Oleander vermehren: so ziehen Sie eine Jungpflanze aus Samen

Oleander vermehren

Wenn Sie Ihre Oleander vermehren wollen, wird meist die vegetative Variante über Stecklinge empfohlen. Sie zeichnet sich durch ein simples System und hohe Erfolgschancen aus. Eine Jungpflanze aus Samen ziehen ist die zweite Möglichkeit, die sich für die Vermehrung anbietet. Sie wird gewählt, wenn mehrere Oleander gewünscht sind, die Mutterpflanzen aber nicht ausreichend Material für die Stecklinge zur Verfügung haben.

Vorsicht: Oleander ist giftig!

Wenn Sie sich mit der Pflege des Rosenlorbeers auskennen, werden Sie sich wahrscheinlich der Giftigkeit bewusst sein, die in allen Pflanzenteilen zu finden ist. Rosenlorbeer enthält ein Herzglykosid mit dem Namen Oleandrin, das in allen Pflanzenteilen vorkommt, selbst in den Samen. Aus diesem Grund müssen Sie unbedingt Handschuhe und Kleidung mit langen Ärmeln tragen, damit Sie nicht aus Versehen mit dem Oleandrin in Berührung kommen. Das kann zum Beispiel beim Sammeln der Samen passieren, wenn Sie diese der Blüte entnehmen. Folgende Symptome können nach Kontakt mit dem Pflanzensaft auftreten:

  • Hautreizungen
  • Dermatitis
  • Reizungen der Bindehaut
  • Reizungen der Nasenschleimhäute

Oleander umtopfen, Zeitpunkt, Handschuhe verwenden

Noch gefährlicher ist es, wenn Sie aus Versehen die Samen bei der Ernte oder beim Säen ins Substrat aufnehmen. Diese können leicht an den Handschuhen kleben bleiben und aus Versehen in den Mund gelangen. Da es sich um ein Herzglykosid handelt, wirkt es sich selbst nach einer geringen Menge von einem verzehrten Blatt auf den Herzrhythmus aus und kann zahlreiche Beschwerden auslösen. Diese reichen von Herzrasen über blasse und kalte Extremitäten bis hin zu Komas, die lange anhalten können. Im schlimmsten Fall kann der Verzehr von Samen des Nerium oleander sogar zum Tod führen, wobei die notwendige Dosis abhängig ist von Alter, Körpergewicht und Gesundheitszustand. Vor allem Kinder sollten von den Hundsgiftgewächsen (bot. Apocynaceae) ferngehalten werden.

Tipp: Halten Sie ebenfalls Ihre Haustiere von der Pflanze fern, wenn Sie die Samen ernten wollen. Egal ob es sich um Hunde, Katzen, Nagetiere oder Vögel handelt, mit Oleandrin ist nicht zu spaßen.

Oleander vermehren: Saatgut

Wenn Sie über Samen Oleander vermehren wollen, bieten sich hierfür zwei Möglichkeiten an:

  • Samen ernten
  • Samen kaufen

Saatgut zu erwerben ist empfehlenswert, wenn Sie selbst noch keinen Oleander im Garten stehen oder Bekannte haben, von denen Sie diese erhalten können. Durchschnittlich kostet ein Päckchen mit einem Inhalt von um die 50 Samen zwischen 3,50 Euro und 7 Euro, abhängig von Sorte und Qualität. Nicht so häufig vorkommende Sorten oder Raritäten können deutlich teurer ausfallen. Vergleichen Sie also vor dem Kauf die Angebote. Das Ernten der Samen ist ebenso einfach, wenn Sie den Oleander vermehren wollen. Dafür müssen Sie bis in den Herbst warten, denn erst ab dem Einzug ins Winterquartier sind die Samen ausgereift und keimfähig. Gehen Sie dabei wie folgt vor:

1. Suchen Sie die braunen, trockenen Schoten am Hundsgiftgewächs. Nur in diesen befinden sich keimfähige Samen, die Sie für die Zucht benutzen können. Sie sollten die Schoten nicht von selbst öffnen, sondern warten, bis sich diese von selbst der Länge nach öffnen. So wissen Sie genau, dass es sich hierbei um reife Schoten handelt.

2. Entfernen Sie die Schote von der Pflanze mit einem Messer. Schneiden Sie dabei nicht in den Rosenlorbeer und lassen Sie die Kapseln nicht fallen, da sonst ein großer Teil des Saatguts verloren gehen kann. Sie erkennen die keimfähigen Samen daran, dass sie geflügelt sind und über zahlreiche Härchen verfügen.

3. Nach dem Entfernen der Schoten werden diese in einer Schüssel gesammelt, damit Ihnen nicht die einzelnen Samen entfliehen. Achten Sie darauf, die Samen an einem windgeschützten Ort zu ernten, damit diese nicht wegfliegen. Ebenso sollten Sie dabei nicht direkt in die Schüssel atmen.

4. Nun zupfen Sie die Samen aus der Schote und platzieren diese in einer weiteren Schale. Je nachdem wie viele Schoten Sie geerntet haben, erhalten Sie innerhalb kurzer Zeit eine ausreichende Menge für die Vermehrung. Beschädigen Sie dabei nicht den Samen, da dieser eng mit den Haaren verbunden ist. Auf diese Weise sorgen Sie für den größten Effekt nach der Aussaat.

5. Entsorgen Sie die leeren Schoten im Hausmüll. Verzichten Sie auf eine Entsorgung über den Kompost, da Sie sonst einen Teil des Gifts abbekommen könnten.

Sobald Sie das Saatgut geerntet haben, können Sie sofort mit der Aussaat fortfahren. Der Grund: Oleander verliert innerhalb kurzer Zeit einen Großteil der Keimfähigkeit, vor allem wenn die Samen an der Luft gelagert werden. Daher ist eine Aussaat manchmal schwierig, da nur etwa 30 bis 40 Prozent der Samen wirklich keimen. Wenn Sie große Projekte wie eine Oleanderhecke im Sinn haben, benötigen Sie also eine große Menge an Saatgut, um den Oleander zu vermehren.

Oleander-Knospen

Tipp: Falls Sie eine bestimmte Sorte der Rosenlorbeers anbauen wollen, sind Samenpäckchen ebenfalls eine empfehlenswerte Anschaffung zur Vermehrung. Da jedoch nicht alle Sorten als Saatgut vorhanden sind, müssen Sie in diesem Fall ein Exemplar kaufen und aus diesem selbst die Samen entnehmen.

Zeitpunkt

Wie oben bereits beschrieben, verlieren die Samen schnell ihre Keimfähigkeit, wenn sie zu lange gelagert werden. Aus diesem Grund ist der beste Zeitpunkt für die Aussaat der Winter oder späte Herbst, selbst wenn diese Jahreszeit diese deutlich erschwert, da es kühler ist. Zwar könnten Sie die eine Aussaat das gesamte Jahr über vornehmen, doch bietet sich dieser Zeitpunkt hervorragend an. Lassen Sie sich also nicht zu viel Zeit, wenn Sie die höchste Chance auf die Keimung haben wollen.

Hinweis: Im Vergleich zu vielen anderen Gewächsen benötigen die Samen des Oleanders keine Stratifizierung. Sie sind von Natur aus sehr keimfreudig, wenn Sie nicht zu lange gelagert werden.

Substrat

Das richtige Substrat verbessert nicht nur die Chancen auf ein Keimen der Samen. Jungpflanzen fühlen sich in geeigneter Erde deutlich wohler, was das Wachstum und die Vitalität verbessert. Auf diese Weise müssen Sie sich weniger Sorgen darüber machen, dass es der Jungpflanze nicht gut geht. Sie haben drei Varianten von Substrat aus denen Sie wählen können:

  • klassische Anzuchterde
  • Kokoshumus
  • Perlite

Oleander umtopfen, Zeitpunkt, frisches Pflanzsubstrat

Falls Sie sich für die Anzucht in der Anzuchterde entscheiden, müssen Sie diese auf jeden Fall vorher sterilisieren:

  • Substrat in hitzebeständiges Gefäß füllen
  • leicht anfeuchten
  • hitzebeständigen Deckel locker auflegen
  • in Backofen stellen
  • Temperatur: 150°C – 180°C
  • 30 Minuten erhitzen

Danach lassen Sie die Erde abkühlen. Die Sterilisation ist notwendig, damit keine Krankheitserreger, Bakterien oder Pilze mehr in der Erde vorhanden sind. Diese können Ihren Traum von Oleanderpflanzen schnell zunichte machen. Neben dem Substrat für die Anzucht benötigen Sie noch eine geeignete Erde zum Pikieren. Dabei stehen Ihnen die folgenden zur Auswahl:

  • klassische Pikiererde
  • Einheitserde mit Sand

Der Sand in der Einheitserde sorgt dafür, dass sie etwas magerer ist, was ideal für die weitere Haltung der Jungpflanze ist. Diese Substrate sollten Sie vor der Nutzung ebenfalls sterilisieren, um möglichen Problemen zu entgehen, die durch unbehandeltes Substrat entstehen können.

Gefäß

Bei den Gefäßen für die Aussaat setzen Sie aufgrund der großen Menge an Saatgut auf eines der folgenden:

  • Saatschale
  • Multitopfplatte

Einzelne Töpfe sind nicht wirklich zu empfehlen, da viele der Samen nicht einmal keimen werden. Daher säen Sie so viele Samen wie möglich aus, um am Ende genügend Jungpflanzen zur Verfügung zu haben. Zwar könnten Sie die Samen ebenfalls in einen Topf mit einem großen Durchmesser säen, doch ist diese Variante nicht wirklich optimal.

Oleander-Blüte

Aussaat: Anleitung

Nun geht es ans Eingemachte. Um den Oleander zu vermehren, müssen Sie zuerst die Samen aussäen, um an eine Jungpflanze zu kommen. Diese entsteht aus einem Keimling, der nur bei bestimmten Voraussetzungen gedeihen kann. Die folgende Anleitung geht auf die einzelnen Schritte ein, die zur Vermehrung des Oleander über Saatgut notwendig sind:

1. Beginnen Sie damit, das Gefäß mit Anzuchtsubstrat zu füllen. Achten Sie darauf, dass das Gefäß mit dem Substrat nicht komplett bis zum Rand gefüllt wird, damit die Samen nicht aus Versehen aus diesen fallen können.

2. Stellen Sie die Anzuchtgefäße entweder in ein Zimmergewächshaus, an ein Fenster in westlicher oder östlicher Ausrichtung oder über eine Heizung, die über den Winter genutzt wird. Ein Zimmergewächshaus wäre ideal, da die Samen auf diese Weise ausreichend feucht bleiben. Falls Ihnen dieses aber nicht zur Verfügung steht, müssen Sie auf eine Heizmatte setzen. Stellen Sie die Gefäße aber niemals direkt auf einen Heizkörper, da dies den Keimlingen ganz schön zusetzen kann. Vermeiden Sie einen Standort mit direkter Sonne. Die notwendige Temperatur muss konstant bei 25°C bis 30°C liegen.

3. Säen Sie ausreichend viel Saatgut auf dem Substrat aus und drücken Sie diese leicht an. Falls Sie noch immer aufliegen und wegzufliegen drohen, nutzen Sie ein wenig Sand und verteilen Sie diesen als dünne Schicht auf dem Saatgut. Nutzen Sie nun eine Sprühflasche und feuchten Sie die Samen an. Sprühen Sie diese aber nicht durch die Wasserkraft davon.

4. Decken Sie das Gefäß mit einem durchsichtigen Deckel oder einer Frischhaltefolie ab. So verhindern Sie einen Feuchtigkeitsverlust, der fatal für die Samen ist.

5. Über die Keimung müssen Sie täglich den Deckel öffnen und lüften. So verhindern Sie die Bildung von Schimmel und können täglich überprüfen, ob das Substrat noch leicht feucht ist. Das ist wichtig, denn es darf niemals zu trocken sein, da sonst die Keimung nicht funktioniert. Das Substrat wird ausschließlich mit weichem Wasser befeuchtet. Nur so bildet sich keine Schicht aus Kalk, die die Keimung behindern würde.

6. Verzichten Sie auf die Zugabe von Düngemitteln. Das ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht nötig, da mageres Substrat ideal während der Keimung ist.

7. Zeigen sich erste Keimlinge, meist nach sieben bis vierzehn Tagen, öffnen Sie den Deckel des Gewächshauses oder der Anzuchtgefäße. Die Temperatur sollte nach der Keimung 18°C bis 24°C betragen. Dabei peilen Sie 18°C bis 20°C in der Nacht und 22°C bis 23°C am Tag an.

8. Ganz wichtig während dieser Zeit ist Licht. Nach der Keimung müssen die Keimlinge mit etwa zehn Stunden Licht versorgt werden, was im mitteleuropäischen Winter nur schwer möglich ist. Verwenden Sie aus diesem Grund eine Pflanzenlampe und platzieren Sie die Jungpflanze so, dass sie viel Licht erhält.

Pikieren: Anleitung

Sobald die Keimlinge mindestens zwei Blattpaare präsentieren, ist es an der Zeit zum Pikieren. Dadurch separieren Sie die gesunden Keimlinge von den kranken oder schwächeren, um mehrere staatliche Jungpflanzen oder wenigstens eine Jungpflanze zu erhalten. Gehen Sie wie folgt vor:

1. Einzelne Anzuchttöpfe mit Pikiererde füllen. Dabei sollten Sie einen Rand zum Gießen übrig lassen, damit Sie nicht das Substrat aus dem Topf über das Wasser abtragen.

Pflanze pikieren

2. Nutzen Sie einen Pikierstab und platzieren Sie ein Loch in der Mitte des Kübels. Nun entnehmen Sie die Keimlinge mit mindestens zwei Blattpaaren ihren Gefäßen, überprüfen die Wurzeln auf Beschädigungen und sortieren ungeeignete aus. Dafür ebenfalls ein Pikierholz verwenden.

3. Nun wird der Keimling in das Pikierloch eingesetzt. Mit dem Substrat wird das Loch geschlossen und leicht angedrückt. Die Pflanze sollte bis zu den Blattpaaren in der Erde sitzen. Gießen Sie mit Leitungswasser an.

4. Wählen Sie für die ersten zehn Tage einen warmen Standort, der im Halbschatten liegt. Danach wird der Topf an einen sonnenreichen Platz ans Fenster gestellt und alle zwei Wochen über das Gießwasser gedüngt.

Auf diese Weise können Sie Ihre Oleander vermehren. Umgetopft werden die Jungpflanzen ab einer Wuchshöhe von 20 bis 30 Zentimetern.

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