Pilzkopfzapfen bei Fenstern nachrüsten – Preise und Anleitung


Um diesen Text zu studieren, brauchen Sie in etwa sechs Minuten. Statistisch gesehen haben in dieser Zeit drei Haushalte in Deutschland ungebetenen Besuch bekommen. Denn mittlerweile muss man der traurigen Wahrheit ins Gesicht sehen, dass in Deutschland alle zwei Minuten in irgendeiner Wohnung oder Haus eingebrochen wird. Darüber kann man sich ärgern – man kann aber auch reagieren. Das Umrüsten der Schließmechanismen von Fenstern ist hier eine schnelle und wirksame Maßnahme. Lesen Sie in diesem Text alles, was Sie über Pilzkopfzapfen wissen müssen.

Absoluter Einbruchsschutz?

Man kann sich die Fenster mit Schmiedeeisernen Gittern verhängen, Zentimeter dickes Panzerglas einbauen und das ganze Haus mit einer gut sichtbaren Video-Überwachung ausstatten: Wenn ein Einbrecher hinein will, dann kommt er auch hinein. Einen absoluten Einbruchschutz gibt es deshalb definitiv nicht. Was es aber gibt, ist die Einbruchshemmung. Je umständlicher es einem Einbrecher gemacht wird, in das Innere des Hauses zu gelangen, desto wahrscheinlicher ist es, dass er sein Vorhaben aufgibt. Im Fall eines Neubaus oder einer nachhaltigen Renovierung empfiehlt es sich daher stets, Fenster mit einer höheren Sicherheitsklasse zu wählen.

Abschließbarer Fenstergriff

Sicherheitsklassen von Fenstern – alles nach Norm

Die Norm, welche den Einbruchschutz von Fenstern regelt, ist die DIN EN 1627. Die Norm bemisst sich dabei nach der Zeit, die ein Einbrecher zum Eindringen benötigt. Die Zeit, welche ein Verbrecher mit dem Öffnen des Fensters verbringen muss, nennt man auch „Kontaktzeit“.

Die Norm unterteilt Fenster in folgende Klassen:

RC1 Ein unerfahrener Gelegenheitstäter kann sofort und nur mit geringster körperlicher Gewalt in das Innere des Hauses eindringen. Alles, was sich per Fußtritt oder hochheben von Rollladen ohne Zuhilfenahme von Werkzeug bewerkstelligen lässt, zählt zu dieser Widerstandsklasse.

RC2 Ein Gelegenheitstäter mit geringer Einbruchserfahrung braucht mit einem einfachen Werkzeug wie Schraubendreher, Zangen oder Keilen etwa drei Minuten, um ein Fenster auf zu brechen.

RC3 Der Täter verwendet einen zweiten, großen Schraubendreher oder ein professionelles Stemmeisen und benötigt ca. 5 Minuten zum Eindringen.

RC4 Ein erfahrener Täter setzt schweres Werkzeug wie Vorschlaghammer, Axt oder Akkuschrauber ein. Dennoch braucht er mindestens 10 Minuten, um das Fenster zu öffnen.

RC5 Ein semiprofessioneller Täter verwendet netzbetriebenes Elektrowerkzeug wie Bohrmaschine, Stemmhammer oder Säbelsäge, um sich Zutritt zu verschaffen. Türen und Fenster halten aber so lange dagegen, dass der Einbruch um mindestens 15 Minuten verzögert wird.

RC6 Ein Berufsverbrecher bringt sein professionelles Einbruchswerkzeug mit: Dietrich, großer Winkelschleifer mit über 220 mm Durchmesser und anderes Profi-Werkzeug. Dennoch leisten Türen und Fenster so gut Widerstand, dass der Täter mindestens 20 Minuten beschäftigt ist.

Pilzkopfzapfen nachrüsten

Realistisch betrachtet ist alles spätestens ab RC4 für einen nachhaltigen Einbruchschutz ausreichend. Kein Täter wird sich zehn Minuten lang an einem Fenster abplagen wollen, wenn nicht alle anderen Umstände gegeben sind.

Also alles raus?

Und hier kommt nun die gute Nachricht: Um seinen Einbruchschutz signifikant verbessern zu können, reichen kleine aber wohl platzierte Maßnahmen bereits aus. Man muss dazu sagen, dass normale Fenster vom Baumarkt in der Regel keine Widerstandsklasse haben. Man muss also bei den preiswerten Angeboten von einer Klasse von RC3 oder schlechter ausgehen. Nachfragen hilft hier in jedem Fall.

Spätestens nach einem Einbruch wird sich jeder Bewohner Gedanken über die Verbesserung des Schutzes machen. Pilzkopfzapfen sind hier eine simple aber effektive Methode.

Was können Pilzkopfzapfen?

Der Verschlussmechanismus von einem modernen Fenster funktioniert über sogenannte Rollzapfen. Dies sind einfache Metallschrauben, die mit einer rollbaren Hülse umhüllt sind. Bei Öffnen und Schließen von Fenstern rollen diese Zapfen in die dafür vorgesehenen Führungen. Ein Zapfen in einer Führung kann jedoch nur nach einer Richtung Widerstand leisten: Quer zum Öffnungswinkel. Sobald der Rollzapfen aber längs zu seiner Richtung bewegt wird, lässt er sich aus der Führung hinaus ziehen.

Die Kunststoff-Fenster sind hier besonders problematisch. Der weiche und biegsame Kunststoff gibt nach und lässt sich verformen. Aluminium oder Holz leisten hier erheblich mehr Widerstand.

Pilzkopfzapfen wirken dem aber entgegen: Sie fahren nicht nur einfach in die Führung hinein und verweilen dort. Der „Hut“ des Pilzkopfzapfens fährt unter die Führung und verhakt sich dort. Versucht nun ein Einbrecher mit Hilfe eines Stemmeisens den vermeintlichen Rollzapfen aus der Führung zu ziehen, halten Führung und Pilzkopfzapfen dagegen. Die Einbruchhemmung ist wieder hergestellt und das Fenster steigt in seiner Einstufung um mindestens zwei Klassen. Das freut auch die Versicherung.

Pilzkopfzapfen nachrüsten

Ganz so leicht ist das Umrüsten eines Fensters auf Pilzkopfzapfen leider dann doch nicht. Es ist nicht mit dem Austausch der Rollzapfen gegen Pilzkopfzapfen getan. Tatsächlich muss bei einer nachhaltig wirksamen Umrüstung die gesamte innere Mechanik von einem Fenster ausgetauscht werden. Jedoch erreicht man mit dieser Maßnahme in der Regel mindestens eine Einstufung auf RC4 oder höher.

Pilzkopfzapfen nachrüsten

Zum Umrüsten eines Fensters auf Pilzkopfzapfen braucht man:

  • Akkuschrauber
  • Schraubendreher
  • Hammer
  • Umrüstsatz

1. Schritt: Fenster ausbauen

Das Fenster wird an seinen Halterungen gelöst und abgebaut. Die Halterungen sind unter Kunststoff-Abdeckungen versteckt. Diese können mit einem breiten Schraubenzieher einfach entfernt werden. Darunter werden die Halteschrauben sichtbar. Diese lassen sich mit einem Akkuschrauber sekundenschnell entfernen.

Achtung: Immer den passenden Bit nehmen und den Akkuschrauber fest ansetzen. Eine rund gedrehte Schraube nicht mehr verwenden, sondern stets gegen eine neue Schraube austauschen.

Bei dem Ausbauen von großen Fenstern sollte ein Helfer bereit stehen.

2. Schritt: Alte Mechanik ausbauen

Die alte Mechanik wird einschließlich der Drehhebel ausgebaut. Sie ist ebenfalls mit einfachen Blechschrauben mit dem Rahmen vom Fenster verbunden. Mit einem Akkuschrauber ist dies in ca. 10 Minuten erledigt.

3. Schritt: Neue Mechanik einbauen

Ein Umrüst-Kit für eine verbesserte Einbruchhemmung besteht in der Regel aus mehr Komponenten als den Pilzkopfzapfen. Die Ecklager sind hier ebenfalls meistens gleich mit dabei. Diese praktischen Features verhindern, dass ein Einbrecher über die Ecken einen Draht einfädeln kann. Beim Umrüsten eines Fensters beginnt man praktischerweise mit eben diesen Ecklagern. Sie werden auf den Ecken platziert und mit den mitgelieferten Schrauben befestigt.

Nach den Ecklagern werden die Scherenlager montiert. Sie werden gemäß Einbauvorschrift des Herstellers am Fenster montiert. Die Pilzzapfen sind schließlich ein Bestandteil der Umlenklager.

4. Schritt: Perfekte Ergänzung durch abschließbaren Fenstergriff

Ein Schloss an einem Fenstergriff hat zwei Vorteile: Er erhöht den Einbruchschutz auf aktive und passive Weise. Aktiv, weil er einen zusätzlichen Widerstand aufbaut. Der passive Schutz wird durch die abschreckende Wirkung erreicht: Ein gut sichtbares Schloss am Fenster hat Signalwirkung auf die Einbrecher.

Fenstergriffe

5. Schritt: Schließteile austauschen

Auch wenn die Pilzkopfzapfen nur ein kleiner Bestandteil der Fenstermechanik sind – sie leisten die Hauptarbeit beim Einbruchschutz. Sie sind jedoch nur so wirksam, wie es ihre Gegenlager sind. Darum werden die Schließteile an der Zarge ebenfalls gewechselt.

6. Schritt: Fenster wieder einbauen

Schließlich wird das Fenster wieder eingebaut. Das beruhigende Gefühl, etwas für die eigene Sicherheit getan zu haben, gibt es kostenlos dazu.
Kosten von Pilzkopfzapfen

Was die Umrüstung von einem Fenster auf Pilzkopfzapfen kostet, hängt stark von der Größe und von Aufwand ab. Eine einzelne Eckumlenkung mit Pilzkopfzapfen kostet ab ca. 20 Euro. Die dazu gehörige Schließplatte kostet im Einzelhandel nochmals 5-10 Euro. Ein komplettes Umbaukit kostet ab ca. 100 Euro. Allerdings kostet auch ein kompletter, neuer Fensterflügel mit bereits eingebauten Pilzkopfzapfen im Versandhandel ab ca. 120 Euro. Je nach Größe und Alter des Fensters lohnt sich also durchaus bereits ein kompletter Austausch vom Fensterflügel.

Wichtige Hinweise

Was Einbrecher wollen

Einbrecher prüfen ein Objekt ihres Begehrens ganz genau ab. Fünf Faktoren entscheiden für sie darüber, ob sie einen Raubzug wagen wollen oder ob das Risiko zu groß ist:

1. Die Wahrscheinlichkeit von interessanter Beute
2. Der beim Einsteigen nötige Aufwand
3. Die beim Einbruch entstehenden Begleiterscheinungen
4. Die Aufmerksamkeit der Nachbarn
5. Die Fluchtwege

Natürlich ist ein gut von außen sichtbare Ausstattung ein echter Fliegenfänger für die Verbrecher. Wenn sie schon vom Weiten erkennen können, dass es sich bei diesem Haushalt um ein interessantes Objekt handelt, dann steigt die Wahrscheinlichkeit von einem Einbruch signifikant an. Ein teures Auto vor der Garage, ein insgesamt hochwertiges Haus, wertvolle Hifi-Elektronik oder Küchenausstattung – wer einbricht, weiß wie er seine Beute versilbern kann. Was glauben Sie, wie schnell sich ein neuer Thermomix verkaufen lässt? Die Einbrecher sind immer auf dem neuesten Stand: Waren es früher Stereoanlagen und Münzsammlungen, gehen heute Küchengeräte und Flachbild-Fernseher auf Nimmerwiedersehen davon.

Ein Objekt, bei dem gewohnheitsmäßig alle Fenster auf Kipp stehen, ist natürlich wesentlich interessanter als ein Haus mit vergitterten Fenstern. Nun mag sich nicht jeder unbedingt selbst hinter „schwedische Gardinen“ bringen – aber gekippte Fenster haben ebenfalls eine geradezu magische Anziehungskraft auf Einbrecher. Ganz abgesehen davon: Der Schutz durch die Hausratversicherung ist bei gekippten Fenstern im höchsten Maße gefährdet. Kann die Versicherung anhand der Spuren vom Einbruch nachweisen, dass die Fenster offen gestanden haben, wird sie die Zahlung verweigern. In jedem Fall muss mit einer erheblichen Verminderung der Leistung von der Versicherung gerechnet werden. Ein Haus mit gekippten Fenstern zu verlassen ist grob fahrlässig.

Muss bei einem Fenster zwingend die Scheibe eingeschlagen werden, um ins Innere des Hauses zu gelangen, ist der Einbruch schon im sehr unwahrscheinlich geworden. Eine Scheibe zu zerschlagen geht nicht ohne die entsprechende Lärmentwicklung. Einbrecher vermeiden jede Auffälligkeit so gut es eben geht. Klirrendes Glas oder der Lärm von Bohrmaschinen, Hämmern und Stemmeisen werden daher so gut wie möglich vermieden. Ein Grund mehr, die Fenster so sicher wie möglich zu machen.

Wenn also ein Einbrecher versucht, durch ein Fenster in ein Haus zu gelangen, dann wird er immer den Rahmen als erstes angreifen. Die Mechanik von modernen Fenstern sieht für den Laien zwar kompliziert und sicher aus. Für einen Einbrecher ist das Gewirr aus Schiebern, Zapfen und Stangen aber leicht zu überwinden. Hier hat aber jeder Immobilienbesitzer es selbst in der Hand, mit ein wenig Einsatz den Schutz seiner Fenster zu optimieren.

Man muss es aber betonen: Der beste Schutz gegen Einbrecher sind aufmerksame Nachbarn. Ein Objekt wird nur sehr selten spontan angegriffen. Normalerweise geht dem Einbruch eine mehrtägige Observation voraus. Nachbarn, die unbekannte, herum lümmelnde und sich auffällig verhaltende Personen zur Rede stellen, erzielen nach wie vor die beste Wirkung: Auch wenn es altbacken klingt – Einbrecher schreckt dies meist nachhaltig ab. Sich mit seinen Nachbarn gut zu stellen ist nicht nur aus diesem Grund deshalb sehr empfehlenswert.

Schließlich ist die Frage der Fluchtwege entscheidend für einen Einbruch. Ein abseits gelegener Hof wird schneller zu Ziel eines Einbruchs als eine Wohnung in einer stark belebten Seitenstraße. Hieran kann zwar der jeweilige Bewohner nichts ändern – es sollte aber ein Hinweis dafür sein, besondere Maßnahmen zu ergreifen wenn man in einem Risikogebiet wohnt. Hier kann auch die Polizei helfen: Sie wird zwar keine Auskunft darüber geben, wo überall schon eingebrochen wurde. Ob aber in der Gegend unerwünschte Besucher häufiger anzutreffen waren, wird man dort mit Sicherheit erfahren können.

Kunststoff unsicherer als Holz oder Aluminium?

Es lässt sich nicht pauschal beantworten, ob Kunststoff-Fenster unsicherer sind als Fenster mit Rahmen aus Aluminium oder Holz. Das Kunststoff-Fenster ist zudem heute so weit verbreitet, dass es zum Standard von neuen oder renovierten Häusern gehört. Fenster mit Aluminium-Rahmen haben zwar kaum einen höheren Widerstandswert. Jedoch werden sie immer seltener eingebaut, da sie schlechte Wärmewerte besitzen. Der Einbruchschutz, den ein Aluminium-Fenster bietet, ist also eher passiver Natur: Wer noch solche Fenster hat, der sagt damit aus, dass bei ihm nicht viel zu holen ist. Aber auf diese Wirkung sollte man sich nicht verlassen. Umgekehrt haben Isofenster mit Holzrahmen wiederum eine starke Signalwirkung auf Einbrecher: Wer sich so teure und edle Fenster leisten kann, der wird auch die entsprechende Einrichtung besitzen. Dieser Kausalitätskette ist durchaus gegeben. Darum: Falls moderne, schicke Holzfenster verbaut wurden, sollte der Schutz gegen Einbrecher besondere Aufmerksamkeit zuteilwerden.



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