellten Diamanten werden aus Kohlenstoff hergestellt, der unter einem extrem hohen Druck durch Pressung entsteht. Diese Schleifpapiere finden häufig Anwendung beim Schleifen von Metallen oder gläsernen Oberflächen. Da diese Schleifpapiere in sehr feinen Körnungen erhältlich sind, werden sie oftmals für das Finish und Polieren von Gegenständen eingesetzt.

Sehr, sehr feine Schleifpapiere können manuell – also mit der Hand – auch bei verschiedenen Bastelarbeiten, wie beispielsweise in der Schmuckherstellung eingesetzt werden. Auch Verschmutzungen oder Verkrustungen auf Schmuckstücken können mit sehr feinen Schleifpapieren sehr vorsichtig abgetragen werden. Anschließend sollten die Schmuckstücke mit einer entsprechenden Poliercreme, wie beispielsweise Silberputzcreme oder Ähnliches nachpoliert werden.

Bornitrid verfügt nahezu über einen ähnlich hohen Härtegrad wie ein Diamant. Seine herausragende Eigenschaft ist die hohe Hitzebeständigkeit. Diese Hitzebeständigkeit ist sogar höher als bei Diamanten. Aus diesem Grund wird Schleifpapier oder Sandpapier mit einer Körnung aus Bornitrid bevorzugt bei speziellen Einsätzen mit Schleifmaschinen verwendet.

Nass-Schleifpapiere sind häufig auch mit einem Siliciumcarbonid-Schleifkorn in sehr feiner Körnung versehen. Es können Nassschleifpapiere beispielsweise mit Körnungen zwischen 2000 bis 5000 im Handel erworben werden. Mit diesen Schleifpapieren können kleine Fehler, wie zum Beispiel Staubeinschlüsse oder Ähnliches, von der obersten Lackschicht – der Decklackierung – entfernt werden. Anschließend sollte an der geschliffenen Stelle die Oberfläche mit einer Hochglanzpolitur poliert werden. So kann die fehlerhafte Stelle unsichtbar ausgebessert werden und der ehemalige Hochglanz der Oberfläche stellt sich wieder ein.

Schleifgänge

Um ein optimales Schleifergebnis zu erhalten, wird in den häufigsten Fällen in mehreren Durchgängen geschliffen. Das Schleifen sollte dann aus Schleifdurchgängen mit Schleifpapieren in mindestens drei verschiedenen Korngrößen erfolgen.

Beispielsweise könnte ein Grobschliff von lackierten Türrahmen oder Fenster mit einem 40-er Schleifpapier erfolgen, der oder die mittleren Schleifdurchgänge dann mit 80-er, 100- oder 120er Schleifpapieren durchgeführt und zum Abschluss für die Feinarbeiten 180-er oder 220-er Schleifpapiere verwendet werden. Ebenso ist die Streuung den verschiedenen Schleifgängen entsprechend offen oder dicht zu wählen.

Tipp: Für ein optimales Schleifergebnis sollte auf verschiedenen Materialien mit verschiedenen Schleifpapieren die Schleifwirkung erkundet werden. Die passende Zusammenstellung von Schleifpapieren für die verschiedenen Schleifgänge kennen versierte Handwerker und Heimwerker aus Erfahrung. Bei Unsicherheit über die richtige Zusammenstellung berät auch der Fachhandel.

Um eine glatte Oberfläche auf verschiedenen Materialien zu erhalten könnten beispielsweise folgende verschiedene Körnungen verwendet werden:

Grobschliff

Anschleifen von Lacken180er Körnung
Ausbessern von Lacken120er Körnung
Entfernen von Lacken40er Körnung
Hartholz60er Körnung
Weichholz60er Körnung
Furnier240er Körnung
Stahl60er Körnung
rostfreier Stahl120er Körnung
Entfernen von Rost auf Stahl40er Körnung
Aluminium80er Körnung

Feinschliff

Anschleifen von Lacken400er Körnung
Ausbessern von Lacken240er Körnung
Entfernen von Lacken80er Körnung
Hartholz180er Körnung
Weichholz240er Körnung
Furnier320er Körnung
Stahl240er Körnung
rostfreier Stahl240er Körnung
Entfernen von Rost auf Stahl120er Körnung
Aluminium240er Körnung

Schleifen von Parkett

Die Wahl der verschiedenen Körnungen beim Schleifen von Parkett könnte zum Beispiel folgendermaßen erfolgen:

1. Schleifgang

  • neu verlegter Boden – 40er Körnung,
  • alter Parkettboden – 24er Körnung,
  • alter Dielenboden mit Farbanstrich -16er Körnung

2. Schleifgang

  • neu verlegter Boden – 60er Körnung,
  • alter Parkettboden – 40er Körnung,
  • alter Dielenboden mit Farbanstrich – 40er Körnung

3. Schleifgang

  • neu verlegter Boden – 100er Körnung,
  • alter Parkettboden – 60er Körnung,
  • alter Dielenboden mit Farbanstrich – 60er Körnung

4. Schleifgang

  • neu verlegter Boden – nicht notwendig,
  • alter Parkettboden – 100er Körnung,
  • alter Dielenboden mit Farbanstrich – 100er Körnung

Schleifleinen

Schleifleinen wird für den Maschineneinsatz genutzt, beispielsweise beim Bandschleifer. Hierbei besteht die Trägerschicht der Schleifkörner aus Leinen. Dieses hat den Vorteil, dass der Leinenstoff widerstandsfähiger ist als Papier als Trägermaterial und nicht so schnell zerreißt oder abnutzt. Beim Schleifen mit Winkelschleifmaschinen wird aber eher wieder Schleif- oder Sandpapier genutzt. Die Größe der handelsüblichen Winkelschleifmaschinen ist einheitlich, sodass Schleifpapier-Blätter oder Rollen-Schleifpapier leicht in die Geräte eingespannt werden können.

Körnung von Sandpapier

Auch für Arbeiten mit dem Schwingschleifer wird vielfach Sandpapier mit einer Trägerschicht aus Papier angeboten. Das Arbeiten mit einem Schwingschleifer ist aber mit einem Schleifleinen wesentlich effektiver und angenehmer, da sich bei dieser Maschine Schleifpapiere aus Papier sehr schnell abnutzen können.

Sicherheit geht vor

Vorsichtsmaßnahmen und Sicherheitshinweise beim Arbeiten mit Sand- oder Schleifpapier

Wo geschliffen wird, entstehen Späne. Ebenso kann sich eine große Hitze durch das Schleifen auf verschiedenen Materialien entwickeln. Aus diesem Grund sollten bestimmte Vorsichtmaßnahmen und Sicherheitsbestimmungen eingehalten werden. Für den persönlichen Schutz des Handwerkers oder Heimwerkers vor Verletzungen sollten eine Schutzbrille, Handschuhe und eventuell weitere Schutzbekleidung getragen werden. Beim Schleifen mit Maschinen sollten die jeweiligen Sicherheitshinweise beachtet werden.

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