Aus Lochmustern lassen sich hauchzarte Stolen und Tücher zaubern, deren Gewicht bei sehr dünner Wolle oft unter hundert Gramm liegt. Die Lochmuster sind aber auch in der Wintermode zu finden. Rustikale Schals mit Zöpfen und Lochmusterreihen sind dabei ebenso beliebt wie Dreiecktücher oder Mützen mit Musterstreifen. Die Grundtechnik ist schnell erlernt und die Kombinationsmöglichkeiten sind nahezu unerschöpflich. Hier gibt es die Anleitung für das Stricken des Lochstrickmusters


Lochmuster entstehen durch Umschläge, die in der Rückreihe als Masche abgestrickt werden. Diese zusätzliche Masche muss ausgeglichen werden, indem zwei Maschen einfach oder überzogen zusammengestrickt werden. Das Zusammenstricken erfolgt vor oder nach dem Umschlag und kann bei dickerer Wolle neben den Löchern eine leicht plastische Struktur entstehen lassen. Im Zusammenhang mit Lochmustern fällt immer wieder der Begriff „Ajourmuster“. Dieser kommt aus dem Französischen und wird mit „Durchbruch“ oder auch „zerbrochen“ übersetzt, was auf die Lochmusterstruktur hinweist. Damit beschreiben beide Begriffe sowohl in deutscher als auch französischer Sprache die gleiche Strickart.

Benötigte Materialien:

  • Wolle
  • Rundstricknadel in entsprechender Stärke
  • Hilfsnadel

Gestrickte Löcher lassen sich in unendlicher Vielfalt kombinieren. Von einfachen Lochreihen im Saumbereich, die ein glatt rechtes Gestrick aufwerten, bis zu aufwendigen Blattmustern, die die gesamte Gestrickbreite wie bei Stolen und Dreiecktüchern ausfüllen. Lochmuster lassen sich einfach stricken, bedürfen aber etwas Aufmerksamkeit, da einzelne und überzogen gestrickte Maschen und Umschläge innerhalb einer Reihe ständig wechseln. Anfangs werden Sie die Strickschrift bei jeder Masche verfolgen müssen, mit etwas Routine sind die Mustersätze schnell gemerkt und dann machen diese Muster einfach nur Spaß.

In dieser Beschreibung lernen Sie einfache Lochmusteranordnungen kennen. In einer weiteren Anleitung werden Ihnen kompakte und aufwendig gestrickte Lochmustervarianten vorgestellt.

Umschlag

Für die Lochmusterstrickerei ist der Umschlag das wichtigste Element. Er wird zwischen zwei Maschen gelegt und in der Rückreihe als neu entstandene Masche mitgestrickt. Auf diese Weise entsteht ein befestigtes Loch im Gestrick.

Schlagen Sie dazu einige Maschen mit der Rundstricknadel an.

Stricken Sie einige Reihen glatt rechts (die Maschen immer in der Weise abstricken, wie sie optisch auf der Nadel erscheinen).

lochmuster-stricken-01Stricken Sie die Randmasche und einige rechte Maschen. Jetzt einen Umschlag – mit der rechten Nadel über den Faden gehen und mit diesem wieder nach vorne kommen.

Jetzt stricken Sie zwei Maschen überzogen zusammen, indem Sie in die folgende rechte Masche so einstechen, als wollten Sie diese rechts abstricken.

Diese Masche bleibt unabgestrickt auf der rechten Nadel, jetzt die folgende Masche ganz normal rechts abstricken. Anschließend die unabgestrickte Masche von der rechte Nadel über die zuletzt gestrickte Masche überziehen. Das wird als überzogenes Zusammenstricken bezeichnet.

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Sie haben jetzt durch einen Umschlag eine zusätzliche Masche entstehen lassen, die durch das Zusammenstricken zweier anderer Maschen wieder ausgeglichen wurde. Stricken Sie nun einige weitere rechte Maschen, machen Sie einen weiteren Umschlag und stricken Sie erneut zwei Maschen überzogen zusammen.

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Wenden Sie die Arbeit und stricken Sie alle Maschen wie sie erscheinen. In diesem Beispiel werden alle Maschen und die Umschläge links gestrickt.

Rechtes Zusammenstricken

Während Sie im vorangegangenen Beispiel rechts überzogen zusammengestrickt haben, gibt es außerdem die Variante, zwei Maschen nur rechts zusammenzustricken. Dazu stricken Sie in einer neuen Reihe wieder einige Maschen rechts. Jetzt werden VOR einem Umschlag zwei Maschen zusammengestrickt, indem Sie in die zweite Masche auf der linken Nadel einstechen und die zweite und erste Masche zusammen rechts abstricken.

Anschließend wird ein Umschlag gearbeitet und die folgenden Maschen rechts abgestrickt.

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Die Arbeit wenden und in der Rückreihe alle Maschen und Umschläge links stricken.

Das unterschiedliche Zusammenfassen zweier Maschen hat einen Grund. Auf dem Bild sehen Sie, dass Maschen, die überzogen zusammengestrickt wurden, sich optisch nach links bewegen. Während die Maschen, die zusammen nur rechts gestrickt wurden, eine Tendenz nach rechts haben. Bei einer einzelnen Lochreihe ist es egal, ob die Maschen überzogen oder einfach zusammengestrickt werden. Bei Mustern ist jedoch genau festgelegt, in welcher Weise das Zusammenstricken erfolgt, weil das Lochmuster dadurch optisch geprägt wird. Einige Beispiele werden das verdeutlichen.

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„Mausezähnchen“ für Ausschnittgestaltung

Eine einfache Lochreihe kann optisch sehr beeindruckend sein, wenn sie im Saum- oder Ausschnittbereich verwendet wird. Als Bündchen (Saum) eignet sie sich vorwiegend für Oberbekleidung mit geradem, unelastischem Bund. Gestrickt wird dabei auf folgende Weise:

Mit der benötigten Maschenzahl wird die gewünschte Saumhöhe gearbeitet. Anschließend wird eine sogenannte „Bruchreihe“ gearbeitet, die später die untere Bundkante bilden wird. Dazu wird ein Lochreihe gestrickt, indem nach der Randmasche zwei Maschen einfach rechts oder rechts überzogen zusammengestrickt werden, es folgt ein Umschlag, wieder zwei Maschen in der gewünschten Weise zusammenstricken, ein weiterer Umschlag und das bis zum Ende der Reihe.

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Die Arbeit wenden, alle Maschen und Umschläge links stricken. Wieder wenden und nun die gleiche Reihenanzahl glatt rechts stricken, wie Sie vom Maschenanschlag bis zur Lochmusterreihe gearbeitet haben.
Jetzt wird die Anschlagkante mit den Maschen verbunden, die sich auf der Nadel befinden, sodass ein doppeltes Bündchen entsteht. Dazu werden die Anschlagmaschen auf eine Hilfsnadel genommen.

Anschließend wird immer eine Masche der Hilfsnadel mit einer Masche der Rundstricknadel zusammengestrickt.

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Auf diese Weise wird die untere Bundkante mit der Endreihe des Saumes verbunden, das Bündchen ist jetzt doppelt gelegt und die in der Mitte befindliche Lochreihe bildet nun eine markante Abschlussreihe.

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Mit einem sogenannten offenen Anschlag wird diese Saumvariante professionell gestrickt, indem mit einer Kontrastfarbe begonnen wird. Nach einigen Reihen wechseln Sie zur normalen Wolle und stricken das Bündchen wie oben beschrieben. Wenn Sie die untere Kante auf die Hilfsnadel nehmen wollen, beginnen Sie in der ersten Reihe nach der die Kontrastfarbe. Hierbei sind unterschiedliche Wollfarben hilfreich, um die richtigen Fadenschlaufen zu erwischen. Nehmen Sie die Maschenbögen auf die Hilfsnadel, die oberhalb der Kontrastwolle zu sehen sind.

Stricken Sie anschließend wieder jeweils eine Masche von beiden Nadeln zusammen, arbeiten Sie ein Stück des normalen Strickteiles und schneiden Sie anschließend die Kontrastwolle ab. Dieser Vorgang vereinfacht sich, wenn nach der Kontrastwolle eine Reihe mit einem Nylonfaden gestrickt wird. Dieser Faden kann nämlich nach Beendigung des Strickteiles aufgrund des glatten Materials einfach herausgezogen werden und die Kontrastwolle fällt ab.

In gleicher Weise können Ausschnitte bei Pullovern und Tops gearbeitet werden.

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Einfache Lochmuster stricken

Werden die Lochmuster aufwendiger, ist ein genaues Umsetzen der Strickschrift wichtig. Außerdem müssen die normalen und überzogenen Abnahmen genau an den richtigen Stellen platziert werden. Dazu ein einfaches Beispiel:

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Schlagen Sie 22 Maschen plus zwei Randmaschen an. Stricken Sie einige Reihen glatt rechts (die Maschen immer so abstricken, wie sie erscheinen).

Anschließend werden die erste und zweite Reihe des Musters glatt rechts gestrickt.

In der dritten Reihe beginnen Sie nach der Randmasche mit einer Masche rechts, es folgt ein Umschlag sowie eine überzogene Abnahme (eine Masche wie zum Rechtsstricken abheben, die folgende Masche rechts abstricken, die vorher abgehobene Masche über die abgestrickte Masche überziehen). Neun Maschen rechts stricken, zwei Maschen rechts zusammenstricken, ein Umschlag, eine Masche rechts, ein Umschlag, zwei Maschen überzogen zusammenstricken und die restlichen Maschen rechts abstricken.

In der Rückreihe alle Maschen und Umschläge links stricken.

Die fünfte Reihe beginnt mit zwei rechten Maschen, dann folgt ein Umschlag, zwei Maschen werden jetzt überzogen zusammengestrickt, sieben Maschen rechts, zwei Maschen rechts zusammenstricken, ein Umschlag, drei Maschen rechts, ein Umschlag, zwei Maschen rechts überzogen zusammenstricken und die restlichen Maschen rechts arbeiten.

In der Rückreihe alle Maschen und Umschläge links stricken.

In Reihe sieben mit drei Maschen rechts beginnen, ein Umschlag, zwei Maschen überzogen zusammenstricken, fünf Maschen rechts, zwei Maschen rechts zusammenstricken, ein Umschlag, fünf Maschen rechts, ein Umschlag, zwei Maschen rechts überzogen zusammenstricken und die restlichen Maschen wieder glatt rechts.

In Reihe neun mit vier Maschen rechts beginnen. Ein Umschlag, zwei Maschen überzogen zusammenstricken, drei rechte Maschen, zwei Maschen rechts zusammenstricken, ein Umschlag, sieben Maschen rechts, ein Umschlag, zwei Maschen rechts überzogen zusammenstricken und die restlichen Maschen rechts abstricken.

In der Rückreihe alles links arbeiten.

Jetzt lässt sich deutlich erkennen, wie die Lochmusterstreifen eine Linie bilden. Und wie die zusammengestrickten Maschen die Richtung der Löcher vorgeben.

In der elften Reihe stricken Sie fünf rechte Maschen, einen Umschlag, zwei Maschen überzogen, eine Masche rechts, zwei Maschen rechts zusammenstricken, ein Umschlag, neun Maschen rechts, ein Umschlag, zwei Maschen rechts überzogen zusammenstricken und die weiteren Maschen rechts arbeiten.

Die Rückreihe wieder links stricken.

In der dreizehnten Reihe verbinden sich die aufeinander zulaufenden Lochmusterreihen und Sie müssen drei Maschen zusammenstricken.

Dreizehnte Reihe: Sechs Maschen rechts, ein Umschlag, drei Maschen rechts zusammenstricken (Sie stechen in die dritte Masche auf der linken Nadel ein, dann in die zweite und die erste und ziehen den Faden durch alle drei Maschen gleichzeitig hindurch). Anschließend wieder ein Umschlag, elf Maschen rechts, ein Umschlag und noch einmal drei Maschen zusammenstricken.

Damit ist ein einfaches Lochmuster entstanden, an dem Sie sehr deutlich sehen können, warum das Zusammenstricken normal rechts oder überzogen erfolgen muss.

Beispiele für Lochmuster

Schultertuch

Das folgende Bild zeigt ein Schultertuch mit linienförmigem Lochmuster. Die Lochreihen wechseln über mehrere Reihen hinweg die Richtung, wobei das Zusammenstricken in rechter und überzogener Weise ausgeführt werden muss.

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Schultertuch mit Lochmuster

Armstulpen mit Lochmusterstreifen

Bei diesen Armstulpen wurde ein doppelter Lochstreifen über die gesamte Länge gearbeitet. Am oberen Bund wurde durch eine Lochmusterreihe die Möglichkeit für das Durchziehen eines Bändchens geschaffen.

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Armstulpen mit Lochmuster

Schal mit Lochmuster

Dieser blaue Schal wurde mit einem Zackenmuster gestrickt.

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Lochmustertuch

Loch an Loch in Blumenform – ein kleines Muster, das wiederholt eine große Wirkung zeigt.

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Schlichtes Lochmuster

Nur fünf kleine Löcher bilden dieses Muster, das sich für Stolen, Schals oder Tops eignet.

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Tipp : Achten Sie bei Strickschriften auch auf die Abbildungen der Modelle. In manchen Strickzeitungen oder Strickbüchern werden die Maschensymbole für die Rückreihen nicht in der Weise aufgeführt, wie die Maschen abgestrickt werden sollen, sondern sind so aufgelistet, wie sie auf der Oberfläche des Gestricks optisch erscheinen, wenn die Rückreihe fertig gearbeitet wurde. Bei solchen Beschreibungen müssen Sie die angegebenen Symbole dann entgegengesetzt stricken.

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