Fliesen bohren

Es ist gar nicht so einfach, Fliesen zu durchbohren, da diese leicht springen. Mit der richtigen Vorgehensweise wird die Arbeit jedoch für jeden Heimwerker machbar. Anhand einiger praktischer Tipps zeigen wir Ihnen, wie Sie Ihre Badezimmer- und Steinfliesen sowie Natursteine so durchbohren, dass sich das Ergebnis sowohl funktional als auch optisch sehen lassen kann!

Ob Handtuchhalter, Seifenspender oder die Toilettenpapiervorrichtung: All diese Dinge werden in der Regel an der Badezimmerwand montiert. Da gibt es nur ein winziges Problem: Die schönen Fliesen, die ebendiese Wand zieren, machen das Bohren von Löchern, die zur Befestigung der genannten Utensilien notwendig sind, zu einer kleinen Herkulesaufgabe. Muss man schon bei normalen Betonwänden vorsichtig agieren, um saubere Resultate zu erzielen, so gilt dies bei Fliesen umso mehr, denn: Ein Fehler und schon zerspringen sie. Unser Ratgeber hilft Ihnen, sämtliche Schwierigkeiten, die auftreten können, zu umschiffen. So entstehen saubere Löcher ohne eine Beschädigung der Fliesen und die Anbringung der Badezimmeraccessoires gelingt wunderbar!

Im Folgenden geben wir Ihnen eine Reihe von Tipps, die Sie beachten beziehungsweise befolgen sollten, wenn Sie sich ans Bohren von Löchern in Fliesenwänden wagen und den Akt schadlos über die Bühne bringen wollen. Durch die übersichtliche Checklisten-Form ist es auch ein Leichtes, den einen oder anderen Punkt unmittelbar vor oder während der Aktion noch einmal kurz durchzulesen, um keinen – unter Umständen fatalen – Fehler zu begehen. Legen wir also los!

Vorbereitend: Leitungssuchgerät nutzen!

Für gewöhnlich wird Badzubehör, zu dem unter anderem die oben schon erwähnten Handtuchhalter, Seifenspender und Toilettenpapiervorrichtungen zählen, mit einer soliden Dübelverbindung an einer Halteplatte an der Fliesenwand montiert. Das Risiko, im Zuge dessen eine Wasser- oder Stromleitung zu treffen, ist groß. Aus diesem Grund sollten Sie die für das Zubehör vorgesehene(n) Stelle(n) mit einem Leitungssuchgerät überprüfen, ehe Sie weitere Schritte einleiten.

Tipp: Ein einfacher Leitungssucher kostet circa 30 Euro. Es steht Ihnen aber auch die Möglichkeit zur Verfügung, das Gerät vorübergehend auszuleihen. Angebote von ungefähr fünf Euro pro Woche sind online zuhauf zu finden und für Personen, die damit eher selten zu tun haben, wahrscheinlich die günstigere Option.

Leitungssuchgerät
Nach Strom- und Wasserleitungen suchen

Sauberes Bohren von Löchern

Es folgen nun mehrere konkrete Ratschläge zum sauberen Bohren von Löchern in Fliesen und der weiteren Vorgehensweise zur Anbringung der Gegenstände.

Rat 1: Loch in der Fliese anknacken!

Bei glatten Glasuren, die zahlreiche Fliesen aufweisen, empfiehlt es sich, die gewünschte Position des Lochs zunächst mit einem wasserlöslichen Stift zu markieren und dann mit einem Hammer und einer Reißzwecke anzuknacken. Zur Erklärung: Eine Reißzwecke ist nichts anderes als ein kurzer Nagel mit einem großen gewölbten Kopf aus Blech, der gemeinhin für den Aushang von Schriftstücken an einer Pinnwand verwendet wird. Vermutlich besitzen Sie den Gegenstand also schon. Und wenn nicht, lässt er sich äußerst preiswert erwerben. Doch zurück zum Eigentlichen: Hämmern Sie die Reißzwecke ganz vorsichtig gegen die Fliese, bis eine kleine Vertiefung entsteht. Diese sorgt dafür, dass die Bohrerspitze nicht mehr abrutschen kann. Übrigens stammt der effektive Hinweis von der renommierten Stiftung Warentest.

Fliese anknacken
Fliese vor dem Bohren anknacken

Rat 2: Malerkrepp verwenden!

Ein weiterer ausgeklügelter Trick, der das Abrutschen des Bohrers auf der glasierten Oberfläche der Fliese verhindert, ist die Verwendung von Malerkrepp. Das raue Klebeband simplifiziert das Bohren des Lochs, schützt vor dem Splittern des Bohrlochrandes und trägt damit dazu bei, dass die Fliese makellos bleibt.

Tipp: Verwenden Sie am besten zwei vier Zentimeter breite Streifen des Malerkrepps und kleben sie kreuzweise über die zuvor angekörnte Markierung. Malerkrepp ist bereits für günstige ein bis zwei Euro erhältlich.

Bohren mit Malerkrepp
Bohren mit Malerkrepp

Rat 3: Der richtige Bohrer!

Was die Wahl des Bohrers betrifft, ist die Ritzhärte der Fliese entscheidend. Sie gibt an, wie stark oder schwach die keramische Glasur der jeweiligen Fliese einer ritzenden sowie kratzenden Beanspruchung standhält. Die Werte reichen von 1 (sehr weich) bis 10 (sehr hart). Fliesen bis Ritzhärte 3 lassen sich mit einem Fliesen- und Glasbohrer bearbeiten. Für härtere Ausgaben, zu denen vor allem Feinsteinzeug- und Natursteinfliesen zählen, brauchen Sie einen Diamantbohrer, der über einen kleinen Wassertank gekühlt wird, damit er sich nicht abnutzt. Da ein solcher Diamantbohrer einen ziemlich tiefen Griff ins Portemonnaie verlangt, sollten Sie über die Leihe bei einem Mietservice nachdenken.

Tipp: Verwenden Sie Fliesen-, Glas- und/oder Diamantbohrer nur zum Durchbohren der Fliesen selbst und schnappen sich für die dahinterliegende Wand einen normalen Steinbohrer. Die Spezialmodelle würden durch das Bohren ins Mauerwerk nämlich sehr schnell stumpf.

Rat 4: Schlagfrei bohren!

Bis Sie die Fliese und den Putz durchbohrt haben, sollten Sie ohne Schlag arbeiten. Schlag – wie bitte? Mit diesem Begriff wird die vibrierende Bewegung bezeichnet, die zum Durchbrechen besonders fester Materialien gerne und häufig zum Einsatz kommt. Auch danach sollten Sie möglichst auf diese Technik, die sich beim Bohrer an- und ausmachen lässt, verzichten. Schalten Sie sie nur ein, wenn die Wand unter der Fliese aus Vollstein oder Beton besteht. Wer diesem Rat nicht folgt und bei Lochziegeln, Bims oder Porenbeton mit der Schlagbohrmethode agiert, zerschlägt mit großer Wahrscheinlichkeit die Steinstruktur. Abgesehen davon, dass ein zu üppiges Bohrloch entsteht, in dem kein Dübel den nötigen Halt findet.

Schlagbohrer aus
Schlagbohrer ausschalten

Rat 5: Bohrer korrekt anwenden!

Setzen Sie die Bohrmaschine im rechten Winkel an. Verkantet der Bohrer, kann es zu unerwünschten Absplitterungen kommen. Deshalb empfiehlt sich die Verwendung einer Führung. Durchbohren Sie die Fliese zudem mit geringem Druck und niedriger Drehzahl. Wenn Sie keinen wassergekühlten Diamantbohrer nutzen, sondern mit einem normalen Glas- oder Fliesenbohrer agieren, sollten Sie stets dessen Temperatur beobachten und ihn gegebenenfalls in Wasser kühlen.

Tipp: Sobald der Bohrer im Mauerwerk angelangt ist, können Sie ruhig wieder mit normalem Druck und höherer Drehzahl bohren. Wie in Rat 4 angedeutet, dürfen Sie nun bei dringendem Bedarf auch die Schlagfunktion einschalten. Dringender Bedarf bedeutet in diesem Fall, dass Sie ohne Schlag nicht vorwärtskommen.

Winkel beim Bohren
Bohrer im rechten Winkel ansetzen

Rat 6: Loch in Fugen bohren!

Grundsätzlich gilt: Wenn Sie es vermeiden können, direkt in die Fliesen zu bohren, so tun Sie es. Leider gibt es diese Option eher selten. Als Alternative kommen nämlich nur die Fugen in Frage. Und diese Fugen sind meist nur zwei bis drei Millimeter breit – zu klein für die Dübel, die zur Montage der Badezimmerutensilien benötigt werden. Manchmal zeigt sich jedoch, dass die Fugen der Fliesen die Dübelgröße übersteigen. In diesen Fällen sollten Sie zwischen den Platten bohren. Der enorme Vorteil dieser Variante: Die entstehenden Löcher lassen sich leichter und nahezu unsichtbar wieder mit Fugenmasse verschließen.

Tipp: Steht Ihnen diese praktische Möglichkeit nicht offen, müssen Sie also zwangsläufig eine Fliese in ihrer Fläche anbohren, so halten Sie Abstand vom Randbereich und wählen stattdessen einen Punkt in der Fliesenmitte.

Fugen bohren
In die Fugen bohren

Rat 7: Richtige Dübel einsetzen!

Bei der Montage sollten Sie je nach Badezimmerutensil unterschiedliche Dübel einsetzen. Für die Halterung der Toilettenpapiervorrichtung genügt ein Universaldübel. Demgegenüber sind sogenannte Langschaftdübel für Handtuchhalter und leichte Hängeschränke besser geeignet. Der lange Schaft dieser speziellen Dübel (deshalb auch der Name „Langschaftdübel“) verspreizt sich im Porenbeton, was der Stabilität zuträglich ist.

Tipp: Eine recht umfangreiche Packung mit Universaldübeln kostet im Normalfall um die fünf Euro. Für Langschaftdübel bezahlen Sie nicht sehr viel mehr. Es gibt schon Angebote, die bei circa zehn Euro für 50 Stück liegen. Eventuell müssen Sie hier jedoch ein bisschen stöbern, bis Sie eine angemessene Offerte finden, da die Preisunterschiede doch ziemlich stark sind.

Rat 8: Porenbetonanker für Schweres!

Haben wir uns bei Rat 7 noch um relativ leichte Gegenstände gekümmert, so fahren wir jetzt die schweren Geschütze auf. Heißt im Klartext, dass wir uns nun Dingen wie dem Handwaschbecken, einem Handgriff oder auch gewichtsintensiven Hängeschrank widmen. All diese Utensilien werden mit einem Porenbetonanker angebracht. Dieser Anker ist mit einem Gewinde versehen, das sich regelrecht in den Beton schneidet. Möchten Sie massive Waschtische oder gar ein WC einbauen, so müssen Sie aufgrund der höheren Lasten ein Injektionssystem installieren. Dabei geben Sie in das Bohrloch zusätzlich Mörtel, der die Ankerstange mit dem Untergrund verklebt.

Tipp: Zwei Porenbetonanker kosten etwa drei bis fünf Euro.

Dübelarten
Verschiedene Arten von Dübeln

Rat 9: Manchmal reicht auch Kleben!

Unsere bisherigen Ratschläge zeigen, dass beim Durchbohren von Fliesen eine ganze Menge Know-how und Fingerspitzengefühl gefragt sind. Eventuell brauchen Sie diesen kniffligen Schritt jedoch gar nicht zu gehen, denn: Manche Hersteller haben Handtuchhalter, Toilettenpapiervorrichtungen und ähnliche Gegenstände zum Kleben im Sortiment. Bei diesen Dingen fällt das Bohren also weg, da sie klebend an die Wand angebracht werden. Achten Sie darauf, eine renommierte Firma zu wählen. So ist gewährleistet, dass es sich um ein hochwertiges Produkt handelt und der Klebestreifen nicht nur über viele Jahre stabil hält, sondern bei Bedarf auch einfach mit einem Cuttermesser oder durch das behutsame Abdrehen der Halterung mit einer Zange wieder entfernt werden kann, ohne Rückstände zu hinterlassen.

Weitere wissenswerte Informationen

  1. Mieter dürfen Fliesen durchbohren

Sie leben in einer Mietwohnung und zweifeln, ob es Ihnen rechtlich überhaupt gestattet ist, in Ihrem Heim die Fliesen anzubohren? Zur Klärung brauchen Sie nicht zwingend Ihren Vermieter zu kontaktieren (auch wenn wir es ausdrücklich empfehlen), denn: Grundsätzlich dürfen Sie Gegenstände wie Handtuchhalter, Seifenspender, Toilettenpapiervorrichtungen oder auch Hängeschränke und Spiegel im Badezimmer befestigen. Vermeiden Sie es aber, mehr als 20 bis 30 Löcher zu bohren, andernfalls könnte es Probleme mit dem Vermieter und dem Gericht geben. Verletzen Sie Ihre Obhutspflicht, indem Sie Kacheln über das erforderliche beziehungsweise übliche Maß hinaus anbohren, so sind Sie zu Schadenersatz verpflichtet.

Mietrecht
Mietrecht

Tipp: Die Obhutspflicht besagt, dass Sie Ihre gemietete Wohnung sorgfältig und pfleglich zu behandeln sowie nach Möglichkeit vor Schäden zu bewahren haben, da Sie eine fremde, nicht Ihnen gehörende Sache bewohnen. Experimentieren Sie also nicht herum, sondern bohren erst Löcher in die Fliesen, wenn Sie sich sicher sind, die Angelegenheit gut meistern zu können. Ansonsten ist die Beauftragung eines Fachmanns die risikoärmere Variante.

  1. Bohrfehler korrigieren

Beim Bohren von Löchern in Fliesen können Fehler passieren. Sollte ein Bohrloch missraten sein, so füllen Sie es mit Spezialspachtel für Fliesen und ziehen überstehende Masse nur leicht mit einem Spachtel ab. Nach dem Aushärten nehmen Sie Schleifpapier zur Hand und glätten damit die Oberfläche. Sehr große Farbunterschiede zwischen Spachtelmasse und Fliese kaschieren Sie einfach mit farblich passendem Sprühlack. Ist die Fliese gesprungen, müssen Sie sie nicht unbedingt austauschen. Verdecken Sie die schadhafte Stelle mit einem Fliesenaufkleber. Doch Achtung: In feuchten Räumen wie dem Badezimmer, von dem wir in diesem Ratgeber vorwiegend sprechen, kommen Sie um einen Austausch nicht herum.

Fazit

Das Bohren von Löchern in Fliesen ist eine heikle Angelegenheit, da die Fliesen dabei schnell springen oder absplittern können. Inzwischen gibt es gute Klebelösungen, sodass sich das schwierige Bohren häufig vermeiden lässt. Wir raten Ihnen, Fliesen wirklich nur dann anzubohren, wenn es unumgänglich ist. Mit den Tipps, die von der Nutzung eines Leitungssuchgeräts bis zur Verwendung der richtigen Dübel und/oder Porenbetonanker reichen, schaffen Sie es sicherlich, saubere Löcher zu bohren, ohne dabei die Fliesen zu beschädigen, und Ihre Utensilien stabil anzubringen!

Tipps für Schnellleser:

  • vorgesehene Bohrstellen mit Leitungssuchgerät prüfen
  • Lochposition mit Reißzwecke und Hammer anknacken
  • Malerkrepp verhindert das Abrutschen des Bohrers
  • Glas- oder Fliesenbohrer für tendenziell weiche Fliesen
  • Diamantbohrer für tendenziell bis sehr harte Fliesen
  • beim Bohren möglichst ganz ohne Schlag arbeiten
  • Bohrer im rechten Winkel ansetzen und Führung verwenden
  • mit geringem Druck und niedriger Drehzahl bohren
  • Loch am besten in Fugen bohren (leider nur selten umsetzbar)
  • ansonsten statt den Rändern lieber die Fliesenmitte wählen
  • Universaldübel für WC-Papier-Halterung, sonst Langschaftdübel
  • für schwere Gegenstände Porenbetonanker sowie evtl. Mörtel
  • im Zweifelsfall zu Klebelösungen greifen und Bohren umgehen
  • Fliesenbohren in Maßen ist auch in Mietwohnungen erlaubt
  • Bohrfehler mit Spezialspachtel, Sprühlack oder Aufkleber kaschieren

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