Ein Messschieber, auch Schieblehre, Kaliber oder Schublehre genannt, ist ein Längenmessgerät für Innen- und Außenmaße. Er besteht aus einer Stange, an der sich 4 Messschenkel befinden, von denen 2 beweglich sind. Als Ableseskala dienen eine Zentimeterskala oder Millimeterskala und der sogenannte Nonius.

Der Kaliber ist ein sehr hilfreiches Messinstrument, welches für die Produktion und für handwerkliche Arbeiten benötigt wird. Da der Schieber ein Messgerät ist und keine Lehre, so verzichtet man inzwischen fast ganz auf die Bezeichnungen Schieblehre oder Schublehre, die in früheren Zeiten umgangssprachlich besonders in Süddeutschland gang und gäbe waren. Auch der Begriff Kaliber konnte sich in deutschen Sprachgebrauch nicht erfolgreich durchsetzen.

Der Aufbau

Der Messschieber besteht aus 2 verschiebbaren Teilen, was auch erklärt, woher er seinen Namen hat. Am oberen Teil besitzt er eine Feststellschraube, wodurch man den Schieber fixieren kann, damit ein eingestelltes Maß beibehalten wird. Auf der Stange befindet sich eine Skala mit einer normalen Einteilung in Zentimetern, entsprechend den herkömmlichen Linealen. Andere Modelle besitzen weiterhin auch eine Skala in der Maßeinheit Inch, die sich oberhalb der Zentimeterskala befindet. Die Skala auf der unteren (beweglichen) Seite nennt man den Nonius. Bei den Modellen mit der zusätzlichen Inchskala steht der entsprechende Nonius auch auf der oberen beweglichen Seite. Er dient zur Messung von sehr kleinen Längen, die für das menschliche Auge schwer zu erfassen sind, also zum Beispiel eine genauere Millimeterteilung auf einer Zentimeterskala.

Aufbau eines Messschiebers
Aufbau eines Messschiebers

Die Noniusskala gibt es seit dem Jahr 1631 und wurde durch den französischen Mathematiker Pierre Vernier bekannt gemacht. Außerdem verfügt der Schieber über eine Tiefenmessstange, mit deren Hilfe man zum Beispiel die genaue Tiefe von Bohrungen ermitteln kann. In der Regel hat der Schieber auf der Rückseite eine Tabelle, auf der man zum Gewindebohren die Lochgröße zum Bohren ermitteln kann. Bei älteren Modellen sind diese Daten allerdings veraltet und nicht mehr aktuell. Als Faustregel gilt jedoch, dass der Durchmesser eines Bohrlochs bis M8 0,8 mal Gewindedurchmesser beträgt.

Tabelle auf der Rückseite
Tabelle auf der Rückseite

In der heutigen Zeit haben die Schieber meist eine digitale Anzeige. Dadurch wird das Messen zwar nicht genauer, jedoch erleichtert es das Ablesen.

Verschiedene Arten von Messschiebern

Da diese Messgeräte über viele Vorteile verfügen, gibt es sie, je nach Einsatzgebiet und -möglichkeit, auch in mehreren unterschiedlichen Typen. Hier sind einige aufgeführt:

  • Präzisionstaschenmessschieber
  • Tiefenmessschieber
  • Höhenmessschieber
  • Präzisionswerkstattmessschieber mit Linearskala
  • Digitaler Werkstattmessschieber mit einer LCD-Anzeige und einer Feinstelleinrichtung
  • Präzisionsmessschieber mit einer Rundskala
  • Präzisionszahnmesser
  • Digitaler Präzisionsmessschieber mit dem kapazitives Messsystem

Die Teile eines herkömmlichen Messschiebers im Einzelnen

  • der feste Messschenkel mit einem Kiefer
  • der bewegliche Messschenkel mit einem Kiefer
  • die Schiene mit der Hauptskala
  • der Schieber
  • die Noniusskala
  • die Feststellschraube
  • die Tiefenmessstange
Einzelteile
Einzelteile

Die Vor- und Nachteile eines Messschiebers

Gegenüber anderen Messgeräten verfügt der Schieber über eine robuste Aufmachung. Er verträgt auch einmal einen Sturz. Ihn kann man so schnell nichts kaputt kriegen. Er ist preiswert und schnell einsetzbar. Da er so klein und handlich ist, kann man ihn bequem in der Tasche tragen. Somit ist er gut für unterwegs geeignet und immer und überall auch mobil bedienbar. Sein Nachteil steht in der eventuellen Messunsicherheit, die größer als bei digitalen anderen Geräten sein kann. Jeder Messschieber ist nur so gut wie der Mensch, der ihn bedient und abliest.

Die korrekte Bedienung von Messschiebern

Schritt 1: Öffne den Schieber und klemme das Werkstück, welches gemessen werden soll, zwischen die beiden unteren Kiefer. Zum Ermitteln eines Innendurchmessers verfährt man genauso, jedoch verwendet man hierzu die oberen Messkiefer und führt sie in die Öffnung ein.

Werkstück fest einspannen
Werkstück fest einspannen

Schritt 2: Drücke den beweglichen Kiefer fest gegen das Werkstück

Schritt 3: Fixiere den beweglichen Kiefer durch das Feststellen der Schraube

Schritt 4: Das Maß (immer am Nullstrich) an der Zentimeterskala ablesen

Wenn der Nullstrich nicht exakt auf einem Millimeterstrich trifft, so kann man durch die Noniusskala eine genauere Messung durchführen. Beträgt die ungefähre Messung zum Beispiel 24 Komma nochwas, so schaut man, welcher Strich der (unteren) Noniusskala exakt mit einem Millimeterstrich der oberen Zentimeterskala übereinstimmt. Passt zum Beispiel die 9 der Noniusskala mit einem Strich der darüber liegenden Skala überein, so ist der zu ermittelnde Wert 24,9 mm.

Detailiert Ablesen
Detailiert Ablesen

Tipps für Schnellleser

  • Werkstück einspannen
  • beweglichen Schieber fixieren
  • Zentimeter an Skala ablesen
  • Übereinstimmung Skala Zentimeter und Nonius suchen
  • genauen Wert ablesen

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