Die einen nennen ihn einen deckenartigen Alleskönner, für die anderen ist er ein wärmender Überwurf, der total stylish rüberkommt. In einem Punkt sind sich jedoch alle einig: Ein Poncho muss sein! Er ist Teil jeder modischen Strömung und passt daher zum Blumenkinder-Look ebenso wie zur Haute Couture.

Mit einem selbst gestrickten Poncho modisch durchstarten

Der Poncho liegt im Trend, sieht richtig gut aus und ist dazu noch äußerst bequem. Für Strickerinnen die perfekte Masche, um sich solch ein modisches Teil selber zu stricken. Auch Anfänger können sich an solch einen modischen Überwurf wagen. Wir zeigen Ihnen, wie auch Sie sich einen schicken Poncho selber stricken können. Schnell und unkompliziert nadeln Sie sich für jede Jahreszeit Ihren eigenen Umhang. Sie werden überrascht sein, welch eine Strickkünstlerin in Ihnen steckt.

Material und Vorbereitung

Wir haben uns für einen Sommer-Poncho entschieden und daher auch ein Garn gewählt, das sich ganz den sommerlichen Temperaturen anpasst. Es ist eine Baumwoll-Polyacryl Mischgarn im Boucle-Effekt, der dieser Wolle einen besonderen Charakter verleiht. Wir wollten einen leichten und beschwingten Sommerponcho stricken.

Das benötigen Sie:

  • 500 g Baumwoll-Mischgarn
  • Stricknadeln der Stärke 5
  • Häkelnadel
  • Stopfnadel
  • Maßband
  • evtl. ein Leintuch für das Schnittmuster

Material zum Poncho stricken

Tipp: Den Poncho haben wir mit einer Rundstricknadel gestrickt, damit die gesamte Strickarbeit locker auf dem Seil und gleichzeitig leicht in der Hand liegt.

Rundstricknadeln für das Stricken eines Ponchos

Bevor Sie mit dem Stricken beginnen, sollten Sie ein paar wenige Vorbereitungen treffen:

  • genaues Körpermaß nehmen
  • eine Vorlage erstellen
  • eine Maschenprobe stricken 10 x 10 cm

Tipp: Scheuen Sie diese Vorarbeiten nicht. Nur damit können Sie sicher sein, dass Ihr Poncho Ihnen auch wirklich passt und nicht zu klein oder zu groß gerät. Unser Poncho ist kein Kurzponcho, der meist nur die Schultern und die Brust bedeckt, unser Beispielponcho ist ein längeres Teil, das locker bis über die Hüfte fällt.

Maß nehmen für StrickponchoMaß nehmen

Um das richtige Körpermaß zu nehmen, messen Sie die Länge von der Schulter bis zum Handgelenk und dann noch die Länge quer über den ganzen Körper von der Schulter bis zur gegenüberliegenden Handmitte. Oder aber, Sie messen die gewünschte Länge des Halsausschnittes und addieren diese Länge zur gemessenen Armlänge dazu.

Unsere Maße für Größe 38 bei einer Körpergröße von 165 cm:

  • 60 cm breit
  • 85 cm lang

Vorlage erstellen

Wenn Sie ganz sicher gehen wollen, dass Ihre Maße genau den Vorstellungen von der Größe Ihres Ponchos entsprechen, dann schneiden Sie sich einen schnellen Musterschnitt zurecht. Für dieses Muster nehmen Sie am besten ein altes Leintuch.

Schneiden Sie aus dem Stoff zwei Rechtecke aus, die beide genau die abgemessenen Maße haben. Unser Modell hatte eine Rechteckbreite von 60 cm und eine Länge von 85 cm. Im Bild können Sie dieses Beispiel genau sehen.

Vorlage für Poncho erstellen

Nach dem Zuschneiden beider Teile werden diese, genau wie auf dem Bild, zusammengenäht. Es genügt, wenn Sie dazu einen Heftfaden nehmen und mit großen Stichen die zwei Rechtecke zusammennähen.

Legen Sie beide Rechtecke in L-Form vor sich auf einen großen Tisch oder auf den Boden und nähen Sie die kürzere Seite an die längere Seite an.

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Verbinden Sie nun genau wie auf dem Bild die beiden Teile miteinander.

Das freiliegende Innenteil ist Ihr Halsausschnitt.

Tipp: Es lohnt sich, dieses Musterteil anzufertigen. Nur dann haben Sie eine ganz klare Vorstellung, wie groß Ihr fertiger Poncho sein wird. Und gleichzeitig haben Sie mit diesem Muster eine perfekte Strickvorlage. Mit dieser Strickvorlage können Sie sich dann auch einen passenden Winterponcho mit richtig dicker Wolle stricken.

 

Eine Maschenprobe stricken

Eine Maschenprobe zu stricken gehört ebenfalls zur Vorbereitung eines Strickprojekts. Jede Wolle verstrickt sich anders, jede Stricknadelstärke verändert das Maß und jede Strickerin hat eine andere Stricktechnik, die sich sofort auf das Strickmaß auswirkt. Auch jedes Strickmuster hat einen großen Einfluss auf das Maß.

Maschenprobe machen

1. Machen Sie diese Maschenprobe unbedingt von der Wolle, mit der Sie auch Ihren Poncho stricken. Auf jeder Wollbanderole steht für die Maschenprobe eine Maschenanzahl, an der Sie sich orientieren können.

2. Schlagen Sie mehr Maschen an, als angegeben sind.

3. Stricken Sie mehr als 10 cm in die Höhe.

4. An dieser Maschenprobe messen Sie nun aus der Mitte heraus 10 cm in die Breite und 10 cm in die Höhe.

5. Zählen Sie die Maschen, die Sie in einer Reihe gestrickt haben.

6. Sie wissen nun, wie viele Maschen Sie mit dieser Wolle auf 10 cm Breite anschlagen müssen. Multiplizieren Sie nun diese Zahl mit der gewünschten Breite in Zentimeter und dividieren Sie das Ganze durch 10.

7. Für unseren Poncho haben wir nach dieser Rechnung 112 Maschen angeschlagen.

Poncho stricken

Schlagen Sie auf einer Rundstricknadel im Kreuzmaschenanschlag die ausgerechnete Maschenzahl für Ihre Poncho-Größe an. Dieser Anschlag ist nicht zu fest und auch nicht zu locker, für die Grundlinie des Ponchos gerade richtig.

Anschlag stricken

Wenn Sie grundsätzlich fest stricken, wählen Sie für den Maschenanschlag eine stärkere Stricknadel. Beim Abstricken der Anschlagsreihe können Sie mit der passenden Stricknadel weiter stricken. Ihre Anschlagsreihe wird nun aber nicht so fest und Sie stricken die erste Reihe leichter ab. Wir haben 112 Maschen angeschlagen.

Der gesamte Poncho wird im glatt-rechts Muster gestrickt. Das heißt, die Hinreihe wird rechts gestrickt und die Rückreihe wird mit linken Maschen gestrickt.

Glatt rechts stricken

Tipp: Natürlich können Sie je nach Eignung auch ein Strickmuster stricken. Dies entscheiden Sie ganz nach Ihrem Können und Ihren Vorlieben. Für Anfänger empfehlen wir allerdings, ein Effektgarn zu kaufen, das für sich alleine schon spricht und man auf ein kompliziertes Muster verzichten kann. Wer Farben liebt, kann sich den Poncho auch in bunten Farben stricken. Viele Garnangebote sind schon so gefärbt, dass aus dem Garn ein interessanter Farbverlauf entsteht.

Die Randmaschen sollten so gestrickt werden, dass der Rand nicht wellt und einen schönen Abschluss darstellt. Dazu wird bei der Hinreihe die Randmasche ebenfalls rechts gestrickt. Die Arbeit wenden und die erste Masche einfach abheben und auf die rechte Nadel legen.

Bei der Rückreihe wird die letzte Masche nur links abgehoben, nicht gestrickt. Nach dem Wenden der Arbeit diese Randmasche als rechte Masche stricken, aber dabei die Nadel hinten einstechen.

In dieser Folge beide Rechtecke gleich lang stricken. Ein Rechteck von unserer Ponchogröße hat die Länge von 85 cm.

Maschen abketten

Wenn die gewünschte Poncholänge erreicht ist, beginnt das Abketten aller Maschen. Hierfür stricken Sie zwei rechte Maschen und heben die erste Masche über die zweite rechts gestrickte Masche. Bei der letzten Masche wird der Faden auf eine Länge von ungefähr 20 cm abgeschnitten und durch die Masche gezogen.

Die letzten Arbeitsschritte

Nachdem beide Strickteile fertig gestrickt sind, müssen noch alle Wollfäden vernäht werden. Dabei die zwei Wollfäden miteinander verknoten und danach jeden Faden für sich auf der linken Seite des Strickteils in der Webtechnik gut vernähen und die Restfäden abschneiden.

Je nachdem, was für ein Garn zum Stricken verarbeitet wurde, kann jedes Rechteckteil für sich gespannt und angefeuchtet werden. Mit mancher Wolle oder bei sehr unregelmäßigen Strickmaschen wird durch das Anfeuchten des Strickstücks das gesamte Maschenbild etwas gleichmäßiger. Das gilt auch, wenn sich die Ränder leicht einrollen und das nicht unbedingt erwünscht ist.

Vor dem Anfeuchten die Strickteile auf ein großes Badetuch auslegen und mit dünnen Stecknadeln in geringem Abstand sauber befestigen. Mit einem Pflanzenzerstäuber leicht besprühen oder mit dem Dampf des Dampfbügeleisens jedes Teil befeuchten. Das Dampfbügeleisen darf das Strickteil allerdings nicht berühren.

Die beiden Ponchoteile über Nacht gut trocknen lassen.

Aus Zwei mach Eins

Nun beginnt der spannendste Teil bei der Fertigstellung des selbst gestrickten Ponchos. Das Zusammennähen.

poncho-stricken-einzelteile-zusammenstricken

Dafür werden die beiden Rechtecke, wie bei der Strickvorbereitung schon besprochen, als L-Form auf den Boden oder einen großen Tisch gelegt. Die Verbindung des „L“ kann nun zusammengenäht werden. Es empfiehlt sich, die Strickteile mit dem sogenannten Matratzenstich zusammenzunähen. Das Zusammennähen erfolgt dabei auf der rechten Seite.

Nachdem das „L“ nun seine Form erhalten hat, müssen nur noch die beiden Teile zu einem runden Poncho miteinander verbunden werden. Nähen Sie die Strickteile wie auf dem Musterbeispiel zusammen.

Faden vernähen am Ende

Bei unserem Musterponcho haben wir für das Zusammennähen ein glattes Garn in ähnlicher Farbe verwendet. Das Effektgarn, mit dem unser Poncho gestrickt wurde, eignet sich dafür weniger, da das Garn sehr unterschiedlich stark ist und eine saubere Naht damit nicht möglich gewesen wäre. Ebenfalls haben wir den Faden doppelt genommen, so hält die Naht garantiert gut zusammen.

Den letzten Faden noch vernähen und fertig ist der selbst gestrickte Poncho für seinen ersten Ausgang!

Tipp: Beim Zusammennähen ist es hilfreich, wenn die einzelnen Teile vor dem Nähen mit einer Stecknadel oder einer Sicherheitsnadel zusammengehalten werden.

Es kommt auf den Geschmack der Trägerin an und auf die Wolle, mit der ein Poncho gestrickt wird. Denn als krönenden Abschluss kann der ganze Umhang an seinen Rändern mit festen Maschen noch eingehäkelt werden. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass diese festen Maschen nicht zu stramm angehäkelt werden, sonst zieht sich der Rand stark zusammen und verliert dabei seinen lockeren Schwung.

Tipp: Wenn Sie diese Umrandung mit einer andersfarbigen Wolle umhäkeln, gibt dies Ihrem Poncho noch einen zusätzlichen Charme.

Selbst gestrickter PonchoDas richtige Garn

Wenn Sie sich einen Poncho für die kalte Jahreszeit stricken möchten, sollten Sie dafür eine wärmende und gut verstrickende Wolle nehmen. Ein weiches Merinogarn, das mit dicken Nadeln gestrickt wird, erfüllt für einen Winter-Poncho alle Voraussetzungen. Merinowolle hält warm, ist schmutzabweisend, atmungsaktiv und sehr weich. Wenn die Merinowolle noch mit einer Kunstfaser, zum Beispiel Polyacryl, versehen ist, dann bleibt sie formbeständig und ist pflegeleicht.

Ein sehr interessantes Garn für einen Hauch von einem Poncho ist das Lacegarn. Lacegarne sind hauchdünn und perfekt für sehr leichte und zarte Strickteile. Sie werden mit dicken Nadeln gestrickt, damit sie besonders locker fallen. Lacegarne gibt es in verschiedenen Garnmischungen, sodass Sie vom Material her viel Auswahl haben.

Kurzanleitung:

1. Material: 500 g Baumwoll-Effektgarn 125 m/50 g
2. 112 Maschen anschlagen
3. Glatt rechts ca. 85 cm hochstricken – abketten
4. Das zweite Rechteck ebenso stricken
5. Alle Fäden vernähen
6. Falls notwendig die einzelnen Strickteile spannen
7. Beide Teile der Vorlage nach zusammennähen
8. Umrandung häkeln

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