Montessori-Material selber machen – Ideen für Spielzeug und Übungen

Bausteine

Seit ich selbst Kinder habe, denke ich wieder viel öfter über meine eigene Kindheit nach und möchte ihnen natürlich all das weitergeben, das auch ich geliebt habe. Ich möchte „alles richtig“ machen und lese viel, stöbere in Foren, bastle und werke. Heute möchte ich Ihnen das Thema Montessori näher bringen, Ihnen einige Bastelanleitungen an die Hand geben, wie Sie verschiedenes Material selbst herstellen können und natürlich passende Übungen dazu vorstellen. Ich werde auch gelegentlich das Wort Spielzeug einsetzen.

Zuerst erfolgt ein grober Überblick zu Maria Montessori und Ihren wichtigsten Leitsprüchen. Im Anschluss stelle ich einige Projekte vor und gebe Anregungen zum Umgang damit. Dann folgen einige Projekte, die ich gerne noch umsetzen würde.

Schwierigkeitsgrad 1/5
(auch für Anfänger geeignet)

Material kosten 1/5
(ab EUR 0,- aus der Resteverwertung)

Zeitaufwand 1-3/5
(fast jedes Spielzeug kann ganz schnell und einfach selbst erstellt werden)

Entwicklungsphasen

Mehr als 100 Jahre ist es nun her, dass Maria Montessori (im folgenden „MM“) erkannte, dass gerade die ersten drei Lebensjahre die wichtigsten Bildungsjahre im Leben eines Menschen sind, welche zur damaligen Zeit jedoch gesellschaftlich ganz und gar nicht so gewertet wurden.

Grundsätzlich unterteilte sie die Entwicklung in drei Phasen:

  • 0-6 Jahre als erstes Kindheitsstadium (Fähigkeiten und Persönlichkeit bilden sich aus)
    wobei hier den Jahren 0-3 die prägendste Zeit zukommt, welche von ihr als unabänderlich gespeichert angesehen wird; die Unversehrtheit anderer Individuen soll in diesen Jahren konsequent gelehrt und verfestigt werden (niemanden verletzen, Höflichkeit, usw.)
  • 6-12 Jahre als zweites Kindheitsstadium (die „stabile“ Phase)
  • 12-18 Jahre als Jugendalter (körperliche und psychische Veränderungen) Platz in der Gesellschaft einnehmen, sich selbst annehmen und Selbstvertrauen stärken, Verantwortung übernehmen in Form eines „Bauernhofs“

Es gibt noch eine vierte Phase, die leider oft unerwähnt bleibt: die Reifezeit von 18-24 Jahren.

In diesen Phasen treten immer wieder Zeiträume auf, in denen die Kinder für spezielle Themen besonders empfänglich sind, sodass sie sich auch ganz leicht darauf fokussieren und konzentrieren können. Unterstützt durch Übungen nach Montessori lernen sie in dieser Zeit besonders effektiv. Daraus resultieren tiefe Erkenntnisse, welche sich äußerst positiv auf das jeweilige Kind in seiner Gesamtheit auswirkt. Um solche Zeiträume zu erkennen und Konzentrationsanreize zu schaffen, entwickelte MM spezielle Materialien für Übungen und erforschte, welche Umgebung die Kinder brauchten, um öfter und leichter in die entsprechende Stimmung zu kommen.

Kinder wollen die Welt im wahrsten Sinne des Wortes BEGREIFEN! Sie möchten alles angreifen, daran riechen, es (aus)kosten.

Kind mit Kaleidoskop

MM war der Meinung, dass Kinder aus sich heraus lernen und sich in der Gesellschaft eingliedern wollen und Belohnungen sowie Strafen dabei hinderlich sind. Frei lernen bedeutete für sie aber keineswegs einen Laissez-faire-Stil, ganz im Gegenteil: jedes Kind wurde genau beobachtet und gemäß seiner Anlagen liebevoll entwicklungsunterstützend angeleitet, ganz entsprechend ihrer Vorstellung von der „Kosmischen Erziehung“.

Dieses Konzept setzt den Schwerpunkt bei den 3-12jährigen. Die Zeit von 0-3 Jahren soll darauf vorbereiten. Hierbei geht es, grob umrissen, um die Erfassung der großen Zusammenhänge. In den Jahren davor liegt der Schwerpunkt im Erleben mit allen Sinnen, um Ausfeilung der Grob- und Feinmotorik, um Erfassung verschiedener mathematischer Konzepte (Paarung, Strukturen, Wiederholungen usw.), um das Erkennen von Gemeinsamkeiten und Unterschieden und vieles mehr. Dabei werden die Materialien jeweils dem Entwicklungsstand des Kindes angepasst. So können Kinder in den unteren Entwicklungsstufen beispielsweise Gegenständen nach Farben sortieren, später nach Größen und anderen Gemeinsamkeiten, noch später können Sie diese benennen und richtig zuordnen.

Die verschiedenen Entwicklungsstufen und wie man Kinder zuordnen kann wird in vielen Büchern beschrieben. Mir persönlich gefällt die Arbeit unter Anleitung des Buchs „Praxisbuch Kosmische Erziehung. Mit Interesse lernen.“ von Thomas Helmle und Petra Wöbcke-Helmle. (Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2016, ISBN 978-3-451-37505-7)besonders. Sowohl die Zuordnung zur passenden Stufe als auch die Aufbereitung der einzelnen Themen sind leicht verständlich erklärt und können somit einfach umgesetzt werden. Die Schwerpunkte dieses Buches liegen auf den Bereichen Geografie und Geologie:

“ Die Bereiche Mathematik, Sprache(n), Sport, Musik und Kunst werden in anderen Bänden dieser Buchreihe ausführlich besprochen. Deshalb streifen wir sie nur gelegentlich in ihren Vernetzungen. Die Wissensbereiche Geografie und Geologie möchten wir dagegen exemplarisch ausführlicher darstellen. […] Schon Maria und Mario Montessori hatten die Geografie als Ausgangspunkt der Kosmischen Erziehung gewählt.“

Montessori-Leitsätze

Hilf mir es selbst zu tun.

(Zeig mir, wie es geht. Tu es nicht für mich, ich kann und will es allein tun. Hab Geduld, meine Wege zu begreifen. Sie sind vielleicht enger, vielleicht brauche ich mehr Zeit, weil ich mehrere Versuche machen will. Mute mir auch Fehler zu, denn aus ihnen kann ich lernen.)

Nicht das Kind soll sich der Umgebung anpassen, sondern wir Erwachsenen sollten die Umgebung dem Kind anpassen.

Selbsttätigkeit führt zu Selbstständigkeit.

Material und Gestaltung

Je ästhetischer das Material, desto größer das Interesse der Kinder: Wenn die Arbeitsmittel schön bunt sind, einmal rau – einmal glatt – einmal geriffelt – einmal gekörnt, leichter oder schwerer, geruchsneutral oder duftend, macht die Beschäftigung damit gleich doppelt so viel Spaß!

Zudem soll das „Spielzeug“ möglichst einfach gestaltet sein, sich also immer auf ein konkretes Lernziel konzentrieren. Nach dieser Vorstellung soll aber auch die Anzahl der Entwicklungsmaterialien in einem Raum begrenzt sein, um den Kindern die Konzentration zu erleichtern.

Das Material soll einen ersten Einblick und eine gute Übersicht über diverse Themen geben, zu denen die Kinder später tieferführendes Wissen ansammeln können. Zum Beispiel wird ein Jahreskreis mit den vier Jahreszeiten aufgelegt. Das ergibt einen groben Überblick des gesamten Jahres. Im nächsten Schritt kann jedes Viertel davon weiter unterteilt werden mit Beispielbildern der Pflanzen, die zu dieser Zeit blühen, den Festen die zyklisch begangen werden usw. Später folgen die Monatsnamen. Dabei gilt, dass pro Thema jeweils nur ein Überblicksmaterial gewählt wird. Vereinfacht gesagt: gibt es einen Jahreskreis, sollte man nicht zusätzlich eine Jahreskette (lineare Darstellung) anwenden.

Bastelanleitungen

… für Spielzeug nach Montessori und Übungen

1. Sortieren

Besorgen Sie sich kleine Schälchen in verschiedenen Farben (beispielsweise beim Möbelschweden) und sammeln Sie im Haushalt viele kleine Gegenstände und Spielzeug in den entsprechenden Farben zusammen. Alternativ können Sie auch kleine bunte Bastelpompons verwenden. Eine Steigerung wäre, das Kind mit einer Pinzette sortieren zu lassen. Weitere Variationen: Nehmen Sie die Schüsseln weg und lassen Sie das Kind die Pompons nach der Größe sortieren. Lassen Sie das Kind die Farben in verschiedenen Reihenfolgen anlegen – zum Beispiel wie beim Regenbogen (rot, orange, gelb, usw.). Schreiben Sie auf Karteikarten oder kleine Kartons (oder laminiertes Papier) jeweils in Groß- und Kleinbuchstaben die Farben auf und lassen Sie sie zuordnen.

Sortier-Übung

2. Stecken

Bohren Sie an der Unterseite einer Chipsdose mit einer Schere ein Loch. Durch dieses Loch können Pompons in verschiedenen Größen und Farben, bunte Tücher und vieles mehr in die Dose gesteckt werden. Zum Herausnehmen öffnen Sie einfach den Plastikdeckel an der Oberseite. Die Dose kann ganz nach Geschmack (auch gemeinsam mit den Kindern) dekoriert werden.

Steck-Übung

3. Entdecken

Sammeln Sie leere kleine Plastikflaschen, entfernen Sie jeweils das Etikett und füllen Sie Wasser sowie kleinere interessante Gegenstände ein. Den Deckel verkleben Sie zur Sicherheit von innen mit der Heißklebepistole. Sie können hier ganze Themenreihen abdecken wie zum Beispiel eine Reihe mit Flaschen, in der jede mit Gegenständen in einer anderen Farbe bestückt ist. Eine Reihe mit unterschiedlichen Blumenblüten (diese sind jedoch nicht lange haltbar). Eine Reihe mit verschiedenen Glitzergegenständen usw. Beispiele zum Füllmaterial: Strohhalme in 1 cm-Stücke schneiden, Glitzerpulver, Waterbeads, Streudeko wie Tischkonfetti usw. Variation: Die Trockenvariante. Füllen Sie verschiedene Gegenstände in klare Plastikflaschen und verschließen Sie diese. Hier können auch größere Flaschen zum Einsatz kommen. Füllen sie thematisch Gegenstände ein: alles Grün, Weihnachtssachen, Badespaß usw.

Entdecker-Spielzeug

4. Farbenlehre

Statten Sie bei Ihrem nächsten Baumarktbesuch der Farbabteilung einen Besuch ab! Es liegen immer Farbkarten auf. Nehmen Sie sich einige in den Hauptfarben mit Nuancen mit und basteln Sie daraus ein Farbenbuch. Schreiben Sie die Farben in Groß- und Kleinbuchstaben darauf. So lernen die Kinder, dass jeder Farbe viele „Gesichter“ haben kann (zum Beispiel grün: dunkelgrün, blaugrün, hellgrün, mint usw.).

Farbenlehre

5. Rechnen

Ein tolles Spielzeug für mathematische Übungen sind die Rechenperlen. Bastelanleitungen findet man dazu keine, weil sie so einfach herzustellen sind. Sie benötigen lediglich Holz- oder Plastikperlen (gerne auch in verschiedenen Farben), etwas Basteldraht und eine Zange. Damit fertigen Sie Spielzeug mit 1 bis 10 Perlen an. Mit diesem Material kann das Kind Mathematik „begreifen“. 2+3=5 Ein Stück mit zwei Perlen wird aufgelegt, direkt daneben ein Stück mit drei Perlen und daneben noch ein Stück mit fünf Perlen. 10 1er ergeben 1 10er, 2 5er auch.

Rechnen

6. Geometrie

Das Geoboard oder Geobrett ist ebenfalls ein großartiges Spielzeug nach Montessori, bei dem Geometrie und Mathematik kombiniert werden können. Sie benötigen ein quadratisches Holzstück, in welches Sie in regelmäßigen Abständen Nägel (mit abgerundeten Köpfen) einschlagen, sodass ein Raster entsteht. Mit etwas breiteren, bunten Gummibändern kann das Kind nun die Nägel umspannen und so verschiedene Formen wie Dreiecke, Rechtecke Quadrate usw. bilden. Durch Überschneidungen verschiedener Formen kann ihm zum Beispiel auch die Mengenlehre näher gebracht werden. Auch zum Bereich Schreiben und Lesen lernen gibt es viele Bastelanleitungen im Internet. So können Sie beispielsweise Kärtchen erstellen, auf die sie zuerst Punkte zeichnen (das Raster des Bretts) und dann verschiedene Buchstaben vorzeichnen, die das Kind am Brett mit den Gummiringen nachbauen kann. Alternativ können Sie auch verschiedene Formenbücher mit unterschiedlichen Übungen anlegen, die Sie zusammenheften und jeweils nach Interesse austauschen.

Geometrie-Übung

7. Biologie

Mein Minimann interessiert sich momentan sehr für den Tod und alles, was dazu gehört. Besonders spannend findet er Skelette. Für dieses Projekt benötigen Sie einen dunklen Bogen Buntpapier, auf den Sie mittels eines weißen Buntstifts oder eines Kreidestifts einen Schädel aufmalen. Schneiden Sie verschiedene Wattestäbchen in unterschiedlichen Längen durch und lassen Sie das Kind ein Skelett auflegen.

Biologie-Übung

Sie sehen, dass bei fast jedem Material zwar ein Schwerpunkt ersichtlich ist, sich aber viele Teilbereiche überschneiden. Gerade das „Vernetzen“ macht diese Art von Spielzeug so interessant und vielseitig. Die Übungen können gezielt an jedes Kind und seinen aktuellen Entwicklungsstand angepasst werden und es sind mit etwas Recherche unzählige Bastelanleitungen zu finden, die leicht umsetzbar sind. Wenn Sie tiefer in die Materie von Montessori eindringen möchten, um aufwendigeres Spielzeug selbst zu erstellen, lege ich Ihnen nahe, sich Übungsbücher zuzulegen.

Weitere Ideen

Die Regenbogenwippe

Ein großer Wunsch von mir ist seit langem die Regenbogenwippe. Eigentlich ist die Erstellung keine Hexerei. Man benötigt nur ein paar Bretter und zwei Zuschnitte. Was mich immer abhält sind die Farben. Unbedenkliche Farben für Kinder sind sehr teuer, aber in bunt machen die Übungen einfach gleich doppelt so viel Spaß.

Der Jahreskreis

Wie bereits weiter oben beschrieben ist dies ein Projekt mit vielen Möglichkeiten und Variationen, also ein Großprojekt. Dazu möchte ich mir gerne vorab überlegen, was genau ich einbauen möchte. Momentan habe ich so viele Ideen, dass ich mich noch nicht entscheiden kann. Am ehesten wird es voraussichtlich eine vierteilige Grundfläche in Kreisform, auf die dann verschiedene Einzelteile aufgelegt werden können, die ich laminieren möchte.

Die Zwirnpiratin

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT
Please enter your comment!
Please enter your name here