Pucksack nähen

Egal, ob Sommer oder Winter – mit einem Schlafsack hat Ihr Baby immer ausreichend Platz zu strampeln ohne sich dabei abzudecken. Wenn Ihre Kinder dem Babyalter schon entwachsen sind, Sie aber trotzdem Lust haben, einen Pucksack zu nähen, geben Sie Ihrem Wunsch einfach nach und verschenken Sie Ihre selbst gestaltete Kreation an eine befreundete Baby-Mutter. Sie wird es Ihnen danken! Hier zeigen wir Ihnen, wie Sie selbst einen Pucksack nähen können.

Schwierigkeitsgrad 2/5
(für Anfänger geeignet)

Materialkosten 1,5/5
(je nach Stoffauswahl zwischen € 0,- aus der Resteverwertung und € 20,-)

Zeitaufwand 2/5
(inkl. Schnittmuster etwa 1,5h)

Materialauswahl

Geht es um so wichtige Themen wie den Schlaf unserer Kleinsten, möchte man nicht nur bei der Auswahl des Bettes und der Matratze auf Nummer sicher gehen. Leider gibt es entsprechende Bettwäsche und Schlafsäcke oft nicht im gewünschten Design und gerade, wenn Sie schon einiges für das Kinderzimmer selbst genäht haben, werden Sie sich wünschen, dass auch diese Textilien zur restlichen Ausstattung passen und sich optisch schön einfügen.

Ganz unbedenklich sind beispielsweise Stoffe, welche mit den Zertifikaten ÖKOTEX100 oder GOTS angeboten werden. Ob Sie sich hier für Webware, also einfache, nicht dehnbare Baumwollstoffe, oder für Jersey, Sweat, Fleece, Niki oder Plüsch entscheiden, ist natürlich von mehreren Variablen abhängig. Grundsätzlich eignet sich dieser Schnitt für alle Stoffarten. Wenn Ihr Baby noch ganz klein ist und im Sommer geboren wurde, werden Sie eher zu einem schönen, weichen, dünnen Baumwollstoff tendieren. Dass dieser nicht dehnbar ist, ist in diesem Fall zweitrangig, da sich die ganz kleinen Babies noch nicht so viel bewegen wie die größeren. Für die Übergangszeit bieten sich Stoffe wie Jersey – gerne auch in Kombination mit dünnem Fleece oder Niki – an. Für die kalte Jahreszeit ist auch eine dickere „Füllung“ mit Plüsch Wintersweat möglich. Dies natürlich eher unterstützend im Außenbereich (zum Beispiel im Kinderwagen), im Kinderzimmer wird es selten so kalt, dass solche dicken Stoffe notwendig sind.

Ich habe mich für vier verschiedene Jerseystoffe entschieden. Da der Pucksack ein Wende-Babyschlafsack wird, kann ich mich durch die verschiedenen Designs jedes Mal neu entscheiden, welcher Stoff aussen/oben zu sehen ist. Selbstverständlich können auch Innen- und Außenteil jeweils aus demselben Stoff genäht werden, genauso wie der gesamte Babyschlafsack auch ausschließlich aus einem Stoff genäht werden kann.

Materialmenge

Die Mindestgröße der einzelnen Stoffteile sollte in der Breite oben 25 cm und unten 35 cm, in der Länge 40 cm betragen. Dazu wird noch eine Nahtzugabe von etwa 1 cm angerechnet. Für das Bündchen benötigen Sie in der Breite etwa 35 cm, wird aber später noch genau berechnet. Die Höhe hängt davon ab, wie hoch es am Schluss sein soll. Ich habe gerne hohe Bündchen, die ich im Bedarfsfall auch hoch oder zurückklappen kann, so wächst der Pucksack über einige Kleidergrößen mit und kann länger verwendet werden. Wenn Sie ein Bündchen mit 10 cm Haben möchten, müssen Sie eine Höhe von 20 cm zuzüglich Nahtzugaben abmessen. In meinem Fall ist die Höhe inklusive Nahtzugabe 35 cm.

Schnittmuster für einen PucksackSchnittmuster

Je nach Geschmack kann ein Pucksack die unterschiedlichsten Formen haben. Von eckig über Wolkenform bis zur klassischen Tropfenform (ohne Spitze), die ich auch heute vorstellen werde. Als Schnittmuster nehmen Sie am besten eine Zeitung oder ein Stück Papier, welches 35cm breit und 40cm hoch ist und falten dies einmal in der Breite, sodass es also 17,5cm breit und 40cm hoch ist. Oben markieren Sie nun eine Stelle 12,5cm vom Falz und zeichnen von dort weg eine Tropfenform zur vollen Breite hin und unten leicht abgerundet. Wenn der „Boden“ Ihres Tropfens eher gerade als rund wird, erleichtert dies die spätere versteckte Naht, die per Hand angebracht werden muss. Aus diesem Grund ist auch mein Tropfen leicht abgeflacht. Schneiden Sie Ihren Tropfen aus und erstellen Sie jeweils zwei Stoffstücke für innen und außen zuzüglich etwa 1cm Nahtzugabe.

Tipp: Um Zeit zu sparen (sofern sie mit Baumwollstoff oder Jersey arbeiten – also mit dünneren Stoffen), können Sie auch alle vier Stofflagen übereinander legen, das Schnittmuster mit Stecknadeln durch alle vier Stoffe feststecken und alle zugleich zuschneiden.

Pucksack nähen

Zuerst legen Sie die Stoffteile des Außenstoffes rechts auf rechts (also die „schönen“ Seiten zueinander) auf und stecken diese fest. Nun nähen Sie entlang der Seite, um die Rundung herum und auf der anderen Seite wieder hinauf mit etwa 1 cm Abstand zur Kante mit einem einfachen Geradstich entlang. Die obere Gerade bleibt offen.

Pucksack nähen

Nun stecken Sie auch die Stoffteile des Innenstoffes rechts auf rechts (also die „schönen“ Seiten zueinander) und nähen diese ebenso. Am unteren Teil sparen Sie jedoch eine Wendeöffnung von etwa 10cm aus (hier mit Stecknadeln markiert). Nie Nähte an der Nahtöffnung werden natürlich auch vernäht (2-3-mal vor und zurück nähen).

Pucksack selber nähen

Bündchen

Messen Sie nun die obere Öffnung eines ihrer beiden „Säcke“ von Naht zu Naht.

Pucksack nähenMultiplizieren diese Zahl erst mit 2, dann mit 0,7 und rechnen Sie im Abschluss noch 1 cm Nahtzugabe dazu, schon haben Sie Ihre Bündchenbreite. Der Bündchenstoff wird zuerst in der Breite halbiert (die „Streifen“ im Stoff verlaufen von oben nach unten, es wird seitlich genäht) und steppen sie diesen mit einem einfachen Geradstich ab.

Bündchen

Falten Sie die Nahtzugaben auseinander und legen Sie den Stoff so, dass die Nahtzugaben an der Oberseite liegen. Klappen Sie dann den Bündchenstoff so nach oben, dass die Kanten aufeinander zu liegen kommen. Sichern Sie die beiden lagen mit den Nahtzugaben mit einer Stecknadel.

Bündchen nähen

Klappen Sie nun die oberste Lage nach unten und stülpen Sie diese über alle drei anderen Lagen, sodass sie zuunterst zu liegen kommt. Die „schöne“ Seite Ihres Bündchenstoffes liegt nun aussen. Legen Sie das Bündchen nun so auf, dass die Nadel an einer Seite zu liegen kommt, streichen Sie den Stoff glatt und markieren Sie die gegenüberliegende Seite ebenfalls mit einer Nadel. Nun legen Sie den Bündchenstoff so, dass beide Nadeln übereinander zu liegen kommen und markieren sie die Außenkanten ebenfalls mit Stecknadeln. Somit ist das Bündchen durch die Stecknadeln „geviertelt“.

Bündchen nähen

Wenden Sie den Sack mit der Wendeöffnung, sodass die „schöne“ Seite außen zu liegen kommt und stecken Sie ihn in den zweiten Sack.

Pucksack nähen

Markieren Sie sich an beiden Stofflagen ebenfalls die Seiten (Nähte) und die vordere und hintere Mitte – genauso wie beim Bündchen, erfahrene NäherInnen können auch nur an einem der beiden Säcke Markierungen setzen. Das Bündchen wird nun zwischen die beiden Säcke gelegt und festgesteckt. Dabei müssen Sie das Bündchen etwas dehen. Das ist beim ersten Mal nicht ganz einfach, Sie haben es aber bestimmt schnell heraussen. Die Bündchennaht legen Sie dabei am besten an eine Seitennaht der Säcke, dann können Sie den Schlafsack vorne und hinten verwenden, ohne dass Sie stört.

Pucksack nähen

Nähen Sie nun alle vier Stofflagen (je einmal Innen- und Außenstoff und zweimal Bündchenstoff) mit etwa 1 cm Nahtzugabe mit einem einfachen Geradstich rundherum zusammen und vernähen Sie Anfang und Ende.

Pucksack nähenWenn Sie zum ersten Mal ein Bündchen annähen, hier noch ein paar kleine Zusatzinfos: Beginnen Sie an einer Seitennaht und vernähen Sie den Anfang. Senken Sie die Nadel in den Stoff und lassen Sie den Nähfuss unten. Nehmen Sie nun die Stelle mit der nächsten Stecknadel in die linke Hand und ziehen Sie so lange vorsichtig an den Stoffen, bis das Bündchen gleich lang ist, wie die anderen beiden Stoffe und keine Falten zu sehen sind. Richten Sie nun mit der rechten Hand die Kanten bündig aus und nähen Sie langsam weiter, während Sie die Spannung mit der linken Hand in der gleichen Stärke halten. Nähen Sie solange, bis die Stecknadel am Nähfuß ansteht und entfernen Sie diese. Verfahren Sie nun mit den anderen „Vierteln“ ebenso, bis Sie wieder am Anfang sind.

Ziehen Sie nun den inneren Sack heraus und wenden Sie das gesamte Werkstück durch die Wendeöffnung.

Pucksack wenden

Vernähen Sie die Wendeöffnung mit einer Leiternaht wie folgt:

Fädeln Sie einen Faden einfach (nicht doppelt) ein und verknoten Sie das Ende. Dann setzen Sie exakt beim Ende der Maschinennaht von innen an der vor Ihnen links liegenden Nahtöffnung den ersten Stich an und vernähen/verknoten ihn möglichst nah.

Leiterstich

Anschließend wenden Sie das Kissen, sodass der Faden an der vor Ihnen rechts liegenden Seite ist. Dann legen Sie den Faden über die Öffnung (also zu Ihnen hin) und stechen genau an der Bügelfalte knapp vor dem Faden in den Stoff und kommen mit der Nadel knapp hinter dem Faden wieder hinaus.

Leiterstich

Nun legen Sie den Faden wieder über die andere Seite (also von Ihnen weg) und so weiter. Dazwischen ziehen Sie natürlich immer mit Gefühl am Faden, sodass die beiden Stoffe genau aufeinander treffen. Je kürzer die einzelnen Stiche sind, um so weniger sichtbar ist die Naht am Ende. Anschließend vernähen Sie noch 1-2 Mal und schneiden den Faden so knapp wie möglich ab.

Leiterstich

Tipp: Sollte der abgeschnitte Faden zu lang sein und auffällig abstehen, schieben Sie das Ende mit der Nadel in die Naht.

Nun stecken Sie noch den Innensack in den Außensack.

Und fertig ist der selbstgenähte Pucksack fürs Baby!

Pucksack nähen

Natürlich ist unsere Puppe mit ihren 40 cm kleiner als ein Neugeborenes, zudem ist das Bündchen umgefaltet (also nach unten geklappt und somit halbiert). Dieser Pucksack kann ab Geburt eingesetzt werden. Durch das breite Bündchen, welches hinauf- oder heruntergeklappt werden kann, wächst er auch mit. Bitte achten Sie bei zunehmender Größe Ihres Babies darauf, dass die Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt wird. Sollte der Schlafsack zu klein werden, nähen Sie einfach einen neuen, der breiter und länger ist. Entsprechende Größenangaben sind leicht im Internet zu finden. Viel Freude mit Ihrem neuen Lieblingsstück!

Variationen

Abgesehen von den vorhin angesprochenen unterschiedlichen Formen des Pucksacks können Sie diesen natürlich beliebig personalisieren. Nicht nur die Stoff- und Musterauswahl, eine schöne Stickerei oder eine Applikation – sondern auch Patchwork ist natürlich wieder möglich. Am besten bereiten Sie die Stoffe schon vor dem Zusammennähen der Einzelteile entsprechend vor. Marken und Größenangaben können in jeder beliebigen Naht angebracht werden, wobei Sie immer zwischen den rechten (also den „schönen“) Stoffseiten zu liegen kommen müssen, damit Sie im Anschluss von außen gut sichtbar sind.

Schnellanleitung:

1. Schnitt erstellen (für Innen- und Außensack gleich), Bündchenstoff bereit legen
2. Zuschneiden mit Nahtzugaben
3. Außensack rundum (Öffnung oben aussparen) zunähen
4. Innensack mit 10cm Wendeöffnung an der Unterseite nähen
5. Bündchen ausrechnen und zuschneiden, Seitennaht erstellen
6. An Bündchen und Säcken Markierungen im Viertel anbringen (Seitennähte, Mitten)
7. Innensack wenden und in den Außensack legen, Bündchen dazwischen schieben
8. Alle Stoffe an den Markierungen zusammenstecken
9. Oben rundum nähen und vernähen
10. Innensack herausziehen, wenden, Wendeöffnung (mit Leiternaht händisch) schließen
11. Innensack in den Außensack stecken – fertig!

Die Zwirnpiratin

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