Überblick: alle 13 Putzarten und 17 Putztechniken

Putzarten und Putztechniken

Putz gehört zu den essentiellen Belägen von Innenwänden, Fassaden und Decken. Eine ganze Reihe an Putztechniken- und Arten stehen zur Verfügung, die für den endgültigen Look der Oberfläche sorgen oder eine Unterlage für andere Wandbeläge bereitstellen. Aufgrund ihres Fokus ist es wichtig, die einzelnen Putzarten- und Techniken zu unterscheiden. Auf diese Weise können Sie genau die wählen, die Sie benötigen.

Putze sind vielseitig. Es kommen nicht nur der klassische Zementputz oder die Haftbrücke vor, sondern die unterschiedlichsten Varianten für jeden Einsatzzweck. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie ein Haus sanieren oder einen Neubau verputzen. Sie wenden bestimmte Putzarten für genau definierte Gebiete an, zum Beispiel den Unterputz als Haftgrund auf dem Mauerwerk oder der Opferputz, der nur vorübergehend benötigt wird. Ebenso vielseitig sind die verschiedenen Putztechniken, denn Sie können nicht jeden Putz auf die gleiche Weise auftragen. Beispielsweise wird die Masse für eine dekorative Oberflächenbearbeitung nicht einfach nur verstrichen. Dieser Überblick stellt Ihnen alle 30 Putztechniken- und Arten vor.

13 Putzarten im Überblick

Über die Jahrtausende haben sich zahlreiche Putzarten entwickelt, die entweder für unterschiedliche Einsatzzwecke geeignet sind oder aus bestimmten Materialien angemischt werden. Die Putzarten werden durch die folgenden Komponenten bestimmt:

  • Bindemittel
  • Zusatzstoffe
  • Mischverhältnis
  • Putzstärke

Mineralische, organische, anorganische und synthetische Bindemittel und Zusatzstoffe sorgen für die jeweiligen Eigenschaften der Putzarten, zum Beispiel auf Kalk basierende. Von den hier vorgestellten zwölf Varianten gehören sieben der Gruppe an, die nach den verwendeten Materialien eingeteilt werden:

1. Baumwollputz: Ein Putz aus Baumwollfasern für Innenräume, der mit Zellstoff als Bindemittel angerührt wird. Ebenfalls bekannt unter der Bezeichnung Flüssigtapete wird er nahtlos aufgetragen und aufgrund der rauen Oberfläche gerne als Alternative zur Raufaser verwendet. Lässt sich leicht durch Zusätze einfärben und dekorativ nutzen. Der Putz wirkt klima- und feuchtigkeitsregulierend.

2. Gipsputz: Ein klassischer Untergrund, der hauptsächlich in Innenräumen verwendet wird. Er besteht aus Gips, Wasser und Sand und wird aufgrund der biologisch unbedenklichen und schwer entflammbaren Eigenschaften recht häufig als Unterlage für Tapeten verwendet. Wird der Mischung Kalk hinzugegeben, handelt es sich um Gips-Kalk-Putz. Dieser kommt als feuchtigkeitsregulierender Untergrund für Spachtelungen oder einem deckenden Putz zum Einsatz.

Welcher Putz ist fürs Badezimmer geeignet, Gipsputz
Gipsputz

3. Kalkputz: Wie der Name vermuten lässt, basiert dieser Putz auf Kalk. Der reinweiße Putz aus Kalkmörtel (Calciumhydroxid) und Wasser wird in Innenbereichen verwendet, um die Schimmelbildung zu unterdrücken, das Raumklima zu verbessern und überschüssige Feuchtigkeit abzuleiten. Im Außenbereich ist Kalkputz beliebt für Fassaden historischer Gebäude, da sie nicht spannungsanfällig sind. Kalkputz ist recht teuer und kann nur mit Schutzkleidung angemischt werden. Es gibt eine Vielzahl von Varianten des Kalkputzes, die für unterschiedliche Zwecke verwendet werden:

  • Kalkzementputz: Mischung aus Kalk und Zement. Aufgrund der Bestandteile äußerst witterungsbeständig und atmungsaktiv. Daher gut für Fassaden, Feuchträume und Keller geeignet.
  • Luftkalkputz: Diese Putzart verwendet Luftkalk auf nichthydraulischer Basis. Er ist weicher und wird gerne für Stuckarbeiten oder wenig beanspruchte Innenwände oder Decken verwendet werden. Aufgrund der geringen Härte wird Luftkalkputz ebenfalls als Opferputz, eine Unterart, verwendet. Opferputz dient als Sanierungsputz nach Wasserschäden im Mauerwerk, um sie zu entfeuchten und den Salzgehalt zu mindern. Danach werden sie entfernt und ersetzt.
  • Sumpfkalkputz: Wird wie herkömmlicher Kalkputz angemischt, aber nicht gebrannt. Er wird über einen langen Zeitraum eingeschlämmt.

4. Kunststoffputz: Sie basieren auf künstlichen Bindemitteln, darunter Acrylsäureestern, und härten deutlich schneller als andere Putzarten aus. Werden am häufigsten im Außenbereich verwendet, wenn ein dünner und leicht aufzutragender Putz benötigt wird. Eine Variante der Kunststoffputze ist der Silikonharzputz. Er leitet Feuchtigkeit deutlich besser und wird speziell für witterungsanfällige Fassaden verwendet, ist aber recht teuer.

5. Leichtputz: Leichtputz ist ein Spezialputz auf Basis von Zement oder Kalk, die deutlich leichtere Zusatzstoffe, zum Beispiel Blähton, nutzen. Sie sind eine effektive Wärmedämmung für Mauerwerk aus porösen Materialien wie Leichtbeton.

6. Lehmputz: Putz auf Lehmbasis, der mit Ton und Schluff angemischt wird. Er leitet Feuchtigkeit gut ab und kann als Unter- oder Oberputz verwendet werden. Wird gerne für Innenräume verwendet, um Schadstoffe wie Zigarettenrauch aus der Luft zu filtern. Härtet schnell durch Feuchtigkeitsverlust an der Luft aus.

7. Zementputz: Zement bildet die Basis für diesen Putz., der besonders im Außenbereich angewandt wird. Die typischen Anwendungsgebiete sind Haussockel, Außenwände von Kellerräumen und zum Verlegen von Fließen, wenn das Dünnbettverfahren angewandt wird. Ein weiterer Vorteil ist die effiziente Dämmung und der Witterungsschutz von Fassaden.

Zementputz

Die restlichen sechs innerhalb dieser Aufzählung dagegen werden nicht alleine durch die Zusammensetzung, sondern deren Funktion oder Stärke definiert. Sie haben einen spezifischen Zweck und sind aus diesem Grund für bestimmte Anwendungen besser geeignet als andere. Ein Überblick über diese Putzarten:

8. Dämmputz: Putze zur Wärmedämmung im Innen- und Außenbereich. Aufgrund moderner Materialien wie Thermoplast-Varianten mit deutlich besserer Wirkung als Luftkalkputz.

9. Dickschichtputz: Der bekannteste Dichtschichtputz ist der Unterputz, der zum Ausgleichen von Unebenheiten im Mauerwerk oder Untergrund zum Einsatz kommt. Daher dienen sie als Träger für den Außenputz, Anstriche und Tapeten. Ein weiterer Dickschichtputz ist der Oberputz, der als letzte Putzschicht erkennbar ist und vielfältig bearbeitet werden kann. Sie enthalten große Körnungen und können unterschiedliche Bestandteile haben.

10. Dünnschichtputz: Dünnschichtputze lassen sich äußerst dünn anwenden, wofür häufig synthetische Bestandteile zum Einsatz kommen. Aus diesem Grund gehören bestimmte Putzarten dazu.

  • Spritzputz: Wird maschinell auf Fläche gespritzt (schalldämmende Eigenschaften) oder mit der Kelle geworfen (Dekorputz).
  • Haftbrücke: Glatte und saugende Oberflächen benötigen eine Haftbrücke, um Gipsputze verwenden zu können. Basieren auf Kunststoffen.
  • Feinputz: Feine Körnungen und Kalk oder Zement bilden diesen für den Innen- und Außenbereich geeigneten Putz. Er bildet eine angenehm feinraue Fläche.
  • Putzgrund: Mit Sand angemischte Farbputze, die zum Ausgleichen von Flecken auf Untergründen verwendet werden. Dienen als Zwischenschicht für Dekorputze, damit keine farblichen Unreinheiten durchscheinen.
  • ebenfalls als Oberputz verwendbar, z.B. als dekorativer Edelputz

11. Feuchtespeicherputz: Putz für Feuchträume, der viel Luftfeuchtigkeit aufnimmt und langsam abgibt. Basiert auf mineralischen Bestandteilen.

12. Silikatputz: Moderne Mischungen auf Silikat- und Kunstharzbasis, die als optimale Endbeschichtung von Mauerwerken zum Einsatz kommen. Sind wasserresistent und schützen dauerhaft vor Schimmel. Die Kosten sind jedoch sehr hoch und vorsichtshalber sollte ein Fachmann das Verputzen mit Silikatputz übernehmen.

13. Sperrputz: Mineralischer Putz, der in Innenräumen auf Mauerwerk mit vorhandenen Wasserschäden genutzt wird. Dient als Sanierungsputz.

Falls Sie dem Begriff Wandputz begegnen, handelt es sich nicht wirklich um eine eigen Art, sondern eine Kategorie. Sie werden von den Herstellern oder Anbietern aufgrund ihrer dekorativen Gestaltungsmöglichkeiten so genannt, obwohl es sich um einen klassischen Putz auf Kalkbasis halten kann. Informieren Sie sich daher vor dem Kauf, was sich hinter dem Wandputz verbirgt.

Tipp: Ein weiterer Opferputz ist der Kompressenputz, der hauptsächlich zum Entziehen natürlicher Salze aus Untergründen mineralischen Ursprungs verwendet wird. Besonders häufig kommt er bei Natursteinen oder einem Mauerwerk aus Ziegeln zum Einsatz.

17 Putztechniken

Mit Kelle

Putz wird im ursprünglichsten Sinn mit einer Kelle auf dem Untergrund aufgetragen und verstrichen. Putztechniken stellen spezielle Anwendungsformen dar. Der Großteil der vorgestellten Putze wird mit diesen Techniken aufgetragen, wenn es sich nicht um spezielle Arten handelt.

Insgesamt gibt es 6 grundlegende Putztechniken, die Sie anwenden können:

1. Glattputz: Dieser Putz wird so dünn wie möglich, aber deckend, aufgetragen. Es soll eine glatte Oberfläche entstehen, die abhängig von den Bestandteilen glänzt oder matt ist. Mit Glättekellen- oder Eisen wird der Putz so lange verstrichen, bis eine komplett gefüllte und ebene Oberfläche entsteht. Da sie langsam anbinden, haben Sie ausreichend Zeit zur Anwendung dieser Putztechnik.

2. Filzputz: Innerhalb der Putztechniken ist der Filzputz etwas aufwändiger. Der Kalkmörtel hat einen Anteil Sand und wird nach dem Auftragen geebnet. Dafür wird ein Filzbrett verwendet, früher waren es Besen, das eine gleichmäßige Struktur ermöglicht. Nicht geeignet für große Wände, da sich leicht feine Risse bilden können.

3. Kellenstrichputz: Bei diesem Putz wird das angezogene Material einfach an die Wand geworfen. Aus diesem Grund ist er beliebt als Putz für dekorative Ausführungen. Nach dem Anwerfen wird er über die Maurerkelle verstrichen, um die gewünschte Struktur zu erhalten.

4. Reibeputz: Nachdem der Putz aufgetragen wurde, wird er mit dem Reibebrett bearbeitet. Er kann strukturiert, modelliert oder geglättet werden.

Reibeputz

5. Rollputz: Geeignete Putzarten wie Dekorputze werden einfach mit einer Farbrolle aufgetragen. Der Ablauf ähnelt dem Auftragen von Wandfarbe.

6. Streichputz: Wird wie Wandfarbe mit einem Pinsel verstrichen. Wie die Rollputz-Technik somit deutlich besser für Anfänger geeignet. Bei beiden Putztechniken handelt es sich um Anwendungen für den Innenbereich.

Dekorativer Putz

Neben den grundlegenden Putztechniken existieren noch Mischvarianten. Diese werden hauptsächlich zur Gestaltung der sichtbaren Putzoberflächen verwendet. Für diese kommen häufig noch weitere Zusatzmaterialien zum Einsatz, die den dekorativen Effekt unterstützen. Insgesamt stehen Ihnen 11 Techniken für einen dekorativen Putz zur Verfügung, mit denen Sie die Oberflächen ganz nach Ihrem Geschmack gestalten können:

7. Buntsteinputz: Wird ebenfalls als Mosaikputz bezeichnet. Enthält farbiges Granulat aus Natursteinen und wird per Hand mit der Kelle aufgezogen.

8. Dekorputz: Farbputze, die durch verschiedene Bestandteile unterschiedliche Strukturen und Farbtöne erhalten. Häufig bereits angemischt erwerbbar.

9. Kratzputz: Wird mit Marmor angereichert und einem Nagelbrett, dem Igel, abgezogen. Dadurch entsteht die charakteristische Struktur.

10. Modellierputz: Helle Putze, die mit verschiedenen Werkzeugen (Schwammscheibe, Traufel) dekorativ angepasst werden.

Wand verputzen

11. Natursteinputz: Dekorputz, der zusätzlich mit farbigen Sedimenten angemischt wird. Wird doppelt aufgetragen und kann sogar für Oberflächen innerhalb stark frequentierter Räumlichkeiten angewandt werden.

12. Rauputz: Es handelt sich um Putze mit rauer Oberfläche, die am häufigsten in den folgenden Varianten vorkommen:

  • Rappputz: Kommt in Dachstühlen und Kellern zum Einsatz. Wird mit einer Kelle geworfen und anschließend verstrichen.
  • Rustikalputz: Wird mit einer Schwammscheibe aufgebracht. Erhält raue Struktur durch die Körnungen mit einem Durchmesser von mehr als fünf Millimetern.

13. Rillenputz: Wird mit bestimmten Werkzeugen abgezogen, wodurch dekorative Rillen entstehen.

Rillenputz

14. Scheibenputz: Werden in Innenräumen oder für Wärmedämmverbundsystemfassaden verwendet. Basiert auf mineralischen oder synthetischen Bestandteilen mit grober Körnung.

15. Schlämmputz: Dieser Putz wird verwendet, wenn der Untergrund, zum Beispiel Backsteine, durchschimmern soll. Muss dünn aufgetragen werden.

16. Schweißputz: Erzeugt eine gefilzte Oberfläche. Wird mit Traufeln aufgebracht und einem Besen abgefilzt. Wird zur Sanierung verwendet und nicht entfernt.

17. Strukturputz: Das Gegenteil zum Glattputz. Dünne Mineral- oder Kunststoffputze werden über Werkzeugen und Modelliertechniken ganz nach Belieben gestaltet.

Tipp: Designs, die Sie mit dem Putz präsentieren wollen, können Sie mit ein wenig Übung selbst umsetzen. Sind sie kompliziert oder sehr ausgefallen, bietet sich ein Fachbetrieb an, der Ihre Wünsche effektiv und kreativ umsetzt.

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