Die Geschichte der Fotografie ist spannend – eine selbstgebaute Lochkamera kann Ihnen Einblicke in die Welt und die Entstehung der Fotografie, wie wir sie heute kennen, verschaffen. Eine Camera Obscura, eine Lochkamera lässt sich blitzschnell selbst basteln. Wir zeigen Ihnen in dieser Anleitung, wie auch Sie eine Lochkamera bauen können und wie diese funktioniert. Ebenso lernen Sie, wie Sie Fotos mit der Lochkamera schießen und anschließend entwickeln können. Lernen Sie etwas über die Anfänge der Fotografie und basteln Sie gemeinsam mit Ihren Kindern eine Camera Obscura. Viel Spaß!

Bereits Aristoteles erkannte die Physik von optischen Abbildungen während einer Sonnenfinsternis – unter einem Baum sitzend fielen ihm die Abbildungen der Sonnensichel auf dem Boden auf. Diese entstanden durch die zahlreichen Lücken der Blätter, die wie die Lochkamera nur wenige Lichtstrahlen hindurch ließen.

Diese Bastelanleitung erklärt Ihnen den Aufbau einer Lochkamera und wie Sie diese als Projektor oder auch für das Schießen von Fotos verwenden können.

Bauanleitung für eine Lochkamera

Eine Lochkamera basteln Sie blitzschnell mit wenigen Materialien – der Kostenaufwand für die Kamera ist dabei nur gering, wenn Sie einen Schuhkarton bereits daheim rumliegen haben. Möchten Sie mit der Lochkamera aber Bilder aufnehmen, benötigen Sie Fotopapier. Dieses und die speziellen Chemikalien für die Entwicklung sind dann preisintensiver.

Doch nun folgt erst einmal die Bauanleitung für die Lochkamera.

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Sie benötigen:

  • Schuhkarton
  • Nadel
  • Alufolie
  • schwarze Acrylfarbe und Pinsel
  • Transparentpapier oder Fotopapier
  • Klebeband
  • Cuttermesser

Schritt 1: Legen Sie den Deckel des Kartons beiseite. Schneiden Sie als Erstes mit dem Cuttermesser ein Rechteck in eine der beiden, kleineren Seitenflächen des Schuhkartons. Dieses sollte eine Größe von etwa 8 cm x 5 cm haben.

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Schritt 2: Befestigen Sie nun ein größeres Stück Alufolie mit Klebeband über dem ausgeschnitten Fenster aus Schritt 1.

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Hinweis: Seien Sie dabei sehr vorsichtig – die Alufolie darf nicht beschädigt werden und ein Loch haben.

Schritt 3: Nun wenden Sie den Karton. Schneiden Sie bis auf einen 1 cm breiten Rand die andere kleine Seitenfläche des Kartons mit dem Cutter aus.

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Schritt 4: Jetzt bepinseln Sie die gesamte Innenfläche des Kartons mit schwarzer Acrylfarbe- oder Malfarbe. So kann es zu keinerlei ungewollter Reflektionen kommen. Malen Sie auch die Innenseite des Deckels schwarz an.

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Schritt 5: Ist die Farbe getrocknet, wird Pergamentpapier an der nun noch offenen Seite mit dem Klebeband befestigt. Dafür schneiden Sie ein Rechteck in Größe der Seitenfläche aus und bekleben die Ränder mit Klebeband.

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Schritt 6: Verschließen Sie im Anschluss den Schuhkarton mit dem Deckel. Damit nichts verrutschen und kein einziger Lichtstrahl in die Kisten gelangen kann, befestigen Sie diesen ebenfalls an den Kanten mit Klebeband.

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Schritt 7: Zum Schluss stechen Sie mit einer Nadel ein kleines, rundes Loch in die Mitte der Alufolie.

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So einfach kann man eine Lochkamera aus einem Schuhkarton bauen.

Eine Lochkamera kann als Projektor dienen und so zum spannenden Spielzeug werden. Die Pergamentfläche dient als Leinwand und zeigt Ihnen ein auf dem Kopf stehendes Motiv.

Stellen Sie dafür an angestrahltes oder selbst strahlendes Objekt, beispielsweise ein Kerze in den Fokus der Kamera. Sind die Fenster gut verdunkelt und alle anderen Lichtquellen aus, sehen Sie die Kerze kopfüber auf dem Transparentpapier leuchten.

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Möchten Sie gern eine Sonnenfinsternis anschauen und beobachten? Machen Sie es wie Aristoteles und beobachten Sie eine Sonnenfinsternis. Die Lochkamera ist perfekt geeignet, um das helle Licht der Sonne zu bündeln und den Anblick einer Sonnenfinsternis für das menschliche Auge sichtbar zu machen, ganz ohne Blinzeln. Halten Sie das Loch in Richtung Sonne und schon ist die Sichel auf dem Pergamentpapier zu erkennen.

Funktion der Lochkamera

Wie funktioniert eine Lochkamera und was kann man alles damit anstellen? Die Physik der Lochkamera basiert auf dem Strahlenmodell des Lichtes. So sendet jedes Objekt, ob nun eine Lichtquelle oder ein einfacher, angestrahlter Gegenstand, Lichtstrahlen in alle Richtungen aus. Das kleine Loch in der Kamera bündelt diese vielen Lichtstrahlen – es lässt nur Wenige und nicht alle hindurch. Aus diesem Grund kann sich Fotopapier in der Kamera nur an den Stellen verfärben, an denen es vom Licht getroffen wird. Dieser Strahlenverlauf sieht wie folgt aus:

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Durch die Bündelung entsteht ein Bild des Objektes auf dem Pergament- oder Fotopapier, welches auf dem Kopf steht. Je größer der Abstand zwischen Fotopapier und Loch in der Alufolie ist, desto größer wird auch das Bild auf dem Papier. Dies wird in der Fotografie als Bildweite beschrieben. Ein kleines Loch erzeugt ein scharfes Bild, wohingegen ein größeres Loch mehr Belichtungszeit benötigt – so verhält es sich bei der herkömmlichen Blende einer Kamera auch.

Die Camera Obscura ist die Vorreiterin der Fotokamera, wie wir sie heute kennen. Wenn Sie selbst eine Lochkamera basteln, kreieren Sie nicht nur ein spannenden Projektor, sondern lernen auch noch etwas über die Geschichte der Fotografie.

Anwendung der Lochkamera mit Fotopapier

So benutzen Sie die Lochkamera: Je nach Belieben verwenden Sie entweder Pergamentpapier oder richtiges Fotopapier als Projektionsfläche auf der Rückseite des Schuhkartons.

Bei der Herstellung richtiger Fotos benötigen Sie etwas mehr Zeit und auch Geld, sowie eine Dunkelkammer. In Fotostudios oder auch bei Foto AGs an Schulen lassen sich solche abgedunkelten Räume finden – vielleicht haben Sie dort die Möglichkeit, die Dunkelkammer einmal benutzen zu dürfen.

Ansonsten benötigen Sie:

  • Verschluss für die Kamera
  • Fotopapier für schwarz-weiße Bilder (Gradation 1 oder 2)
  • Entwickler
  • Fixierer
  • Essig
  • Wasser
  • 3 kleine Kunststoffwannen
  • 1 Schüssel
  • Wäscheleine
  • Wäscheklammern
  • Rote Glühbirne
  • Große Pinzette
  • Glasplatte
  • Uhr

So funktioniert das Fotografieren mit einer Lochkamera:

Bevor Sie mit dem Fotografieren beginnen, sollten Sie geeignete Kleidung anziehen. Die verwendeten Chemikalien für die Fotoentwicklung können manchen Kleidungsstoffen schaden. Achten Sie auch darauf, dass in Ihrer Dunkelkammer nur die rote Lampe leuchtet. Dieses Licht kann dem Fotopapier nichts anhaben.

Schritt 1: Wir steigen nun bei Schritt 5 der Bauanleitung ein – befestigen Sie das Fotopapier an der Stelle, an der Sie auch das Pergamentpapier befestigen.

Achtung: Sobald Sie vorhaben, das Fotopapier aus der Verpackung zu nehmen, sollten Sie sich bei rotem Licht in der Dunkelkammer befinden!

Sie kleben nun Fotopapier mit Klebeband an die Seitenfläche des Schuhkartons. Die glatte Seite des Papiers muss innen sein – auf dieser wird später das Foto zu sehen sein.

Schritt 2: Jetzt folgen Schritt 6 und 7 der Bauanleitung – schließen Sie den Schuhkarton mit dem Deckel, die Ränder sollten dann gut zugeklebt werden. Mit einer Nadel stechen Sie ebenfalls ein kleines Loch in die Alufolie.

Schritt 3: Verschließen Sie nun das kleine Loch in der Alufolie mit einem Verschluss. Dies kann ein Stück Pappe oder schwarzes Tonpapier sein. Befestigen Sie eine kleines Quadrat der Pappe mit Klebeband auf dem Loch.

Schritt 4: Ihre Kamera ist nun einsatzbereit. Gehen Sie mit der Lochkamera ins Freie – am besten tagsüber. Gute Nachtaufnahmen sind für Anfänger kaum zu meistern. Stellen Sie dem gewünschten Motiv, beispielsweise ein Baum, die Kamera gegenüber. Wenn Sie die Kamera in den Händen halten, könnte das Bild stark verwackeln. Also suchen Sie sich einen festen Untergrund, auf dem die Lochkamera stehen kann. Ist das getan, nehmen Sie den Pappverschluss vom Loch, warten eine Minute und schließen das Loch wieder. Fertig!

Schritt 5: Nun geht es ans Entwickeln. In der Dunkelkammer füllen Sie eine kleine Wanne mit 2 cm Wasser und verdünnten Entwickler. In die zweite Wanne füllen Sie Wasser und Essig – das ist das sogenannte Stopperbad, welches nichts genau dosiert werden muss. Die dritte Wanne wird mit Wasser und verdünnten Fixierer gefüllt. Achten Sie bei den Mengenverhältnissen von Entwickler und Fixierer auf die Angaben des Herstellers. Die Schüssel füllen Sie nur mit Wasser.

Schritt 6: Jetzt schalten Sie das rote Licht an und löschen jede andere Lichtquelle. Die Lochkamera wird nun geöffnet. Das Fotopapier wird nun abgenommen und für höchsten zwei Minuten in die Wanne mit der verdünnten Entwicklerflüssigkeit gelegt. Das Bild zeigt sich langsam. Ist das Motiv deutlich zu erkennen, nehmen Sie das Papier heraus – dafür eignet sich eine Pinzette.

Schritt 7: Nun wird das Bild für eine Minute in das Stopperbad gelegt, die Wanne mit Wasser und Essig und anschließend eine Minute das Fixiererbad. Danach wird das Foto in die Schüssel mit Wasser gelegt. Darin sollen sich die Chemikalien lösen, also lassen Sie das Bild eine Weile darin liegen. Jetzt können Sie das Licht wieder anschalten. Im Anschluss hängen Sie das Bild, welches Sie nun auch mit den Fingern berühren können, an die Wäscheleine und befestigen es mit zwei Klammern.

Schritt 8: Das Bild ist nun seitenverkehrt und negativ – das bedeutet, was im Motiv schwarz ist, sieht man auf dem Foto weiß und umgekehrt. So machen Sie aus dem Negativ ein fertiges Foto: Schalten Sie erneut das rote Licht an. Nehmen Sie ein neues Blatt Fotopapier zur Hand und legen Sie es mit der glatten Seite nach oben auf den Tisch. Legen Sie das Negativ auf das Fotopapier auf, so dass es abgedeckt ist und beide genau aufeinander liegen. Dabei muss das Motiv zum Fotopapier, also nach unten zeigen. Danach legen Sie die Glasplatte auf beide Papiere – so kann nichts verrutschen. Jetzt wird belichtet: halten Sie dafür eine helle Lampe genau über das Glas und schalten Sie diese für maximal eine Sekunde an. Das Foto ist fertig!

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