Leder nähen – Grundlagen und Tipps zu Garn, Werkzeug & Co

Leder nähen

Dieser Artikel beschäftigt sich zwar hauptsächlich mit den verschiedenen Lederarten, die Verarbeitung kann jedoch auch für andere, ähnlich beschaffene Stoffe wie Kunstleder und Korkstoff zu Rate gezogen werden.

Leder ist ein Naturprodukt, welches mittels Gerbung aus Tierhaut gewonnen wird. Je nachdem, von welchem Tier die Haut stammt und wie sie weiter bearbeitet wird, erhält man dünnes, weiches oder festes und robustes Leder. Darüber hinaus gibt es für alle, die nicht gerne mit Echtleder arbeiten, auch Kunstleder in vielen Variationen.

Echtleder oder Kunstleder?

Echtleder würde ich persönlich nur dann verarbeiten, wenn zum Beispiel eine viel getragene Lederjacke oder Lederhose nicht mehr zu reparieren ist. Es ist nur schwer nachvollziehbar, woher das Leder ursprünglich kommt und von welchem Tier. Noch weniger, unter welchen Bedingungen es gewonnen wird. Mittlerweile sind Kunstleder so gestaltet, dass sie optisch nicht von echtem Leder zu unterscheiden sind. Echtleder ist jedoch viel robuster und zudem atmungsaktiv und schwer entflammbar. Auch für Menschen mit Hautproblemen ist Echtleder unproblematisch.

Kunstleder (oder auch Textilleder) kann am laufenden Band produziert werden, darum ist es auch günstiger. Meist lässt es sich etwas leichter verarbeiten und Wasser lässt nicht so starke Ränder zurück wie auf echtem Leder. Kunstleder wird jedoch nicht immer vegan produziert. Hier ist etwas Recherche nötig!

Kunstleder
Kunstleder

Echtleder weist eine eindeutige Laufrichtung quer zum Haarwuchs des Tieres auf. Kleine Projekte sollten auch immer in Laufrichtung zugeschnitten werden, da es reißen könnte, wenn man es im 90°-Winkel zuschneidet oder ausleiert, wenn man es diagonal verwendet. Bei größeren Projekten wie Taschen fällt die Laufrichtung insofern ins Gewicht, als dass es heller oder dunkler wirken kann, wenn es gegengleich vernäht wird. Bei Wildleder soll aus diesem Grund auch alles in dieselbe Richtung zugeschnitten werden.

Echtleder
Echtleder

Was für Ihre Zwecke besser ist, hängt davon ab, ob sie grundsätzlich mit Echt- oder Kunstleder arbeiten möchten. Wenn das für Sie keinen Unterschied macht, helfen Ihnen vielleicht folgende Hinweise weiter:

  • Überall, wo es der Witterung ausgesetzt ist (z.B. an Fahr- und Motorrädern eignet sich Kunstleder besser, da es robuster ist.
  • In Autos wird hauptsächlich „Textilleder“ verbaut. Echtleder wird nur vereinzelt verwendet und in dem Fall wird auch fast immer ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich um Echtleder handelt. Zumeist sind aber auch dann nur einige Bereiche damit ausgestattet und für den Rest wird Kunstleder verwendet.
  • Möbelstücke mit Sitzflächen machen sich aus Echtleder besser, da Kunstleder recht schnell unschöne Risse bekommt.

Leder kaufen

Woher bekomme ich Lederstücke zum Üben?

Wenn Sie nur kleine Lederstücke benötigen, fragen Sie zuerst im Bekanntenkreis nach ausgemusterten Kleidungsstücken. Größere Reststücke können oft im Onlinehandel als Überraschungspakete günstig bestellt werden.

Zuschneiden

Am besten schneiden Sie es mit einem Rollschneider (zusätzlich mit einem kleinen Rollschneider für die Rundungen), einer speziellen Lederschere, einem Teppich- oder Ledermesser. Es wird immer einlagig zugeschnitten (auch Stoffteile, die sonst im Bruch zugeschnitten werden), da im Bruch nicht exakt zugeschnitten werden kann. Verzichten Sie dabei auf Stecknadeln, da diese unschöne Löcher hinterlassen. Stattdessen verwenden Sie Gewichte, um das Schnittmuster direkt auf dem Leder zu beschweren oder kleben den Schnitt auf. Bitte zeichnen Sie das Leder niemals auf der rechten Stoffseite an. Kreide ist zwar leicht abzuwischen, kann jedoch langfristig eine Einkerbung davontragen.

Schneiden Sie immer langsam und genau! Die Schere setzen Sie dabei immer möglichst weit in Handnähe an und schließen die Klingen nicht vollkommen, da sonst Abdrücke und Versätze entstehen können.

Beim Zusammenfügen der einzelnen Lederteile verwenden Sie ebenfalls Wonder-Tape oder auch Wonder-Clips. Letztere sind mittlerweile in vielen verschiedenen Größen erhältlich.

Mit der Nähmaschine nähen

Aufgrund der Dicke der meisten Lederarten sind in der Nähmaschine stärkere Nadeln notwendig als für das Nähen von Jersey. Für besonders dünnes und weiches Lammleder kommen Sie bestimmt noch mit einer Jersey- oder Jeansnadel aus, die sie auch sonst in Ihrer Nähmaschine verwenden, aber bei allem, was an Dicke darüber hinaus geht, benötigen Sie spezielle Ledernadeln.

Auch das Garn muss extra ausgewählt werden. Je dicker das Lederstück ist, umso dicker muss auch das Garn sein, da es sonst zu leicht reißt. Es gibt dafür spezielles, extra starkes und reißfestes Garn. Achten Sie dabei auf gute Qualität! Hier zahlt sich die Investition aus!

Damit alles gut gleitet, sollten Sie einen beschichtetet Nähmaschine n-Fuß verwenden. Alternativ können Sie auch einen Rollfuß oder einen Obertransportfuß in Ihre Nähmaschine einsetzen. Außerdem hilft es, wenn man ein Stück Zeitungspapier unterlegt, welches man nach dem Nähen einfach abreißen kann.

Leder nähen

Da die meisten Lederarten viel dicker und härter als andere Bekleidungsstoffe ist, sollten Sie den Fadendruck verringern. Probieren Sie dazu an einem kleinen Lederstück verschiedene Einstellungen aus.

Auch die Stichlänge ist ein wichtiger Punkt. Mit der Ledernadeln zerschneiden Sie den Stoff und es bleibt ein Loch, selbst wenn Sie den Faden wieder entfernen. Sitzen die Nahtlöcher zu knapp zusammen, wird die Naht sozusagen perforiert und reißt leichter. Das ist ja nicht Sinn und Zweck der Sache. Ich empfehle mindestens eine Stichlänge von 3 (für dünne und weiche Lederarten) bis 3,5 mm (für alle stärkeren Lederarten).

Leder nähen

Tipp: Wenn Sie keine speziellen Nähfüßchen haben, können Sie auch direkt an Ihrem Nähfuß etwas Papier oder Krepp-Papier ankleben.

Leder von Hand nähen

Wenn Sie Ihr Nähprojekt mit Lederhaut von Hand umsetzen möchten, gibt es auch hierzu eine Vielzahl spezieller Nähnadeln, wie Näh-Ahlen, Sattler-Nadeln, Segeltuchnadeln und viele mehr. Mit einer Lederahle wird beispielsweise die Naht vorgestochen, um denn mit der Nadel nicht mehr durchstechen zu müssen und das Garn gut gleitet. Damit die Stiche beim Nähen von Hand gleichmäßig werden, kann man die Durchstichpunkte vorab mit einem Nahtabstandsmarkierer vormerken. Für diesen gibt es mehrere Aufsätze mit unterschiedlichen Durchmessern.

Wenn Sie öfter Lederhaut von Hand bearbeiten wollen, könnte sich auch ein Rillenzieher zum Versenken der Nähte bezahlt machen. Im Fachhandel erhalten Sie außerdem auch zum Nähen von Hand spezielles gewachstes Garn und Lederbänder.

Ideen

Was kann man aus Leder nähen?

Produkte, die mit speziellen Arbeitswerkzeugen wie Schuhe überlässt man zumeist lieber dem Profi, aber Kleidungsstücke wie Hosen, Röcke, Jacken, Mäntel und Gilets können ohne weiteres auch selbst gefertigt werden. Auch Täschchen, Taschen, Rucksäcke, Hüte, Geldbörsen und Babyschuhe sind mit etwas Übung umsetzbar. Größere Projekte wären Bezüge für Möbel wie Hocker, Stühle, Bänke, Arbeitstische und Türen. Auch Lederpolsterbezüge, Yogakissen und Sitzsäcke können Ihrem zu Hause das gewisse elegante Extra verleihen. Kleinere, aber nicht minder zeitaufwendige Projekte sind Armbänder, Halsketten, Quasten, Schlüsselanhänger und Kabelhalter. Diese Liste lässt sich beliebig fortsetzen.

Lederpflege

Gerade bei Echtleder zahlt sich gute Pflege aus, denn dadurch hält es länger und wird durch den geringen Abrieb unter Umständen über die Jahre sogar noch schöner. Wenn Echtleder nass wird, hängt die Pflege jedoch von der Beschaffenheit ab. Robustes und glattes Leder wischt man einfach mit einem trockenen Tuch ab. Zur weiteren Pflege verwendet man eine einfache Lederbürste, die man auch vom Reinigen der Lederschuhe kennt.

Bei Rauleder sollte man den Fleck besser vollständig trocknen lassen und anschließend ausbürsten. Das gilt auch für andere Verunreinigungen. Dazu gibt es spezielle Bürsten mit Metallborsten, die den Schmutz ausbürsten. Diese Bürsten verfügen auch über Gummi- oder Plastiklamellen, mit denen man die Oberfläche anschließend wieder aufrauen kann.

Waschbar ist grundsätzlich nur auch so bezeichnetes Waschleder. Alle anderen Lederarten sollten nach Möglichkeit nicht gewaschen werden. Zudem gibt es auch speziell entwickelte Lederpflegemittel, die sie laut Anleitung verwenden können.

Kann man Leder bügeln?

Ja, Lederhaut kann gebügelt werden. Dazu verwenden Sie am besten ein Teflon-Bügeleisen und legen ein Tuch zwischen den Bügeleisenfuß und die Lederhaut. Vorab sollten Sie an einem kleinen Stück ausprobieren, welche Temperatur und Druckstärke optimal sind. Auch das Aufbügeln von Vlieseline ist so möglich.

Die Zwirnpiratin



1 KOMMENTAR
  1. Hallo,
    ich finde den Artikel sehr spannend. Würde mich sehr freuen, wenn Sie bitte auch eine Beschreibung zum Hand-Sattlerstich mit zwei Nadeln machen könnten? Mit Vorder- und Rückseite und wie man das Nähgut einspannt.
    Braucht man eig. unbedingt einen Nähkloben od. würde für kleinere Stücke evtl. ein Feilkloben oder auch ein Schraubstock mit Kunststoffbackenschonern reichen? Letzteres habe ich schon in meiner Werkzeugkiste, aber noch nicht getraut bei Leder, weil ich Angst habe,das teure Leder evtl. zu zerstören.
    Ohne senkrechte Halterung finde ich es zu schwierig, wobei eine Freundin, die gelernte Schneiderin ist, es bei kleineren Stücken auch ohne Halterung hinbekommt.

    VG

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