Einen bestimmten Rhododendron nachzukaufen, ist ein unsicheres Spiel: Erst einmal müssen Sie diesen Rhododendron wieder finden – in 12.000 deutschen Sorten oder 20.000 Sorten weltweit. Wie gut, dass Sie den schönsten Rhododendron im Garten recht einfach durch Ableger und Stecklinge vermehren können, im Artikel erfahren Sie wie.

Haben Sie einen besonders schönen Rhododendron im Garten, den es nicht mehr nachzukaufen gibt? Ist bei aktuell 12.000 Sorten nur in der deutschen Genbank Rhododendron nicht wirklich ein Wunder, jedes Jahr verdrängen neue Zuchtsorten die „Stars des Vorjahres“ aus den Läden. Sie können Ihren Liebling aber durch Ableger und Stecklinge retten.

Wurzelechte Rhododendren vermehren

Wurzelechte Rhododendren können ganz leicht durch Ableger und Stecklinge vermehrt werden:

  1. Durch Ableger vermehren funktioniert wie folgt:

    Vermehrung durch Ableger
    Vermehrung durch Ableger
  • Nach der Blüte einen Seitentrieb suchen, der bereits verholzt ist und in Bodennähe wächst
  • Biegen Sie den Trieb zum Boden, er sollte an einer Stelle ohne viel Druck aufliegen
  • Schneiden Sie diesen Trieb an genau dieser Stelle schräg ein, aber nicht durch
  • Er wird nun neben der Pflanze zum Boden gebogen
  • Der Schnitt zeigt in Richtung Boden und wird mit einem Streichholz offengehalten
  • Ein wenig eingraben oder anhäufeln und mit einem Stück Draht im Boden befestigen
  • Wenn Sie den Trieb vorsichtig an einem Stock festbinden, hat er mehr Ruhe zur Wurzelbildung
  • An der Stelle im Boden bildet der Rhododendron erst Wundgewebe und dann Wurzeln
  • Das kann dauern, vielleicht nur bis zum nächsten Frühjahr, vielleicht Jahre
  • Sie können gelegentlich vorsichtig an der Seite nachgraben, ob Sie Wurzeln sichten
  • Wenn das der Fall ist, kann der kleine Rhododendron von der Mutterpflanze getrennt und woanders eingepflanzt werden.
  1. Durch Stecklinge vermehren ist noch einfacher:

    Vermehrung durch Stecklinge
    Vermehrung durch Stecklinge
  • Nach der Blüte Stecklinge aus verholzten Zweigen des Vorjahres schneiden
  • Die können für größere Vermehrungsvorhaben noch in mehrere 15, 20 cm lange Stücke geteilt werden
  • Die Stecklinge sollten jeweils am unteren Ende einen Triebknoten aufweisen
  • Die unteren Blätter werden abgezogen, 4 bis 6 Blätter am Triebende können stehenbleiben
  • Die Endknospe wird ausgebrochen, es ist wahrscheinlich eine Blütenknospe
  • Die verbliebenen Blätter können halb weggeschnitten werden, so hat der Trieb mehr Kraft zum Wurzeln bilden
  • Der Steckling wird unten mit einem scharfem Messer 2 cm lang bis ins Holz angeschnitten (wie beim Blumen für die Vase anschneiden)

Tipp: Sie erhöhen Ihre Chancen, wenn Sie den Steckling in Bewurzelungspulver tauchen. Ein Wuchsstoffpräparat namens Seradix B Nr. 3 (gibt’s übers Internet) soll sich bei Rhododendren bewährt haben. Unteres Ende des Stecklings in den Wuchsstoff stecken und gut abklopfen

  • Stecklinge in Anzuchterde stecken, Topf oder Kiste, über den Sommer rausstellen
  • Im Herbst sollten sich Wurzeln entwickelt haben, dann kann die Jungpflanze in Topf oder Gartenboden gesetzt werden
  • Der Vorteil am Klonen: Diese Rhododendren blühen schon nach ein bis zwei Jahren, sämlingsvermehrte Rhododendren lassen sich viel länger Zeit

Wenn Sie eine Pflanze durch Ableger und Stecklinge vermehren, erschaffen Sie eine identische Kopie ohne Genveränderung, einen Klon. Mit einem wurzelechten Rhododendron können Sie aber auch züchten, Nachkommen aus Samen dieses Rhododendrons ziehen. Mit der Chance der genetischen Variation, vielleicht kommt ja ein noch schönerer Rhododendron dabei heraus.

Veredelte Rhododendren vermehren

Veredelte Rhododendren können vielleicht durch Stecklinge vermehrt werden, die aus dem oberen (veredelten) Teil geschnitten werden. „Vielleicht“ deshalb, weil sie bei Schnitt aus der Krone zwar ganz bestimmt nicht die Unterlage erwischen, aber es nicht sicher ist, dass der Steckling freudig wächst. Die Veredelungen sind sehr hochgezüchtete Sorten, denen als „Zucht-Nebenwirkung“ durchaus schon einmal die Fähigkeit abhandenkommt, eigene Wurzeln zu bilden und sich über diese Wurzeln zu versorgen.Rhododendron-vermehren3

Mit den Ablegern ist es so eine Sache, wenn Sie einen Trieb erwischen, der zur Unterlage gehört, wird zwar auch ein Rhododendron herauskommen. Aber nicht der Rhododendron, den Sie sehen möchten, sondern die Sorte, die die Unterlage bildet. Das sind robuste Rhododendren wie ‚Cunningham’s White‘ oder ‚Roseum Elegans‘, eigentlich kein Unglück, das sind selbst beliebte Sorten, nur die Blütenfarbe wird weiß oder rosa, lila, violett werden und nicht wie beim veredelten Rhododendron.

Rhododendren vermehren funktioniert wie gerade beschrieben und Sie können bereits mit dieser Beschreibung loslegen. Wenn es jedoch um den letzten Trieb von Großmamas Lieblingssorte geht, brauchen Sie mehr Informationen als diese Kurzbeschreibung bietet. So gibt es schon einmal 4 Hauptgruppen Rhododendren, großblättrige Sorten, kleinblättrige Sorten, Japanische Azaleen und sommergrüne Azaleen, die alle bei der Stecklingsvermehrung ein wenig anders behandelt werden wollen (was im Ernstfall den entscheidenden Unterschied machen kann) und noch viele andere Feinheiten.

2 KOMMENTARE

    • Herzlich Willkommen und vielen Dank. Wir freuen uns, wenn es Ihnen gefällt. Einfach immer mal vorbeischauen.

      Viele Grüße aus der Redaktion
      Silvia

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