Plexiglas biegen

Acrylglas wird für viele verschiedene Arbeiten verwendet und lässt sich unkompliziert verarbeiten. Durch die richtige Vorgehensweise können Sie das Material biegen und somit in die passende Form bringen. In unserem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie hierbei am besten vorgehen und was Sie bei der Arbeit beachten müssen.

Die Vorteile von Plexiglas liegen in der hohen Stabilität. Es ist unempfindlich gegenüber Stößen und wird daher häufig als Ersatz für Glas eingesetzt. Sie schneiden das Material auf die passende Form zu und können mehrere Elemente zusammen kleben. Hinzu kommt die Möglichkeit des Verformens. Nach dem Erhitzen biegen Sie die Platten in die gewünschte Form und realisieren dadurch Zylinder oder auch Wellen. Nach dem Abkühlen bleibt die neue Form erhalten und Sie können die Bauteile weiter verarbeiten.

Verformen mit Hilfe des Backofens

Durch die Hitze weicht das Material an und kann in die passende Form gebracht werden. Für die Ausführung benötigen Sie folgende Utensilien:

  • Backofen, der eine Temperatur von rund 170 Grad erreicht
  • Rost (gut geputzt)
  • Handschuhe, da die Platte heiß wird
  • Einspanngerät zur Erzeugung einer gleichmäßigen Rundung (Bau wird in diesem Ratgeber beschrieben)
Plexiglas im Ofen erhitzen
Plexiglas im Ofen erhitzen
  1. Schritt: Als erstes müssen Sie die Schutzfolie entfernen.
  1. Schritt: Hat die Platte eine einseitige Beschichtung, dann ist es wichtig, mit welcher Seite das Acrylglas später im Backofen nach oben zeigt. Hierbei gilt, dass die farbige Folie auf der nicht-beschichteten Seite (die Unterseite) aufliegt.
  2. Schritt: Der Rost des Backofens muss gründlich gereinigt sein. Würden Überreste verbleiben, dann würden sich diese in das Material eindrücken und als Rückstände darauf verbleiben.
  3. Schritt: Legen Sie die Plexiglas-Platte so auf den Rost, dass die Unterseite nach unten zeigt.
  1. Schritt: Lassen Sie die Acrylglas-Platte im Ofen einige Minuten erwärmen. Die Dauer hängt von der Dicke der Platte ab. Als Faustregel gilt folgende Formel:

Die Dicke der Platte in Millimeter ist gleich der Verweilzeit der Plexiglas-Platte im Backofen.
3 mm Platte = 3 Minuten im Ofen

  1. Schritt: Nun ist das Material frei formbar und Sie können die gewünschte Form erzeugen.

Plexiglas Schutzfolie

Tipp: Die Biegerichtung entscheidet darüber, ob das Material im Falle einer beschichteten Seite transparent ist oder nicht. Liegt die beschichtete Seite bei einer erzeugten Rundung unten, dann bleibt das Material durchsichtig.

Sie können das Plexiglas nicht nur biegen sondern auch in alle möglichen Formen bringen. Durch die hohe Temperatur wird es weich und kann auch flächig verformt werden. Es wird gut modellierbar und daher für verschiedene Projekte nutzbar. Wenn Sie eine gleichmäßige Rundung erzeugen möchten, dann sollten Sie mit einem Hilfsmittel arbeiten: Spannen Sie die Platte ein, sodass Sie in die gewünschte Form gebracht und gehalten wird.

Hilfsgerät zum Verformen vom Acrylglas

Beispiel: Sie arbeiten mit einer 50 Zentimeter langen Platte und möchten einen Halbzylinder mit einem Durchmesser von 20 Zentimetern herstellen. Dann benötigen Sie ein Brett, welches mehr als 50 Zentimeter lang und mehr als 26 Zentimeter breit ist. Die Latten sollten ebenfalls mehr als 50 Zentimeter lang sein. Für die Nutzung benötigen Sie außerdem 4 Klemmen, um die gebogene Platte zu fixieren.

Schritt 1: Zwei der Latten werden nun auf das Brett geschraubt. Sie werden zunächst einmal der Länge nach auf das Brett gelegt und schließen mit den Außenkanten im Idealfall bündig ab. In jedem Fall befinden sie sich an den Außenseiten des Brettes.

Hilfsform zum Biegen von Plexiglas

Schritt 2: Die beiden übrigen Latten werden nicht festgeschraubt. Sie bleiben lose.

So verwenden Sie das Hilfsgerät beim Verformen des Plexiglases

  • Bringen Sie das Acrylglas in die gewünschte Halbzylinder-Form und stellen Sie die Platte mit der Öffnung nach unten auf die Platte (die geraden Seiten zeigen nach unten).
  • Die Seiten der Platte stoßen gegen die angeschraubten Holzlatten.
  • Schieben Sie nun jeweils eine der beiden losen Latten gegen den inneren Rand der Platte.
  • Fixieren Sie die gebogene Platte zwischen den beiden Holzlatten und befestigen Sie an beiden Seiten jeweils zwei Klemmen. Nun können Sie Platte loslassen und Sie verbleibt in der gewünschten Position.
Plexiglas biegen
Plexiglas biegen

Verformen mit Hilfe eines Heißluftföns

Auch durch einen Heißluftfön lässt sich eine hohe Temperatur erzeugen und Sie können die Plexiglas-Platten verformen. Allerdings sollte in diesem Fall die Dicke der Platten nicht mehr als 5 Millimeter betragen. Es ist wichtig, die Platte ausreichend zu erhitzen, da sie ansonsten brechen kann. Die Vorteile vom Heißluftfön liegen in der hohen Hitzentwicklung und der präzisen Steuerungsmöglichkeit. Sie erwärmen gezielt bestimmte Bereiche und können somit effektiv arbeiten.Plexiglas biegen mit dem Heißluftfön

Schritt-für-Schritt

  1. Schritt: Verwenden Sie eine längliche Düse. Diese ist wesentlich besser geeignet als eine runde oder punktförmige Düse.
  2. Schritt: Spannen Sie ein 4-kantiges Rohr in einen Schraubstock. Diese Vorrichtung dient später dazu, die Platte über das Rohr zu biegen. Sie erhalten eine gerade Kante und können somit sauber arbeiten und einen rechten Winkel erzeugen. Damit die entstehende Kante gelingt, muss auch die Unterlage einen rechten Winkel aufweisen. Es ist außerdem wichtig, dass sich die Unterlage durch die Hitze nicht verformen kann.
  3. Schritt: Entfernen Sie die Schutzfolie von der Platte. Sie können mit dem Heißluftfön sowohl klares als auch gefärbtes Plexiglas verformen.
  4. Schritt: Spannen Sie die Platte mit den Schraubzwingen auf dem Rohr fest. Achten Sie darauf, dass sich die Kante, welche gebogen werden soll, genau über der Kante des Rohr befindet. Die Platte muss an der Kante des Rohres abschließen.

Tipp: Zum Spannen können Sie Holz verwenden. Metall könnte sich zu stark erhitzen und die Wärme dadurch ungewollt auf die Platte übertragen. Dadurch würden unerwünschte Verformungen entstehen und das Ergebnis würde negativ beeinflusst werden. Auch die Speicherung der Wärme im Metall könnte zu Nebeneffekten führen und die Dosierbarkeit der Hitze beeinflussen.

Entfernen Sie an den Schraubzwingen eventuell vorhandene Kunststoffkappen beziehungsweise Gummikappen. Auch sie würden durch die Hitze einen Schaden erleiden. Außerdem käme es zur Entwicklung von giftigen Dämpfen.

  1. Schritt: Befestigen Sie eine weitere Schraubzwinge am Plexiglas mit einem passenden Stück Holz. Die Schraubzwinge dient als Biegehebel.

Tipp: Testen Sie, ob Sie das Holz und die Schraubzwinge nach unten drücken können. Auf dem Weg dürfen sich keine Hindernisse befinden, die zu einer Blockade führen würden. Halten Sie zwischen den Holzbrettern einen kleinen Spalt frei.

  1. Schritt: Setzen Sie den Heißluftfön an den Spalt an. Nun müssen Sie die Platte gleichmäßig erhitzen. Führen Sie den Heißluftfön daher über der Öffnung von einer Seite zur anderen und wiederholen Sie diesen Vorgang mehrfach.

Tipp: Es ist entscheidend, die richtige Hitze zu finden. Das Material darf weder zu hart noch zu weich werden. Kontrollieren Sie daher regelmäßig die entstandene Wirkung und arbeiten Sie langsam und sorgfältig.

  1. Schritt: Sobald die richtige Temperatur erreicht wurde, können Sie mit dem Biegen beginnen. Lassen Sie den Fön hierfür auf die Platte gerichtet und ziehen Sie mit der zweiten Hand am Biegehebel. Ziehen Sie diesen langsam nach unten. Arbeiten Sie nicht mit zu viel Kraft, da ansonsten das Material brechen kann.

Sie dürfen den Fön nicht zu lange auf eine bestimmte Stelle richten, da dies zu einer zu starken Erwärmung und unkontrollierbaren Verformung führen würde. Auf der anderen Seite dürfen Sie auch nicht zu stark an dem Biegehebel ziehen, da die Platte sonst brechen kann.

Tipp: Sie können auch zu Zweit arbeiten, eine Person erwärmt die Platte, die andere Person verformt das Material. Erfahrungsgemäß sollte der Biegevorgang rund 2 Minuten in Anspruch nehmen.

Zu Beginn ist es empfehlenswert, das Verformen zunächst einmal an einem übrig gebliebenen Stück Plexiglas zu üben. Sollten Sie das Glas zu wenig erwärmen, dann können sich feine Risse bilden oder das Material bricht. Bei einer zu starken Hitze entstehen Luftbläschen, die die Optik auch nach dem Abkühlen negativ beeinflussen.

  1. Schritt: Lösen Sie nun die Schraubzwingen und entnehmen Sie das Acrylglas. Achten Sie darauf, dass das Material ausreichend abgekühlt ist, was in der Regel relativ schnell geht.

Häufig gestellte FragenFAQ

Wann setze ich den Backofen ein und wann setze ich den Heißluftfön ein?

Der Backofen eignet sich immer dann, wenn eine flächige Verformung gewünscht ist. Er hat den Vorteil, dass er die gesamte Platte erhitzt und somit eine großflächige Formänderung ermöglicht. Sollen beispielsweise Wellen in die Platte gebracht werden, dann ist der Backofen die richtige Wahl. Mit dem Heißluftfön erwärmen Sie gezielt bestimmte Bereiche und können deren Form verändern. Wenn Sie eine 90-Grad-Biegung herstellen möchten, dann ist es am einfachsten, wenn Sie nur diesen Bereich erhitzen, ohne dass die Platte an sich weich wird. Sie erhitzen nur die Kante und die übrige Plattenfläche bleibt stabil und somit gerade.

Wann sollte ich eine Biegemaschine zum Verformen einsetzen?

Im Fachhandel werden bereits fertige Biegemaschinen angeboten, die sich vor allem dann eignen, wenn Sie häufig Plexiglas bearbeiten möchten oder eine größere Platte vorliegen haben. Die Biegemaschine arbeitet mit einem Heizdraht, der ebenfalls Hitze erzeugt. Der Vorteil liegt in der hohen Präzision, da der Draht relativ dünn ist. Sie spannen die Plexiglasplatte in die Biegemaschine ein und können somit mühelos Platten von mehr als einem Meter in die richtige Form bringen. Somit eignet sich die Biegemaschine bei der Arbeit mit größeren Materialien.

Tipps für Schnellleser:

  • im Backofen erwärmen
    • Backofen ermöglicht flächige Verformung
  • mit dem Heißluftfön erhitzen
    • Heißluftfön für rechte Winkel
  • professionelle Biegemaschine einsetzen
    • Biegemaschine bei großen Platten
    • Biegemaschine arbeitet mit Heizdraht
  • Handschuhe tragen
  • nicht zu stark erwärmen
  • nicht zu wenig erhitzen
  • zu heiß: Blasen bilden sich
  • zu kalt: Material bricht oder Risse entstehen

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