Potentialausgleich/Erdung im Haus nachrüsten – Ablauf + Kosten


Der Potentialausgleich an einem Haus ist ein zentraler Bestandteil seiner elektrischen Ausstattung. Er dient dazu, das Haus bei Überspannungen, Kurzschlüssen und Blitzschlägen gegen eine Ausbreitung eines elektrischen Schadens abzusichern. Die allgemein als „Erdung“ benannte Maßnahme wird heute standardmäßig beim Hausbau mit eingeplant und durchgeführt. Aufgrund vormals geltender Gesetze sind aber zahlreiche Häuser bis aus den 1960er Jahren noch ohne oder nur mit unzureichendem Potentialausgleich ausgestattet. In diesem Fall muss heute nachgerüstet werden.

Wer darf eine Erdung einbauen?

Dies sei vorweg gesagt: Sämtliche Arbeiten rund um den elektrischen Anschluss an das Hausstromnetz und den Blitzschutz sind ausschließlich zertifizierten Fachunternehmen vorbehalten. Jegliche Eigenversuche sind in diesem Bereich gesetzlich verboten und werden mit einem Bußgeld geahndet. Davon abgesehen, verweigert eine Brandschutzversicherung bei fehlendem Gutachten über die vorhandene elektrische Absicherung eines Hauses in der Regel einen Vertrag. Da eine Brandschutzversicherung aber ebenfalls für einen Hausbesitzer verpflichtend ist, droht auch in diesem Punkt ein Bußgeld. In Summe erspart man sich viel Ärger, indem man diese Aufgabe einem professionellen Dienstleister überlässt.

Blitzableiter

Mit viel Wohlwollen seitens des Elektrikers mag es möglich sein, die einzelnen Arbeitsschritte selbst durchzuführen und abnehmen zu lassen. Der Elektriker muss aber dann nach jedem Arbeitsschritt zur Baustelle kommen und sein OK geben. Dies kann sinnvoll sein, wenn der Elektriker stark ausgelastet ist und für kleiner Aufgaben wie diese keine Zeit frei machen kann. Da die Elektriker aber mit dieser Arbeit nicht nur ihr Geld verdienen, sondern mit ihrer Unterschrift auch noch eine Verantwortung dafür übernehmen, ist eine Eigenleistung in diesem Fall nur sehr selten durchsetzbar.

Aufgabe einer Erdung

Die Erdung bzw. der Potentialausgleich, hat die Aufgabe, Überspannungen in den Boden abzuleiten. Dazu ist die FI-Schutzanlage mit dem Potentialausgleich verbunden.

FI-Schutzschalter
FI-Schutzschalter

Dieser kann dann noch, bei entsprechender Auslegung, mit dem Blitzableiter verbunden werden. Der Einbau des Fundamenterders ist seit 2007 bei jedem Neubau verpflichtend. Vorher waren auch Kompromisse möglich, indem Abwasserleitungen oder andere erdgebundene Metallrohre als Erdung verwendet werden konnten. Da aber hierzu zunehmend Kunststoffrohre verwendet werden und die Metallrohre sich durch die elektrische Beanspruchung als sehr rostanfällig erwiesen haben, sind die Auflagen für eine Erdung heute besonders streng. Im Detail sind Ablauf, Ausführung und zulässiges Personal in der DIN 18014 geregelt.

Der Ringerder

Der in Neubauten gebräuchlichste Erder ist der im Streifenfundament oder Bodenplatte integrierte Ringerder. Er besteht aus einem langen Blech aus feuerverzinktem Stahl. Er wird an der Außenseite im Beton ringförmig um das ganze Gebäude herum verlegt und über ein Anschlusskabel mit breitem Querschnitt nach innen verlegt. Der Ringerder ist im Moment vom Bau des Fundaments am billigsten zu verlegen: Das breite Blech wird ganz einfach zusammen mit der Armierung in der Verschalung verankert und zubetoniert. Bei ausreichender Betondeckung ist verzinktes Stahlblech vollkommen ausreichend. Ein Meter Erdungsband kostet ca. 1.30 und wird quasi kostenneutral beim Einbringen der Armierung mit montiert.

Ringerder

Ringerder können auch nach gerüstet werden. Dazu wird um das Haus ein Graben von 0,5 Meter bis 1 Meter Tiefe gezogen. In diesem Fall muss aber, wenn nicht einbetoniert werden soll oder kann, kein verzinktes Blech verwendet werden. Obwohl Erdungsband standardmäßig eine Schicht von 70 Mikrometer Zink als Mindestmaß für den Korrosionsschutz besitzt, reicht dies für den Kontakt mit dem dauerfeuchten Erdreich nicht aus. Das Band würde verrosten. Hinzu kommt, dass eine elektrische Beanspruchung ebenfalls stark förderlich für eine Korrosion ist. Darum kommt für einen nachträglich installierten Ringerder nur das teure V4A in Frage. Dieser Edelstahl ist äußerst korrosionsfest und damit eine dauerhafte Lösung. Diese hat allerdings ihren Preis: Mit knapp 9 Euro pro Meter ist der Ringanker aus Edelstahl schon vom Material her fast zehn Mal so teuer wie verzinktes Stahlblech. Hinzu kommen noch die Kosten für den Einbau und die Abnahme durch die Elektro-Fachkraft.

Bei einem Haus mit 10 Metern Kantenlänge und einem Ringerder von 0,03 Meter kommt man auf eine Fläche von ca. 3 m² wirksamer Kontaktfläche zum Erdreich, von welcher der abzuleitende Strom abgestrahlt wird. Diese große Fläche ist die Vorgabe für jede andere Erderform.

Der Tiefenerder

Ein Tiefenerder ist eine beliebte Form des Erdankers, wenn die baulichen Gegebenheiten das nachträgliche Installieren von einem Erdanker nicht zulassen. Er besteht aus einem langen Stab, ebenfalls aus V4A Edelstahl. Er wird mindestens neun Meter tief in die Erde gerammt. Dabei muss sichergestellt werden, dass der Tiefenerder keinen Schaden an anderen Installationen wie Stromleitungen oder Abwasserrohren verursachen kann. Ein voraus gehendes Bodengutachten ist deshalb erforderlich, um den idealen Einschlagpunkt vom Tiefenerder zu ermitteln.

Anschlussschelle für Tiefenerder
Anschlussschelle für Tiefenerder

Ein Tiefenerder kostet ca. 20 Euro pro 1,5 Meter Stab. Die Stäbe lassen sich ineinander stecken und verbinden sich beim Einrammen dauerhaft miteinander. Das Einrammen vom Tiefenerder ist eine Sache für einen professionellen Betrieb mit entsprechendem Werkzeug. Bei kleineren Aufgaben genügt dazu ein starker Bohrhammer. Bei größeren Fundamenterdern wird jedoch ein Rammgerät benötigt. Für das Setzen eines Erdankers bei einem einfachen Einfamilienhaus muss man zwischen 200 und 500 Euro kalkulieren.

Tiefenerder

Weitere Arten

Im Grunde kommt es bei einem Erder nur darauf an, dass eine ausreichende Kontaktfläche zum Erdreich besteht. Statt eines Tiefenerders oder eines Ringankers kommen deshalb auch:

  • Geradlinige Erder
  • Strahlerder
  • Plattenerder oder
  • Maschenerder in Betracht.

Geradlinige Erder sind horizontal verlegte Erdungsbänder-, Kabel-, oder Stäbe und werden parallel neben Erdstromkabel eingelegt. Sie sind sehr preiswert, da sie praktisch keine Einbaukosten verursachen, müssen aber bereits beim Hausbau mit eingeplant werden.

Um auf die erforderliche Kontaktfläche zum Erdreich zu kommen, können die geradlinigen Erder auch strahlen- oder kreuzförmig verteilt werden. Wichtig ist nur, dass alle Strahlen sich in einem gemeinsamen Punkt treffen und dort elektrischen Kontakt zueinander haben. Maximal sind sechs Einzelstrahlen zulässig, die in einem Winkel von 60° zueinander verlegt werden.

Verbindet man die Strahlen von einem Strahlenerder miteinander, erhält man ein Feld mit sechs Maschen. Diesen Erdertyp nennt man Maschenerder. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ein Maschenerder ist definitiv kein vergrabener Maschendrahtzaun! Auch für den Maschenerder ist nur zulässiges Material verwendbar, welches einen ausreichend großen Querschnitt aufweist.

Schließlich sind auch Plattenerder als Erdanschluss eines Hauses zulässig. Sie können wahlweise horizontal in 0.5 – 1 Meter Tiefe vergraben wieder senkrecht ins Erdreich eingetrieben werden.

Ihr Gebrauch ist allerdings Telekommunikationsanlagen vorbehalten. Im Hausbau werden Plattenerder nur selten eingesetzt.

Ablauf einer Fundamenterdung

Wenn Sie ein Haus von vor 2007 kaufen, sollten Sie unbedingt die Erdung und den Potentialausgleich überprüfen lassen. Die Kosten für diesen Check sind sehr moderat. Vom Ablauf her misst der Elektriker lediglich den Widerstand an der Erdung. Dies reicht bereits aus, um eine valide Aussage über den Potenzialausgleich treffen zu können. Es kann auch passieren, dass ein Wartungstechniker vom Kabelanschluss einen fehlenden oder unzureichenden Potentialausgleich feststellt. Dieser benötigt eine Erdung mit ausreichendem Querschnitt, um den Verstärker vom Kabelanschluss anschließen zu können. Fehlt dieser, sollte nicht versucht werden, einen separaten, eigenen Potentialausgleich einzubauen. Die Feststellung vom fehlenden oder unzureichenden Potentialausgleich beim Ablauf vom Einbau des Kabelanschlusses sollte unbedingt als Warnsignal betrachtet werden. Der nächste Schritt muss nun der Anruf beim Fachmann sein.

Dem Gutachten vom Fachmann folgt nun die Beratung. Welcher Potentialausgleich ist notwendig und welche Ausführung ist möglich? Der Fachelektriker berät Sie umfassend über Querschnitt, Ablauf und Kosten vom Potentialausgleich. Falls er es nicht selbst durchführen kann, wird der Elektriker aber mit Sicherheit ein Unternehmen nennen können, welches beim Ablauf vom Einbau des Potentialausgleichs bewandert ist. Meistens ist dies ein Bauunternehmen. Diese haben auch das passende Gerät in Form von Baggern, Rammen oder anderem Equipment, mit dem sich die Kosten für den Einbau des Potentialausgleichs im Rahmen halten.

Der nächste Schritt im Ablauf des nachträglichen Einbaus von der Erdung ist das Bodengutachten. Um die Kosten hierfür im Rahmen zu halten lohnt sich ein Besuch beim Katasteramt. Dort müssten rund um das Grundstück alle Zu- und Ableitungen eingezeichnet sein. Die Fachkräfte vor Ort können über den idealen Punkt zum Einbau der Erdung ebenfalls beraten.

Mit dem Bodengutachten geht es im nächsten Schritt vom Ablauf der Erdung wieder zum Bauunternehmen. Wenn fest steht, an welchem Punkt oder vom welchen Bereich der Potentialausgleich eingebaut werden kann, kann auch mit den Baumaßnahmen begonnen werden. Von echten Baumaßnahmen kann ohnehin nur beim Ziehen des Grabens die Rede sein. Falls Sie sich das selbst zu trauen, können Sie in diesem Punkt auch selbst Hand anlegen: Ein spatenbreiter Graben mit einer Tiefe von einem Meter reicht völlig aus, um einen Fundamenterder mit beliebigem Querschnitt im Erdreich zu platzieren. Mit einem Minibagger wird dieser Ablauf zusätzlich beschleunigt. Die Erdarbeiten zählen noch nicht zum Ablauf für den Einbau vom Potentialausgleich. Sie können es also gefahrlos selbst durchführen. Die Kosten für einen Minibagger belaufen sich bei ca. 150 Euro pro Tag beim Werkzeugverleih.

Wenn Sie das Erdungsband mit passendem Querschnitt selbst verlegen wollen, dürfen Sie den Graben so lange nicht zuschütten, bis der Elektriker Ihnen seinen Segen gegeben hat. Er wird nochmals den Querschnitt prüfen und damit sicherstellen, dass der Potentialausgleich auch seinen Zweck erfüllen wird. Ein zu klein gewählter Querschnitt würde beim nächsten Blitzschlag zunächst das Kabel durchbrennen lassen und beim zweiten Blitzschlag das Haus in Brand stecken. Am Querschnitt des Erdungskabels dürfen deshalb keine Kosten gespart werden, sonst drohen schwere Folgeschäden!

Schließlich muss als letzter Punkt vom Ablauf des nachträglichen Einbaus der Erdung das Kabel mit der Hauselektrik angeschlossen werden. Dies ist nun definitiv eine Aufgabe, bei der nicht auf die Hilfe eines Elektrikers verzichtet werden darf. Dieser wird nochmals den Widerstand zur Erdleitung kontrollieren und damit die nachträgliche Erdung frei geben. Die Kosten für diese Maßnahme belaufen sich auf 100 – 500 Euro. Das sollte einem dieses Maximum an Sicherheit aber in jedem Fall wert sein.

Tipps für Schnellleser

  • Keine Kosten durch Einsparungen von Querschnitten senken wollen
  • Kosten senken durch Erdarbeiten möglich
  • Alle Arbeitsschritte vom Fachelektriker absegnen lassen


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