Obstbäume werden geschnitten, damit sie vital bleiben und reichlich hochwertige Früchte tragen. Es gibt dafür unterschiedliche Schnittformen. Diese sind vom Alter des Gehölzes abhängig. Noch im Jahr der Pflanzung sorgt der Pflanzschnitt für einen guten Start des Baumes. Die spätere Form wird festgelegt. Diese wird in den Jahren danach durch den Erziehungsschnitt gefestigt. Diese Zeit ist je nach Obstart verschieden lang. Alle baumartig wachsenden Obstgehölze brauchen dafür eine längere Entwicklungszeit, bis sie ihre Kronen ausgebildet haben. Wenn die angestrebte Form erreicht ist, muss weitergeschnitten werden. Der Erhaltungsschnitt sichert, dass die Bäume vital bleiben und weiterhin reichlich Früchte liefern. Sollte der Obstbaum dennoch vergreisen, kann er durch einen Verjüngungsschnitt vitalisiert werden.

Die richtige Schnitttechnik

Damit ein Obstbaum reichlich gesunde und lecker Früchte trägt, sind verschiedene Faktoren ausschlaggebend: die richtige Schnittform, der entsprechende Schnittzeitpunkt, eine gekonnte Schnitttechnik und auch ein paar Grundlagen über das Wachstum des Gehölzes. Außerdem muss das Werkzeug stimmen.
Bei Obstgehölzen ist es wichtig, dass regelmäßig geschnitten wird. So lassen sich größere Wunden vermeiden. Besser ist, wenn immer nur wenig geschnitten wird, außerdem werden meist nur kleinere Triebe entfernt. Die Gehölze bleiben übersichtlich und außerdem kommt genügend Licht an die Früchte. Ein regelmäßiger Schnitt sorgt für vitales Fruchtholz und nur daran gedeihen Früchte. Ohne Schnitt werden die Triebe sehr stark, die Kronen werden zu dicht. Die Vitalität lässt nach, es gibt weniger Früchte und mehr Krankheiten. Beim Schnitt wird massiv in das Wachstum eingegriffen, es entstehen große Wunden. Auf einen starken Schnitt folgt ein starker Austrieb. So schafft man sich noch mehr Arbeit.

Der richtige Schnittzeitpunkt

Den einen und wahren Schnittzeitpunkt für Obstbäume gibt es an sich nicht. Je nachdem, was Sie mit dem Schnitt bezwecken wollen und welche Art von Obstbaum Sie in Ihrem Garten stehen haben, variiert dieser Moment. Weitere Informationen zum richtigen Schnittzeitpunkt finden Sie hier:

talu.de/bester-zeitpunkt-obstbaumschnitt

Schnittwerkzeuge

kirschbaum-schneiden-werkzeug

Je nach Stärke der Triebe werden unterschiedliche Werkzeuge benötigt. Bei jungen Bäumen genügen häufig Handscheren. Ob eine Amboss- oder eine Bypassschere genutzt wird, ist jedem selbst überlassen. Ambossscheren sind ideal für weiche Triebe, quetschen aber schon verholzte. Bei Bypassscheren passiert das nicht. Muss viel geschnitten werden, eignet sich eine Bypassschere mit Rollgriff. So kann man händeschonend arbeiten. Für dickere Äste sind Astscheren die beste Wahl. Sie schneiden Äste ab 2 cm Dicke. Für dickere Äste, ab 4 cm Durchmesser, kommen Sägen zum Einsatz. Astscheren kommen dann an ihre Grenzen. Günstig für den häufigen Schnitt ist eine klappbare Schwertsäge. Sie passt in jede Jackentasche. Normale Schwertsägen sind etwas größer, leisten gleiche Arbeit. Schwertsägen erzeugen einen glatten Schnitt, wenn kein Druck ausgeübt wird. Bügelsägen kommen bei starken Ästen zum Einsatz. Auszugsscheren bieten den Vorteil, dass man mit ihnen ohne Leiter bis auf 5 m Höhe schneiden kann.
Wichtig ist, dass das Werkzeug gut in Schuss ist. Es muss scharf, sauber und leicht gängig sein. Eine stumpfe Schere braucht zur Anwendung mehr Kraft und Schnittwunden können ausfransen oder ausreißen.

Dem Alter entsprechender Schnitt

Obstbäume werden nicht alle gleich geschnitten. Je nach ihrem Alter wird ein Erziehungsschnitt, ein Erhaltungsschnitt oder ein Verjüngungsschnitt benötigt. Der erste Schnitt jedoch ist der Pflanzschnitt, gleich beim Einpflanzen. Die Schnittmaßnahmen geben einem Obstbaum die gewünschte Form und Gestalt und sorgen dafür, dass er vital bleibt und viele Früchte liefert. Einen neuen Baum kann man von Anfang an richtig erziehen, allerdings kann nicht immer von diesem Idealfall ausgegangen werden. Bei Bäumen, die jahrelang nicht geschnitten wurden, muss der Zustand des Gehölzes beachtet werden. Ältere ungepflegte Bäume sind am schwierigsten zu schneiden. Hier braucht es manchmal zwei bis drei, manchmal auch vier Jahre, bis der Baum wieder fitt ist und entsprechend Fruchtholz gebildet hat.

Pflanzschnitt

Besonders bei wurzelnackten Obstbäumen ist der Pflanzschnitt wichtig. Beim Ausgraben verliert der Ballen einiges an Wurzelmasse. Der Verlust gegenüber der Krone muss unbedingt ausgeglichen werden. Dieser Schnitt fällt stärker aus, als wenn man einen Obstbaum mit Wurzelballen setzt. Schon beim Pflanzschnitt wird die spätere Gerüstform festgelegt. Bei Obstbäumen, die eine Rundkrone bilden sollen, wird der Mitteltrieb festgelegt und außerdem drei bis vier Seitengerüsttriebe. Diese Triebe werden eingekürzt, um sie zu kräftigen. Alle Konkurrenztriebe zum Mitteltrieb müssen entfernt werden. Beim Spindelbaum ist kaum ein Schnitt notwendig, zumindest, wenn er von guter Qualität ist.
Als Grundregel kann man sagen: Je schwächer der Obstbaum ist, umso stärker muss geschnitten werden, um das Wachstum kräftig anzuregen.

obstbaum-pflanzschnitt

  • Wurzelnackte Obstbäume kräftig schneiden, Krone an die Wurzel anpassen
  1. Gerüstform festlegen
  2. Einen Mitteltrieb und drei bis vier Seitengerüsttriebe einkürzen
  3. Konkurrenztriebe zum Mitteltrieb entfernen

Erziehungsschnitt

Rundkronen brauchen bis zu sieben Jahren, bis ihre Krone fertig angelegt ist, Spindelbäume etwa drei Jahre. Bis dahin wird jährlich der Erziehungsschnitt durchgeführt. In diesen Jahren ist die Fruchtbildung eher zweitrangig, was nicht heißt, dass es keine gibt. Bei Obstbäumen, die eine Rundkrone als Ziel haben, werden weiterhin die Gerüsttriebe eingekürzt. Sie müssen die gesamte Krone tragen und dafür stark sein. An den durch den Schnitt entstehenden Triebverlängerungen müssen eventuell vorhandene Konkurrenztriebe entfernt werden. Wichtig ist, die seitlich an den Gerüsttrieben sitzenden Fruchttriebe nicht mit einzukürzen. Sie müssen nicht gestärkt werden, ganz im Gegenteil, sie sollen schwach bleiben und dafür viele Blütenknospen ansetzen. Unbedingt abgeschnitten werden aus dem Boden und Stamm wachsende Triebe.

obstbaum-erziehungsschnitt

  • Erziehungsschnitt fördert ein stabiles Gerüst
  1. Nach innen wachsende Triebe entfernen
  2. Bei Rundkronen Gerüsttriebe erneut einkürzten
  3. Entstandene Seitentriebe nicht einkürzen, sie bilden die Fruchttriebe.
  4. An Triebverlängerungsspitzen Konkurrenztriebe entfernen

Erhaltungsschnitt

Der Erhaltungsschnitt sorgt dafür, dass der Obstbaum nicht übermäßig wächst und vor allem ersetzt er vergreistes Fruchtholz. Er sorgt für vitale Fruchttriebe, die reichlich Obst tragen. Spindelbäume und Pfirsichbäume sollten weiterhin jährlich geschnitten werden, die anderen Obstbäume alle zwei bis drei Jahre, besonders Rundkronen. Empfindliche Obstgehölze schneidet man ausschließlich im Sommer, stark wachsende Obstgehölze zusätzlich im Sommer.

obstbaum-erhaltungsschnitt

  • Durch Erhaltungsschnitt wird Vitalität der Gerüst- und Fruchttriebe bewahrt
  1. Gerüstspitzen verschlanken
  2. Altes Fruchtholz gerüstnah entfernen oder auf Jungtriebe umlenken

Verjüngungsschnitt

Der Verjüngungsschnitt wird notwendig, wenn der Erhaltungsschnitt vernachlässigt wurde. Mit den Jahren, mal schneller, mal langsamer, überaltern die Fruchttriebe und das Kroneninnere verkahlt. Will man wieder viele Früchte ernten, muss geschnitten werden. Je nachdem, wie lange nichts getan wurde, muss mehr oder weniger Altholz weg. Muss viel geschnitten werden, lohnt es sich häufig, die Schnittmaßnahme auf mehrere Jahre aufzuteilen, damit der Baum nicht zu viele Wunden heilen muss. Vergreiste Triebe werden gänzlich entfernt. Sich absenkende Gerüsttriebe müssen auf einen steiler stehenden, jungen Trieb umgelenkt werden. Anschließend muss dieser verschlankt werden. Im Jahr darauf müssen entstandene Neutriebe ausgelichtet werden. Nach innen, sehr dicht oder zu steil wachsende Triebe am Ansatz herausschneiden. Auch hier sind die Triebspitzen zu verschlanken. In den darauf folgenden Jahren kann in den Erhaltungsschnitt-Rhythmus gewechselt werden. Man muss also nicht mehr jährlich schneiden.

  • Vergreiste Obstbäume werden wieder vital gemacht
  1. Überhängende Frucht- und Gerüsttriebe durch jüngere, schräg nach oben wachsende Triebe ersetzen
  2. Neue Triebspitzen verschlanken

Unterschiedliche Schnittformen

Mit den unterschiedlichen Schnittformen kann man beeinflussen, wo der Obstbaum neu austreibt und vor allem auch wie stark er das tut. Wenn man sich mit diesen Schnittformen auskennt und sie zielgerichtet einsetzt, kann das Wachstum des Gehölzes gesteuert werden. Um richtig zu schneiden, muss man einige Regeln beachten. Unterschieden werden vier unterschiedliche Schnittformen, mit denen jedes gewünschte Ziel erreicht werden kann: Einkürzen, Umlenken, Verschlanken und Auslichten.

Einkürzen

Das Einkürzen ist die einfachste Schnittform. Dabei werden einjährige Triebe im äußeren Bereich zurückgeschnitten. Natürlich ist der Obstbaum nach dem Schnitt kleiner, eine Verjüngung ist es aber nicht. Wichtig ist, dass der Baum sein gleichmäßiges Aussehen behält. Das Einkürzen ist der Schnitt, welcher das Wachstum am stärksten anregt. Das ist einfach zu begründen. Die noch verbliebenen Knospen erhalten den vollen Saftdruck, müssen ihn nicht mit den weggeschnittenen teilen. Wenn dieser Schnitt jährlich durchgeführt wird, kann er ins Negative umschlagen. Dann wird der Neuaustrieb zu stark angeregt. Es gibt zu viele Verzweigungen und zu starkes Wachstum. Aus diesem Grund werden lediglich in der Erziehungsphase die Gerüsttriebe eingekürzt, damit sie kräftiger und gleichzeitig nicht zu lang werden. Die übrigen Jungtriebe bleiben entweder ungeschnitten oder werden ganz entfernt.

  • Einjährige Triebe im äußeren Bereich des Gehölzes zurückschneiden
  • Durch den Saftstau entwickeln sich zahlreiche junge Triebe
  • Einkürzen ist wichtig für starkes Wachstum

Umlenken

Umlenken ist wichtig bei vergreisten Trieben, überhängenden Triebspitzen und zu steil wachsenden Trieben. Der Haupttrieb wird dabei auf einen weiter innen entspringenden Seitentrieb geschnitten. Bei überhängenden Triebspitzen sollte der Trieb, auf den umgeleitet wird, stets nach oben und außen weisen. Genau anderes herum funktioniert es, wenn der Trieb zu steil wächst. Hier wird auf einen Trieb umgeleitet, der flach wächst und ebenfalls nach außen. Die neuen Spitzen nehmen den erhöhten Saftdruck auf. Am verbliebenen Haupttrieb kommt es zu einem Saftstau. Dieser wird durch einen Neuaustrieb direkt unterhalb der Schnittstelle gelöst.

Ideal ist, wenn der Trieb, auf den umgelenkt wurde, nicht zu krass von der Wuchsrichtung des alten Triebes abweicht. Bei fast rechtwinklig abzweigenden Fortsetzungen bilden sich über die Jahre sehr kräftige Jungtriebe. Bei fast gleicher Fortsetzung ist der Safttrieb geringer, wodurch die Schnittstelle nach einigen Jahren fast nicht mehr zu sehen ist.

  • Durch Umlenken auf einen tiefer oder weiter innen stehenden Trieb als neue Fortsetzung fällt der Neuaustrieb schwächer aus, als beim Einkürzen
  • Der verbleibende Seitentrieb wird zur neuen Triebspitze
  • Der Saftdruck sorgt für Neuaustrieb

Verschlanken

Das Verschlanken ist wieder einfacher. Hier werden einige mit dem Spitzentrieb konkurrierende Seitentriebe entfernt, wobei gleichgültig ist, ob es sich um ein- oder mehrjährige Triebe handelt. Das Ziel ist, den Obstbaum locker zu gestalten, damit möglichst viel Licht ins Kroneninnere gelangt. So bleiben die dort wachsenden Fruchttriebe vital und verbrauchen auch einen Teil der zur Verfügung stehenden Energie. So geht nicht alles in das Wachstum über. Der Obstbaum wächst weniger nach außen und bleibt schön kompakt. Es können keine überhängenden Triebe entstehen, die leicht unter der Last der Früchte brechen.

Das Verschlanken ist die diskreteste Schnittform. Die Triebfortsetzungen werden nicht entfernt oder unterbrochen, die Schnittstellen fallen kaum auf. Außerdem wird nur geringer Neuzuwachs angeregt. An den Schnittstellen bilden sich nur kurze Neutriebe. Günstig ist außerdem, dass auch die ungeschnittenen Spitzentriebe nur noch schwach austreiben.

  • Triebspitzen bleiben erhalten, nur die Seitentriebe daran werden entfernt
  • Schnitt mit dem geringsten Wachstum infolge
  • Der Baum bleibt kompakt und vital

Auslichten

Als Auslichten bezeichnet man das Entfernen steiler oder nach innen wachsender Triebe. Eigentlich bezieht sich Auslichten eher auf Beerensträucher oder Wildobst. Beim Auslichten werden ganze Triebe (meist alte) direkt am Boden entfernt, um Platz für neue zu machen. Diese werden für die Vitalität der Pflanzen benötigt. Auslichten dient der Verjüngung von Sträuchern. Zu beachten ist, dass kein Zapfen oder Stummel stehen bleibt, aus dem der alte Trieb erneut austreiben kann. Das ist dann keine Verjüngung.

  • Steile oder nach innen wachsende Triebe entfernen

Schnittführung

Die Schnittführung ist wichtig, damit Schnittwunden schnell verheilen. Ein richtiger Schnitt mit glatten Wundränder lässt eine Schnittwunde schneller heilen. Das sorgt dafür, dass nicht lange Krankheitserreger, Bakterien oder Viren eindringen können.

Junge Knospen

  • Bei einjährigen Trieben für den Gerüstaufbau leicht schräg von der Knospe weg schneiden
  • Nicht zu dicht an der Knospe schneiden, sonst trocknet sie ein.
  • Nicht zu weit weg schneiden, sonst trocknet der Stummel zurück und kann kein Wundgewebe bilden.
  • Daumen der freien Hand direkt auf die Knospe legen und unmittelbar über dem Daumennagel schneiden

Junge Triebe

  • Jeder Trieb hat an seiner Basis eine kleine Wulst, den so genannten Astring. Dort konzentriert sich teilungsfähiges Gewebe, welches wichtig für die Heilung ist.
  • Bei jungen Trieben Schere auf der Oberseite des Triebs über dem Wulst ansetzen.
  • Schnitt leicht schräg nach unten und außen führen
  • Nicht unterhalb des Astrings schneiden, sonst wird das Gewebe weggeschnitten und der Haupttrieb verletzt.
  • Nicht zu waagerecht schneiden, sonst bleibt ein Stumpen. Dieser muss nachträglich entfernt werden.

Ältere Äste

  • Dicke Äste vorschneiden. Etwa 50 cm oberhalb der vorgesehenen Schnittstelle von unten her absägen
  • Danach 10 cm oberhalb dieser Schnittstelle von oben in den Ast sägen, bis er abbricht.
  • Der Astrest, der übrig bleibt, wird zuletzt über dem Astring entfernt

Auf Zapfen schneiden

  • Wenn große Äste auf weiter innen stehende umgeleitet werden, entstehen große Wunden. Wenn diese größer sind, als die Hälfte des Durchmessers der neuen Triebfortsetzung, trocknet die Wunde häufig zurück, was nicht günstig ist.
  • Wenn der Schnitt nicht vermieden werden kann, sollte deshalb ein 10 bis 20 cm langer Zapfen stehen gelassen werden.
  • Dieser Zapfen wird nach zwei Jahren entfernt, wenn der verbliebene Trieb schön kräftig geworden ist. Der Zapfen wird mit einem schrägen Schnitt abgetrennt.
  • Wichtig ist, den Zapfen wirklich zu entfernen.

Wunden verschließen

  • Statt eines großen Schnittes sind mehre kleine häufig die bessere Wahl. Das gibt kleinere Wunden.
  • Im Sommer ist der Schnitt bei einigen Obstbäumen ungefährlicher (Kirsche, Walnuss, Zwetschge)
  • Wundverschlussmittel im Frühjahr, damit die Wunden nicht eintrocknen.
  • Werden bei Schnittflächen über 5 cm Durchmesser eingesetzt
  • Nur die Wundränder dünn einstreichen, so kann der Trieb neu austreiben
  • Holzkern frei lassen. Er trocknet ab. Krankheitserreger können nicht eindringen

Kronenformen bei Obstbäumen

Bei Obstbäumen kann unterschieden werden nach Baum mit Stamm und runder Krone, mit Hohlkrone, über Spindel mit Stämmchen, Spalier bis Säule. Obstbäume mit Stamm unterscheiden sich nach der Kronenform. Die Form, die man einem Obstbaum geben kann, hängt weitestgehend von seiner Unterlage ab, von deren Wuchsstärke. Man muss also unbedingt diese Wuchskraft kennen, um einem Obstbaum die entsprechende Form geben zu können.

obstbaum-kronenformen

Rundkronenbäume

Die Rundkrone ist die gängigste Erziehungsform bei Obstgehölzen. Hin und wieder wird sie auch Pyramidenkrone genannt. Bäume, die auf mittel- oder starkwachsenden Unterlagen veredelt wurden und die einen Stamm von ein bis zwei Meter Höhe bilden, sind dafür ideal. Derartige Kronen beanspruchen im ausgewachsenen Zustand etwa 25 bis 100 m². Während der Erziehungsjahre (5 bis 10) wird das Gerüst, bestehend aus einem Mitteltrieb und drei bis vier gleichmäßig verteilten Seitentrieben gebildet. Diese bleiben das gesamte Baumleben bestehen, werden anfangs lediglich eingekürzt, um das Gerüst zu kräftigen. Sie müssen später die gesamte Krone plus Früchte tragen. Flache Fruchttriebe, die vom Gerüst abzweigen, dienen der Frucht- und Blütenbildung. Leider vergreisen sie nach einigen Jahren, manche schneller, manche langsamer, je nach Obstart. Deshalb müssen diese Triebe nahe dem Gerüst auf jüngere umgelenkt werden. Eingekürzt werden sie nicht. Der Erhaltungsschnitt wird alle paar Jahre durchgeführt und beginnt nach dem Ende des Aufbaus der Krone.

Hohlkrone

Hohlkronen sind Rundkronen sehr ähnlich. Bei ihnen wird lediglich nach zwei bis drei Jahren der Mitteltrieb entfernt. Das ist der einzige Unterschied. Auch die Hohlkrone besitzt bis zu vier Gerüsttriebe. Der Mitteltrieb wird entfernt, damit so viel Licht wie irgend möglich in die Krone eindringen kann. Das ist besonders bei sehr wärme- und lichtbedürftigen Obstsorten wichtig. Typische Hohlkronenbäume sind Pfirsich und Nektarine. Nach der Entfernung des Mitteltriebes bilden sich immer wieder starke Neutriebe. Diese müssen noch im Entstehungsjahr, gleich im Sommer, entfernt werden.

Spindelbäume

Im Unterschied zur Rundkrone wachsen Spindeln auf schwachen Unterlagen. Ihr Vorteil ist der geringe Platzbedarf. 4 m² Standraum sind der Durchschnittsplatzbedarf pro Baum. Trotzdem tragen sie reichlich Früchte. Spindelbäume sind nicht sehr konkurrenzstark, sollten also nicht eingeengt werden, vor allem auch die Wurzel nicht. Das Gerüst einer Spindel besteht hauptsächlich aus dem Mitteltrieb, von welchem flache Fruchttriebe abzweigen. Die Baumform ähnelt, bei richtigem Schnitt natürlich, einem Tannenbaum, oben schmal, nach unten etwas breiter werdend. So ist abgesichert, dass auch die unteren Bereiche ausreichend Licht abbekommen. Wichtig bei Spindeln ist der jährliche Schnitt, sonst vergreisen sie und büßen ihre Vitalität ein. Spindelbäume tragen schon nach zwei Jahren Früchte. Leider werden sie nicht so alt wie Kronenbäume, die Jahrzehnte überdauern. Spindeln werden meist nur 15 Jahre alt.

spalier-obstbaum

Spalier

Hier ist der Sinn, das Obstgehölz an einem Rahmen (meist Holz- bzw. Drahtrahmen) flächig zu erziehen. Unterschieden wird nach Gerüst- und Fruchttrieben, wie bei den anderen Erziehungsformen auch. Hier wird direkt nach der Pflanzung mit dem strengen Aufbau begonnen. Alle Triebe, die nicht dem Gerüstaufbau dienen, werden auf kleine Zapfen eingekürzt. Steile Triebe müssen ganz heraus, seitliche Gerüsttriebe werden flach am Gestell befestigt und etwas eingekürzt. Der Mitteltrieb wird knapp über der Höhe der zweiten Etage eingekürzt. Im nächsten Jahr werden die neuen Jungtriebe in der zweiten Etage befestigt. Beim Spalier muss mehr geschnitten werden, als bei den anderen Baumtypen. Die aus dem Gerüst wachsenden Fruchttriebe müssen jeden Sommer ein-, manchmal auch zweimal, auf kurze Zapfen eingekürzt werden. Die Bildung von Langtrieben gilt es zu unterdrücken. Die Form des Spaliers muss immer klar erkennbar sein. Ein Spalier braucht Platz. Je nach Erziehung kann es bis zu 6 m breit und 5 m hoch werden.

Unterschieden werden einige Spalierformen. Die häufigsten sind: Der Kordon, die U-Palmette, die Verrier-Palmette (Fächerspalier) und das Bogenspalier.

Säulenbäumeobstbaum-schneiden-05

Säulenbäume werden häufig auch als Ballerinabäume bezeichnet. Sie bestehen aus einem dominanten Mitteltrieb und kurzen Seitenverzweigungen. Diese kurzen Triebe bilden das Fruchtholz. Bei den Säulen muss wenig geschnitten werden. Im Prinzip sind ausschließlich ab und zu entstehende Konkurrenztriebe der Mitte zu entfernen. Die Seitentriebe müssen nicht weggeschnitten werden. Nach einigen Jahren vergreist der Baum. Dann wird er einfach um die Hälfte zurückgeschnitten. Von den aus der Schnittstelle entstehenden Jungtrieben wird einer als neue Mitte stehen gelassen. Die übrigen werden entfernt. Verkahlte oder übermäßig verzweigte Fruchttriebe auf kurze Zapfen schneiden. Daraus wachsen wieder Neutriebe. Nach innen wachsende oder zu lange schwache Triebe werden entfernt, die kurzen, starken bleiben als neue Fruchttriebe.

TEILEN
Vorheriger ArtikelObstbaumschnitt – Wann schneide ich den Obstbaum?
Nächster ArtikelWandelröschen – alles über die Pflege
Feli
Hallo Bastelfreunde, mein Name ist Feli. Mit talu.de habe ich eine Möglichkeit gefunden, meine Kreativität auszuleben und gleichzeitig originelle Ideen zu entdecken. Besonders freue ich mich darauf, diese mit Euch zu teilen. Neben der Textbearbeitung beschäftige ich mich vor allem mit der Bildbearbeitung und Dokumentation verschiedenster Themen und Anleitungen. Die Vielseitigkeit, die in talu.de steckt, gibt uns die Chance, gemeinsam einen Ort für kreative Ideen zu gestalten.

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT